Kain und Set – 1. Mose 4,16-26 in eigener Übersetzung mit Anmerkungen:
16 Kain ging aber weg von Gott und wohnte im Land Nod im Osten von Eden.
17 Und Kain war mit seiner Frau ehelich zusammen,
und sie wurde schwanger und brachte den Henoch zur Welt.
(Kain) war aber dabei, eine Stadt zu bauen.
Und er gab der Stadt nach dem Namen seines Sohnes den Namen „Henoch“.
18 Und dem Henoch wurde Irad geboren, Irad zeugte Mechujael,
Mechujael zeugte Metuschael und Metuschael zeugte Lamech.
19 Und Lamech nahm sich zwei Frauen:
der Name der einen war Ada, der Name der anderen war Zilla.
20 Ada brachte Javal zur Welt.
Der war der Vater derer, die in Zelten wohnen und Vieh (züchten).
21 Der Name seines Bruders war Juval.
Er war der, der das Saiteninstrument und die Flöte einführte.
22 Und Zilla, auch sie bekam ein Kind, den Tuval.
Der machte alles scharf, was er an Bronze und Eisen herstellte.
Und die Schwester von Tuval war Na‘ama.
23 Lamech sagte aber zu seinen Frauen:
„Ada und Zilla, hört meine Stimme,
ihr Frauen Lamechs, vernehmt meine Worte:
Ich brachte einen Mann um für meine Verwundung,
einen jungen Mann für meine Verletzung.
24 Denn Kain wird siebenfach gerächt,
Lamech aber siebenundsiebzigfach!“
25 Adam war aber weiterhin mit seiner Frau ehelich zusammen gewesen.
Sie war schwanger gewesen und hatte einen Sohn geboren
und hatte seinen Namen ‚Set‘ (Gabe) genannt,
„denn Gott hat mir einen anderen Nachkommen gegeben
anstelle von Abel, den Kain umgebracht hat.“
26 Auch Set wurde ein Sohn geboren, dessen Namen nannte er ‚Enosch‘.
Dieser setzte seine Hoffnung darauf, den Namen des Herrn anzurufen.
Anmerkungen:
1) Die hier zusammengefügten drei Abschnitte über Kain, Lamech und Set berichten, wie es nach der Geschichte mit Kain und Abel weiterging. Von Kain stammt eine Linie ab, die am Beispiel von Lamech und seinen Nachkommen zeigt, wie sie sich von Gott entfernt. „Kain ging aber weg von Gott“ – das kann ja nicht nur räumlich gemeint sein. Von Set als neuem Abel stammt eine Linie ab, die am Beispiel von Enosch zeigt, wie sie Gott treu bleibt. Diese Linie setzt sich in 1. Mose 5 bis Noah fort.
2) Woher hatte Kain seine Frau? Wenn wir der Bibel glauben, dass alle Menschen von Adam und Eva abstammen, dann mussten sich deren Kinder untereinander zusammentun. Das spätere Problem des Inzest, dass aufgrund von geschädigtem Erbgut geschädigte Kinder geboren werden, bestand am Anfang nicht. Die ersten Menschen hatten aus der Hand des Schöpfers ein vollkommenes Erbgut erhalten. Dieses war so optimiert, dass es in der Lage war, sämtliche Typen früherer und heutiger Menschen hervorzubringen. In 1. Mose 5,4 heißt es von Adam: „und er zeugte Söhne und Töchter“. Wenn Set als dritter Sohn geboren wurde, als Abel schon tot war, dann hat Eva in der Zwischenzeit Töchter geboren. Und Kain konnte sich problemlos eine davon zur Frau nehmen.
3) Bei Lamech und seiner Familie sind etliche Dinge genannt, die unter der Überschrift „weg von Gott“ den Weg ins menschliche Desaster andeuten:
Lamech mit den zwei Frauen ist der Erstgenannte, der in Polygamie lebte.
Javal als Vorfahre derer, die in Zelten wohnen, könnte einen Typus des unordentlichen Herumtreibers und Vagabunden darstellen.
Juval, der Erfinder von Musikinstrumenten, könnte ein Typus derer sein, die statt mit ordentlicher Arbeit sich lieber mit Musik und Vergnügungen abgeben.
Tuval, der Erfinder der Schmiedekunst, der „alles schärfte“, war dann wohl auch der erste Waffenproduzent.
Na’ama, was übersetzt „Liebliche“ oder „Reizende“ heißt, könnte eine gewesen sein, die mit ihren „lieblichen Reizen“ zur Verbreitung der Unzucht beitrug. Warum sollte sie sonst als einzige Frau in dieser Reihe hier genannt sein?
Und Lamech selbst hat sich ja ausdrücklich als Mörder bekannt und setzt mit seinem unerbittlichen Gesetz der Vergeltung die Blutrache in Gang.
4) In gängigen Bibelübersetzungen „begann“ man „damals“ – zur Zeit des Enosch -, „den Namen des Herrn anzurufen“. Dies kommt von einer etwas eigenartigen und schwer verständlichen Formulierung des hebräischen Textes her. Die griechische Übersetzung der Septuaginta hat dagegen statt des „damals (az)“ „dieser (zä)“ gelesen. Und „dieser“ Enosch „begann“ nicht, den Namen des Herrn anzurufen, er setzte vielmehr seine Hoffnung darauf.