Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Monat: Mai 2022

Sprachen im Neuen Testament

Sprachen im Neuen Testament, also die, die uns zur Zeit von Jesus im Land Israel begegnen, sind Hebräisch, Aramäisch, Griechisch und Lateinisch.

Hebräisch ist die ursprüngliche Sprache Israels, die älteste der Sprachen im Neuen Testament. In ihr sind die Bücher des Alten Testaments geschrieben mit Ausnahme von ein paar aramäischen Kapiteln im Buch Daniel. Hebräisch als gesprochene Sprache gab es aber nur noch in Jerusalem und Umgebung. Da Paulus hier aufgewachsen ist und studiert hat, konnte er nach seiner Verhaftung in Jerusalem die Menge damit erstaunen, dass er eine Rede in Hebräisch an sie richtete. Ansonsten lernte aber jeder jüdische Junge in Israel in der Synagogenschule, die hebräischen Texte des Alten Testaments wenigstens lesen und einigermaßen verstehen zu können. So konnte auch Jesus in der Synagoge in Nazaret den Text aus Jesaja problemlos auf Hebräisch vorlesen und ohne weitere Erklärung dazusagen: „Heute sind diese Worte erfüllt vor euren Ohren.“

Aramäisch ist eine dem Hebräischen verwandte semitische Sprache, die ursprünglich in Syrien gesprochen wurde. Das Land heißt semitisch „Aram“ und griechisch „Syrien“. Deswegen ist Aramäisch und Syrisch dasselbe, genau wie Aramäer und Syrer. Durch viele Jahrhunderte der ethnischen Überfremdung war im nördlichen Teil Israels Hebräisch als gesprochene Sprache ausgestorben und das Aramäische heimisch geworden. Das betrifft auch Jesus und seine Jünger, deren Muttersprache Aramäisch war. Dass er mit seinen Jüngern aramäisch sprach, klingt an der Stelle durch, an der er Petrus als „Simon bar Jona“ anspricht, d. h. „Simon, Sohn von Jona“. „Bar“ ist Aramäisch und heißt „Sohn“. Auf Hebräisch würde es „Ben“ heißen. Auch in seiner Todesstunde am Kreuz hat Jesus aramäisch gesprochen, als er sagte: „Eloi, eloi, lema sabachtani“. Das ist zwar der Anfang von Psalm 22, aber auf Aramäisch. Und Petrus war im Hof des Obersten Priesters auch an seiner Sprache als Galiläer identifiziert worden.

Griechisch war damals die internationale Verkehrssprache des römischen Reiches. Es ist in unserer Zeit gut mit dem Englischen vergleichbar, das ja auch jeder mehr oder weniger kann und in internationalen Beziehungen sogar perfekt. Alle, die um den See Genezaret mit den Handelsstraßen und der römischen Besatzung aufwuchsen, konnten neben Aramäisch auch Griechisch. So hat auch Jesus am Ende mit Pilatus ganz sicher Griechisch gespochen. Und der ehemalige Steuereinnehmer Matthäus aus Kafarnaum konnte in dieser Sprache ein ganzes Evangelium verfassen.

Lateinisch ist die unbedeutendste der Sprachen im Neuen Testament. Sie taucht als römische Amtssprache nur an einer Stelle auf, nämlich bei der Urteilsbegründung, die Pilatus über dem am Kreuz hängenden Jesus anbringen ließ. Diese war ausdrücklich für alle lesbar in Hebräisch, Griechisch und Lateinisch geschrieben.

Als die Botschaft von Jesus über Israel hinaus zu den Nichtjuden ging, war automatisch das Griechische die entscheidende Sprache. Sie wurde von allen Völkerschaften im östlichen römischen Reich verstanden. Deshalb sind sämtliche Schriften des Neuen Testaments auch ursprünglich in Griechisch verfasst. Nur von Matthäus schreibt später Papias, ein führender Mann der Gemeinde in Hierapolis, er habe die Reden von Jesus zuerst in Aramäisch aufgeschrieben. In der Tat finden wir im Matthäusevangelium mindestens fünf längere Reden von Jesus, die auf eine solche Redensammlung zurückgehen können. Aber auch Matthäus hat sein ausgearbeitetes Evangelium auf Griechisch herausgegeben.

Natürlich wurden die griechischen Texte im Zuge der Mission auch schon früh in andere Sprachen übersetzt. Dazu gehören Aramäisch bzw. Syrisch, Lateinisch, Armenisch und äthiopische Sprachen. Auf der Suche nach dem ursprünglichen Text landet man aber immer beim Griechischen.

Im Geist

Es gibt einen Ausdruck im Neuen Testament, den ich oft gesehen, aber auch irgendwie überlesen habe, vermutlich, weil ich mir nicht so viel darunter vorstellen konnte. Am Anfang der Offenbarung z. B. schreibt Johannes: „Am Tag des Herrn war ich im Geist.“ Dieser Ausdruck „im Geist“ taucht bei genauem Hinsehen recht oft im Neuen Testament auf.

Dieses Phänomen des geistlichen Lebens war damals offenbar allgemein bekannt, denn es wird zwar genannt, aber niemand findet es für nötig, es zu erklären. Und dann muss es mit der Zeit im Zuge der Verkirchlichung aus dem christlichen Bewusstsein verschwunden sein. Ich erinnere mich auch nicht, je eine Auslegung oder Erklärung darüber gehört oder gelesen zu haben. Andererseits scheint es im Neuen Testament eine so zentrale Bedeutung zu haben, dass wir alles daransetzen sollten, es wieder für uns zu gewinnen.

Ich will jetzt auch nicht irgendwelche erste eigene Gedanken dazu schreiben, sondern erst einmal als Grundlegung in chronologischer Reihenfolge alle Stellen aufführen, an denen es im Neuen Testament vorkommt. Dabei ist das eine deutlich, dass es sich bei diesem „im Geist“ nicht um eine Aussage über den menschlichen Geist handelt, denn an einigen Stellen heißt es ausdrücklich „im Heiligen Geist“ oder „im Geist Gottes“.

Ich würde mich freuen, dazu Rückmeldungen zu bekommen, wenn jemand mehr darüber weiß oder von Gott her Aufschluss bekommt. Ich möchte das gerne in meine Überlegungen mit einbeziehen und dann sicherlich noch einen Beitrag dazu schreiben. Und hier die Bibelstellen:

Lk. 2,27 – Simeon: „Im Geist kam er auf das Tempelgelände, als auch die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um das vom Gesetz her Gewohnte mit ihm zu tun. Und er nahm es in die Arme und pries Gott …“

Lk. 4,1 – Jesus: „Jesus, erfüllt von Heiligem Geist, wandte sich ab vom Jordan und ließ sich im Geist führen in der Wüste …“

Joh. 4,23+24: „Aber es kommt eine Zeit, und es ist jetzt, dass die wahren Anbeter den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit. Und der Vater sucht ja solche, die ihn so anbeten. Gott ist Geist; und die, die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

Lk. 10,21 – Jesus: „Zu dieser Zeit jubelte Jesus im Heiligen Geist: ‚Ich lobe dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du diese Dinge verborgen hast vor Weisen und Einsichtigen und enthüllt hast für Unmündige! Ja, Vater, so war es beschlossen bei dir.'“

Mt. 12,28 – Jesus: „Wenn ich aber im Geist Gottes die dämonischen Geister hinauswerfe, ist offenbar das Reich Gottes zu euch gekommen.“

Mk. 12,36 – David: „Er selbst, David, hat im Heiligen Geist gesagt: ‚Der Herr hat meinem Herrn gesagt: Sitz an meiner rechten Seite, bis ich deine Feinde hinstelle als Schemel für deine Füße!'“

1.Thess. 1,4+5 – Paulus und seine Mitarbeiter: „Wir wissen, von Gott geliebte Geschwister, wie es war, als ihr ausgewählt wurdet, dass unsere Botschaft nicht nur in Worten zu euch kam, sondern auch in Kraft, im Heiligen Geist und in großer Überzeugung.“

Apg. 18,25 – Apollos: „Der unterrichtete den Weg des Herrn, sprach sprudelnd im Geist und lehrte die Dinge über Jesus genau, er kannte aber nur die Taufe des Johannes.“

Apg. 19,21 – Paulus: „Nachdem diese Dinge ausgeführt waren, stellte Paulus im Geist (den Plan) auf, durch Mazedonien und Achaia zu gehen, und danach nach Jerusalem zu fahren. Und er sagte: „Wenn ich dort gewesen bin, muss ich auch Rom sehen!“

1.Kor. 12,3: „Niemand, der im Geist Gottes spricht, sagt: ‚Verflucht ist Jesus!‘ Und niemand kann sagen ‚Herr ist Jesus!‘, außer im Heiligen Geist.“

1.Kor. 14, 16: „Wenn du Gott preist im Geist, wie soll der, der den Platz des Unwissenden ausfüllt, das Amen sagen auf deinen Dank, nachdem er nicht weiß, was du sprichst?“

2.Kor. 6,3-6 – Paulus: „Wir geben niemandem mit nichts einen Anstoß, damit der Dienst nicht in Verruf kommt, sondern beweisen uns in allem als Gottes Diener: in großer Ausdauer, in Bedrängnissen, in Zwangslagen, in Notlagen, in Schlägen, in Inhaftierungen, in Unruhen, in Mühen, in Schlaflosigkeit, in Fasten, in Reinheit, in Erkenntnis, in Geduld, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe, …“

Röm. 2,28+29: „Nicht der ist nämlich ein Jude, der es im Sichtbaren ist, und nicht das am Körper Sichtbare ist Beschneidung, sondern der ist ein Jude, der es im Verborgenen ist, und er hat Beschneidung des Herzens im Geist, nicht mit Buchstaben. Dessen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.“

Röm. 8,8+9: „Die nach der menschlichen Natur leben, können Gott nicht gefallen. Ihr aber lebt nicht nach der menschlichen Natur, sondern im Geist, wenn denn Geist Gottes in euch wohnt.“

Röm. 9,1+2 – Paulus: „Wahrheit sage ich im Messias, ich lüge nicht, mein Gewissen bestätigt es mir im Heiligen Geist, dass ich große Trauer und unablässigen Schmerz in meinem Herzen habe. …“

Röm. 12,11: „Im Geist – seid sprudelnd!“

Röm. 14,17: „Das Reich Gottes ist doch nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“

Röm. 15,16: „… ein Diener des Messias, Jesus, für die Nichtjuden zu sein, indem ich Priesterdienst tue mit der Botschaft Gottes, damit die Nichtjuden als Opfergabe willkommen sind, heilig geworden im Heiligen Geist.“

Eph. 2,21+22: „In ihm wird das ganze Bauwerk zusammengefügt und wächst zu einem heiligen Tempelhaus im Herrn, in dem auch ihr mit aufgebaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

Eph. 3,5: „Dieses wurde den Menschenkindern in anderen Generationen so nicht bekannt gemacht, wie es jetzt seinen heiligen Gesandten und Propheten enthüllt wurde im Geist: …“

Eph. 5,18: „Betrinkt euch auch nicht mit Wein, darin ist Zügellosigkeit, lasst euch vielmehr füllen im Geist: …“

Eph. 6,18: „Bei allem Beten und Bitten betet bei jeder Gelegenheit im Geist und wacht dazu mit Dranbleiben und Bitten über alle Heiligen!“

Judas 20: „Ihr aber, Geliebte, baut euch auf in eurem heiligsten Glauben, indem ihr im Heiligen Geist betet!“

1.Petr. 1,12: „… durch die, die euch die Botschaft brachten im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt wurde.“

Offb. 1,10 – Johannes: „Am Tag des Herrn war ich im Geist. Und ich hörte hinter mir eine gewaltige Stimme wie ein Hornsignal: …“

Offb. 4,2: „Sogleich war ich im Geist.“

Offb. 17,3: „Und im Geist brachte er mich weg in eine Wüste.“

Offb. 21,10: „Und im Geist brachte er mich weg auf einen großen und hohen Berg, und er zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam: …“