Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Schlagwort: Gott (Seite 1 von 3)

Kain und Set

Kain und Set – 1. Mose 4,16-26 in eigener Übersetzung mit Anmerkungen:

16 Kain ging aber weg von Gott und wohnte im Land Nod im Osten von Eden.
17 Und Kain war mit seiner Frau ehelich zusammen,
und sie wurde schwanger und brachte den Henoch zur Welt.
(Kain) war aber dabei, eine Stadt zu bauen.
Und er gab der Stadt nach dem Namen seines Sohnes den Namen „Henoch“.
18 Und dem Henoch wurde Irad geboren, Irad zeugte Mechujael,
Mechujael zeugte Metuschael und Metuschael zeugte Lamech.

19 Und Lamech nahm sich zwei Frauen:
der Name der einen war Ada, der Name der anderen war Zilla.
20 Ada brachte Javal zur Welt.
Der war der Vater derer, die in Zelten wohnen und Vieh (züchten).
21 Der Name seines Bruders war Juval.
Er war der, der das Saiteninstrument und die Flöte einführte.
22 Und Zilla, auch sie bekam ein Kind, den Tuval.
Der machte alles scharf, was er an Bronze und Eisen herstellte.
Und die Schwester von Tuval war Na‘ama.
23 Lamech sagte aber zu seinen Frauen:
„Ada und Zilla, hört meine Stimme,
ihr Frauen Lamechs, vernehmt meine Worte:
Ich brachte einen Mann um für meine Verwundung,
einen jungen Mann für meine Verletzung.
24 Denn Kain wird siebenfach gerächt,
Lamech aber siebenundsiebzigfach!“

25 Adam war aber weiterhin mit seiner Frau ehelich zusammen gewesen.
Sie war schwanger gewesen und hatte einen Sohn geboren
und hatte seinen Namen ‚Set‘ (Gabe) genannt,
„denn Gott hat mir einen anderen Nachkommen gegeben
anstelle von Abel, den Kain umgebracht hat.“
26 Auch Set wurde ein Sohn geboren, dessen Namen nannte er ‚Enosch‘.
Dieser setzte seine Hoffnung darauf, den Namen des Herrn anzurufen.

Anmerkungen:

1) Die hier zusammengestellten drei Abschnitte über Kain, Lamech und Set berichten, wie es nach der Geschichte mit Kain und Abel weiterging. Von Kain stammt eine Linie ab, die am Beispiel von Lamech und seinen Nachkommen zeigt, wie sie sich von Gott entfernt. „Kain ging aber weg von Gott“ – das kann ja nicht nur räumlich gemeint sein. Von Set als neuem Abel stammt eine Linie ab, die am Beispiel von Enosch zeigt, wie sie Gott treu bleibt. Diese Linie setzt sich fort in 1. Mose 5 bis Noah.

2) Woher hatte Kain seine Frau? Wenn wir der Bibel glauben, dass alle Menschen von Adam und Eva abstammen, dann mussten sich deren Kinder untereinander zusammentun. Das spätere Problem des Inzest, dass aufgrund von geschädigtem Erbgut geschädigte Kinder geboren werden, bestand am Anfang nicht. Die ersten Menschen hatten aus der Hand des Schöpfers ein vollkommenes Erbgut erhalten. Dieses war so optimiert, dass es in der Lage war, sämtliche Typen früherer und heutiger Menschen hervorzubringen. In 1. Mose 5,4 heißt es von Adam: „und er zeugte Söhne und Töchter“. Wenn Set als dritter Sohn geboren wurde, als Abel schon tot war, dann hat Eva in der Zwischenzeit Töchter geboren. Und Kain konnte sich problemlos eine davon zur Frau nehmen.

3) Bei Lamech und seiner Familie sind etliche Dinge genannt, die unter der Überschrift „weg von Gott“ den Weg ins menschliche Desaster andeuten:
Lamech mit den zwei Frauen ist der Erstgenannte, der in Polygamie lebte.
Javal als Vorfahre derer, die in Zelten wohnen, könnte einen Typus des unordentlichen Herumtreibers und Vagabunden darstellen.
Juval, der Erfinder von Musikinstrumenten, könnte ein Typus derer sein, die statt mit ordentlicher Arbeit sich lieber mit Musik und Vergnügungen abgeben.
Tuval, der Erfinder der Schmiedekunst, der „alles schärfte“, war dann wohl auch der erste Waffenproduzent.
Na’ama, was übersetzt „Liebliche“ oder „Reizende“ heißt, könnte eine gewesen sein, die mit ihren „lieblichen Reizen“ zur Verbreitung der Unzucht beitrug. Warum sollte sie sonst als einzige Frau in dieser Reihe hier genannt sein?
Und Lamech selbst hat sich ja ausdrücklich als Mörder bekannt und setzt mit seinem unerbittlichen Gesetz der Vergeltung die Blutrache in Gang.

4) In gängigen Bibelübersetzungen „begann“ man „damals“ – zur Zeit des Enosch -, „den Namen des Herrn anzurufen“. Dies kommt von einer etwas eigenartigen und schwer verständlichen Formulierung des hebräischen Textes her. Die griechische Übersetzung der Septuaginta hat dagegen statt des „damals (az)“ „dieser (zä)“ gelesen. Und „dieser“ Enosch „begann“ nicht, den Namen des Herrn anzurufen, er setzte vielmehr seine Hoffnung darauf.

Kain und Abel

Der Bericht über Kain und Abel (1 Mo 4,1-16) in eigener Übersetzung:

1 Der Adam war aber mit Eva, seiner Frau, ehelich zusammen,
und sie wurde schwanger.
Und sie brachte den Kain zur Welt und sagte:
„Ich habe einen Mann erschaffen durch Gott!“
2 Und sie bekam noch einmal ein Kind, seinen Bruder, den Abel.
Abel wurde dann ein Hirte von Schafen und Ziegen,
Kain aber wurde einer, der den Erdboden bearbeitet.
3 Und nach einiger Zeit,da brachte Kain von den Früchten des Erdbodens
dem Herrn eine Opfergabe.
4 Und auch Abel brachte (eine Opfergabe)
von den Erstgeborenen seiner Schafe und Ziegen, von ihren Fettstücken.
Und Gott blickte hin auf Abel und auf seine Gaben.
5 Auf Kain und auf seine Opfer blickte er aber nicht.
Das ärgerte Kain sehr, und sein Blick senkte sich.
6 Gott sagte aber zu Kain:
„Warum bist du verärgert, warum hat sich dein Blick gesenkt?“
7 Ist es nicht so: Wenn du das Richtige tust, ist (dein Blick) erhoben,
wenn du aber nicht das Richtige tust, lagert Sünde vor der Tür?
Und gegen dich (geht) ihr Begehren, du aber sollst herrschen über sie!“

8 Und Kain sagte zu Abel, seinem Bruder: „Lass uns aufs Feld gehen!“
Und als sie auf dem Feld waren,
da stellte sich Kain gegen seinen Bruder Abel und brachte ihn um.
9 Gott sagte dann zu Kain: „Wo ist Abel, dein Bruder?“
Der aber sagte: „Ich weiß es nicht!
Bin ich denn der Aufpasser meines Bruders?“
10 Und Gott sagte: “Was hast du getan?
Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir vom Erdboden.
11 Und jetzt: Verflucht bist du –
weg vom Erdboden, der seinen Mund geöffnet hat,
um das Blut deines Bruders von deiner Hand aufzunehmen!
12 Wenn du den Erdboden bearbeitest,
wird er dir nicht weiterhin seine Kraft geben.
Heimatlos und unsicher sollst du sein auf der Erde!“
13 Und Kain sagte zum Herrn:
„Meine Schuld ist größer, als ich sie tragen kann!
14 Wenn du mich heute vom Anblick des Erdbodens vertreibst,
ich mich vor deinen Augen verstecken muss,
und ich heimatlos und unsicher sein soll auf der Erde,
dann wird es so sein, dass jeder, der mich findet, mich tötet!“
15 Doch der Herr sagte zu ihm: „So nicht:
Jeder, der Kain tötet, soll siebenfach gerächt werden!“
Und der Herr gab Kain ein Zeichen,
damit nicht jeder, der ihn fände, ihn erschlüge.
16 Kain aber ging weg von Gott und wohnte im Land Nod im Osten von Eden.

Aussagen bekannter Christen

(Aussagen bekannter Christen sollen zu verschiedenen Themen und aus verschiedenen Blickwinkeln Anregungen zu geistlichem Denken geben:)

„Gib DICH mir und nimm mich dafür hin!
Mache, was du willst, in allen Sachen, die ich meine zu bedürfen,
die mir zum Vergnügen und Nutzen sein könnten –
gib sie mir oder gib sie mir nicht!
Gib nur DICH her!“
(Ein Gebet von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf)

Der allmächtige Gott, den nichts etwas kostet,
dem nichts zu teuer für die Menschen gewesen ist,
ist der sparsamste und langsamste Gott.
Das Gesetz seiner Wirtschaftlichkeit von Zeit,
womit er in Geduld die Früchte abwartet,
sollte unsere Richtschnur sein.
(Johann Georg Hamann)

Psalm 90

(Psalm 90 in eigener Übersetzung:)

1 Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes.

Herr, Zuflucht bist du für uns
von Generation zu Generation.


2 Ehe die Berge geboren, das Land und die Welt erschaffen wurden,
von Ewigkeit zu Ewigkeit, bist du da.

3 Du willst den Menschen zurückbringen zur Niedrigkeit
und sagst: „Kommt zurück, Menschenkinder!“


4 Tausend Jahre sind doch in deinen Augen
wie der gestrige Tag, der vergangen ist.


In einer Nachtwache 5 säst du Jahre,
am Morgen sind sie wie grünes Gras, das aufwächst.


6 Am Morgen blüht es und wächst auf,
am Abend ist es verwelkt und vertrocknet.


7 Ja, wir vergehen in deinem Zorn,
durch deine Wut erschrecken wir.


8 Du hast unser Unrecht vor dich hingestellt,
unser Verborgenes ins Licht deines Angesichts.


9 Denn unsere Tage entschwinden durch deinen Zorn,
wir vollenden unsere Jahre wie eine (Spinne ihre) Spinnwebe.


10 Die Zeit unserer Jahre enthält siebzig Jahre,
und wenn mit Kraft, (sind es) achtzig Jahre.


Und das meiste an ihnen ist Mühe und Not,
denn sie treiben schnell vorbei und wir fliegen (mit).


11 Wer erkennt die Stärke deiner Wut
und fürchet dich wegen deines Zorns?


12 Lehre mich, meine Tage zu zählen,
damit Weisheit ins Herz kommt!


13 Komm zurück, Herr – bis wann? -,
und hab Mitleid mit deinen Sklaven!


14 Lass uns satt werden am Morgen mit deinem Erbarmen,
und wir jubeln und sind fröhlich in all unseren Tagen!


15 Lass uns fröhlich werden nach den Zeiten, da du uns erniedrigt hast,
den Jahren, da wir Schlimmes sehen mussten!


16 Lass deine Sklaven deine Werke sehen
und deine Herrlichkeit über ihren Kindern!


17 Möge die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes über uns sein,
und (möge) das Werk unserer Hände bestehen bei uns!

Die sieben Geister Gottes

Die sieben Geister Gottes werden an vier Stellen in der Offenbarung genannt:

„Johannes: an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia. Gnade für euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, von den sieben Geistern vor seinem Thron und von Jesus dem Messias.“ (Offb 1,4-5a)

„Dem Boten Gottes – der Gemeinde – in Sardes schreibe: Folgendes sagt, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke.
Du hast den Namen, dass du lebst, und du bist tot.“ (Offb 3,1)

„Von dem Thron gehen Blitze, Stimmen und Donner aus. Sieben brennende Feuerfackeln sind vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes.“ (Offb 4,5)

„Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und in der Mitte der Älteren ein Lamm stehen, wie getötet gewesen, das hatte sieben Hörner und sieben Augen. – Das sind die sieben Geister Gottes, die auf die ganze Erde gesandt sind. -“ (Offb 5,6)

In der prophetischen Symbolsprache der Offenbarung wird auf diese Weise der Heilige Geist dargestellt. Die Siebenzahl als Zahl der Ganzheit bringt so die Vollkommenheit, die Fülle und die Vielfalt des Geistes zum Ausdruck.

Diese Sichtweise passt an allen der vier genannten Stellen:

Gnade und Friede gehen von Gott, dem Geist und Jesus aus. (1,4-5)

Der Geist Gottes im Bild des Feuers ist präsent vor dem Thron Gottes. (4,5)

Jesus hat den Geist bekommen, um durch ihn in seiner Gemeinde zu wirken. (3,1)

Das Lamm besitzt den Geist und hat ihn auf die ganze Erde ausgesandt. (5,6)

Die Siebenzahl des Geistes korrespondiert auch mit der Zahl der sieben Gemeinden, die hören sollen, was der Geist den Gemeinden sagt. Auch die sieben Gemeinden stehen ja als Beispiele für die gesamte und vielfältige christliche Gemeinde.

Vielleicht steht bei der Verbindung der Siebenzahl mit dem Geist Gottes auch noch die Aussage von Jes 11,2 im Hintergrund. Hier spricht Jesaja prophetisch über den Messias:

„Und ruhen wird auf ihm der Geist des Herrn,
ein Geist von Weisheit und Einsicht,
ein Geist von Planung und Kraft,
ein Geist von Erkenntnis und Ehrfurcht des Herrn.“

Psalm 8

1 Für den Vorsänger, bei den Keltern (zu singen),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde,
(wie) erhebt sich deine Hoheit
über den Himmeln!
3 Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen
hast du Lob zubereitet
wegen deiner Feinde,
um Feind und Rächer zum Aufhören zu bringen.
4 Ja, ich sehe die Himmel, Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt hast.


5 Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst,
oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest?
6 Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel,
mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn eingesetzt über das Werk deiner Hände,
alles hast du untergeordnet unter seine Füße,
8 Schafe und Ziegen und Rinder, alle zusammen,
dazu auch die Tiere des Feldes,
9 die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,
die die Pfade der Meere durchziehen.
10 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde!

Anmerkungen:

1) Der Psalm 8 hat eine aufallende Textvariante. In Vers 6 sagt der hebräische Text „Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als Gott“. „Ein wenig niedriger als Engel“ steht in der griechischen Version. Das heißt, der griechische Übersetzer hatte einen Text vor sich, in dem nicht „Elohim“ (Gott) stand, sondern „Malachim“ (Engel). Die beiden Wörter sind im Hebräischen tatsächlich sehr ähnlich, man könnte da beim Abschreiben einen Fehler machen.

Vom Textzusammenhang der Schöpfung her ist es naheliegender, den Menschen als Herrn der Schöpfung als „ein wenig niedriger als Engel“ zu betrachten. Der Vergleich mit Gott erscheint etwas weiter hergeholt. Entscheiden lassen wir die Frage in diesem Fall aber das Neue Testament. Dort wird im Hebräerbrief die Formulierung „ein wenig niedriger als Engel“ zitiert.

2) Der Psalm 8 wird mehrfach im Neuen Testament zitiert:

Mt 21,15-16: Die obersten Priester und die Theologen sahen aber die wunderbaren Dinge, die er tat, und die Kinder, die auf dem Tempelgelände laut riefen: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und sie ärgerten sich und sagten ihm: „Hörst du, was die sagen?“ Jesus erwiderte: „Ja. Habt ihr noch nie gelesen: ‚Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du Lob zubereitet’?“

1 Kor 15,26-27a: Als letzter Feind wird der Tod zunichtegemacht. Denn „alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Eph 1,20-22a: Mit ihr hat er im Messias gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt und an seiner rechten Seite eingesetzt hat in den himmlischen Welten über jede Gewalt, Macht, Kraft, Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der kommenden. „Alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Hebr 2,5-9: Er hat die kommende Welt, über die wir sprechen, doch nicht Engeln untergeordnet. Irgendwo hat jemand bezeugt und gesagt: „Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst, oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Alles hast du untergeordnet unter seine Füße.” Indem er ihm das alles untergeordnet hat, hat er ja nichts ohne Unterordnung unter ihn gelassen. Jetzt sehen wir aber noch nicht, dass ihm alles untergeordnet ist. Als den, der „ein wenig geringer gemacht war als Engel“, sehen wir aber Jesus, der aufgrund des Todesleidens „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ wurde, sobald er durch die Gnade Gottes für jeden den Tod gekostet hatte.

3) Der Psalm 8 hat prophetisch gesehen eine Art doppelten Boden. Vordergründig beschreibt er die Herrlichkeit und Vielfalt der Schöpfung mit dem Menschen, den Gott dem Schöpfungbericht entsprechend als Herrscher darüber eingesetzt hat. Hintergründig sieht die Prophetie des Neuen Testaments hier unter dem Stichwort „Menschensohn“ den Messias Jesus. In seiner irdischen Zeit war er „ein wenig niedriger gemacht als Engel“ bis in den Tod. Nach seiner Auferstehung wurde er aber von Gott als Herrscher im Himmel eingesetzt. „Alles wurde ihm untergeordnet unter seine Füße“, und er wurde „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“.

Psalm 4

Psalm 4 in eigener Übersetzung aus dem Hebräischen unter Berücksichtigung des griechischen Alten Testaments (Septuaginta):

1 Für den Vorsänger, mit Saiteninstrumenten (zu begleiten),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Wenn ich rufe, erhört mich der Gott meiner Gerechtigkeit,
in der Enge verschaffst du mir Weite.
Hab Erbarmen mit mir,
und erhöre mein Gebet!
Ihr Menschenkinder, bis wann (wollt ihr) schwerfälligen Herzens sein,
warum liebt ihr Nichtiges und trachtet nach Lüge?
– Kurze Pause –

4 Erkennt auch, dass der Herr wunderbar handelt an (mir,) seinem Heiligen!
Der Herr wird mich erhören, wenn ich zu ihm rufe.
5 Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht,
sprecht in euren Herzen auf euren Betten und geht in euch!
– Kurze Pause –

6 Opfert das richtige Opfer,
und vertraut auf den Herrn!
7 Wenn viele sagen: „Wer wird uns das Gute zeigen?“,
erhebe über uns das Licht deines Angesichts, Herr!
8 Du gibst mir Fröhlichkeit ins Herz,
mehr als dann, wenn sich ihr Korn, Wein und Öl vermehren.
9 In Frieden kann ich zugleich mich niederlegen und einschlafen,
denn du, Herr, lässt mich ganz für mich im Vertrauen wohnen.

Anmerkungen:

Psalm 4 gibt in Vers 9 auch das Rezept für einen guten Schlaf. Im Frieden mit Gott gibt es nichts mehr, was einen innerlich umtreiben und einem den Schlaf rauben kann. Alles ist im Vertrauen beim Herrn aufgehoben, damit für den Gläubigen erledigt, und wenn er sich müde niederlegt, schläft er zugleich auch sofort ein.

Dass der Gläubige sich in Vers 4 auch als „Heiligen“ bezeichnet, ist für das Alte Testament etwas ungewöhnlich, aber sachlich dennoch richtig.

Aus Psalm 4 hat auch Paulus zitiert:

Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht!“ Die Sonne darf nicht untergehen über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum! (Eph 4,26-27)

Psalm 3

Psalm 3 in eigener Übersetzung unter Berücksichtigung der griechischen Übersetzung des Altentestaments (Septuaginta):

1 Ein Psalm mit Worten Davids,
als er auf der Flucht war vor Absalom, seinem Sohn.

2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger,
viele erheben sich gegen mich!
3 Viele sagen meiner Seele:
„Es gibt keine Rettung für ihn bei Gott.“
– Kurze Pause –

4 Du aber, Herr, bist mein Schild,
bist meine Ehre und erhebst mein Haupt.
5 Meine Stimme ruft zum Herrn,
und er erhört mich von seinem heiligen Berg.
– Kurze Pause –

6 Ich bette mich zur Ruhe, ich schlafe,
ich wache auf, denn der Herr hält mich fest.
7 Ich werde mich nicht fürchten vor Zehntausenden von Kriegsleuten,
die sich ringsum gegen mich aufstellen.
8 Erhebe dich Herr,
rette mich, mein Gott!
Ja, du schlägst all meine Feinde auf die Backen,
die Zähne der Frevler zerbrichst du.
9 Bei dem Herrn ist die Rettung,
auf deinem Volk dein Segen!

Anmerkungen dazu:

1) Die „Kurze Pause“ nach den Versen 3 und 5 gibt das hebräische Wort „Sela“ wieder. Der hebräische Sprachrhythmus mit den zwei zueinandergehörigen Zeilen ist nicht einfach nur ein dichterisches Stilmittel, sondern geht auf die orientalische Art des Wechselgesangs zurück, bei dem ein Chor oder der Vorsänger jeweils die erste Zeile sang und ein anderer Chor die zweite. Musikinstrumente begleiteten das Lied, aber nicht während des Singens, sondern davor, dazwischen und danach. „Sela“ bedeutet eine „kurze Pause“ im Lied, während der dann Instrumente spielten.

2) Im Althebräischen gibt es nicht die Tempora (Zeitformen) der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese müssen sinngemäß aus dem Textzusammenhang erschlossen werden. Dafür ist es hilfreich, dass die Übersetzung ins Griechische schon damals zwangsläufig die griechischen Zeitformen verwendet hat. Und hier taucht auch in Psalm 3 wieder die griechische Vergangenheitsform des Aorist auf. Dieser bringt erzählend Vorgänge in der Vergangenheit zum Ausdruck, in einer besondern Bedeutung aber auch Erfahrungstatsachen. Dinge, die immer (wieder) so waren und deshalb auch jetzt so sind, drückt man im Deutschen aber mit dem Präsens (Gegenwart) aus. David erzählt in den Versen 6 und 8 nicht einfach vergangene Ereignisse, sondern seine Erfahrung. Und so bringt hier das Präsens am besten zum Ausdruck, was er wirklich meint.

3) Wem das „auf die Backen schlagen“ und „Zähne zerbrechen“ in Vers 8 etwas grausam erscheint, den darf man erinnern, dass David etliche Kriege zu bestehen hatte und auch in dieser Situation kriegerisch bedroht wurde. Wenn man sich die frühere Art des bewaffneten Kampfs Mann gegen Mann im Krieg vorstellt, dann sind die hier genannten Ausdrücke vielleicht sogar eher von der harmloseren Art.

Schwören

(Schwören – ein Abschnitt des Kapitels „Volksmund“ in Ludwig Schnellers Buch „Kennst du das Land?„. Schneller hat seine Beobachtungen im damaligen Palästina in den Jahren 1884 bis 89 gemacht.)

Schwören und Fluchen hört man leider an allen Orten, auf Straßen und Märkten, in Werkstätten und Häusern. Es ist überall, wo man Menschen trifft. Fast jede Behauptung beginnt mit den Worten: So wahr Gott lebt, so wahr du lebst, bei meinem Haupt, bei meinem Leben usw.. Ähnliche Redensarten hören wir ja oft genug bei den Propheten. So begann z. B. Elija seine Reden stets mit den Worten: „So wahr der Herr, der Gott Israels lebt, vor dem ich stehe“. Hier haben die Worte eine ehrfurchtgebietende Majestät. Das Volk aber missbrauchte diese Schwüre damals, wie heute, in der gedankenlosesten, der sündlichsten Weise.

Man kann heute auf dem Markt an keinem Laden vorbeigehen, ohne fortwährend Schwüre zu hören. Denn man gibt kaum ein Zehnpfennigstück aus, ohne dass der Verkäufer schwört, er könne die Ware nicht billiger geben. Der Käufer schwört dagegen, er könne nicht so viel bezahlen. Und so kann man es verstehen, wie nötig und wichtig jene Regel der Bergpredigt ist: „Ihr sollt allerdings nicht schwören! Eure Rede sei ja-ja, nein-nein, was darüber ist, das ist vom Übel“ (Mt 5,37). …

Die Juden zur Zeit Jesu hatten zu viel Respekt vor dem Namen Gottes, als dass sie denselben im täglichen Leben zu Schwüren missbraucht hätten. Allerdings konnten sie von der orientalischen Unart doch nicht lassen. Und so pflegten sie beim Himmel, bei der Erde, bei Jerusalem, bei ihrem Haupt usw. zu schwören. Hierauf beziehen sich die Worte des Herrn.

Er weist nach, dass es leere Sophistik ist, wenn man meint, diese Schwüre enthielten keinen Missbrauch des Namens Gottes. Und er zeigt von jedem einzelnen Schwur, dass er im Grunde doch bei Gott, bei seinem Stuhl, seiner Füße Schemel, seiner Königsstadt usw. geschworen ist. Dieses gedankenlose und meist verlogene Schwören verbietet der Herr (s. auch die Parallelstelle Ja 5,12).

Hier mag auch erwähnt werden, dass die Araber bis zum heutigen Tage bei den geringfügigsten Anlässen den Namen Gottes in törichtem Aberglauben aus Furcht vor Gespenstern und bösen Geistern unzählige Male missbrauchen. Fast bei jeder Berührung eines kleinen Kindes, über jedem neuen Topf, über den albernsten Kleinigkeiten, wird der Name Gottes wie ein mächtiger Zauberspruch und geheimer Talisman ausgesprochen, um sich und sein Haus gegen unheimliche Mächte zu feien. Gegen einen ähnlichen Missbrauch wendet sich Gottes Gebot. „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes nicht vergeblich führen!“ (2 Mo 20,7). Dagegen befiehlt der Herr aus Anlass des Segens Aarons: „Ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israels legen, dass ich sie segne!“ (4 Mo 6,27).

Sünde, die nicht vergeben wird

Sünde, die nicht vergeben wird, ist eine Realität in der Botschaft des Neuen Testaments. Doch stellt sich die Frage, wie oder womit jemand so sündigt, dass ihm nicht mehr vergeben werden kann. Diese Frage hat zu allen Zeiten Rätsel aufgegeben. Und manche eigenartigen Auslegungen haben christliche Glaubensgeschwister schwer belastet. Auf die Spur einer Antwort kommen wir, wenn wir den Zusammenhang beachten. Betrachten wir die Stellen, die davon sprechen:

Die Sünde gegen den heiligen Geist

„Amen, deswegen sage ich euch: Alle Versündigungen und Lästerungen können den Menschen vergeben werden, wie viel sie auch gelästert haben; die Lästerung des Geistes kann aber nicht vergeben werden. Jeder, der ein Wort gegen den Menschensohn gesagt hat, dem kann vergeben werden; wenn aber jemand etwas gegen den Heiligen Geist gesagt und gelästert hat, dem kann nicht vergeben werden, weder in dieser Welt noch in der kommenden. Er hat keine Vergebung bis in Ewigkeit, sondern ist einer ewigen Versündigung schuldig.“ (Mt 12,31-32 und Mk 3,28-29)

Jesus selbst hat die Sünde, die nicht vergeben wird, als Sünde gegen den heiligen Geist bezeichnet. In seiner Antwort auf die Theologen, die seine Befreiungstaten als das Werk Beelzebubs bezeichneten, sprach er diese Warnung aus. Das offensichtliche Werk des Heiligen Geistes als Teufelswerk zu bezeichnen und das durch Leute, die es von der Schrift her besser wissen müssten, das geht direkt gegen den Heiligen Geist. Und bei genauer Betrachtung ist es dann schon keine Warnung mehr, sondern ein Urteil.

Ich denke, man kann es sich so vorstellen: Dass jemand sich bekehrt und retten lässt, dazu muss ja schon der Heilige Geist an ihm arbeiten, ihn ziehen, wie Jesus gesagt hat. Wenn nun jemand den Heiligen Geist in dieser Weise ablehnt und verleumdet, also lästert, dann zieht sich der Heilige Geist dauerhaft von ihm zurück, und dann gibt es auch keine Rettung, keine Vergebung mehr. Die jüdische Theologenschaft zur Zeit von Jesus hat ja dann eindrücklich demonstriert, wie das ausgeht.

Die Sünde zum Tod

„Wenn jemand sieht, dass sich eines seiner Geschwister versündigt mit einer Sünde, (die) nicht zum Tod (führt), soll er (dafür) bitten und ihm Leben geben. (Das gilt) für die, die sich nicht zum Tod versündigen. Es gibt Sünde, (die) zum Tod (führt), für die sage ich nicht, dass man bitten soll.“ (1 Joh 5,16)

Dazu gehört wohl auch die Aussage von Jakobus: „Jeder wird aber versucht, wenn er von seiner eigenen Gier verlockt und geködert wird. Wenn die Gier dann schwanger geworden ist, gebiert sie Sünde. Und die Sünde, wenn sie vollbracht ist, gebiert Tod.“ (Jak 1,14-15)

Es gibt also zunächst einmal Sünden, für die man bitten kann, die dann auch vergeben werden. Das sind Sünden, die nicht zum Tod führen. In diese Richtung zeigt auch das Wort von Paulus: „Wenn ein Mensch bei irgendeinem Fehltritt überrascht wird, Geschwister, dann müsst ihr, die geistlichen Menschen, denjenigen wiederherstellen mit sanftem Geist!“ (Ga 6,1). Auch davon spricht Jakobus: „Gesteht einander also die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet!“ (Jak 5,16)

Es gibt aber auch die Sünde, die zum Tod führt, für die man auch nicht mehr beten soll. Offensichtlich ist das eine solch endgültige und irreparable Trennung von Gott, dass dafür keinerlei Vergebung oder Rettung mehr möglich ist. Über eine solche Versündigung schreibt auch der Hebräerbrief:

Die Sünde des Abfalls

„Es ist allerdings unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet waren, die das Geschenk des Himmels geschmeckt haben, die Teilhaber am Heiligen Geist geworden sind, die Gutes vom Wort Gottes und Kräfte einer kommenden Welt geschmeckt haben und (dann dennoch) abgefallen sind, noch einmal erneut zu einer Sinnesänderung zu bringen. Sie haben für sich selbst den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz gehängt und zum Gespött gemacht.“ (Hebr 6,4-6)

Barnabas, der mutmaßliche Schreiber des Hebräerbriefs, beschreibt hier eindeutig den Fall eines mit allem Drum und Dran wiedergeborenen Christen. Dieser ist (damals vermutlich unter dem Druck der Christenverfolgung) von allem, was Gott ihm geschenkt hat, bewusst wieder abgefallen. Von so etwas wird man nicht ereilt oder überrascht, es geschieht vielmehr bewusst in voller Absicht. Auch das ist natürlich eine Form der Sünde gegen den Heiligen Geist. Und es gibt hier keine Möglichkeit der Rückkehr, Vergebung und Rettung mehr.

Erklärungsversuche

Die Sünde, die nicht vergeben wird, ist also eine bewusste, selbstverschuldete, und endgültige Distanzierung bzw. Trennung von Gott. Der „gewöhnliche“ Ungläubige, der Gott noch nicht wirklich kennen gelernt hat, kann diese Sünde also nicht begehen oder begangen haben. Der Gläubige, der über einen Fehltritt traurig ist und mit der Bitte um Vergebung und Reinigung zum Herrn zurückkommt, hat sie auch nicht begangen. Und jemand, der im Zuge des Erwachsenwerdens den ihm in seiner Jugend anerzogenen Glauben erst einmal ablegt, um auf eigenen Beinen zu stehen und sich selbst entscheiden zu können, hat sie vermutlich auch nicht begangen.

Es gibt wohl ein deutliches Zeichen dafür, dass jemand die Sünde, die nicht vergeben wird, begangen hat. Das ist fanatische Feindschaft gegen alles, was von Gott kommt. Ich erinnere mich an einen alten weisen Bruder (Walter Tlach), der sich damit persönlich auskannte. Seine Erzählung an uns als junge Studenten war die, dass in der NS-Zeit die schlimmsten Nazis oft ehemalige CVJM-er waren und ebenso in der Sowjetunion die fanatischsten Christenverfolger ehemalige Christen waren. Ich vermute, dass z. B. unter fanatischen Evolutionisten, Bibelkritikern, Klerikern und Sektierern auch solche Leute sein werden. Da kann man sich dann tatsächlich nur noch mit Grausen abwenden …

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