Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Monat: Juni 2026

Harmagedon

Harmagedon ist nach Offb 16,16 der Platz, an dem die dämonischen Mächte die Könige der Welt zur Schlacht gegen Gott versammeln. Deshalb spricht man auch von der „Schlacht von Harmagedon“. Das Wort Harmagedon ist ein hebräischer Ausdruck, der in griechischen Buchstaben „Harmagedóon“ lautet, mit einem langen betonten offenen O am Ende. Die einzig naheliegende Erklärung des Wortes im Herbräischen ist „Berg von Megiddo“. „Har“ heißt auf jeden Fall „Berg“, und „Magedon“ klingt nach der Stadt Megiddo. Megiddo war in alttestamentlichen Zeiten eine Stadt mit einer wichtigen Festung in Zentralisrael auf einem Berg, der an der Ebene Jesreel liegt. Und dort haben in der Geschichte Israels tatsächlich schon etliche bedeutende Schlachten stattgefunden. Dann würde es ja gut passen, wenn dort auch die letzte Schlacht stattfände.

Die Versammlung der Könige zum Har Magedon ist der Inhalt der sechsten Schale der Wut Gottes, die auf die Erde ausgegossen wird. Nach dieser Schlacht ist dann mit der siebten Schale die Zeit dieser Wut-Gerichte vorbei. Zuvor war die Entrückung der Gläubigen geschehen, und sie standen vor dem Thron Gottes im Himmel (Offb 15). Dann wurden auf die gerichtsreife Erde die Schalen der Wut Gottes ausgegossen (Offb 16). Nur dass der Vers 16 hier den Ausgang der Schlacht gar nicht mehr berichtet. Es ist wohl sowieso klar, wie sie ausgeht.

Wenn mit der Schlacht die Schalen-Gerichte nun vorbei sind, wie es Offb 16,17 zum Ausdruck bringt, dann findet das danach geschilderte große Erdbeben aber nicht hinterher statt, sondern gleichzeitig. Während der Schlacht fallen also gleichzeitig auf der ganzen Welt die Städte ein. (Auch die Kirchtürme fallen ein, auch der höchste der Sagrada Familia, alles umsonst gebaut …)

Wer mehr über Verlauf und Ausgang der Schlacht von Harmagedon lesen will, der muss dann den Einschub über die große Hure Babylon in den Kapiteln 17 und 18 überblättern zum 19. Kapitel. Dort preist die Menge im Himmel zuerst Gott für sein Gericht über die große Hure. Dann erfolgt im Himmel die Hochzeit des Lammes. Und dann kommt der Messias in Gestalt eines Reiters als Anführer der Truppen im Himmel auf die Erde. Und dann erfolgt keine eigentliche Schlacht, sondern erst einmal die Verhaftung und Entsorgung der an- und verführenden Dämonen im Feuersee. Die anderen werden einfach getötet. Nicht in einer wirklichen Schlacht werden sie getötet, sondern durch das Schwert, das aus dem Mund des Messias in Gestalt des Reiters kommt. Das heißt, er spricht ein Wort, und sie fallen alle tot um.

Die Beschreibung des Reiters in Offb 19,15 hat aber noch eine Verbindung zu einer weiteren Stelle in der Offenbarung. Die „Weinkelter der Wut des Zornes Gottes“, die er tritt, erscheint auch schon im 14. Kapitel. Dort wird zuerst in den Versen 14-16 im Bild einer Getreideernte die Entrückung der Gläubigen geschildert. Danach kommt in den Versen 17-20 im Bild einer Weinernte das Gericht Gottes über die Erde. Eigentlich gehören die in den Kapiteln 15 und 16 geschilderten Gerichte der Wut-Schalen alle insgesamt zum letzten Gericht Gottes über die irdische Welt. Aber das Treten dieser „Kelter der großen Wut Gottes“ ist nach Offb 19,15 dann tatsächlich doch die Aufgabe des Messias-Reiters, wenn er kommt.

Somit ist diese Schlacht von Harmagedon der Höhepunkt und Abschluss der letzten Gerichte Gottes über die Menschen dieser Welt. Die Entrückung der gläubigen Gemeinde hatte schon vorher stattgefunden. Und die Entrückung beinhaltet ja auch die Auferstehung der im Herrn zuvor schon Verstorbenen. Die irdische Ankunft des Messias, des Herrn, geschieht dann laut dem Propheten Sacharja auf dem Ölberg bei Jerusalem (Sach 14,4). Die dazugehörige Vernichtung der Nationen, die gegen Jerusalem herangezogen sind, hat auch Sacharja schon von Gott gehört (Sach 12,9). Die ausführlichste prophetische Sicht dieser letzten großen Schlacht finden wir aber beim Propheten Hesekiel in den Kapiteln 38 und 39.

Das Meer aus Kristall

Das Meer aus Kristall erscheint in der Offenbarung an zwei Stellen:

4,6a: „Vor „dem Thron ist etwas wie ein Meer aus Kristall, wie Eis.“

15,2: „Und ich sah etwas wie ein Meer aus Kristall mit Feuer vermischt,
und die, die gesiegt hatten – heraus aus (dem Machtbereich)
des Tieres, seines Bildes und der Zahl seines Namens.
Sie standen an dem Meer aus Kristall und hatten Gottes Harfen.“

Es lohnt sich, die Stellen im Zusammenhang nachzulesen. Johannes ist im Geist entrückt in die himmlische Welt Gottes. Er sieht dort den Thron Gottes und vor dem Thron dieses Meer aus Kristall. Man könnte statt „Kristall“ auch „Glas“ übersetzen. In 4,6 gibt Johannes zusätzlich die Erklärung „wie Eis“ und in 15,2 den optischen Eindruck „mit Feuer vermischt“. Die Formulierungen „wie“ und „etwas wie“ bestätigen uns, dass wir uns auch hier im Bereich der prophetischen Symbolsprache bewegen. Johannes sieht etwas irgendwie Festes und irgendwie Durchsichtiges in der Fläche und Größe eines Blickes aufs Meer.

Die einleuchtendste Erklärung für diese durchsichtige Fläche ist, dass es hier symbolisch um die Grenze zwischen der irdischen und der himmlischen Welt geht. Oberhalb ist die himmlische Welt Gottes, die für die Menschen unsichtbar ist. Unterhalb ist die irdische Welt der Menschen, die vor Gottes Augen offen daliegt. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang zwar von „oben“ und unten“, es ist aber klar, dass auch das nur Ausdrücke der prophetischen Bildersprache sind. In Wirklichkeit geht es um Dimensionen, die unsere Vorstellung von Raum und Zeit übersteigen.

Wenn in 15,2 die, welche gesiegt haben, mit Gottes Harfen an diesem Meer stehen, sind sie entrückt in die Welt Gottes Es ist die auferstandene und entrückte Gemeinde. Sie haben ja gesiegt – heraus aus dem Machtbereich des Tieres in der irdischen Welt. Und nun stehen sie vor dem Thron Gottes und singen ihr Siegeslied. Woher hätten sie denn sonst auch „Gottes Harfen“?

Eine Parallelstelle zu diesem Meer aus Kristall finden wir im Alten Testament, und zwar beim Propheten Hesekiel, Kapitel 2:

2,22: „Und über den Köpfen der Lebewesen war etwas Ähnliches
wie eine Wölbung, im Aussehen wie Eis, befestigt oben über ihren Köpfen.“

Hesekiel hatte ebenfalls eine Vision vom Thron Gottes. Der Unterschied zu Johannes ist, dass er nicht in den Himmel entrückt war. Der Thron Gottes war vielmehr zu ihm auf die Erde gekommen. Die vier Lebewesen sind die Thronengel Gottes, die Cherubim. Zusätzlich zu diesen und bei ihnen sah er noch vier dreidimensionale Räder, mit denen sich der Thron auf der Erde fortbewegte, also eine Art Thronwagen.

Die „Wölbung“, von der Hesekiel spricht, ist uns aus dem Schöpfungsbericht bekannt. Gott erschuf als Trennung zwischen dem Wasser oben und dem Wasser unten die Wölbung und nannte sie „Himmel“. Und in der Tat ist in der erfahrbaren Welt die Himmelswölbung die Grenze für unseren Blick, wenn wir nach oben schauen.

Johannes sah die vier Thronengel allerdings oberhalb, Hesekiel aber unterhalb der durchsichtigen Fläche. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie zu Hesekiel heruntergekommen sind in die irdische Dimension. Aber auch hier sollten wir dran denken, dass es das Phänomen der prophetischen Unschärfe gibt, wenn Menschen den Realitäten der geistlichen Welt begegnen.

Jesus und die Feste

(Jesus und die Feste – ein Auszug aus dem Kapitel „Die Feste in Jerusalem“ im Buch „Kennst du das Land?“. Ludwig Schneller schreibt darin aufgrund seiner Beobachtungen, die er in den Jahren 1884 bis 89 im damaligen Palästina gemacht hat.)

Schon an jenem Laubhüttenfest (sein letztes im Herbst 29) war Jesus das Tagesgespräch. Wider eigenes Vermuten war er noch gekommen, und sein Erscheinen erregte allgemeines Aufsehen. Bestimmte Beschäftigungen hatten ja die Festpilger, welche acht bis vierzehn Tage in Jerusalem blieben, nicht. Um so mehr fanden sie Muße, solche Angelegenheiten, Hoffnungen, Befürchtungen, welche die ganze Nation betrafen, mit bekannten und unbekannten Volksgenossen zu besprechen.

Ähnlich ist es auch heute noch bei den Festpilgern in Jerusalem. Die gemeinsamen Angelegenheiten bewegen sie mehr als sonst. So sind auch die Muhammedaner nie so fanatisch wie bei ihren religiösen Festen oder zur Zeit der Mekka-Pilgerfahrt. Und man tut als Christ wohl daran, dieselben in dieser Zeit nicht zu reizen.

So bildete auch bei den alten Festen „die Hoffnung Israels“ das Tagesgespräch. Es mochte damals unter den tausenden von Laubhütten in und um Jerusalem wohl kaum eine geben, in welcher nicht aus Anlass de Anwesenheit und der Worte Jesu die Frage des Messias erörtert worden wäre. Sobald er im Tempel erschien, sammelten sich sofort in den Höfen dichte Volkshaufen um ihn. Und gerade weil er nicht als offizieller Lehrer auftrat, gestalteten sich seine Reden oft zu den lebhaftesten Debatten.

Das Interesse für ihn war um so mehr angeregt, als durch die zusammenströmenden Karawanen gerade in den Festtagen alle Nachrichten von seinen Reden und Taten wie in einem Brennpunkt zusammentrafen. Und es ist keineswegs nur Zufall oder nur im Interesse der Chronologie, dass wir die Dauer der Wirksamkeit Jesu stets nach den Festen einteilen, welche er besucht hat. Wer die Geschichte Jesu kennt, der weiß, dass gerade die Feste Jerusalems Brennpunkte und Wendepunkte waren für die Stellungnahme Israels zum Herrn.

In den festlosen Zeiten hatte Jesus verhältnismäßig Ruhe. Aber in den Festzeiten geriet alles in Bewegung und Fluss. Und aus diesem Grund zog Jesus zu den Festen hinauf nach Jerusalem wie ein Feldherr, der in die Entscheidungsschlacht zieht. Denn entscheiden konnte sie seine Sache nur in Jerusalem, und niemals passender als an einem der Nationalfeste. Hier traf er nicht nur auf die Hohenpriester und die leitenden Kreise Israels, sondern auf das gesamte feierlich versammelte Volk. Darum sind jene Feste die bedeutsamsten Zeiten im Leben des Herrn. Hier hat er seine ganze Energie zusammengefasst, hier hat er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, Zeugnis abzulegen vor allem Volk.

Fast möchte man sagen: noch mehr Plan und Vorbedacht als sonst zeigen seine Jerusalemer Reden. Nicht einzelne Lehren über Versöhnlichkeit, christliche Sorglosigkeit, Privatgebet, persönlichen sittlichen Wandel vernehmen wir da, wie in seinen galiläischen Reden. Sie beziehen sich vielmehr ausschließlich auf die große Fage, ob Israel die Wahrheit, das Leben, das Licht, seinen Messias annehmen wolle oder nicht. Sie drehen sich immer um seine eigene Person als den Sohn Gottes. Hier musste dies alles gesagt werden, so sehr es auch Anstoß erregen mochte, „auf dass die keine Entschuldigung haben“. Hier allein konnte Jesus vor dem ganzen Volk Israel reden.

Darum die ernsten und grundsätzlichen Auseinandersetzungen mit dem Volk und seinen Obersten. Darum hat Jesus dort jeden möglichen Ton angeschlagen, den Ton ernster Warnung und Drohung, den Ton lockender Liebe des guten Hirten, den Ton schmerzlicher Wehmut: „Warum kennt ihr den meine Sprache nicht? Ihr könnt ja mein Wort nicht hören!“ Welches ungeheure Aufsehen gerade diese seine Reden erregt haben, zeigt am deutlichsten der Umstand, dass man mehrmals nach solchen Reden versuchte, ihn zu fangen oder zu steinigen.

Auf seinen Festen allein konnte sich Israel entscheiden und hat es auch getan. Auch aus diesem Grund galt es: „Es tut’s nicht, dass ein Prophet umkomme, außer in Jerusalem!“ (Lk 13,33). An einem Fest wurde er auch getötet. Es war das traurigste Fest, das Israel veranstaltete, das aber aus Nacht in Licht umschlug, in ein Fest ewiger Erlösung für alle Welt.

Nicht zurückgezogen von der festlichen Karawane, wie bei jenem Laubhüttenfest im Herbst, sondern inmitten der festlichen Scharen ging Jesus im nächsten Frühling zu diesem letzten Passafest hinauf gen Jerusalem. Von Ephraim in Juda brach er auf nach der Hauptstadt. Schon zogen von allen Seiten die Scharen dorthin, als er nahe bei Jericho zu einer Festkarawane stieß, unter welcher er wohl manches bekannte Gesicht begrüßte. Viele der Galiläer liebten den Herrn. Und dass er gleich in Jericho so öffentlich einige Wunder tat, erfüllte sie mit hohen Erwartungen. Erstaunt waren sie freilich darüber, dass er so offen und furchlos mit ihnen ging. Denn wie man in Jerusalem gegen ihn gesinnt war, konnte keinem Besucher der Feste verborgen sein.

Von Jericho bis Jerusalem hatten sie noch eine kleine Tagesreise zurückzulegen. Jesus ging gelassen unter den Pilgerscharen hinauf von Tal zu Tal, von Hügel zu Hügel, mit seinen Jüngern eine besondere Gruppe bildend. Die Karawane konnte bei dem schluchtenreichen Charakter der Wüste nicht immer eng geschlossen bleiben. Die ersten mochten von den letzten wohl eine Viertelstunde oder mehr entfernt sein. Die einen gingen zu Fuß, wie Jesus und seine Jünger. Die anderen ritten auf Eseln und Maultieren, welche zugleich ihr Gepäck trugen. Die kleine Gruppe, mit welcher Jesus, der Prophet, einen Wanderstab vielleicht in der Hand, dahinschritt, bildete den Mittelpunkt des Interesses der Karawane. Dass er sich endlich einem solchen festlichen Zug anschloss, dass seine Sache endlich zum Durchbruch kommen musste, das versetzte sie in eine gehobene Stimmung. Sie träumten wohl schon von einem glänzenden Einzug in Jerusalem.

Im großen Gegensatz hierzu und zu den Festpsalmen standen die Worte Jesu. Er wusste, dass die Todesstrafe wartete, und ruhig besprach er die kommenden Ereignisse mit den Jüngern. Aber auch sie wollten heute vom Sterbegedanken nichts wissen. Gestern oder vorgestern schon hatte Salome für ihre Söhne um die beiden Ehrenplätze in dem Reich gebeten, das Christus da droben in Jerusalem aufrichten sollte. Damals hatten sich die anderen Jünger darüber geärgert. Aber der Gedanke hatte doch auch für sie eine eigentümliche Anziehungskraft. Die frohe Stimmung der Festkarawane wirkte ansteckend auf sie. In weiter Ferne sahen sie schon von Jericho an von jeder Höhe der zahlreichen Hügel die Spitze des Ölbergs. Dort, hinter dem Berg, lag Jerusalem, die Königsstadt Davids, des Ahnherrn Jesu, mit ihren strahlenden Zinnen. Darum stritten sie, während Jesus, den keiner verstand, allein vorausgung (Mk 10,32), um die ersten Plätze in seinem Reich.

Ein schmerzliches Lächeln mag beide Male auf seinem Antlitz gelegen haben, als er solche Hoffnungen zurückwies. Sie wussten wirklich nicht, was sie gebeten und worum sie gestritten hatten. Sie sahen da drüben hinter den Bergen nur eine hellschimmernde Königskrone, die ihres Meisters Haupt zieren sollte. – Er sah eine Dornenkrone und ein blutig bleiches Angesicht und wusste, dass seine Jünger allerdings diese Krone mittragen sollten.

Abendmahl

„Abendmahl“ ist die in protestantischen Kreisen übliche Bezeichnung für das Mahl, das Jesus für seine Jünger eingesetzt hat. Er hat am letzten Abend mit ihnen das Pessach-Mahl gefeiert und es dann eingesetzt, daher der Name. Im Neuen Testament wird es allerdings an keiner Stelle als „Abendmahl“ bezeichnet. Paulus nennt es in 1 Kor 11,20 das „Mahl des Herrn“. Und in 1 Kor 10,21 spricht er vom „Tisch des Herrn“. So scheint in den Gemeinden die übliche Bezeichnung gewesen zu sein, jedenfalls finden wir keine anderen. Vielleicht sollten wir diese Ausdrucksweise dann auch übernehmen.

Wenn wir die Bedeutung dieses Mahls verstehen wollen, müssen wir natürlich theologischen Ballast abwerfen. In fast 2000 Jahren Kirchengeschichte hat sich vieles an „Eucharistie“, „Abendmahl“, „Sakrament“, „Feiern“, „Austeilen“, „Kelch“ und „Hostie“ u. ä. angesammelt. Legen wir das alles weg und schauen auf das Neue Testament. Als Jesus das Mahl damals einsetzte, hat er in einfachen Worten gesagt, was er meint. Schauen wir uns die Aussagen an, ich habe sie aus Matthäus, Markus, Lukas und dem ersten Korintherbrief zusammengestellt:

„Und während sie (noch) aßen, nahm Jesus Brot,
dankte, pries Gott, brach es, gab es seinen Jüngern und sagte:
‚Nehmt, esst! Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.
Tut das, um an mich zu denken!‘
Genauso nach dem Essen (nahm er) auch den Becher,
dankte, gab ihnen den und sagte: ‚Trinkt alle daraus!‘
Und sie tranken alle daraus. Und er sagte ihnen:
‚Dieser Becher ist die neue Bestimmung in meinem Blut,
das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung von Sünden.
Tut das, sooft ihr (von ihm) trinkt, um an mich zu denken!
Amen, ich sage euch:
Ich trinke von jetzt an nicht mehr von dieser Frucht des Weinstocks
bis zu jenem Tag, an dem ich von neuem mit euch davon trinke
im Reich Gottes, meines Vaters.'“

Jesus hat mit seinen Jüngern an jenem Abend das Pessach-Mahl gefeiert. Dieses erinnert an den Auszug der Israeliten unter der Führung Moses aus Ägypten. Auch in Ägypten musste ein Lamm sein Blut vergießen, damit das Gericht Gottes seine Leute verschonte. Wenn Jesus „genauso nach dem Essen“ den Becher nahm, geschah das Geben des Brotes ebenfalls gegen Ende des Mahls. Jesus hat also innerhalb des Pessach-Mahls nichts umgeändert oder umgedeutet, sondern daran anschließend sein neues Mahl eingesetzt. Dabei ist im Zusammenhang aber deutlich, dass auch hier an einen Auszug gedacht wird. Es geht um den Auszug aus der Welt der Sünde, den Jesus mit seinem Tod am Kreuz eingeleitet hat.

Auch hier sehen wir wieder das Prinzip der Erfüllung des alttestamentlichen Gesetzes. Das Opferlamm und das Pessachlamm verschmelzen in der Hingabe von Jesus im Kreuzestod zu einer ein für allemal gültigen Erlösung. Pessach und Sühnopfer im alten Sinne sind nun deshalb abgeschafft. weil sie erfüllt sind. Es waren schattenhafte Vorbilder für die zukünftige ewige Erlösung.

Doch betrachten wir die Szene. Jesus sitzt mit seinen Jüngern da, bricht ihnen ein Fladenbrot und sagt: „Das ist mein Leib“. Wie kann dieses Brot nun sein Leib sein? Er sitzt doch mit seinem Leib leibhaftig da bei ihnen, und keiner kommt auf die Idee, etwas von ihm abzubeißen. Sie beißen nichts von Jesus ab, sondern von dem Brot. Genauso trinken sie dann nichts von seinem Blut, das immer noch durch seine Adern fließt. Sie trinken einfach einen Schluck Wein. Da ist es doch tatsächlich sehr naheliegend, sich daran zu erinnern, dass Jesus die ganze Zeit schon mit seinen Jüngern in Beispielen und Vergleichen gesprochen hat. Das Phänomen der prophetischen Symbolsprache ist sowieso in der ganzen Bibel verbreitet.

Auch beim auferstandenen Herrn stoßen wir auf dieselbe Schwierigkeit, wenn wir uns vorstellen, seinen „Leib“ zu essen bzw. sein „Blut“ zu trinken. Jesus ist leibhaftig auferstanden, er ist in seinem Auferstehungsleib in den Himmel gegangen. Er sitzt damit zur Rechten des Vaters und wird damit wiederkommen zur Rettung der Seinen und zum Gericht. Wie konnte man je auf die Idee kommen, dass man im Mahl des Herrn leibhaftig etwas von seinem „Leib“ essen würde?

Das neutestamentliche Prinzip ist ja auch ganz anders. Jesus ist nicht leiblich bei uns, sondern „im Geist“. Er hat den Geist als seinen Stellvertreter auf Erden gesandt und wohnt im Geist im Herzen seiner Gläubigen. In Geist und Wahrheit beten sie ihn an, der nun im Geist bei und in ihnen ist. Auch hier die Frage: Warum sollte ich denn im Mahl etwas von ihm in mich aufnehmen wollen, wenn er im Geist sowieso dauerhaft in mir wohnt?

Und überhaupt, warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Jesus gibt seinen Leib und sein Blut als Opfer am Kreuz. Und prophetisch bereitet er seine Jünger mit den Zeichen von Brot und Wein zuletzt noch einmal darauf vor. Es ist eine prophetische Zeichenhandlung. Und in Zukunft sollen sie auch weiterhin mit diesen Zeichen an ihn denken.

„Zu meinem Gedächtnis“, wie Luther übersetzt hat, oder „zur Erinnerung an mich“, wie man auch übersetzen könnte, ist allerdings etwas zu sehr rückwärtsgewandt. Natürlich erinnert man sich an das Opfer, das Jesus am Kreuz gebracht hat, aber das Leben aus dieser Erlösung ist ja lebendige gegenwärtige Realität. „Um an mich zu denken“ ist dann vielleicht doch der beste Ausdruck dafür, dass Jesus, der für uns gestorben ist, mit seiner Liebe und Gnade auch gegenwärtig für uns da ist. „Um an mich zu denken“ könnte vielleicht auch ein Hinweis darauf sein, bei diesem „Mahl“ mit Brot und Wein auch tatsächlich nur an ihn zu denken und an nichts anderes mehr …