Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

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Jesus und die Feste

(Jesus und die Feste – ein Auszug aus dem Kapitel „Die Feste in Jerusalem“ im Buch „Kennst du das Land?“. Ludwig Schneller schreibt darin aufgrund seiner Beobachtungen, die er in den Jahren 1884 bis 89 im damaligen Palästina gemacht hat.)

Schon an jenem Laubhüttenfest (sein letztes im Herbst 29) war Jesus das Tagesgespräch. Wider eigenes Vermuten war er noch gekommen, und sein Erscheinen erregte allgemeines Aufsehen. Bestimmte Beschäftigungen hatten ja die Festpilger, welche acht bis vierzehn Tage in Jerusalem blieben, nicht. Um so mehr fanden sie Muße, solche Angelegenheiten, Hoffnungen, Befürchtungen, welche die ganze Nation betrafen, mit bekannten und unbekannten Volksgenossen zu besprechen.

Ähnlich ist es auch heute noch bei den Festpilgern in Jerusalem. Die gemeinsamen Angelegenheiten bewegen sie mehr als sonst. So sind auch die Muhammedaner nie so fanatisch wie bei ihren religiösen Festen oder zur Zeit der Mekka-Pilgerfahrt. Und man tut als Christ wohl daran, dieselben in dieser Zeit nicht zu reizen.

So bildete auch bei den alten Festen „die Hoffnung Israels“ das Tagesgespräch. Es mochte damals unter den tausenden von Laubhütten in und um Jerusalem wohl kaum eine geben, in welcher nicht aus Anlass de Anwesenheit und der Worte Jesu die Frage des Messias erörtert worden wäre. Sobald er im Tempel erschien, sammelten sich sofort in den Höfen dichte Volkshaufen um ihn. Und gerade weil er nicht als offizieller Lehrer auftrat, gestalteten sich seine Reden oft zu den lebhaftesten Debatten.

Das Interesse für ihn war um so mehr angeregt, als durch die zusammenströmenden Karawanen gerade in den Festtagen alle Nachrichten von seinen Reden und Taten wie in einem Brennpunkt zusammentrafen. Und es ist keineswegs nur Zufall oder nur im Interesse der Chronologie, dass wir die Dauer der Wirksamkeit Jesu stets nach den Festen einteilen, welche er besucht hat. Wer die Geschichte Jesu kennt, der weiß, dass gerade die Feste Jerusalems Brennpunkte und Wendepunkte waren für die Stellungnahme Israels zum Herrn.

In den festlosen Zeiten hatte Jesus verhältnismäßig Ruhe. Aber in den Festzeiten geriet alles in Bewegung und Fluss. Und aus diesem Grund zog Jesus zu den Festen hinauf nach Jerusalem wie ein Feldherr, der in die Entscheidungsschlacht zieht. Denn entscheiden konnte sie seine Sache nur in Jerusalem, und niemals passender als an einem der Nationalfeste. Hier traf er nicht nur auf die Hohenpriester und die leitenden Kreise Israels, sondern auf das gesamte feierlich versammelte Volk. Darum sind jene Feste die bedeutsamsten Zeiten im Leben des Herrn. Hier hat er seine ganze Energie zusammengefasst, hier hat er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, Zeugnis abzulegen vor allem Volk.

Fast möchte man sagen: noch mehr Plan und Vorbedacht als sonst zeigen seine Jerusalemer Reden. Nicht einzelne Lehren über Versöhnlichkeit, christliche Sorglosigkeit, Privatgebet, persönlichen sittlichen Wandel vernehmen wir da, wie in seinen galiläischen Reden. Sie beziehen sich vielmehr ausschließlich auf die große Fage, ob Israel die Wahrheit, das Leben, das Licht, seinen Messias annehmen wolle oder nicht. Sie drehen sich immer um seine eigene Person als den Sohn Gottes. Hier musste dies alles gesagt werden, so sehr es auch Anstoß erregen mochte, „auf dass die keine Entschuldigung haben“. Hier allein konnte Jesus vor dem ganzen Volk Israel reden.

Darum die ernsten und grundsätzlichen Auseinandersetzungen mit dem Volk und seinen Obersten. Darum hat Jesus dort jeden möglichen Ton angeschlagen, den Ton ernster Warnung und Drohung, den Ton lockender Liebe des guten Hirten, den Ton schmerzlicher Wehmut: „Warum kennt ihr den meine Sprache nicht? Ihr könnt ja mein Wort nicht hören!“ Welches ungeheure Aufsehen gerade diese seine Reden erregt haben, zeigt am deutlichsten der Umstand, dass man mehrmals nach solchen Reden versuchte, ihn zu fangen oder zu steinigen.

Auf seinen Festen allein konnte sich Israel entscheiden und hat es auch getan. Auch aus diesem Grund galt es: „Es tut’s nicht, dass ein Prophet umkomme, außer in Jerusalem!“ (Lk 13,33). An einem Fest wurde er auch getötet. Es war das traurigste Fest, das Israel veranstaltete, das aber aus Nacht in Licht umschlug, in ein Fest ewiger Erlösung für alle Welt.

Nicht zurückgezogen von der festlichen Karawane, wie bei jenem Laubhüttenfest im Herbst, sondern inmitten der festlichen Scharen ging Jesus im nächsten Frühling zu diesem letzten Passafest hinauf gen Jerusalem. Von Ephraim in Juda brach er auf nach der Hauptstadt. Schon zogen von allen Seiten die Scharen dorthin, als er nahe bei Jericho zu einer Festkarawane stieß, unter welcher er wohl manches bekannte Gesicht begrüßte. Viele der Galiläer liebten den Herrn. Und dass er gleich in Jericho so öffentlich einige Wunder tat, erfüllte sie mit hohen Erwartungen. Erstaunt waren sie freilich darüber, dass er so offen und furchlos mit ihnen ging. Denn wie man in Jerusalem gegen ihn gesinnt war, konnte keinem Besucher der Feste verborgen sein.

Von Jericho bis Jerusalem hatten sie noch eine kleine Tagesreise zurückzulegen. Jesus ging gelassen unter den Pilgerscharen hinauf von Tal zu Tal, von Hügel zu Hügel, mit seinen Jüngern eine besondere Gruppe bildend. Die Karawane konnte bei dem schluchtenreichen Charakter der Wüste nicht immer eng geschlossen bleiben. Die ersten mochten von den letzten wohl eine Viertelstunde oder mehr entfernt sein. Die einen gingen zu Fuß, wie Jesus und seine Jünger. Die anderen ritten auf Eseln und Maultieren, welche zugleich ihr Gepäck trugen. Die kleine Gruppe, mit welcher Jesus, der Prophet, einen Wanderstab vielleicht in der Hand, dahinschritt, bildete den Mittelpunkt des Interesses der Karawane. Dass er sich endlich einem solchen festlichen Zug anschloss, dass seine Sache endlich zum Durchbruch kommen musste, das versetzte sie in eine gehobene Stimmung. Sie träumten wohl schon von einem glänzenden Einzug in Jerusalem.

Im großen Gegensatz hierzu und zu den Festpsalmen standen die Worte Jesu. Er wusste, dass die Todesstrafe wartete, und ruhig besprach er die kommenden Ereignisse mit den Jüngern. Aber auch sie wollten heute vom Sterbegedanken nichts wissen. Gestern oder vorgestern schon hatte Salome für ihre Söhne um die beiden Ehrenplätze in dem Reich gebeten, das Christus da droben in Jerusalem aufrichten sollte. Damals hatten sich die anderen Jünger darüber geärgert. Aber der Gedanke hatte doch auch für sie eine eigentümliche Anziehungskraft. Die frohe Stimmung der Festkarawane wirkte ansteckend auf sie. In weiter Ferne sahen sie schon von Jericho an von jeder Höhe der zahlreichen Hügel die Spitze des Ölbergs. Dort, hinter dem Berg, lag Jerusalem, die Königsstadt Davids, des Ahnherrn Jesu, mit ihren strahlenden Zinnen. Darum stritten sie, während Jesus, den keiner verstand, allein vorausgung (Mk 10,32), um die ersten Plätze in seinem Reich.

Ein schmerzliches Lächeln mag beide Male auf seinem Antlitz gelegen haben, als er solche Hoffnungen zurückwies. Sie wussten wirklich nicht, was sie gebeten und worum sie gestritten hatten. Sie sahen da drüben hinter den Bergen nur eine hellschimmernde Königskrone, die ihres Meisters Haupt zieren sollte. – Er sah eine Dornenkrone und ein blutig bleiches Angesicht und wusste, dass seine Jünger allerdings diese Krone mittragen sollten.

Aussagen bekannter Christen

(Aussagen bekannter Christen sollen zu verschiedenen Themen und aus verschiedenen Blickwinkeln Anregungen zu geistlichem Denken geben:)

„Gib DICH mir und nimm mich dafür hin!
Mache, was du willst, in allen Sachen, die ich meine zu bedürfen,
die mir zum Vergnügen und Nutzen sein könnten –
gib sie mir oder gib sie mir nicht!
Gib nur DICH her!“
(Ein Gebet von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf)

Der allmächtige Gott, den nichts etwas kostet,
dem nichts zu teuer für die Menschen gewesen ist,
ist der sparsamste und langsamste Gott.
Das Gesetz seiner Wirtschaftlichkeit von Zeit,
womit er in Geduld die Früchte abwartet,
sollte unsere Richtschnur sein.
(Johann Georg Hamann)

Der Tempel

(Der Tempel – ein leicht gekürzter Auszug aus dem Kapitel „Die Feste in Jerusalem“ im Buch „Kennst du das Land?„. Ludwig Schneller schreibt darin aufgrund seiner Erfahrungen, die er in den Jahren 1884 bis 89 im damaligen Palästina gemacht hat.)

Der Tempel des Herrn war der Mittelpunkt der Festfreude in Israel. Der geneigte Leser darf sich hierunter freilich nicht etwa ein Versammlungsgebäude für das Volk vorstellen. Der Tempel hatte niemals die Bestimmung, eine andächtige Gemeinde in sich aufzunehmen. Vielmehr durfte denselben niemand betreten außer den Priestern. … Der eigentliche Tempel war ein viel kleineres Gebäude, als die meisten Bibelleser sich vorstellen, nicht größer als eine gewöhnliche Dorfkirche.

Das Volk aber blieb, und das entspricht ganz den orientalischen Sitten, im Freien. Die großen Vorhöfe, deren geräumige Ebene rings von prächtigen Säulenhallen umgeben war, waren weit und ausgedehnt genug, um eine außerordentliche Volksmenge zu fassen. Zur Erbauung für die einzelnen Gemeinden hatten die Israeliten ihre Schulen oder Synagogen. Auch in den offenen Säulenhallen des Tempels saßen, wie z. B. in der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus, die Schriftgelehrten und erklärten die heiligen Schriften.

Die zahlreichen Räumlichkeiten und Gebäude, welche zum Tempel gehörten, waren für nationale Zwecke bestimmt. Dort sah man die Schatzkammern, die Arsenale mit Waffen und Beutestücken. Dort waren auch Sitzungssäle des Hohen Rats, weltliche und geistliche Gerichtshöfe, Ministerien, Schulen und Akademien usw.. Somit war der Tempel mit seinen zugehörigen Baulichkeiten nicht nur eine Kultstätte. Namentlich in den Zeiten der Blüte war er vielmehr das erste Staatgebäude, der Mittelpunkt der geistlichen und weltlichen Regierung. In ihm liefen alle Fäden des öffentlichen Interesses aus dem ganzen Land zusammen.

Inmitten all dieser Gebäude stand der eigentliche Tempel, der Stolz jedes Israeliten. In seiner fast märchenhaften Pracht muss er zur Zeit von Jesus einen überwältigen Eindruck gemacht haben. Aus weißschimmerndem Marmor war er erbaut und ringsum mit goldenen Platten bedeckt. Wenn die ersten Strahlen der aufsteigenden Sonne vom Ölberg her ihn trafen, glänzte er wie ein leuchtendes Schneegebirge. Und der Zuschauer musste sein Auge von dem blendenden Licht abwenden.

Und bis zum heutigen Tag ist der alte Tempelplatz das Erhebendste und Schönste, was man in Jerusalem sehen kann. Zugleich ist es derjenige Ort, dessen historsiche Gewissheit unter all den zweifelhaften „heiligen Stätten“ unanfechtbar dasteht. Dort steht die Perle der Bauten des Ostens, die Omarmoschee, ein muhammedanisches Gebetshaus von wunderbarer, edler Schönheit. Dessen würdevoller Ernst wird niemals durch ähnliche empörende Auftritte entweiht, wie sie in der Grabeskirche und Geburtskirche gewöhnt sind. Rings um dies Gebäude dehnt sich der Tempelplatz, eine weite viereckige Terasse. Salomo hat sie zum Teil vor 3000 Jahren durch gewaltige Unterbauten und Stützmauern, welche sich aus dem Kidrontal erhoben, zu einer gleichmäßigen Hochfläche gestaltet hat.

Das ist der Raum, auf welchem einst Israel bei den Festen des Herrn auf- und abwogte. Hier begrüßten sich die feiernden Scharen mit grünen Palmzweigen. Das ist der Raum, auf welchem einst die Psalmen Davids unter ihrem heimatlichen Himmel erschollen unter dem Klang der Pauken und Cymbeln, der Klarinetten und Harfen. Das ist der Raum. auf welchem einst auch Jesus Christus an den Festen stand und zum Volk redete von dem Licht der Welt, das nur noch eine kleine Weile bei ihnen sein sollte.

Die Feste in Jerusalem

(Die Feste in Jerusalem – Abschnitte aus dem Kapitel „Die Feste in Jerusalem“ des Buchs „Kennst du das Land?„. Ludwig Schneller berichtet aufgrund seiner Beobachtungen und Erfahrungen, die er im Palästina der Jahre 1884 bis 89 gemacht hat.)

„Jerusalem ist gebaut, dass es eine Stadt sei, da man zusammenkommen soll, da die Stämme hinaufgehen sollen, nämlich die Stämme des Herrn, zu predigen dem Volk Israel, zu danken dem Namen des Herrn!“ (Ps 122,3-4). Diese Bedeutung, welche vor Jahrtausenden der heilige Sänger ausgedrückt hat, ist Jerusalem bis zum heutigen Tag geblieben. Bekanntlich sollte jeder erwachsene Israelit jährlich dreimal in Jerusalem „vor dem Herrn“ erscheinen.

Vielleicht hat schon mancher gedacht, es sei wohl etwas viel verlangt gewesen, jedermann aus den entferntesten Landesteilen dazu zu verpflichten. Aber das Land war nicht so groß, dass man Jerusalem nicht von überall her in einigen Tagereisen hätte erreichen können. Und den Israeliten waren ihre Festreisen, welche selbst die Gesetzestreuen nie peinlich genau jedesmal ausführten, kein Muss. Sie waren vielmehr eine außerordentliche Freude. Die Feste Israels waren Nationalfeste. … Und Israel liebte seine Volksfeste, als es noch nicht zerstreut war, sondern von den heimatlichen Bergen Palästinas hinaufschaute nach dem königlichen Jerusalem, dem Stolz und der Krone des Landes.

Der heutige Bewohner von Palästina kann sich von dem bewegten Treiben auf jenen Festen einigermaßen eine Vorstellung machen. Denn bis zum heutigen Tag werden die Hauptfeste nicht draußen in den Dörfern oder Landstädten gefeiert. Sie werden in Jerusalem gefeiert, welches beim ganzen Volk den Namen „El Kuds“, das ist „die Heilige“, führt. Schon beim Weihnachtsfest, wo die Hauptfeier natürlich in Betlehem stattfindet, kann man Ähnliches beobachten wie auf den alten Festen. Aber komm erst einmal auf ein Osterfest nach Jerusalem, da findest du den Höhepunkt aller Festfeier des Jahres. Da strömen wie in alten Zeiten die Festkarawanen von allen Seiten nach Jerusalem. Zu Fuß, zu Esel, zu Pferd und neuerdings auch zu Wagen ziehen sie daher von allen Gegenden „hinauf nach Zion“. …

Selbst unter den Muhammedanern wird es lebendig, als ob die Erinnerungen an die früheren Bewohner des Landes in ihnen erwachten. Aus allen muhammedanischen Ländern, selbst aus Afghanistan und dem fernen Indien kommen die weißbeturbanten Gestalten ins „heilige Land“ gezogen, um am heiligen Felsen der Omarmoschee und am Grabmal Moses des Propheten anzubeten. Dies geschieht hauptsächlich am „Nebi Musa“-Fest zur Osterzeit … Als Pilger wallen dann diese Fremden mit den Scharen muhammedanischer Landeskinder am Fest zu Tausenden nach Nebi Musa. Das ist das vermeintliche Grab Moses zwischen Jerusalem und Jericho. Es macht einen eigentümlichen Eindruck, diese Scharen des falschen Propheten dort durch dieselben Berge und Täler wallfahren zu sehen, auf welchen einst Israel, und Jesus Christus mit, zu den Festen des Herrn emporpilgerte vor Jahrtausenden. …

Die Lust, welche die Palästinenser zu solchen Festwallfahrten an den Tag legen, stammt gewiss aus den alten Zeiten des Landes. So freute sich auch in Israel jedermann, zu den Festen hinaufzuziehen nach dem hochgebauten Jerusalem. Da sahen sich alte Bekannte wieder aus allen Teilen des Landes. Neue Freundschaften wurden geschlossen. Das ganze Volk, sonst vereinzelt und zerstreut in seinen Hütten, wurde hier vereinigt. Es lernte sich kennen, lieben und als Ganzes erfassen. Nichts trug so sehr dazu bei, den Gedanken der nationalen Einheit auf dem Grunde der Einheit der Religion und des Tempels zu fördern und freudig zu beleben, wie die nationalen Feste.

Wenn daher die Festzeiten kamen, wollte jeder „dagewesen“ sein. Und wem immer sein Geschäft und seine Verhältnisse die Reise erlaubten, der machte sich auf zur frohen Fahrt. Freilich diejenigen Israeliten, welche jährlich alle drei Feste besuchten, mögen nur in der Umgebung von Jerusalem zu finden gewesen sein. Aus entfernteren Gegenden kamen wohl die meisten jährlich nur einmal, wie z. B. die Eltern von Jesus (Lk 2,14) zum Passahfest. Die meisten Besucher sah aber das populärste aller großen Volksfeste, das Laubhüttenfest.

Wie lebhaft entsteht auf demTempelplatz vor unseren Augen das Bild jener Feste, von denen die Evangelien berichten! Das froheste Fest war das Laubhüttenfest. Auch Jesus hat nach Joh 7,2ff. ein solches besucht, obgleich er zuerst bestimmt beabsichtigt hatte, dasselbe nicht zu besuchen. Seine Brüder waren schon dort, wie auch das übrige Volk, welches einige Tage vor Festanfang zu kommen pflegte, um sich noch rechtzeitig Laubhütten zu bauen.

Auf den Tempelhöfen, draußen vor dem goldenen Tor und übers Kidrontal hinweg bis zur Höhe von Betfage wohnte alles in Laubhütten. Und in der Stadt, auf den platten Dächern, auf Straßen und Märkten waren überall Laubhütten errichtet, in welchen ein fröhliches Volk feierte. Die ganze Hauptstadt schien in ein Zeltlager verwandelt.

Auch der Tempel prangte in heiligem Schmuck. Die herrlichen Säulenreihen waren nach orientalischer Weise mit farbigen Teppichen behangen, grünes Laub schimmerte von allen Säulen. Vom frühen Morgen an wogte das Volk auf und ab in den weiten Vorhöfen, deren Raum rings um die Omarmoschee jetzt so verlassen und einsam steht. Und wenn die Sonne untergegangen war, entfaltete sich nachts eine neue Pracht, welche die des Tages zu überflügeln trachtete. Wie in einer sogenannten italienischen Nacht blitzte und schimmerte es in den Vorhöfen und Säulenhallen von vielhundert Lichtern und Fackeln. Große goldene Leuchter, prächtige Lampen hingen in den Vorhöfen. Ihr schimmerndes Licht brach sich an Säulen und Wänden und machte die Formen der herrlichen Gebäude durch die dunkle Nacht bis zum stillen Ölberg sichtbar.

Und wenn der Herr spätabends hinüberwanderte übers Kidrontal und über den Ölberg nach Betanien, dann mag er sich wohl umgewandt haben nach der geliebten Stadt. Dann sah er ein schimmerrndes Lichtermeer, aus dessen Mitte sich, wie in zauberhaftes Licht getaucht, die stolzen Linien des majestätischen Tempels deutlich und ernst abhoben aus der dunklen Nacht.

Was mich schaudern macht

(Was mich schaudern macht – ein Abschnitt aus dem Artikel „So also steht die Sache“ von Sören Kierkegaard. Veröffentlicht in seiner Zeitschrift „Der Augenblick am 31. Mai 1855.)

An dem, was bisher geschehen ist, macht mich nur eines schaudern. Und wieder schaudert mich, wenn ich bedenke (was ich wohl weiß), dass ich mit meinen Worten nicht einmal verstanden werde.

Was mich schaudern macht, ist Folgendes. Während mein Leben in Bekümmernis um das Heil der Seele einen Kampf – gegenüber den Herrlichen vor mir freilich einen schwachen Kampf – für die Ewigkeit ausdrückt, stehe ich inmitten eines Geschlechts, das sich für diese Sache höchstens als Publikum interessiert. In einer flüchtigen Stimmung lässt man sich vielleicht von meinen Worten ergreifen. Im nächsten Augenblick darauf beurteilt man sie ästhetisch. Im Augenblick darauf liest man die Gegenschriften gegen mich. Dann ist man auf meine Antwort begierig usw. usw.. Kurz, man ist Publikum.

Und ihrer keinem, keinem fällt es ein, dass auch er ein Mensch ist wie ich und demselben Los unterworfen; dass auch er in der Ewigkeit Rechenschaft ablegen muss, und dass die Ewigkeit sich gewisslich allem verschließt, was in diesem Leben nur Publikum sein wollte, „wie die anderen auch“. Sieh, das erregt mein Schaudern, dass diese Menschen in der Einbildung leben, ich sei in Gefahr, während ich doch, ewig verstanden, sofern ich wenigstens für die Ewigkeit kämpfe, weit weniger in Gefahr bin als sie.

Und nochmals schaudert mich, wenn ich bedenke, dass solches in der Christenheit vor sich geht, dass diese meine Zeitgenossen also eine Gesellschaft von Christen sind, die tausend auf das Neue Testament vereidigte Lehrer hat – und dass dann diese Menschen in Wahrheit keine Ahnung davon haben, was Christentum ist. Das ist zum Schaudern. Es ist schauderhaft für mich, dass ich mit meinen Thesen so vollständig Recht bekommen habe. Das Christentum ist gar nicht da, und das kommt von der Verkündigung des Christentums durch die „Wahrheitszeugen“:

Kaltes Wasser für Propheten

(Kaltes Wasser für Propheten – ein Auszug aus einem Artikel von Sören Kierkegaard. Er hat die Überschrift „Die Gleichzeitigkeit; was du dem Zeitgenossen tust, das allein ist das Entscheidende“. Veröffentlicht in „Der Augenblick“ am 11. September 1855.)

„Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird eines Propheten Lohn empfangen. Und wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer einem von diesen Geringen nur einen Becher kalten Wassers reicht, weil er ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch, er soll nicht um seinen Lohn kommen.“ So sagt unser Herr Jesus Christus, Mt 10,41-42.

Wahrlich, eine mehr als königliche und kaiserliche Freigebigkeit; so freigebig ist nur die Gottheit!

Und doch, sieh etwas näher zu. Es handelt sich hier darum, was man einem Zeitgenossen, was man als Zeitgenosse dem Propheten, dem Jünger tut. „Wer einem von diesen Geringen einen Becher kalten Wassers reicht“ – ja, hierauf kann doch der Nachdruck nicht liegen. Nein, der Nachdruck liegt auf dem: „weil er ein Jünger, ein Prophet ist“.

Wenn also ein Zeitgenosse sagen würde: „Ich halte den Menschen gewiss nicht für einen Propheten, für einen Jünger. Dagegen bin ich bereit, ihm einen Becher Wein zu reichen“. Oder wenn einer vielleicht bei sich im Stillen diesen Menschen für einen Jünger, einen Propheten ansähe, hätte aber, feige, nicht den Mut, sich zu seiner Überzeugung zu bekennen. Oder wenn einer dem Propheten, dem Jünger, den ja als solchen die Zeitgenossen nicht anerkennen, im Gegensatz zu den andern Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte, aber um billigeren Preis. Wenn ein solcher dann etwa sagen würde: „Ich halte ihn wohl für keinen Propheten. Aber er ist doch ein merkwürdiger Mensch, und ich mache mir ein Vergnügen daraus, ihm einen Becher Wein zu reichen.“ So müsste das eine- wie das anderemal die Antwort lauten: „Nein, mein Lieber, behalte er nur seinen Becher Wein! Davon redet die Schrift nicht.“

Sie redet nur von einem Becher kalten Wassers, den man ihm reicht. Aber man reicht ihn, weil er ein Jünger, ein Prophet ist. Und damit erkennt man ihn also voll und ganz als das an, was er in Wahrheit ist. Worauf Christus zielt, das ist die Anerkennung als als Jünger, als Prophet, und zwar von den Mitlebenden. Ob man die Anerkennung dadurch ausdrückt, dass man ein Glas kaltes Wasser reicht, oder dadurch, dass man ein Königreich schenkt, ist durchaus gleichgültig. Worauf es ankommt ist nur dies, warum man den Zeitgenossen anerkennt.

Somit ist nicht richtig, was die Besoldungspfarrer für die Pfarrbesoldung den Menschen einbilden. Da 10 Taler mehr sei als ein Glas kaltes Wasser, sagen sie, so sei es auch etwas weit Höheres, dem Propheten, dem Jünger 10 Taler zu geben, aber nicht, weil er der Prophet, der Jünger ist. Das sei mehr, als ihm ein Glas kaltes Wassers zu geben, weil er ein Prophet, ein Jünger ist. Nein, es geht vielmehr darum, dass man es darum gibt. Dass man also ausdrücken will, dass man den Menschen anerkennt für das, was er in Wahrheit ist, darauf kommt es an.

Aber es ist nicht leicht, das einem Mitlebenden zu tun. Hierzu braucht einer zwar nicht selbst ein Prophet, ein Jünger zu sein. Aber was er haben muss (und wohlgemerkt, bei redlichem Willen unbedingt auch haben kann), das ist zwei Drittel von eines Jüngers, eines Propheten Charakter. Denn einem Zeitgenossen gereicht, kann dieser Becher Wasser, oder richtiger dieses Weil, teuer zu stehen kommen. Von der Gegenwart, bei Leibesleben, wird nämlich der Prophet, der Jünger verhöhnt, gehasst, verwünscht, verabscheut, auf alle Weise verfolgt. Und verlass dich drauf: einem Jünger „als Jünger“ einen Becher Wasser zu reichen, zieht nach dem Neuen Testament mindestens Ausschluss aus der Synagoge nach sich. Damit bestrafte man ja jeden, der sich mit seinem Zeitgenossen Christus einließ.

Das wird natürlich von den Lügenpfaffen „vertuscht, verschleiert, verschwiegen, ausgelassen“. Sie schmachten ja vielmehr unter Schluchzen, Herzstößen, unterdrücktem Seufzen mit unsäglichem Verlangen danach, als Zeitgenossen Christi gelebt zu haben – um aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden, was ja natürlich der Pfründen- und Ämterjäger herzlichstes und tiefstes Verlangen ist.

Handel

(Handel – ein Abschnitt aus dem Kapitel „Vermischte biblische Spuren“ im Buch „Kennst du das Land?“ Ludwig Schneller beschreibt darin seine Erfahrungen im Palästina der Jahre 1884-89.)

Handel gehört in Palästina zu jedem Kauf, wenn man nicht exemplarisch geprellt werden will.

Neulich wollte ich in Betlehem für einen Freund eine Olivenholzarbeit kaufen. Ich fragte einen Händler um den Preis. Er antwortete: „Für gewöhnlich hundert Piaster, aber weil du es bist, siebzig.“ Wäre ich so gutmütig gewesen, wie so manche fromme Pilger, deren jährlich viele Tausende ins Land kommen, so hätte er wahrscheinlich seine siebzig bekommen und ein Trinkgeld dazu. Auch mir kam die Ware nicht allzu teuer vor. Ich besann mich aber, dass ich es mit einem arabischen Händler zu tun habe und bot zwölf. Darob furchtbarer Schreck auf der anderen Seite. Er verschwur sich hoch und teuer, das er dabei über die Hälfte einbüße. Nach langem fruchtlosem Handel ließ ich ihn stehen und ging meiner Wege.

Es verging aber nur ein Tag, da kam er demütig hergegangen und bat mich, ihm die Sache doch abzukaufen. „Wieviel willst du?“ „Vierzehn Piaster!“ „Gut“, sagte ich, „da hast du sie.“ Nun meinte ich, sehr schlau gewesen zu sein und ein vortreffliches Handeln geübt zu haben. Nach ein paar Tagen erfuhr ich aber, dass er es sonst für zehn Piaster herzugeben pflege. –

Will man einen Kauf abschließen, so wird einem gewöhnlich die Sache zuerst umsonst, als Geschenk angeboten. Im Sommer 1884 sandte ich im Auftrag des Jerusalemvereins zwei Kundschafter nach Hebron, um das Terrain zu untersuchen, und, wenn möglich, ein Haus für die neue Missionsstation zu mieten. Diese Kundschafter ritten durch das schöne Tal Eschkol, durch welches einst Josua und Kaleb, die israelitischen Kundschafter zogen, in Hebron ein. Nach langen, fruchtlosen Bemühungen wurden sie endlich von einem Efendi (Edelmann oder Regierungsbeamten) eingeladen, in sein Haus zu kommen, das er zu vermieten geneigt schien. Sie traten mit ihm ein. Und nachdem sie sich nach Landessitte etwa zehnmal guten Abend gewünscht und über allerlei Gleichgültiges gesprochen hatten, kamen sie, wie gewöhnlich, ganz zufällig und als ob das nur die Nebensache wäre, auch aufs Geschäft. Das Haus gefiel ihnen gut und sie fragten nach dem Preis.

Sie sagten ihm: „Wir wollen bezahlen, was recht ist, was denkst du wohl über die Mietsumme?“

Efendi: „Wie? Ihr fragt nach Geld? Nein, ihr Herren, ich will euch das Haus schenken!“

Die Kundschafter: „Wir danken dir sehr für deine große Liebe und Freundlichkeit. Aber wir wollen es nicht geschenkt haben; wir wollen zahlen, was recht ist!“

Der Efendi aber verneigte sich höflich und sprach: „Wie? Ist das unsere Freundschaft, dass wir nach Geld fragen sollten? Nein, ich will es umsonst geben und mich dazu.“

Die Unseren: „Du bist ein freundlicher Mann. Aber sage uns doch einen Preis, wir möchten sehen, was du darüber denkst.“

Efendi: „Ihr müsst nicht denken, dass ich aufs Geld sehe! Aber es ist ein schönes Haus!“

Die Unseren: „Ja, aber was denkst du über den Preis?“

Efendi: „Was soll der Preis zwischen mir und euch? Sind wir nicht Freunde? Aber freilich ist es ein sehr schönes Haus und mindestens hundert Napoleonsd’or Mietzins wert.“

Großes Erstaunen auf der anderen Seite. Endlich, nachdem sie sich von ihrem Schreck etwas erholt hatten, sagten sie ihm: „Nein, das ist doch gar zu viel. Soweit dürfen wir nicht gehen. Geh du ein wenig herunter!“

Aber trotz stundenlangem Handel war er absolut nicht zu bewegen, den Preis zu ändern. Und derselbe Mann, der es uns vorher schenken wollte, war so hartnäckig, dass er wiederholt versicherte, keinen roten Para würde er von seinen hundert Lira lassen. Sie mussten Hebron unverrichterter Dinge verlassen. Da, bei Halhul, dem Dorf, welches unter demselben Namen schon bei Josua vorkommt, eine gute Stunde von Hebron entfernt, hören sie Pferdegetrappel hinter sich. Ein Reiter kommt ihnen nachgeritten und holt sie wieder zurück. Der Efendi hatte sich besonnen, das Haus um siebzig zu geben. Aber soweit durften sie auch nicht gehen. Und erst, nachdem ich ihn noch einige Tage als Gast im Haus gehabt hatte und die hartnäckigsten Verhandlungen mit ihm gepflogen waren, zwischen welche hinein er natürlich wiederholt versicherte, er wolle es es uns schenken, konnte er dazu gebracht werden, von seinen hundert Lira auf fünfzig herunter zu gehen.

Wem fiele da nicht jene Geschichte ein, die sich lange, lange vorher, schon vor viertausend Jahren in dieser Stadt zugetragen hat? Abraham kommt, die Tränen noch im Auge, denn er kommt von der Leiche seiner Lebensgefährtin, die einst in Jugendtagen mit ihm gezogen war aus Mesopotamien. Und er verhandelt mit Efron, denn er möchte die liebe Tote nicht in fremder Erde und in einem fremden Grab bestatten.

Er trägt Efron, dem Hetiter, die Bitte vor, ihm die Höhle Machpela zu überlassen, „um Geld, so viel es wert ist, zum Erbbegräbnis.“

Aber Efron sprach: „Nein, nein, Herr, sondern höre mir zu! Ich schenke dir den Acker und die Höhle darinnen dazu!“

Da bückte sich Abraham vor dem Volk des Landes, den Kindern Het, und sprach: „Willst du mir ihn lassen, so bitte ich, nimm von mir das Geld für den Acker, so will ich meinen Toten daselbst begraben.“

Da antwortete der schlaue Hetiter: „Mein Herr, höre doch mich! Das Feld ist vierhundert Schekel Silbers wert. Was ist das aber zwischen mir und dir? Begrabe nur deinen Toten.“

Abraham gehorchte Efron und wog ihm das Geld dar. (1 Mo 23,3-18).

Ist es nicht merkwürdig, wie sich solch ein Handel viertausend Jahre später in derselben Stadt noch in derselben Weise abspielen kann?

Die Meineidigen

(Die Meineidigen – Auszüge aus dem Artikel „Was der ‚Pfarrer‘ für die Gesellschaft in Wahrheit zu bedeuten hat“. Von Sören Kierkegaard. Erschienen in seiner Zeitschrift „Der Augenblick“ am 30. August 1855.)

Ein Statistiker, der sich in die Sache eingearbeitet hat, müsste aus der Bevölkerungszahl einer großen Stadt die entsprechende Zahl der öffentlichen Dirnen, die sie verbraucht, erschließen können. Ein Statistiker, der sich in die Sache eingearbeitet hat, müsste aus der Größe einer Armee die zu guter Verpflegung nötige Anzahl von Ärzten angeben können. Und so müsste ein Statistiker, der sich damit befasste, aus der Bevölkerungsziffer eines Landes auch berechnen können, wie viele von Meineidigen (Geistlichen) erforderlich sind, damit dieses Land unter dem Schein des Christentums gegen das Christentum vollkommen sichergestellt wäre oder unter dem Schein des Christentums gänzlich ungestört heidnisch leben könnte, ganz ruhig und raffiniert, da dies eben Christentum sei. …

Und nun beginnt die Komödie. Für soundso viele Einwohner bedarf es, sagt der Statistiker, soundso viele Meineidige. Diese werden engagiert. Dass ihre Lehre und ihr Wandel kein neutestamentliches Christentum sind, sehen sie wohl selbst. „Aber“, sagen sie, „es ist unser Lebensunterhalt. Darum gilt es, die Ohren steif zu halten und uns nicht beikommen zu lassen.“

Das wären die Meineidigen. Die Gesellschaft hat vielleicht eine Ahnung davon, dass es mit den Eid auf das Neue Testament nicht richtig bestellt ist. „Doch für uns“, denkt die Gesellschaft, „gilt es natürlich, die Ohren steif zu halten und zu tun, als wäre alles in seiner Ordnung. Wir sind nur Laien, wir können uns mit der Religion nicht so befassen. Wir sind aber ganz ruhig im Vertrauen auf den Pfarrer, der ja eidlich auf das Neue Testament verpflichtet ist.“

Nun ist die Komödie fertig. Alles lauter Christen und alles christlich, auch die Geistlichen – und alles das gerade Gegenteil des neutestamentlichen Christentums. Es ist nur so gut wie unmöglich, den schlau verschlungenen Knoten anzufassen und hinter dieses Blendwerk zu kommen. Wie sollte einem ein Zweifel daran kommen, ob das Christentum überhaupt da sei? Dieser Gedanke ist ja ebenso unmöglich wie der Einfall, der Pfarrer sei ein Geschäftsmann. Er ist ja doch eidlich gebunden, dieser Welt zu entsagen. Also läuft das Gewerbe, das Geschäft unter der Firma „Weltentsagung“. … Wie sollte da einem einfallen – was wohl auch niemandem eingefallen ist, was auch niemand, hätte ich es nicht gesagt, gewusst hätte, dass ich unter dem „Meineidigen“ den „Pfarrer“ meine, den „Pfarrer“, der ja just Wahrheitszeuge ist.

Das bedeutet der „Pfarrer“ für die Gesellschaft. Von Generation zu Generation verbraucht sie die „notwendige“ Anzahl Meineidiger, damit sie unter dem Namen des Christentums gegen das Christentum vollkommen gesichert ist und ganz ungestört heidnisch leben kann. Und das ganz ruhig und raffiniert, da dies ja eben Christentum ist. …

Von Morgen bis Abend stellen diese Tausende oder Millionen der Gesellschaft die Lebensanschauung dar, die dem Christentum so direkt entgegengesetzt ist wie der Tod dem Leben. Das kann man noch nicht niederträchtig nennen, es ist einfach menschlich. Nun aber kommt das Niederträchtige. Tausend auf das Neue Testament vereidigte Männer sind nämlich darunter, die selber gleich der ganzen übrigen Gesellschaft die Lebensanschauung vertreten, die dem Christentum direkt entgegengesetzt ist. Zugleich garantieren sie aber der Gesellschaft, das sei Christentum. Nunmehr ist die Gesellschaft eine Niederträchtigkeit. …

Ich hatte einmal mit den verstorbenen Bischof Mynster folgendes Gespräch. Ich sagte zu ihm: „Die Geistlichen könnten ihr Predigen fast ebensogut bleiben lassen. All ihr Predigen habe gar keine Wirkung. Die Gemeinde denke ja in aller Stille bei sich: Ja, dafür sind sie bezahlt.“ Die ziemlich verwunderliche Antwort des Bischofs Mynster lautete: „Es ist etwas dran.“ Diese Antwort hatte ich eigentlich nicht erwartet. Denn wir waren zwar unter uns, allein in dieser Sache pflegte Bischof Mynster sonst die Vorsicht selbst zu sein. Ich für meine Person habe mich in diesen Dingen seither nur insoweit verändert, als es mir sehr deutlich geworden ist, dass der Geistliche doch in einem Sinne eine ungeheure Wirkung hat. Dass nämlich durch sein Dasein die ganze Gesellschaft, christlich verstanden, zu einer Gemeinheit wird.

Grüßen

(Grüßen – ein Abschnitt aus Ludwig Schnellers Buch „Kennst du das Land?„. Er beschreibt sein Erleben im damaligen Palästina in den Jahren 1884 bis 89.)

Die Grüße der Araber erinnern uns auf Schritt und Tritt an das biblische Altertum. Man wird kaum eine andere Nation auf Erden finden, welche einen so großen Reichtum von feinen zierlichen, höflichen Redensarten hätte, welche von Hohen und Niedrigen, von Gelehrten und Ungelehrten mit gleicher Freigebigkeit gespendet werden. Das sind die Trümmer einer Periode, in welcher diese schönen Worte Äußerungen der inneren Freiheit und eines Adels der Gesinnung beim arabischen Volk waren. Heute ist aber gerade von diesem Wesen der Sache wenig mehr vorhanden. Fast nur die Worte und der Schein sind geblieben. Der schönen und sinnigen Grüße sind viele. Darum begnügt man sich häufig nicht mit einem einzigen Gruß. Die Begrüßung gestaltet sich vielmehr zu einem förmlichen Zwiegespäch, in welchem ein Glückwunsch den anderen erwidert und überbietet, z. B.:

A. Gott gebe dir einen guten Morgen!

B. Dir hundert gute Morgen!

A. Dein Morgen sei heilvoll!

B. Ja, Gott beschere dir einen heilvollen Morgen!

A. Dein Tag sei glückselig!

B. Glückselig und gesegnet sei dein Tag!

A.Friede sei mit dir!

B. Über dir sei Friede!

A. Gott baue dein Haus!

B. Er beschere dir langes Leben und erhalte dir deine Kinder!

A. Gott mit dir! Bleib uns freundlich gesinnt!

B. Gehe hin mit Frieden!

Wir haben oft gelesen, dass die Begrüßungen der Orientalen so überaus umständlich sind, ihr Küssen, Friede- und Segenswünschen so lange Zeit in Anspruch nehme. Deshalb soll sich Jesus auch genötigt gesehen habe, seinen Jüngern bei ihrer Aussendung die Reiseregel mit auf den Weg zu geben: „Grüßt niemand auf der Straße!“ (Lk 10,4). Dies ist gewiss unrichtig. Denn die einfache Begrüßung unterwegs ist, selbst wenn dieselbe mit Gruß und Umarmung verbunden ist, denn doch so sehr zeitraubend nicht, dass sie eine solche Vorschrift nötig oder erklärlich machen könnte.

Der freundliche Leser würde, wenn es sich nicht gerade um einen Befehl des Herrn selbst handelte, wahrscheinlich dabei das Gefühl haben, das dies doch den Eifer etwas zu weit getrieben heiße, dass die Jünger nicht einmal mehr jemandem auf der Straße guten Tag wünschen sollten, zumal wenn es ein lieber alter Freund gewesen wäre, der ihnen begegnete. Das Unterlassen eines solches einfachen Grußes hätte auch in der Tat jedermann als eine Grobheit empfunden. Und dies hätte ihrem evangelischen Amt sicher keinen Vorschub geleistet.

Die Sache wird aber ganz klar, sobald wir bedenken, dass das Wort „grüßen“ (sällem) bei den Orientalen noch eine andere Bedeutung hat. Und diese ist auch in jener Rede des Herrn gemeint. „Jemanden Grüßen“ heißt nämlich bei solchen, welche auf der Reise sind – und um solche handelt es sich hier -, so viel wie einen Besuch bei ihm machen. Gehe ich in die Wüste, um etwa eine Häuptling zu besuchen, und es stellt mich auf den Bergen ein Beduine zur Rede, was ich hier wolle, so werde ich ihm auf Arabisch sicher antworten: „Ich will deinen Schech (Häuptling) grüßen“. Will jemand von unseren Gemeindegliedern in Hebron nach Jerusalem reisen, und sagt zu Hause vor dem Weggehen, dass er unterwegs mir einen Besuch machen will, so wird er dies nie anders ausdrücken, als: „Ich will den Pastor auf der Straße grüßen.“

Diese Art von Grüßen meint der Herr. Er will sagen: „Lasst euch auf eurer Straße nicht durch gute Bekannte einladen, sie ‚zu grüßen‘, d. h. mit ihnen in ihr Haus zu gehen, wo sie nach Landessitte wahrscheinlich sofort schlachten und ein Mahl bereiten würden, um das Wiedersehen zu feiern, und wo ihr jedesmal einen oder mehrere Tage verlieren würdet. Dafür ist euer Beruf zu wichtig und zu eilig.“ Im Vorübergehen freundlich zu grüßen, ist aber etwas, was die Jünger Jesu gewiss stets ebenso getan haben, wie er selbst.

Das Wort, welches in den orientalischen Grüßen die größte Rolle spielt, ist Friede. Wie ein Klang aus einer versöhnten Welt, wie eine Erinnerung an ein ehemaliges goldenes Zeitalter und wie eine Sehnsucht und Ahnung kommender Versöhnung klingt’s durch alle Grüße Israels bis zu denen der heutigen Bewohner Palästinas, das süße Wort Friede. Wie köstlich lautet jener Gruß, mit welchem Amasai, der Hauptmann unter dreißig, den König David begrüßte? „Dein sind wir, David, und mit dir halten wir es, du Sohn Isais! Friede, Friede sei mit dir! Friede sei mit deinen Helfern! Denn dein Gott hilft dir!“ (1 Chr 13,18).

„Friede sei mit dir!“ Das ist auch heute noch der häufigste Grüß, den sich die Leute hierzulande bieten. Ein Muhammedaner zwar wird einem Christen diesen Gruß niemals gönnen. Wenn ein Christ ihn einem Muhammedaner gegenüber gebraucht, so wird er fast immer die Antwort bekommen: „Bekehre dich zum Propheten!“. Aber so sehr ist Friedewünschen und Grüßen für die Bewohner des alten Bibellandes gleichbedeutend, dass man heute wie damals ein und dasselbe Wort für beides hat. Und oft kann man kaum unterscheiden, welche von beiden Bedeutungen in erster Linie gemeint ist.

So kommt es, dass das Wort Salám (hebr. Schalom) vielfach eine sinnige Zweideutigkeit hat, welche auf mehrere Stellen des Neuen Testaments ein interessantes Licht wirft. So sagt der Herr (Mt 10,12f) zu seinen Jüngern: “ Wo ihr in ein Haus geht, so grüßt dasselbe! (D. h. in die Landessprache übersetzt: Sprecht zu demselben ‚Friede sei mit euch!‘.) Und so es dasselbe Haus wert ist, wird euer Friede auf sie kommen.“ Dieser Gruß soll also bei den Jüngern des Herrn nicht ein bloßer Wunsch sein, sondern wirklichen Frieden ins Haus bringen.

Ein Vorfall in Hebron erinnerte mich vor kurzem an dies Wort. Ein Muhammedaner war dort an einem am Markt sitzenden Christen mit dem üblichen „Friede sei mit dir!“ vorübergegangen. Der antwortete wie gewöhnlich. „Über dir sei der Friede!“ Nachher erfuhr der erstere, dass der von ihm Begrüßte ein Christ sei. Da kam er zurück, fuhr mit größter Heftigleit auf ihn los, fing an, denselben mit Hilfe anderer Muhammedaner zu schlagen und zu misshandeln, indem er einmal übers andere rief: „Gib mir meinen Frieden zurück! Gib mir meinen Frieden zurück! Denn du bist ein Christ!“ Nur mit Mühe konnte der Christ von herbeieilenden Bekannten vor weiterer Misshandlung geschützt werden.

Es scheint also auch der heutigen Bevölkerung noch eine Erinnerung davon geblieben zu sein, dass der Gruß des Friedens eigentlich eine tatsächliche Wirkung haben soll, eine geistliche Bedeutung und Macht, mit welcher man nicht verschwenderisch umgehen soll, dass er eine „Perle“ ist, die man nicht „vor die Säue“ werfen darf. Darum das Geizen der Muhammedaner mit diesem Gruß, den jener Hebroner sogar wieder zurückhaben wollte. So sagt auch der Herr zu seinen Jüngern (Mt 10,13): „Ist es aber dasselbe Haus nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden!“

Auch beim Abschiednehmen ist der allgemeinste Gruß „ma‘ ssaláme!“ „Ziehe hin in Frieden!“. Wem fielen dabei nicht allerlei Stellen aus der Schrift ein, welche uns zeigen, wie uralt dieser Abschiedgruß ist (2 Mo 4,18; Ri 18,6; 1 Sam 1,17 usw.)! Auch der Herr, wenn er z. B. einen Kranken geheilt hatte, verabschiedete sich in landesüblicher Weise von ihm: „Gehe hin in Frieden!“ (Lk 7,50; Mk 5,34; Lk 8,48). So hatte dieser Gruß für diejenigen, welche ihn vom Herrn hörten, durchaus nichts Auffallendes. Und doch mögen sie jedesmal gefühlt haben, dass hier eine wirkliche Macht und Kraft des Friedens war, welche sie anderwärts nicht spürten. Denn im Mund des Herrn war dieser schöne Gruß der köstlichsten Vertiefung fähig.

Jesus selbst sagt seinen Jüngern einmal, dass dieser Abschiedgruß bei ihm etwas ganz anderes bedeute, als sonst bei der Welt. In seinen Abschiedsreden (Joh 14,27) sagt er: „Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“. D. h., „als ein Abschiednehmender muss ich euch jetzt Lebewohl sagen oder in orientalischen Worten ‚Geht hin mit Frieden!‘. Aber diese Abschiedsformel wird von Menschen gedankenlos ausgesprochen, oder sie bleibt doch im besten Fall nur ein leerer Wunsch, den zu erfüllen man nicht die Macht hat. Ich aber hinterlasse euch damit wirklichen Frieden, jene innere Ruhe und Heiterkeit eines mit Gott versöhnten Herzens, die durch äußere Stürme nicht zerstört werden kann. Darum erschrecke euer Herz nicht und fürchte sich nicht, zumal ich euch gesagt habe: ‚Ich komme wieder zu euch!'“. Die ganze Abschiedsstimmung jener letzten Stunden weht durch diese bewegten Worte des Herrn, die er im Kreis der erschrocken lauschenden Jünger sprach.

Mit dem landesüblichen Gruß begrüßte Jesus seine Jünger auch, als er nach seiner Auferstehung plötzlich in den Kreis der bekümmerten Jünger trat, welche jenen Frieden noch nicht hatten finden können. Wenn einer, den wir selbst mit zu Grabe geleitet haben, plötzlich zu uns ins Zimmer träte und ruhig wie sonst immer „Guten Tag!“ sagen würde, als ob noch alles beim Alten wäre, so würde dies auf uns etwa denselben Eindruck machen, wie jenes Eintreten Jesu mit dem gewöhnlichen „Friede sei mit euch!“ auf die Jünger. Aber wenn jemals dieser Gruß mitteilte, was er sagte, so war es in jener Stunde. Großer, glücklicher Friede erfüllte die Herzen der Jünger und verließ sie nicht wieder. Da merkten sie, warum der Herr gesagt hatte: „Nicht gebe ich euch wie die Welt gibt!“ (Joh 20,21). …

Die Konfirmation

Die Konfirmation – ein Abschnitt aus „Die Konfirmation und Trauung; ein christliches Komödienspiel – wenn nicht noch schlimmeres“. Ein Artikel von Sören Kierkegaard, erschienen in seiner Zeitschrift „Der Augenblick“, Heft Nr. 7, am 30. August 1855.

Das Gewissen (soweit in dieser Verbindung davon die Rede sein kann), das Gewissen scheint der „Christenheit“ geschlagen zu haben. Das sei doch gar zu toll, ein rein bestialischer Unsinn, auf diese Weise ein Christ zu werden: indem man als Kind durch einen Kirchenbeamten ein paar Tropfen Wasser auf den Kopf bekommt und die Familie zur Feier dieser Feierlichkeit eine Gesellschaft, ein Gastmahl arrangiert.

Das geht doch nicht, hat die „Christenheit“ gemeint. Es muss doch auch zum Ausdruck kommen, dass der Getaufte persönlich das Taufgelübde übernimmt.

Darum also die Konfirmation, eine herrliche Erfindung, wenn man ein Doppeltes annimmt. Dass der Gottesdienst zum einen darauf ausgeht, Gott für Narren zu halten. Und dass er zum anderen hauptsächlich Anlass zu Familienfeiern geben soll, zu Gesellschaften, einem fröhlichen Abend, einer Gasterei. Und diese unterscheidet sich dann von anderen Gastereien dadurch, dass sie „zugleich“ (wie raffiniert!) religiöse Bedeutung hat.

„Das zarte Kind“, sagt die Christenheit, „kann ja das Taufgelübde nicht persönlich übernehmen, dazu gehört eine wirkliche Persönlichkeit“. So hat man denn – ist das genial oder sinnreich? – das Alter zwischen 14 und 15 Jahren, das Knabenalter, dazu gewählt. Diese wirkliche Person – da ist gar nichts im Wege, sie ist Manns genug, das für das Kindlein abgelegte Taufgelübde persönlich zu übernehmen.

Ein Junge mit 15 Jahren! Handelte es sich um 10 Taler, so würde der Vater etwa wie folgt sagen. „Mein Junge, das kann man dir nicht überlassen, dafür bist du hinter den Ohren noch nicht trocken genug.“ Wenn es sich aber um die ewige Seligkeit handelt, und wo eine wirkliche Persönlichkeit hergehört, welche die Verpflichtung des Kindleins (die doch eigentlich gar nicht ernst gemeint sein konnte) durch ein Gelöbnis mit persönlichem Ernst übernähme: da ist das Alter von 15 Jahren das passendste.

Es ist das passendste, ja freilich, wenn der Gottesdienst, wie schon bemerkt ein Doppeltes beabsichtigt. Zum einen, Gott auf eine – kann man das so heißen? – feine Manier für Narren zu halten. Und zum anderen, geschmackvolle Familienfeste zu veranlassen. Dann passt es trefflich, wie alles bei dieser Gelegenheit. …

Die Konfirmation ist, wie man leicht sieht, ein weit tieferer Unsinn als die Kindertaufe, eben weil die Konfirmation als Ergänzung des bei der Taufe noch Fehlenden eine wirkliche Persönlichkeit erfordert, die mit klarem Bewusstsein ein Gelübde, das über die ewige Seligkeit entscheidet, übernehmen kann. Dagegen ist dieser Unsinn in anderer Hinsicht schlau genug im Interesse der egoistischen Geistlichkeit erfunden. Diese versteht sehr wohl, dass manche später vielleicht zu viel Charakter hätten, um nur zum Schein Chisten sein zu wollen, wenn die Entscheidung in Sachen der Religion (was allein christlich und allein vernünftig ist) dem reifen Mannesalter vorbehalten wäre.

Darum sucht der „Pfarrer“ sich der Menschen im zarten, jugendlichen Alter zu bemächtigen. So sollen sie dann im reiferen Alter die Schwierigkeit haben, mit einer „heiligen“ Verpflichtung zu brechen. Diese wurde zwar schon dem Knaben auferlegt, flößt manchem aber doch vielleicht noch eine abergläubische Scheu ein. Darum bemächtigt sich die Geistlichkeit der Kindlein, der Knaben, nimmt ihnen heilige Gelübde ab usw..

Und was der „Pfarrer“, der Mann Gottes, tut, das ist ja eine fromme Tat. Sonst könnte vielleicht die Analogie fordern, dass neben das Polizeiverbot an die Konditoreien, an Knaben etwas auszuschänken, ein Verbot träte, Knaben feierliche Gelöbnisse, eine ewige Seligkeit betreffend, abzunehmen. Dass also den Geistlichen, weil sie selbst meineidig sind, deshalb doch nicht gestattet sein sollte, zum Trost für sie selbst ein möglichst großes commune naufragium* herbeizuführen, d. h. die ganze Gesellschaft meineidig zu machen. Denn dazu ist es ja wie berechnet, wenn man 15-jährige Knaben sich durch heilige Gelübde verpflichten lässt, von deren Erfüllung die ewige Seligkeit abhängt. …

Was ich schreibe, ist nicht ein Angriff auf die Gemeinde. Sie ist irregeleitet, und man kann ihr nicht verdenken, dass sie, sich selbst überlassen und dadurch betrogen, dass die Pfarrer auf das Neue Testament vereidigt sind, die beste Meinung von dieser Art Gottesdienst hegt. Das ist ja nur menschlich. Wehe aber den Geistlichen, wehe ihnen, diesen vereidigten Lügnern!

Ich weiß wohl, dass es Religionsspötter gegeben hat. Ja, was hätten sie nicht alles gegeben, um zu vermögen, was ich vermag. Aber es glückte ihnen nicht, denn Gott war nicht mit ihnen. Anders bei mir: Ursprünglich den Geistlichen so wohlgesinnt wie selten jemand, just ihnen zu helfen bereit, haben sie mich selbst zum Gegenteil getrieben. Und mit mir ist der Allmächtige. Und er weiß am besten, wie man schlagen muss, dass es empfunden wird, dass das Gelächter, unter Furcht und Zittern hervorgelockt, die Geißel sein muss. Dazu werde ich gebraucht.

* gemeinsamer Schiffbruch

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