Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Kategorie: Altes Testament (Seite 1 von 4)

Kain und Abel

Der Bericht über Kain und Abel (1 Mo 4,1-16) in eigener Übersetzung:

1 Der Adam war aber mit Eva, seiner Frau, ehelich zusammen,
und sie wurde schwanger.
Und sie brachte den Kain zur Welt und sagte:
„Ich habe einen Mann erschaffen durch Gott!“
2 Und sie bekam noch einmal ein Kind, seinen Bruder, den Abel.
Abel wurde dann ein Hirte von Schafen und Ziegen,
Kain aber wurde einer, der den Erdboden bearbeitet.
3 Und nach einiger Zeit,da brachte Kain von den Früchten des Erdbodens
dem Herrn eine Opfergabe.
4 Und auch Abel brachte (eine Opfergabe)
von den Erstgeborenen seiner Schafe und Ziegen, von ihren Fettstücken.
Und Gott blickte hin auf Abel und auf seine Gaben.
5 Auf Kain und auf seine Opfer blickte er aber nicht.
Das ärgerte Kain sehr, und sein Blick senkte sich.
6 Gott sagte aber zu Kain:
„Warum bist du verärgert, warum hat sich dein Blick gesenkt?“
7 Ist es nicht so: Wenn du das Richtige tust, ist (dein Blick) erhoben,
wenn du aber nicht das Richtige tust, lagert Sünde vor der Tür?
Und gegen dich (geht) ihr Begehren, du aber sollst herrschen über sie!“

8 Und Kain sagte zu Abel, seinem Bruder: „Lass uns aufs Feld gehen!“
Und als sie auf dem Feld waren,
da stellte sich Kain gegen seinen Bruder Abel und brachte ihn um.
9 Gott sagte dann zu Kain: „Wo ist Abel, dein Bruder?“
Der aber sagte: „Ich weiß es nicht!
Bin ich denn der Aufpasser meines Bruders?“
10 Und Gott sagte: “Was hast du getan?
Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir vom Erdboden.
11 Und jetzt: Verflucht bist du –
weg vom Erdboden, der seinen Mund geöffnet hat,
um das Blut deines Bruders von deiner Hand aufzunehmen!
12 Wenn du den Erdboden bearbeitest,
wird er dir nicht weiterhin seine Kraft geben.
Heimatlos und unsicher sollst du sein auf der Erde!“
13 Und Kain sagte zum Herrn:
„Meine Schuld ist größer, als ich sie tragen kann!
14 Wenn du mich heute vom Anblick des Erdbodens vertreibst,
ich mich vor deinen Augen verstecken muss,
und ich heimatlos und unsicher sein soll auf der Erde,
dann wird es so sein, dass jeder, der mich findet, mich tötet!“
15 Doch der Herr sagte zu ihm: „So nicht:
Jeder, der Kain tötet, soll siebenfach gerächt werden!“
Und der Herr gab Kain ein Zeichen,
damit nicht jeder, der ihn fände, ihn erschlüge.
16 Kain aber ging weg von Gott und wohnte im Land Nod im Osten von Eden.

Harmagedon

Harmagedon ist nach Offb 16,16 der Platz, an dem die dämonischen Mächte die Könige der Welt zur Schlacht gegen Gott versammeln. Deshalb spricht man auch von der „Schlacht von Harmagedon“. Das Wort Harmagedon ist ein hebräischer Ausdruck, der in griechischen Buchstaben „Harmagedóon“ lautet, mit einem langen betonten offenen O am Ende. Die einzig naheliegende Erklärung des Wortes im Herbräischen ist „Berg von Megiddo“. „Har“ heißt auf jeden Fall „Berg“, und „Magedon“ klingt nach der Stadt Megiddo. Megiddo war in alttestamentlichen Zeiten eine Stadt mit einer wichtigen Festung in Zentralisrael auf einem Berg, der an der Ebene Jesreel liegt. Und dort haben in der Geschichte Israels tatsächlich schon etliche bedeutende Schlachten stattgefunden. Dann würde es ja gut passen, wenn dort auch die letzte Schlacht stattfände.

Die Versammlung der Könige zum Har Magedon ist der Inhalt der sechsten Schale der Wut Gottes, die auf die Erde ausgegossen wird. Nach dieser Schlacht ist dann mit der siebten Schale die Zeit dieser Wut-Gerichte vorbei. Zuvor war die Entrückung der Gläubigen geschehen, und sie standen vor dem Thron Gottes im Himmel (Offb 15). Dann wurden auf die gerichtsreife Erde die Schalen der Wut Gottes ausgegossen (Offb 16). Nur dass der Vers 16 hier den Ausgang der Schlacht gar nicht mehr berichtet. Es ist wohl sowieso klar, wie sie ausgeht.

Wenn mit der Schlacht die Schalen-Gerichte nun vorbei sind, wie es Offb 16,17 zum Ausdruck bringt, dann findet das danach geschilderte große Erdbeben aber nicht hinterher statt, sondern gleichzeitig. Während der Schlacht fallen also gleichzeitig auf der ganzen Welt die Städte ein. (Auch die Kirchtürme fallen ein, auch der höchste der Sagrada Familia, alles umsonst gebaut …)

Wer mehr über Verlauf und Ausgang der Schlacht von Harmagedon lesen will, der muss dann den Einschub über die große Hure Babylon in den Kapiteln 17 und 18 überblättern zum 19. Kapitel. Dort preist die Menge im Himmel zuerst Gott für sein Gericht über die große Hure. Dann erfolgt im Himmel die Hochzeit des Lammes. Und dann kommt der Messias in Gestalt eines Reiters als Anführer der Truppen im Himmel auf die Erde. Und dann erfolgt keine eigentliche Schlacht, sondern erst einmal die Verhaftung und Entsorgung der an- und verführenden Dämonen im Feuersee. Die anderen werden einfach getötet. Nicht in einer wirklichen Schlacht werden sie getötet, sondern durch das Schwert, das aus dem Mund des Messias in Gestalt des Reiters kommt. Das heißt, er spricht ein Wort, und sie fallen alle tot um.

Die Beschreibung des Reiters in Offb 19,15 hat aber noch eine Verbindung zu einer weiteren Stelle in der Offenbarung. Die „Weinkelter der Wut des Zornes Gottes“, die er tritt, erscheint auch schon im 14. Kapitel. Dort wird zuerst in den Versen 14-16 im Bild einer Getreideernte die Entrückung der Gläubigen geschildert. Danach kommt in den Versen 17-20 im Bild einer Weinernte das Gericht Gottes über die Erde. Eigentlich gehören die in den Kapiteln 15 und 16 geschilderten Gerichte der Wut-Schalen alle insgesamt zum letzten Gericht Gottes über die irdische Welt. Aber das Treten dieser „Kelter der großen Wut Gottes“ ist nach Offb 19,15 dann tatsächlich doch die Aufgabe des Messias-Reiters, wenn er kommt.

Somit ist diese Schlacht von Harmagedon der Höhepunkt und Abschluss der letzten Gerichte Gottes über die Menschen dieser Welt. Die Entrückung der gläubigen Gemeinde hatte schon vorher stattgefunden. Und die Entrückung beinhaltet ja auch die Auferstehung der im Herrn zuvor schon Verstorbenen. Die irdische Ankunft des Messias, des Herrn, geschieht dann laut dem Propheten Sacharja auf dem Ölberg bei Jerusalem (Sach 14,4). Die dazugehörige Vernichtung der Nationen, die gegen Jerusalem herangezogen sind, hat auch Sacharja schon von Gott gehört (Sach 12,9). Die ausführlichste prophetische Sicht dieser letzten großen Schlacht finden wir aber beim Propheten Hesekiel in den Kapiteln 38 und 39.

Das Meer aus Kristall

Das Meer aus Kristall erscheint in der Offenbarung an zwei Stellen:

4,6a: „Vor „dem Thron ist etwas wie ein Meer aus Kristall, wie Eis.“

15,2: „Und ich sah etwas wie ein Meer aus Kristall mit Feuer vermischt,
und die, die gesiegt hatten – heraus aus (dem Machtbereich)
des Tieres, seines Bildes und der Zahl seines Namens.
Sie standen an dem Meer aus Kristall und hatten Gottes Harfen.“

Es lohnt sich, die Stellen im Zusammenhang nachzulesen. Johannes ist im Geist entrückt in die himmlische Welt Gottes. Er sieht dort den Thron Gottes und vor dem Thron dieses Meer aus Kristall. Man könnte statt „Kristall“ auch „Glas“ übersetzen. In 4,6 gibt Johannes zusätzlich die Erklärung „wie Eis“ und in 15,2 den optischen Eindruck „mit Feuer vermischt“. Die Formulierungen „wie“ und „etwas wie“ bestätigen uns, dass wir uns auch hier im Bereich der prophetischen Symbolsprache bewegen. Johannes sieht etwas irgendwie Festes und irgendwie Durchsichtiges in der Fläche und Größe eines Blickes aufs Meer.

Die einleuchtendste Erklärung für diese durchsichtige Fläche ist, dass es hier symbolisch um die Grenze zwischen der irdischen und der himmlischen Welt geht. Oberhalb ist die himmlische Welt Gottes, die für die Menschen unsichtbar ist. Unterhalb ist die irdische Welt der Menschen, die vor Gottes Augen offen daliegt. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang zwar von „oben“ und unten“, es ist aber klar, dass auch das nur Ausdrücke der prophetischen Bildersprache sind. In Wirklichkeit geht es um Dimensionen, die unsere Vorstellung von Raum und Zeit übersteigen.

Wenn in 15,2 die, welche gesiegt haben, mit Gottes Harfen an diesem Meer stehen, sind sie entrückt in die Welt Gottes Es ist die auferstandene und entrückte Gemeinde. Sie haben ja gesiegt – heraus aus dem Machtbereich des Tieres in der irdischen Welt. Und nun stehen sie vor dem Thron Gottes und singen ihr Siegeslied. Woher hätten sie denn sonst auch „Gottes Harfen“?

Eine Parallelstelle zu diesem Meer aus Kristall finden wir im Alten Testament, und zwar beim Propheten Hesekiel, Kapitel 2:

2,22: „Und über den Köpfen der Lebewesen war etwas Ähnliches
wie eine Wölbung, im Aussehen wie Eis, befestigt oben über ihren Köpfen.“

Hesekiel hatte ebenfalls eine Vision vom Thron Gottes. Der Unterschied zu Johannes ist, dass er nicht in den Himmel entrückt war. Der Thron Gottes war vielmehr zu ihm auf die Erde gekommen. Die vier Lebewesen sind die Thronengel Gottes, die Cherubim. Zusätzlich zu diesen und bei ihnen sah er noch vier dreidimensionale Räder, mit denen sich der Thron auf der Erde fortbewegte, also eine Art Thronwagen.

Die „Wölbung“, von der Hesekiel spricht, ist uns aus dem Schöpfungsbericht bekannt. Gott erschuf als Trennung zwischen dem Wasser oben und dem Wasser unten die Wölbung und nannte sie „Himmel“. Und in der Tat ist in der erfahrbaren Welt die Himmelswölbung die Grenze für unseren Blick, wenn wir nach oben schauen.

Johannes sah die vier Thronengel allerdings oberhalb, Hesekiel aber unterhalb der durchsichtigen Fläche. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie zu Hesekiel heruntergekommen sind in die irdische Dimension. Aber auch hier sollten wir dran denken, dass es das Phänomen der prophetischen Unschärfe gibt, wenn Menschen den Realitäten der geistlichen Welt begegnen.

Psalm 90

(Psalm 90 in eigener Übersetzung:)

1 Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes.

Herr, Zuflucht bist du für uns
von Generation zu Generation.


2 Ehe die Berge geboren, das Land und die Welt erschaffen wurden,
von Ewigkeit zu Ewigkeit, bist du da.

3 Du willst den Menschen zurückbringen zur Niedrigkeit
und sagst: „Kommt zurück, Menschenkinder!“


4 Tausend Jahre sind doch in deinen Augen
wie der gestrige Tag, der vergangen ist.


In einer Nachtwache 5 säst du Jahre,
am Morgen sind sie wie grünes Gras, das aufwächst.


6 Am Morgen blüht es und wächst auf,
am Abend ist es verwelkt und vertrocknet.


7 Ja, wir vergehen in deinem Zorn,
durch deine Wut erschrecken wir.


8 Du hast unser Unrecht vor dich hingestellt,
unser Verborgenes ins Licht deines Angesichts.


9 Denn unsere Tage entschwinden durch deinen Zorn,
wir vollenden unsere Jahre wie eine (Spinne ihre) Spinnwebe.


10 Die Zeit unserer Jahre enthält siebzig Jahre,
und wenn mit Kraft, (sind es) achtzig Jahre.


Und das meiste an ihnen ist Mühe und Not,
denn sie treiben schnell vorbei und wir fliegen (mit).


11 Wer erkennt die Stärke deiner Wut
und fürchet dich wegen deines Zorns?


12 Lehre mich, meine Tage zu zählen,
damit Weisheit ins Herz kommt!


13 Komm zurück, Herr – bis wann? -,
und hab Mitleid mit deinen Sklaven!


14 Lass uns satt werden am Morgen mit deinem Erbarmen,
und wir jubeln und sind fröhlich in all unseren Tagen!


15 Lass uns fröhlich werden nach den Zeiten, da du uns erniedrigt hast,
den Jahren, da wir Schlimmes sehen mussten!


16 Lass deine Sklaven deine Werke sehen
und deine Herrlichkeit über ihren Kindern!


17 Möge die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes über uns sein,
und (möge) das Werk unserer Hände bestehen bei uns!

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte

(Psalm 23 in eigener Übersetzung:)

1 Ein Psalm mit Worten Davids.

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen,
2 an Weideplätzen mit frischem Grün lässt er mich lagern.


Auf Ruheplätze am Wasser führt er mich,
3 meine Seele bringt er zurück.

Er führt mich auf den richtigen Pfaden
wegen seines Namens.


4 Auch wenn ich gehe im Tal des Todesschattens,
fürchte ich nichts Schlimmes, denn du bist bei mir.


Dein Stecken und dein Stab,
sie trösten mich.


5 Du deckst vor mir einen Tisch
gegenüber meinen Bedrängern.


Du salbst meinen Kopf mit Öl,
mein Becher hat Überfluss.


6 Nur Erbarmen wird mir folgen
alle Tage meines Lebens.


Und ich darf wohnen im Haus des Herrn
bis in ferne Tage.

Der Tempel

(Der Tempel – ein leicht gekürzter Auszug aus dem Kapitel „Die Feste in Jerusalem“ im Buch „Kennst du das Land?„. Ludwig Schneller schreibt darin aufgrund seiner Erfahrungen, die er in den Jahren 1884 bis 89 im damaligen Palästina gemacht hat.)

Der Tempel des Herrn war der Mittelpunkt der Festfreude in Israel. Der geneigte Leser darf sich hierunter freilich nicht etwa ein Versammlungsgebäude für das Volk vorstellen. Der Tempel hatte niemals die Bestimmung, eine andächtige Gemeinde in sich aufzunehmen. Vielmehr durfte denselben niemand betreten außer den Priestern. … Der eigentliche Tempel war ein viel kleineres Gebäude, als die meisten Bibelleser sich vorstellen, nicht größer als eine gewöhnliche Dorfkirche.

Das Volk aber blieb, und das entspricht ganz den orientalischen Sitten, im Freien. Die großen Vorhöfe, deren geräumige Ebene rings von prächtigen Säulenhallen umgeben war, waren weit und ausgedehnt genug, um eine außerordentliche Volksmenge zu fassen. Zur Erbauung für die einzelnen Gemeinden hatten die Israeliten ihre Schulen oder Synagogen. Auch in den offenen Säulenhallen des Tempels saßen, wie z. B. in der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus, die Schriftgelehrten und erklärten die heiligen Schriften.

Die zahlreichen Räumlichkeiten und Gebäude, welche zum Tempel gehörten, waren für nationale Zwecke bestimmt. Dort sah man die Schatzkammern, die Arsenale mit Waffen und Beutestücken. Dort waren auch Sitzungssäle des Hohen Rats, weltliche und geistliche Gerichtshöfe, Ministerien, Schulen und Akademien usw.. Somit war der Tempel mit seinen zugehörigen Baulichkeiten nicht nur eine Kultstätte. Namentlich in den Zeiten der Blüte war er vielmehr das erste Staatgebäude, der Mittelpunkt der geistlichen und weltlichen Regierung. In ihm liefen alle Fäden des öffentlichen Interesses aus dem ganzen Land zusammen.

Inmitten all dieser Gebäude stand der eigentliche Tempel, der Stolz jedes Israeliten. In seiner fast märchenhaften Pracht muss er zur Zeit von Jesus einen überwältigen Eindruck gemacht haben. Aus weißschimmerndem Marmor war er erbaut und ringsum mit goldenen Platten bedeckt. Wenn die ersten Strahlen der aufsteigenden Sonne vom Ölberg her ihn trafen, glänzte er wie ein leuchtendes Schneegebirge. Und der Zuschauer musste sein Auge von dem blendenden Licht abwenden.

Und bis zum heutigen Tag ist der alte Tempelplatz das Erhebendste und Schönste, was man in Jerusalem sehen kann. Zugleich ist es derjenige Ort, dessen historsiche Gewissheit unter all den zweifelhaften „heiligen Stätten“ unanfechtbar dasteht. Dort steht die Perle der Bauten des Ostens, die Omarmoschee, ein muhammedanisches Gebetshaus von wunderbarer, edler Schönheit. Dessen würdevoller Ernst wird niemals durch ähnliche empörende Auftritte entweiht, wie sie in der Grabeskirche und Geburtskirche gewöhnt sind. Rings um dies Gebäude dehnt sich der Tempelplatz, eine weite viereckige Terasse. Salomo hat sie zum Teil vor 3000 Jahren durch gewaltige Unterbauten und Stützmauern, welche sich aus dem Kidrontal erhoben, zu einer gleichmäßigen Hochfläche gestaltet hat.

Das ist der Raum, auf welchem einst Israel bei den Festen des Herrn auf- und abwogte. Hier begrüßten sich die feiernden Scharen mit grünen Palmzweigen. Das ist der Raum, auf welchem einst die Psalmen Davids unter ihrem heimatlichen Himmel erschollen unter dem Klang der Pauken und Cymbeln, der Klarinetten und Harfen. Das ist der Raum. auf welchem einst auch Jesus Christus an den Festen stand und zum Volk redete von dem Licht der Welt, das nur noch eine kleine Weile bei ihnen sein sollte.

Die Feste in Jerusalem

(Die Feste in Jerusalem – Abschnitte aus dem Kapitel „Die Feste in Jerusalem“ des Buchs „Kennst du das Land?„. Ludwig Schneller berichtet aufgrund seiner Beobachtungen und Erfahrungen, die er im Palästina der Jahre 1884 bis 89 gemacht hat.)

„Jerusalem ist gebaut, dass es eine Stadt sei, da man zusammenkommen soll, da die Stämme hinaufgehen sollen, nämlich die Stämme des Herrn, zu predigen dem Volk Israel, zu danken dem Namen des Herrn!“ (Ps 122,3-4). Diese Bedeutung, welche vor Jahrtausenden der heilige Sänger ausgedrückt hat, ist Jerusalem bis zum heutigen Tag geblieben. Bekanntlich sollte jeder erwachsene Israelit jährlich dreimal in Jerusalem „vor dem Herrn“ erscheinen.

Vielleicht hat schon mancher gedacht, es sei wohl etwas viel verlangt gewesen, jedermann aus den entferntesten Landesteilen dazu zu verpflichten. Aber das Land war nicht so groß, dass man Jerusalem nicht von überall her in einigen Tagereisen hätte erreichen können. Und den Israeliten waren ihre Festreisen, welche selbst die Gesetzestreuen nie peinlich genau jedesmal ausführten, kein Muss. Sie waren vielmehr eine außerordentliche Freude. Die Feste Israels waren Nationalfeste. … Und Israel liebte seine Volksfeste, als es noch nicht zerstreut war, sondern von den heimatlichen Bergen Palästinas hinaufschaute nach dem königlichen Jerusalem, dem Stolz und der Krone des Landes.

Der heutige Bewohner von Palästina kann sich von dem bewegten Treiben auf jenen Festen einigermaßen eine Vorstellung machen. Denn bis zum heutigen Tag werden die Hauptfeste nicht draußen in den Dörfern oder Landstädten gefeiert. Sie werden in Jerusalem gefeiert, welches beim ganzen Volk den Namen „El Kuds“, das ist „die Heilige“, führt. Schon beim Weihnachtsfest, wo die Hauptfeier natürlich in Betlehem stattfindet, kann man Ähnliches beobachten wie auf den alten Festen. Aber komm erst einmal auf ein Osterfest nach Jerusalem, da findest du den Höhepunkt aller Festfeier des Jahres. Da strömen wie in alten Zeiten die Festkarawanen von allen Seiten nach Jerusalem. Zu Fuß, zu Esel, zu Pferd und neuerdings auch zu Wagen ziehen sie daher von allen Gegenden „hinauf nach Zion“. …

Selbst unter den Muhammedanern wird es lebendig, als ob die Erinnerungen an die früheren Bewohner des Landes in ihnen erwachten. Aus allen muhammedanischen Ländern, selbst aus Afghanistan und dem fernen Indien kommen die weißbeturbanten Gestalten ins „heilige Land“ gezogen, um am heiligen Felsen der Omarmoschee und am Grabmal Moses des Propheten anzubeten. Dies geschieht hauptsächlich am „Nebi Musa“-Fest zur Osterzeit … Als Pilger wallen dann diese Fremden mit den Scharen muhammedanischer Landeskinder am Fest zu Tausenden nach Nebi Musa. Das ist das vermeintliche Grab Moses zwischen Jerusalem und Jericho. Es macht einen eigentümlichen Eindruck, diese Scharen des falschen Propheten dort durch dieselben Berge und Täler wallfahren zu sehen, auf welchen einst Israel, und Jesus Christus mit, zu den Festen des Herrn emporpilgerte vor Jahrtausenden. …

Die Lust, welche die Palästinenser zu solchen Festwallfahrten an den Tag legen, stammt gewiss aus den alten Zeiten des Landes. So freute sich auch in Israel jedermann, zu den Festen hinaufzuziehen nach dem hochgebauten Jerusalem. Da sahen sich alte Bekannte wieder aus allen Teilen des Landes. Neue Freundschaften wurden geschlossen. Das ganze Volk, sonst vereinzelt und zerstreut in seinen Hütten, wurde hier vereinigt. Es lernte sich kennen, lieben und als Ganzes erfassen. Nichts trug so sehr dazu bei, den Gedanken der nationalen Einheit auf dem Grunde der Einheit der Religion und des Tempels zu fördern und freudig zu beleben, wie die nationalen Feste.

Wenn daher die Festzeiten kamen, wollte jeder „dagewesen“ sein. Und wem immer sein Geschäft und seine Verhältnisse die Reise erlaubten, der machte sich auf zur frohen Fahrt. Freilich diejenigen Israeliten, welche jährlich alle drei Feste besuchten, mögen nur in der Umgebung von Jerusalem zu finden gewesen sein. Aus entfernteren Gegenden kamen wohl die meisten jährlich nur einmal, wie z. B. die Eltern von Jesus (Lk 2,14) zum Passahfest. Die meisten Besucher sah aber das populärste aller großen Volksfeste, das Laubhüttenfest.

Wie lebhaft entsteht auf demTempelplatz vor unseren Augen das Bild jener Feste, von denen die Evangelien berichten! Das froheste Fest war das Laubhüttenfest. Auch Jesus hat nach Joh 7,2ff. ein solches besucht, obgleich er zuerst bestimmt beabsichtigt hatte, dasselbe nicht zu besuchen. Seine Brüder waren schon dort, wie auch das übrige Volk, welches einige Tage vor Festanfang zu kommen pflegte, um sich noch rechtzeitig Laubhütten zu bauen.

Auf den Tempelhöfen, draußen vor dem goldenen Tor und übers Kidrontal hinweg bis zur Höhe von Betfage wohnte alles in Laubhütten. Und in der Stadt, auf den platten Dächern, auf Straßen und Märkten waren überall Laubhütten errichtet, in welchen ein fröhliches Volk feierte. Die ganze Hauptstadt schien in ein Zeltlager verwandelt.

Auch der Tempel prangte in heiligem Schmuck. Die herrlichen Säulenreihen waren nach orientalischer Weise mit farbigen Teppichen behangen, grünes Laub schimmerte von allen Säulen. Vom frühen Morgen an wogte das Volk auf und ab in den weiten Vorhöfen, deren Raum rings um die Omarmoschee jetzt so verlassen und einsam steht. Und wenn die Sonne untergegangen war, entfaltete sich nachts eine neue Pracht, welche die des Tages zu überflügeln trachtete. Wie in einer sogenannten italienischen Nacht blitzte und schimmerte es in den Vorhöfen und Säulenhallen von vielhundert Lichtern und Fackeln. Große goldene Leuchter, prächtige Lampen hingen in den Vorhöfen. Ihr schimmerndes Licht brach sich an Säulen und Wänden und machte die Formen der herrlichen Gebäude durch die dunkle Nacht bis zum stillen Ölberg sichtbar.

Und wenn der Herr spätabends hinüberwanderte übers Kidrontal und über den Ölberg nach Betanien, dann mag er sich wohl umgewandt haben nach der geliebten Stadt. Dann sah er ein schimmerrndes Lichtermeer, aus dessen Mitte sich, wie in zauberhaftes Licht getaucht, die stolzen Linien des majestätischen Tempels deutlich und ernst abhoben aus der dunklen Nacht.

Psalm 8

1 Für den Vorsänger, bei den Keltern (zu singen),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde,
(wie) erhebt sich deine Hoheit
über den Himmeln!
3 Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen
hast du Lob zubereitet
wegen deiner Feinde,
um Feind und Rächer zum Aufhören zu bringen.
4 Ja, ich sehe die Himmel, Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt hast.


5 Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst,
oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest?
6 Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel,
mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn eingesetzt über das Werk deiner Hände,
alles hast du untergeordnet unter seine Füße,
8 Schafe und Ziegen und Rinder, alle zusammen,
dazu auch die Tiere des Feldes,
9 die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,
die die Pfade der Meere durchziehen.
10 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde!

Anmerkungen:

1) Der Psalm 8 hat eine aufallende Textvariante. In Vers 6 sagt der hebräische Text „Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als Gott“. „Ein wenig niedriger als Engel“ steht in der griechischen Version. Das heißt, der griechische Übersetzer hatte einen Text vor sich, in dem nicht „Elohim“ (Gott) stand, sondern „Malachim“ (Engel). Die beiden Wörter sind im Hebräischen tatsächlich sehr ähnlich, man könnte da beim Abschreiben einen Fehler machen.

Vom Textzusammenhang der Schöpfung her ist es naheliegender, den Menschen als Herrn der Schöpfung als „ein wenig niedriger als Engel“ zu betrachten. Der Vergleich mit Gott erscheint etwas weiter hergeholt. Entscheiden lassen wir die Frage in diesem Fall aber das Neue Testament. Dort wird im Hebräerbrief die Formulierung „ein wenig niedriger als Engel“ zitiert.

2) Der Psalm 8 wird mehrfach im Neuen Testament zitiert:

Mt 21,15-16: Die obersten Priester und die Theologen sahen aber die wunderbaren Dinge, die er tat, und die Kinder, die auf dem Tempelgelände laut riefen: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und sie ärgerten sich und sagten ihm: „Hörst du, was die sagen?“ Jesus erwiderte: „Ja. Habt ihr noch nie gelesen: ‚Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du Lob zubereitet’?“

1 Kor 15,26-27a: Als letzter Feind wird der Tod zunichtegemacht. Denn „alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Eph 1,20-22a: Mit ihr hat er im Messias gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt und an seiner rechten Seite eingesetzt hat in den himmlischen Welten über jede Gewalt, Macht, Kraft, Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der kommenden. „Alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Hebr 2,5-9: Er hat die kommende Welt, über die wir sprechen, doch nicht Engeln untergeordnet. Irgendwo hat jemand bezeugt und gesagt: „Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst, oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Alles hast du untergeordnet unter seine Füße.” Indem er ihm das alles untergeordnet hat, hat er ja nichts ohne Unterordnung unter ihn gelassen. Jetzt sehen wir aber noch nicht, dass ihm alles untergeordnet ist. Als den, der „ein wenig geringer gemacht war als Engel“, sehen wir aber Jesus, der aufgrund des Todesleidens „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ wurde, sobald er durch die Gnade Gottes für jeden den Tod gekostet hatte.

3) Der Psalm 8 hat prophetisch gesehen eine Art doppelten Boden. Vordergründig beschreibt er die Herrlichkeit und Vielfalt der Schöpfung mit dem Menschen, den Gott dem Schöpfungbericht entsprechend als Herrscher darüber eingesetzt hat. Hintergründig sieht die Prophetie des Neuen Testaments hier unter dem Stichwort „Menschensohn“ den Messias Jesus. In seiner irdischen Zeit war er „ein wenig niedriger gemacht als Engel“ bis in den Tod. Nach seiner Auferstehung wurde er aber von Gott als Herrscher im Himmel eingesetzt. „Alles wurde ihm untergeordnet unter seine Füße“, und er wurde „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“.

Psalm 4

Psalm 4 in eigener Übersetzung aus dem Hebräischen unter Berücksichtigung des griechischen Alten Testaments (Septuaginta):

1 Für den Vorsänger, mit Saiteninstrumenten (zu begleiten),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Wenn ich rufe, erhört mich der Gott meiner Gerechtigkeit,
in der Enge verschaffst du mir Weite.
Hab Erbarmen mit mir,
und erhöre mein Gebet!
Ihr Menschenkinder, bis wann (wollt ihr) schwerfälligen Herzens sein,
warum liebt ihr Nichtiges und trachtet nach Lüge?
– Kurze Pause –

4 Erkennt auch, dass der Herr wunderbar handelt an (mir,) seinem Heiligen!
Der Herr wird mich erhören, wenn ich zu ihm rufe.
5 Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht,
sprecht in euren Herzen auf euren Betten und geht in euch!
– Kurze Pause –

6 Opfert das richtige Opfer,
und vertraut auf den Herrn!
7 Wenn viele sagen: „Wer wird uns das Gute zeigen?“,
erhebe über uns das Licht deines Angesichts, Herr!
8 Du gibst mir Fröhlichkeit ins Herz,
mehr als dann, wenn sich ihr Korn, Wein und Öl vermehren.
9 In Frieden kann ich zugleich mich niederlegen und einschlafen,
denn du, Herr, lässt mich ganz für mich im Vertrauen wohnen.

Anmerkungen:

Psalm 4 gibt in Vers 9 auch das Rezept für einen guten Schlaf. Im Frieden mit Gott gibt es nichts mehr, was einen innerlich umtreiben und einem den Schlaf rauben kann. Alles ist im Vertrauen beim Herrn aufgehoben, damit für den Gläubigen erledigt, und wenn er sich müde niederlegt, schläft er zugleich auch sofort ein.

Dass der Gläubige sich in Vers 4 auch als „Heiligen“ bezeichnet, ist für das Alte Testament etwas ungewöhnlich, aber sachlich dennoch richtig.

Aus Psalm 4 hat auch Paulus zitiert:

Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht!“ Die Sonne darf nicht untergehen über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum! (Eph 4,26-27)

Psalm 3

Psalm 3 in eigener Übersetzung unter Berücksichtigung der griechischen Übersetzung des Altentestaments (Septuaginta):

1 Ein Psalm mit Worten Davids,
als er auf der Flucht war vor Absalom, seinem Sohn.

2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger,
viele erheben sich gegen mich!
3 Viele sagen meiner Seele:
„Es gibt keine Rettung für ihn bei Gott.“
– Kurze Pause –

4 Du aber, Herr, bist mein Schild,
bist meine Ehre und erhebst mein Haupt.
5 Meine Stimme ruft zum Herrn,
und er erhört mich von seinem heiligen Berg.
– Kurze Pause –

6 Ich bette mich zur Ruhe, ich schlafe,
ich wache auf, denn der Herr hält mich fest.
7 Ich werde mich nicht fürchten vor Zehntausenden von Kriegsleuten,
die sich ringsum gegen mich aufstellen.
8 Erhebe dich Herr,
rette mich, mein Gott!
Ja, du schlägst all meine Feinde auf die Backen,
die Zähne der Frevler zerbrichst du.
9 Bei dem Herrn ist die Rettung,
auf deinem Volk dein Segen!

Anmerkungen dazu:

1) Die „Kurze Pause“ nach den Versen 3 und 5 gibt das hebräische Wort „Sela“ wieder. Der hebräische Sprachrhythmus mit den zwei zueinandergehörigen Zeilen ist nicht einfach nur ein dichterisches Stilmittel, sondern geht auf die orientalische Art des Wechselgesangs zurück, bei dem ein Chor oder der Vorsänger jeweils die erste Zeile sang und ein anderer Chor die zweite. Musikinstrumente begleiteten das Lied, aber nicht während des Singens, sondern davor, dazwischen und danach. „Sela“ bedeutet eine „kurze Pause“ im Lied, während der dann Instrumente spielten.

2) Im Althebräischen gibt es nicht die Tempora (Zeitformen) der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese müssen sinngemäß aus dem Textzusammenhang erschlossen werden. Dafür ist es hilfreich, dass die Übersetzung ins Griechische schon damals zwangsläufig die griechischen Zeitformen verwendet hat. Und hier taucht auch in Psalm 3 wieder die griechische Vergangenheitsform des Aorist auf. Dieser bringt erzählend Vorgänge in der Vergangenheit zum Ausdruck, in einer besondern Bedeutung aber auch Erfahrungstatsachen. Dinge, die immer (wieder) so waren und deshalb auch jetzt so sind, drückt man im Deutschen aber mit dem Präsens (Gegenwart) aus. David erzählt in den Versen 6 und 8 nicht einfach vergangene Ereignisse, sondern seine Erfahrung. Und so bringt hier das Präsens am besten zum Ausdruck, was er wirklich meint.

3) Wem das „auf die Backen schlagen“ und „Zähne zerbrechen“ in Vers 8 etwas grausam erscheint, den darf man erinnern, dass David etliche Kriege zu bestehen hatte und auch in dieser Situation kriegerisch bedroht wurde. Wenn man sich die frühere Art des bewaffneten Kampfs Mann gegen Mann im Krieg vorstellt, dann sind die hier genannten Ausdrücke vielleicht sogar eher von der harmloseren Art.

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