Das Neue Testament verstehen

Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Willkommen auf meinem Blog

Tageslosung zum 27. Januar 2023 – Ps 1,3

(Die Losung gehört in den Zusammenhang der Verse 1 bis 3):

„Glücklich ist der Mensch, der nicht im Plan von Gottlosen geht,

nicht auf dem Weg von Sündern steht

und nicht auf dem Stuhl von Spöttern sitzt,

sondern am Gesetz des Herrn Gefallen hat

und sich mit seinem Gesetz beschäftigt bei Tag und Nacht.

Er wird sein wie ein Baum, der an Wasserläufen gepflanzt ist,

seine Frucht wird er bringen zu seiner Zeit,

sein Laub wird nicht verwelken,

und alles, was er auch tut, wird gelingen.“

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Liebe Besucher meines Blogs, nachdem ich mit den Korrekturen meiner NT-Übersetzung so ziemlich fertig bin, arbeite ich weiter an einem Buch, das ich auch noch veröffentlichen möchte. Es handelt von der neutestamentlichen Gemeinde, wie Gott sie gedacht und gewollt hat – und wie nicht. Um Lust darauf zu machen, biete ich hier fortlaufend einzelne Kapitel aus dem Buch zum Lesen dar:

26. 1. 2023 – Der Blick auf die himmlische Gemeinde

24. 1. 2023 – Die Lehrautorität in der Gemeinde

23. 1. 2023 – Und die Apostel?

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Reihenfolge aller Beiträge zur Kategorie „Neues Testament“:

Lehrer

Wiedergeburt

Heiligen Geist bekommen

Die Ankündigung des Geistes

Das „Evangelium“

Der Geist Gottes

Satan

Was ist Geist

Totenwelt

Taufen

Schriftgelehrter

Die „Predigt“

Pastor

Das Kreuz

Erbauung

Kirche

Oberster Priester

Gottesdienst

Fleisch

Diakon

Christus

Buße

Der Bund

Bischof

Apostel

Älteste / Ältere

Die Sprachen im Neuen Testament

Im Geist

Der Antichrist

Der Hebräerbrief

Petrusbriefe und Judasbrief

Titus 2: ältere und jüngere Frauen

Gefangenschaftsbriefe

Wer sind die Geistlichen?

Die Frucht des Geistes

Gerettet sein und gerettet werden

Gerettet durch Kindergebären?

Verschleierung der Frauen?

Zitate im griechischen Text

Wer hat die Briefe geschrieben?

Wer ist Rufus?

Auch Frauen sind „Brüder“

Heiligen Geist haben

Was blieb bei Karpos zurück

Der Zehnte von Küchenkräutern?

Wer kennt Julius?

Philippus der Botschafter

Die Apostelgeschichte

Der Stern von Betlehem

Wann ist Jesus geboren?

Beten im Namen von Jesus

Der Ruheplatz für die Seele

Der griechische Aorist

Sterben und Neugeburt

In Ewigkeit kein Tod

Die Auferstehung „nach drei Tagen“

Die Datierung der Ereignisse

Der Ablauf der Passionswoche

Die Tageszeiten

Die Essener

Flavius Josephus

Jesus von Nazaret

Der Messias

Der Psalm 2

Der Name Jesus

Fischer vom See Genezaret

Johannes

Eine Evangelienharmonie

Frauen bei Lukas

Lukas

Markus

Wer bei Jesus ein Theologe ist

Matthäus

Der Blick auf die himmlische Gemeinde

Die Gemeinschaftstruktur der christlichen Gemeinde als die eine Gemeinde unter dem einem Hirten Jesus wird auch noch anders deutlich. Betrachten wir doch einmal die Bilder der verherrlichten Gemeinde im Himmel, wie sie in der Offenbarung in Erscheinung tritt. Die Gemeinde im Himmel nach der Auferstehung bzw. Entrückung wird an zwei Stellen gezeigt:

„Danach sah ich: Da war eine große Menschenmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Volksgruppe, aus Stämmen, Völkern und Sprachen. Die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, gekleidet mit weiß leuchtenden Gewändern und mit Palmzweigen in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme: ‚Die Rettung (geschieht) durch unseren Gott, der auf dem Thron sitzt, und durch das Lamm!’” (Offenbarung 7,9+10).

„Und ich sah etwas wie ein Meer aus Kristall mit Feuer vermischt, und die, die gesiegt hatten – heraus aus (dem Machtbereich) des Tieres, seines Bildes und der Zahl seines Namens. Sie standen an dem Meer aus Kristall und hatten Gottes Harfen. Und sie singen den Gesang Moses, des Sklaven Gottes, und den Gesang des Lammes: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahr sind deine Wege, König der Völker! Wer sollte sich nicht fürchten, Herr, (wer sollte) deinen Namen (nicht) ehren? Denn du allein bist heilig! Alle Völker werden kommen und sich vor dir zu Boden werfen. Denn deine gerechten Taten sind sichtbar geworden!” (Offenbarung 15, 2-4).

Wenn sie im Himmel als die eine große Schar von Geretteten und Siegern vor dem Thron Gottes stehen, sind keine menschlichen Leitungsstrukturen unter ihnen erkennbar. Sie sind alle gleich vor Gott und dem Lamm. Sollte man nicht aus der Struktur der himmlischen Gemeinde auch Rückschlüsse auf die irdische Gemeinde ziehen?

Oder umgekehrt gefragt: Können wir uns ernsthaft vorstellen, dass wir bei unserem Einzug im Himmel vor Gottes Thron von einer Heerschar von Ältesten, Pastoren, Priestern, Bischöfen und sonstigen Leitern begleitet werden, die uns womöglich dort einweisen und anleiten, was wir zu beachten haben und was zu tun oder zu lassen ist? Eine absurde Vorstellung!

Diese Art von Leuten ist also im Himmel völllig fehl am Platz. Sind sie dann nicht auch im Reich Gottes hier auf der Erde fehl am Platz? Ich denke, das Bild der neutestamentlichen Gemeinde gibt eine klare Antwort darauf: Sie sind nicht nur überflüssig, sie sind schädlich. Gott hat sie nie gewollt.

Die Lehrautorität in der Gemeinde

Die Gesandten des Anfangs sind andererseits natürlich die von Gott gegebenen Lehrer, deren Lehre verbindlich ist für die ganze Gemeinde. Die von Jesus ausgewählten, ausgebildeten, beauftragten und gesandten Zwölf haben die Lehre von und über Jesus weitergegeben. Und damit haben sie den Grund der universalen christlichen Gemeinde gelegt. Ihre Namen sind Simon Petrus, Andreas, Jakobus, der Sohn von Zebedäus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus, der Sohn von Alfäus, Thaddäus, Simon der Zelot und Matthias. Nicht umsonst tauchen sie auch am Ende der Offenbarung wieder auf, wo die verherrlichte Gemeinde in Gestalt des neuen Jerusalem aus dem Himmel auf die neue Erde herabkommt: „Die Stadtmauer der Stadt hat zwölf Fundamentsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Gesandten des Lammes.“ (Offenbarung 22,14)

Die Lehre dieser Gesandten ist bis zu uns gekommen durch die Autoren der neutestamentlichen Schriften. Auch ihre Namen sind bekannt: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Paulus, Jakobus, Petrus, Judas und Barnabas (der mutmaßliche Autor des Herbräerbriefs). Sie könnte man mit Recht die „Lehrer der Kirche“ nennen, wenn die „Kirche“ diese Bezeichnung nicht verunmöglicht hätte. Sie hat diese Lehrer nämlich zur Seite gestellt und sich ihre eigenen Lehrer und Lehren gemacht. Und sie macht das bis heute.

Für die Gemeinde des Herrn, die Jesus treu folgt, bleibt die Lehre dieser Männer aber für immer verbindlich. In ihr vernimmt sie die Stimme ihres guten Hirten. In ihr erkennt sie den ganzen Willen Gottes, den zu tun ihr oberstes Bestreben ist. Deshalb brauchen wir in der einfachen Gemeinde einfacher Christen das einfache Bibelverständnis, das immer danach fragt, was in den biblischen Schriften im eigentlichen Sinne ursprünglich gemeint ist. Diese Schriften sind für alle da und für alle verständlich. Auch hier hat die Weisheit Gottes etwas geschenkt, was die Gleichwertigkeit und Verantwortlichkeit der Geschwister in der Gemeinde zum Ausdruck bringt.

Und die Apostel?

Nach dieser Erörterung über die Älteren bzw. Verantwortlichen in der Gemeinde wäre der Blick dann auch noch auf die überörtlich tätigen, gewöhnlich „Apostel“ genannten Mitarbeiter Gottes zu richten. Sind nicht wenigstens sie so etwas wie geistliche Leiter, deren Autorität man Gehorsam schuldig ist?

Auch hier tut erst einmal eine begriffliche Klärung gut. „Apostel“ ist ein Lehnwort aus dem Griechischen, wo Leute wie Petrus und Paulus tatsächlich mit dem Wort „apóstolos“ (Plural „apóstoloi“) bezeichnet werden. Dabei müssen wir natürlich den Ballast abwerfen, der sich im Laufe von fast 2000 Jahren Kirchengeschichte auf den Begriff „Apostel“ bzw. „apostolisch“ gelegt hat. Der entsprechende Begriff aus dem Lateinischen ist übrigens „Missionar“.

„Apóstolos“ kommt von „apostéllein“, was auf Deutsch jemanden „senden“ oder „schicken“ heißt. Es ist also ein „Gesandter“ oder ein „Bote“, ein Untergeordneter, der einen Auftrag erfüllt. Das Spektrum reicht von einem diplomatischen Gesandten des Kaisers bis hin zu einem Sklaven, der eine einfache Mitteilung überbringen muss. Ein Gesandter des Herrn, Jesus, zu sein, ist im Reich Gottes eine grundlegende Aufgabe und steht bei den Aufzählungen der geistlichen Gaben in den Paulusbriefen immer an erster Stelle.

In der Gemeinde haben diese Gesandten im Neuen Testament immer eine führende Funktion. In der Urgemeinde in Jerusalem hatten die zwölf von Jesus eingesetzten Gesandten zunächst die Aufgabe von Verantwortlichen bzw. Älteren der Gemeinde und haben sich auch so verhalten. In den Berichten der Apostelgeschichte ist zu erkennen, dass dann mit der Zeit andere Ältere daneben traten und in Jerusalem die Gesandten immer weniger wurden, weil sie sich ihrer Aufgabe entsprechend aussenden ließen, wohin immer der Herr sie durch den heiligen Geist schickte bzw. führte.

Als Musterbeispiel ist uns in der Apostelgeschichte und in seinen Briefen der „Apostel“ Paulus gegeben. Er war schon keiner von den Zwölf mehr, aber ein Lehrer in der Gemeinde in Atiochia. Von hier aus wurde er ausgesandt, um seinen Sendungsauftrag zu erfüllen. Es wird in den Berichten deutlich, dass seine „sendende“ Gemeinde in Antiochia keinerlei Weisungsbefugnis über ihn hatte oder ausübte. Es gab keine irdische „Missionsleitung“, der er Rechenschaft schuldig war – auch wenn er bei einem Zwischenbesuch in Antiochia berichtete, was der Herr in seinem Dienst getan hatte. Und außer der anfänglichen Ausstattung zur Reise wurde er auch nicht von dort bezahlt.

Das Prinzip der Gesandten von Jesus hat Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom deutlich so ausgedrückt:

„So habe ich von Jerusalem und ringsum bis nach Illyrien die Botschaft des Messias vollendet. Aber so, dass ich Wert darauf lege, die Botschaft nicht (da) zu bringen, wo der Messias (schon) genannt worden ist, damit ich nicht auf fremdes Fundament baue, sondern wie es geschrieben steht: ‚Die, denen nichts über ihn berichtet wurde, werden sehen, und die, die von nichts hörten, werden begreifen!‘ (Jesaja 52,15). Deshalb wurde ich auch vielfach aufgehalten, zu euch zu kommen. Jetzt habe ich aber keinen Platz mehr in diesen Gegenden. Und Sehnsucht, zu euch zu kommen, habe ich seit vielen Jahren, weil ich nach Spanien gehen (will). Ich hoffe nämlich, (bei euch) durchzukommen, euch zu sehen und von euch dorthin zur Reise ausgestattet zu werden, wenn ich von euch zuvor einigermaßen gesättigt sein werde.“ (Römer 15,19b-24).

Einige Prinzipien werden hier deutlich erkennbar:

– Der Auftrag und Dienst eines Gesandten von Jesus dem Messias geht dahin, wo Jesus noch nicht bekannt ist. Er hat erkennbar keine ‚kirchenleitende‘ Funktion. Da, wo die Gemeinde gegründet und aufgebaut ist, hat der Gesandte keinen Platz mehr. Er er muss weiter, dahin, wo Jesus noch unbekannt ist.

– Die entstandene und gewachsene Gemeinde wird sich selbst, bzw. der Führung und Leitung des Herrn, Jesus, durch den heiligen Geist und der Begleitung durch die örtlichen Verantwortlichen überlassen.

– Bestehenden Gemeinden, wie der in Rom, begegnet der Gesandte in brüderlicher bzw. partnerschaftlicher Haltung. Er bittet sie um die gewünschte Zusammenarbeit.

– Auch im genannten Beispiel spricht Paulus in Rom die Gesamtheit der Geschwister an, denen er begegnen und bei denen er sich mit seinem Brief einführen will. Von beiden Seiten ist keine Art von „Kirchenleitung“ im Spiel.

– Paulus sieht seinen Weg von Gott geführt und möchte, dass das auch die Geschwister in Rom so sehen. Der Wille Gottes und die daraus folgende Leitung des heiligen Geistes sind das entscheidende Element.

Es gibt in der neutestamentlichen Gemeinde keinen Platz für örtliche oder überörtliche autoritäre Führungsstrukturen. Es herrscht eine Atmosphäre des Gehorsams gegen Gott und des gegenseitigen Respekts unter Geschwistern. Die überörtlichen Gesandten des Herrn arbeiten in dienender Haltung mit der Autorität der Vollmacht von Gott. Und diese zeigt sich in der Überzeugungskraft ihres Dienstes, nicht in der Berufung auf Titel und Leitungspositionen.

Auch die „Apostel“ sind Brüder und Glieder am Leib des Herrn, der Gemeinde. Gleichwertig und gleichgestellt, mit einer besonderen Gabe und Aufgabe von Gott.

Als die Gemeinde in Korinth begann, sich aufzuspalten durch die Orientierung an menschlichen Führungspersonen wie Paulus, Apollos oder Kephas (Petrus), rückte das Paulus scharf zurecht:

„Deshalb soll auch niemand auf Menschen stolz sein. Alles gehört doch euch: Sei es Paulus, sei es Apollos, sei es Kefas, sei es Welt, sei es Leben, sei es Tod, sei es Gegenwärtiges, sei es Kommendes, alles gehört euch, ihr aber (gehört) dem Messias, der Messias (gehört) Gott.“ (1. Korinther 3, 21-23).

Orientieren muss man sich also am Messias und an Gott, nicht an Menschen. Und mögen es noch so begnadete und vollmächtige göttliche Gesandte sein. Orientierung an Menschen bringt Spaltung, Orientierung an Jesus bringt Einheit.

Verantwortliche in der Gemeinde

Das Grundprinzip dürfte nun klar sein: Wenn es Verantwortliche in der Gemeinde gibt, dann können es keine „Oberen“ sein. Es müssen „Gleiche“ sein.

Einerseits sind im Neuen Testament alle mitverantwortlich als Brüder und Schwestern und Glieder am Leib des Messias. Tatsächlich werden andererseits auch einige von ihnen als besondere Verantwortliche betrachtet und dazu auch eingesetzt. Das hängt sicherlich zum einen mit ihrer geistlichen Reife und ihren Gaben zusammen, zum anderen aber auch damit, dass in einer Stadt mit mehreren oder vielen Hausgemeinden zumindest einige den Überblick behalten sollten..

Nach dem Studium der griechischen Begriffe bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass wir in den gängigen Bibelübersetzungen in der Regel traditionsbedingten Fehlübersetzungen begegnen. Diese sind aus der Sicht von obrigkeitlicher Gemeindeleitung formuliert worden, entsprechen so aber nicht dem biblischen Grundtext. Weil es hier auf jedes einzelne Wort ankommt, möchte ich die Begriffe, die das Neue Testament gebraucht, im einzelnen erklären. Dabei fällt auf, dass es in der frühen Gemeinde offensichtlich gar keine einheitliche Bezeichnung gab, sondern eine sprachliche und kulturelle Vielfalt:

1) Presbýteros:

Älteste gibt es genau genommen nicht im Neuen Testament. Die korrekte Übersetzung für den traditionell verwendeten Begriff „Älteste“ ist nämlich „Ältere“. Im Griechischen haben wir es mit dem Wort „presbýteros“ zu tun. Eingedeutscht taucht es in den Lehnwörtern „Presbyter“ und „Priester“ auf. Und dabei handelt es sich grammatikalisch nicht um den Superlativ von ‚presbýs‘ (alt), was „ältester“ hieße, sondern um den Komparativ. Der ist aber korrekt mit „älter“ oder „Älterer“ zu übersetzen. Das Wort „Ältester“ wäre auf das griechische „presbýtatos“ zurückzuführen und somit falsch übersetzt.

In der christlichen Gemeinde gibt es also keine „Ältesten“, weder vom Sinne des Wortes noch von der Lehre her. Älteste, die einen absoluten Status im Sinne eines leitenden Amtes innehaben, sind dort unbekannt. Es gibt im Sinne des Wortes nur „Ältere“, die im geistlichen Wachstums- und Reifeprozess relativ gesehen weiter vorangeschritten sind als die anderen. Und in diesem Sinne haben sie eine helfende Älteren-Aufgabe, um die ganze Gemeinde in einer gesunden Entwicklung zu unterstützen, wie etwa ältere Geschwister dies gegenüber jüngeren in einer Familie tun.

Über die Älteren-Aufgabe hat Petrus geschrieben – 1.Petrus 5,1-3: „Die Älteren unter euch fordere ich nun auf als Mit-Älterer, Zeuge der Leiden des Messias und Teilhaber der Herrlichkeit, die enthüllt werden wird: Hütet die Herde Gottes bei euch und achtet auf sie, nicht mit Druck, sondern Gott entsprechend in Freiwilligkeit, nicht gewinnsüchtig, sondern bereitwillig, nicht indem ihr die Teilgemeinden beherrscht, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid!“ (Wenn sich die christliche Gemeinde in einer Stadt in mehrere oder viele Hausgemeinden gruppiert, dann sind wohl auch die Älteren den Teilgemeinden zugeordnet, aber, wie Petrus sagt, nicht als Beherrscher, sondern als Vorbilder.)

2) Epískopos:

Bischof ist ein Lehnwort aus dem Griechischen, es ist von dem Wort „epískopos“ abgeleitet. Dieses bezeichnet im Neuen Testament viermal Verantwortliche in den Gemeinden und in 1.Petrus 2,25 einmal Jesus selbst. Die deutschen Übersetzungen des Wortes sind vielfältig.

Die Stelle Apostelgeschichte 20,28 zeigt in ihrem Zusammenhang eindeutig, dass es eine alternative Bezeichnung für „presbýteroi / Ältere“ ist und dass es – dazu passend – mehrere in einer Gemeinde sind. Wie die Evangelien zeigen, ist ‚presbýteroi‘ der Begriff aus der jüdischen Tradition. „Epískopoi“ ist dann der entsprechende Begriff aus dem griechischen Kulturkreis.

Das Wort ist zusammengesetzt aus der Vorsilbe „epí – auf/über“ und „skópos – Sehender / Beobachter“. Es könnte also autoritär übersetzt werden als „Aufseher“ oder aber funktional als „jemand, der die Übersicht hat“.

In der nach-neutestamentlichen Zeit hat sich leider das autoritäre Verständnis durchgesetzt, bis der „Bischof“ als geweihter Übergeordneter der unumschränkte Herr einer Ortsgemeinde, dann eines Sprengels oder einer Diözese war. Die Theologen bzw. Historiker nennen das „monarchischer Episkopat“. Von der gemeinschaftlichen Struktur der neutestamentlichen Gemeinde her ist das eine gravierende Fehlentwicklung, die alles verfälscht und die Gemeinde zerstört.

Im neutestamentlichen Sinne sind die „epískopoi“ in der Gemeinde solche, die „die Übersicht haben“. Da es dafür im Deutschen leider kein passendes Substantiv gibt, benutze ich als allgemeinste Übersetzung dafür den Begriff „Verantwortlicher“. Aber wohlgemerkt, er ist nicht der eine Verantwortliche in der Gemeinde, das ist Jesus selbst. Er ist einer von mehreren Verantwortlichen bzw. Älteren.

3) Poimén:

„Pastor“ ist das lateinische Wort für „Hirte“, griechisch „poimén“. Im Neuen Testament kommt es im wörtlichen Sinn vor z. B. bei den Hirten im Bericht von der Geburt des Messias (Lukas 2). Im übertragenen Sinn ist es an mehreren Stellen dann eine Bezeichnung von Jesus selbst. Er ist der von Gott gesandte gute Hirte, der Anführer und Versorger seiner Herde, der Gemeinde.

Als Bezeichnung von Verantwortlichen in der Gemeinde taucht „Hirten“ nur ein einziges Mal auf. Und das ist in der Aufzählung der Gaben Epheser 4,11, und zwar in der Kombination „Hirten und Lehrer“. Aus dieser Tatsache kann man vielleicht auch schließen, dass es keine häufige Bezeichnung war. Das „Hüten“ als deren Tätigkeit wird zweimal genannt, in Apostelgeschichte 20,28 und 1.Petrus 5,2.

In 1.Petrus 5,4 wird in der Unterweisung gegenüber den „Älteren“ Jesus als der „oberste Hirte“ bezeichnet. Das macht deutlich, wem allein die Vorrang- und Machtstellung in der Gemeinde gehört. Gegenüber dem „obersten Hirten“ sind die menschlichen „Hirten“ dann eben die Älteren in der Gemeinde. In der Verantwortung vor Jesus üben sie innerhalb der geschwisterlichen Gemeinde ihre dienende Funktion aus.

Natürlich hat man das Wort ins Lateinische als „pastor“ übersetzt. Das lateinische „pastor“ aber im Deutschen als Titel eines ordinierten Amtsträgers zu verwenden, ist der gemeinschaftlichen Struktur der Gemeinde wesensfremd. Die Sonderrolle des „Pastors“, wie wir ihn aus protestantischen und freikirchlichen Traditionen kennen, hat hier keinen Platz. Außerdem hat Jesus das Führen von religiösen, kirchlichen oder „geistlichen“ Titeln in Matthäus 23,8-10 eindeutig verboten.

4) Didáskalos:

Die Übersetzung dieses griechischen Wortes ist „Lehrer“. Es war in Israel zur Zeit von Jesus Titel und Anrede der Theologen. Sie waren als Gesetzeskundige die Lehrer des Volkes. Jesus hat z. B. auch Nikodemos so genannt (Johannes 3,10). Man gebraucht die Bezeichnung als Anrede parallel zum hebräischen „Rabbi“. Johannes bezeichnet es auch ausdrücklich als dessen griechische Übersetzung – Johannes 1,38: „Rabbi – was übersetzt Lehrer heißt“.

Auffallend ist, dass man auch Jesus damit angesprochen hat, obwohl er kein offizieller, d. h. ordinierter Theologe war. Er hat aber offensichtlich einen solchen Eindruck gemacht, dass nicht nur seine Jünger so zu ihm sagten. Auch Leute aus dem Volk und sogar Pharisäer und Theologen, die ihm durchaus nicht freundlich gesinnt waren, sprachen ihn so an.

Im Gegensatz dazu hat Jesus seinen Jüngern und damit seiner Gemeinde das Führen dieses Titels verboten, als er sagte – Matthäus 23,8: „Ihr aber sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen! Einer ist nämlich euer Lehrer, ihr alle seid Geschwister.“ (Wobei gerade auch dieser Satz die Parallelität zu „Rabbi“ noch einmal deutlich zeigt.)

In diesem Sinne eines Titels kam er in der neutestamentlichen Gemeinde dann auch nicht vor. Aber als eine funktionelle Bezeichnung für Ältere bzw. Verantwortliche in der Gemeinde taucht er auf. In Epheser 4,11 sind unter den Gaben an die Gemeinde die „Hirten und Lehrer“. In Antiochia waren Propheten und Lehrer in der Gemeinde (Apostelgeschichte 13,1).

Laut Jakobus 3,1 soll die Gemeinde nicht so viele Lehrer werden lassen, weil der Umgang mit dem Reden eine anspruchsvolle menschliche und geistliche Aufgabe ist. Paulus zählt sie auch in 1. Korinther 12,26 unter den geistlichen Gaben auf.

In Hebräer 5,12 werden die Geschwister getadelt: „Obwohl ihr von der Zeit her doch Lehrer sein müsstet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch lehrt, …“. Hier wird eine interessante Perspektive sichtbar: Jeder sollte oder könnte ein Lehrer werden, indem er sich geistlich und in der Erkenntnis entsprechend entwickelt. Paulus bezeichnet sich auch selbst so. Und mehrfach wird dann auch vor falschen Lehrern gewarnt.

Aber noch einmal: Im Sinne einer Funktion oder Gabe gab es „Lehrer“ in der Gemeinde. Als Anrede oder Titel kam es nicht vor, weil Jesus es ja auch verboten hatte. Die Einrichtung der ordinierten „Lehrer“ bzw. „Rabbis“ wie im Judentum war den christlichen Gemeinden fremd.

5) Hegúmenos:

Diese Bezeichnung wird im Hebräerbrief gebraucht. Und wenn der Brief, wie vermutet, an Judenchristen in Rom geschrieben wurde, wäre sie vielleicht eine besonders in Rom oder dem westlichen römischen Reich gebräuchliche Bezeichnung. Das Wort ist das Partizip zu dem Verbum „hegeísthai“, was „führen“ oder „leiten“ bedeutet, also ein „Führender“ oder ein „Leitender“. Es fällt auf, dass hier nicht das Substantiv „Führer“ oder „Leiter“ benutzt wird, auch wenn es in manchen Bibelübersetzungen so steht.

Auch hier wird das Bestreben der frühen Christen deutlich, sich nicht von menschlichen Führern oder Leitern abhängig zu machen, aber führende Christen durchaus anzuerkennen. Es ist im Grunde der gleiche Unterschied wie zwischen dem „Ältesten“ und dem „Älteren“: nicht absolut gesetzt, aber relativ weiter als die anderen.

In dieser Bedeutung taucht das Wort auch in Apostelgeschichte 15,22 auf: „Da erschien es den Gesandten und Älteren samt der ganzen Gemeinde gut, ausgewählte Männer von ihnen nach Antiochia zu senden, zusammen mit Paulus und Barnabas: Judas, der ‚Bar Schabba‘ heißt, und Silas, führende Männer unter den Geschwistern, …“

Es ist ein deutlicher Unterschied, ob man Hebräer 13,17 übersetzt „Gehorcht euren Führern!“ wie z.B. in früheren Lutherübersetzungen, oder „Lasst euch von euren Führenden überzeugen …“, wie es der Sprache und dem Geist des Neuen Testaments entspricht. Im ersten Fall wird die Eigenverantwortlichkeit des einzelnen ausgeblendet im Sinne eines blinden Gehorsams, im zweiten Fall wird sie angesprochen und bestärkt zum eigenständigen Denken.

Eindeutig ist, was Jesus über die „Führenden“ gesagt hat: „Ihr aber sollt nicht so sein! Der Wichtigere unter euch soll vielmehr wie der Jüngere sein und der Führende wie der Dienende!“ (Lukas 22,26)

Lehrer

Das ist die Übersetzung des griechischen Wortes „didáskalos“. Dieses Wort war in Israel zur Zeit von Jesus Titel und Anrede der Theologen. Sie waren als Gesetzeskundige die Lehrer des Volkes. Jesus hat z. B. auch Nikodemos so genannt (Johannes 3,10). Man gebraucht die Bezeichnung als Anrede parallel zum hebräischen „Rabbi“. Johannes bezeichnet es auch ausdrücklich als dessen griechische Übersetzung – Johannes 1,38: „Rabbi – was übersetzt Lehrer heißt“.

Auffallend ist, dass man auch Jesus damit angesprochen hat, obwohl er kein offizieller, d. h. ordinierter Theologe war. Er hat aber offensichtlich einen solchen Eindruck gemacht, dass nicht nur seine Jünger so zu ihm sagten. Auch Leute aus dem Volk und sogar Pharisäer und Theologen, die ihm durchaus nicht freundlich gesinnt waren, sprachen ihn so an.

Im Gegensatz dazu hat Jesus seinen Jüngern und damit seiner Gemeinde das Führen dieses Titels verboten, als er sagte (Matthäus 23,8): „Ihr aber sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen! Einer ist nämlich euer Lehrer, ihr alle seid Geschwister.“ (Wobei gerade auch dieser Satz die Parallelität zu „Rabbi“ noch einmal deutlich zeigt.)

Lehrer in der Gemeinde

In diesem Sinne eines Titels kam er in der neutestamentlichen Gemeinde dann auch nicht vor. Aber als eine funktionelle Bezeichnung für Ältere bzw. Verantwortliche in der Gemeinde taucht er auf. In Epheser 4,11 sind unter den Gaben an die Gemeinde die „Hirten und Lehrer“. In Antiochia waren Propheten und Lehrer in der Gemeinde (Apostelgeschichte 13,1).

Laut Jakobus 3,1 soll die Gemeinde nicht so viele Lehrer werden lassen, weil der Umgang mit dem Reden eine anspruchsvolle menschliche und geistliche Aufgabe ist. Paulus zählt sie auch in 1. Korinther 12,26 unter den geistlichen Gaben auf.

In Hebräer 5,12 werden die Geschwister getadelt: „Obwohl ihr von der Zeit her doch Lehrer sein müsstet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch lehrt, …“. Hier wird eine interessante Perspektive sichtbar: Jeder sollte oder könnte ein Lehrer werden, indem er sich geistlich und in der Erkenntnis entsprechend entwickelt. Paulus bezeichnet sich auch selbst so. Und mehrfach wird dann auch vor falschen Lehrern gewarnt.

Aber noch einmal: Im Sinne einer Funktion oder Gabe gab es „Lehrer“ in der Gemeinde. Als Anrede oder Titel kam es nicht vor, weil Jesus es ja auch verboten hatte. Die Einrichtung der ordinierten „Lehrer“ bzw. „Rabbis“ wie im Judentum war den christlichen Gemeinden fremd.

Sören Kierkegaard (1813 – 1855)

Sören Kierkegaard war ein Mann, der mit einer Schärfe wie kein anderer die Falschheit des kirchlichen Systems aufdeckte. Er war Däne, und so sollte sein Name auch dänisch ausgesprochen werden: Kjérkegoor mit offenem „o“. Er war ein Mann mit hohem Intellekt und großer Liebe zur Wahrheit. Kierkegaard studierte Theologie und Philosophie, nahm aber aus Scheu vor der Bindung kein akademisches oder kirchliches Amt an. Er betätigte sich als freier Schriftsteller, was in der damaligen Zeit noch nichts einbrachte. Und so lebte er davon, dass er ein kleines ererbtes Vermögen aufzehrte. Zuerst setzte er sich mit philosophischen Fragen seiner Zeit auseinander; dann begann er, auch christliche Themen zu bearbeiten.

Die Existenz vor Gott

Sören Kierkegaard schrieb über den Menschen als existenzielles Wesen. Dessen Aufgabe ist es, sich über seine Existenz vor sich selbst und vor Gott bewusst zu werden. Von daher wurde er später als „Begründer der Existenzphilosophie“ bezeichnet. Aus seiner existenziellen Sicht des Menschen entwickelte er auch eine existenzielle Sicht des persönlichen Glaubens. Und so begann er, auch christliche Schriften herauszugeben. Sie sollten zu tieferem Nachdenken führen, was wahres Christentum und wahrer Glaube sei. Und es ging ihm nicht nur ums Nachdenken, sondern um klare Entscheidung. „Entweder – oder“ war ein ganz fundamentaler Grundsatz bei ihm. Man verspottete ihn sogar auf der Straße damit: „Seht, da kommt der ‚Entweder – oder‘!“

Als Kind seiner Zeit war er damit auch Kind der damaligen lutherischen Staatskirche in Dänemark gewesen. Nachdem er seine gesellschaftliche und kirchliche Umgebung endlich durchschaut hatte, kam er zu dem Schluss: Aus Sicht des Neuen Testaments ist das Christentum gar nicht da. Die vorhandene Christenheit ist ein ungeheurer Betrug. Und seine Aufgabe ist die eines Kriminalisten, der diesen Betrug aufzudecken hat. Mit vollem Einsatz führte er einen massiven Angriff auf die Kirche aus. Er brachte dazu auf eigene Kosten eine Zeitschrift heraus, die er „Der Augenblick“ nannte. In seinen Augen war jetzt von Gott her der Augenblick gekommen, den Betrug aufzudecken. Es folgen ein paar Zitate aus dem „Augenblick“, der mir in einer Übersetzung aus dem Jahr 1909 vorliegt. Sprachlich habe ich sie leicht modernisiert:

Zitate

„Wahrer Gottesdienst besteht ganz einfach darin, dass man Gottes Willen tut. Allein, diese Art Gottesdienst war noch nie nach dem Sinn der Menschen. Was vielmehr den Menschen zu allen Zeiten beschäftigt, ist dies: Sich einen Gottesdienst zurechtzumachen, der darin besteht, dass der Mensch tut, was er will, aber so, dass er dabei Gottes Namen im Munde führt, Gott anruft. Damit glaubt sich der Mensch dann vor der Anklage auf Gottlosigkeit geschützt. – Aber genau dieses Bestreben ist, ach, gerade die qualifizierte Gottlosigkeit.“

„Was ich hier bespreche, ist: 1. eine christliche Kriminalsache, 2. ein bloßes Christentum-Spielen, 3. ein Versuch, Gott für Narren zu halten. Jede Stunde, in der dieser Zustand besteht, wird das Verbrechen fortgesetzt. Jeden Sonntag, an dem auf diese Weise Gottesdienst gehalten wird, wird Christentum gespielt und Gott für Narren gehalten. Jeder, der teilnimmt, nimmt daran teil, Christentum zu spielen und Gott für Narren zu halten. Und er ist in die christliche Kriminalsache verwickelt.“

„Man kann nicht von nichts leben. Das hört man so oft, besonders von Pfarrern. Und gerade die Pfarrer bringen das Kunststück fertig: Das Christentum ist gar nicht da – und doch leben sie davon.“

„Der Unterschied zwischen Theater und Kirche ist wesentlich der, dass sich das Theater ehrlich und redlich für das ausgibt, was es ist. Die Kirche dagegen ist ein Theater, das, unredlich, auf alle Weise zu verdecken sucht, was es eigentlich ist.“

„Glaube mir, oder sieh nur einen Augenblick unbefangen ins Neue Testament, so wirst du sehen: Das Christentum ist nicht in die Welt hereingekommen, um dem Geistlichen ein blühendes und angenehmes Geschäft zu sichern und dich in deinem natürlichen Zustand zu beruhigen. Sondern es ist unter Verzicht auf alles in die Welt hereingekommen, um dich durch die Schrecknisse der Ewigkeit aus deiner natürlichen Ruhe herauszureißen.“

Das Ende

Nachdem er so viele Folgen seiner Zeitschrift herausgegeben und verbreitet hatte, dass aus seiner Sicht alles gesagt war, war er gesundheitlich, kräftemäßig und finanziell am Ende. Und Gott, für dessen Ehre er gestritten hatte, holte ihn heim.

Um das Maß voll zu machen, ließ es sich der damalige Kopenhagener Bischof Martensen nicht nehmen, ihn ganz offiziell kirchlich zu beerdigen. Dagegen gab es auf dem Friedhof am Grab von aufrichtigen Männern allerdings doch offenen Protest.

Ich denke, man kann von Sören Kierkegaard und seiner Einschätzung der damaligen lutherischen Kirche auch sehr viel auf kirchliche Strukturen der heutigen Zeit übertragen. Sein Maßstab ist auch der unsere, das Neue Testament. Von hier aus muss alles betrachtet, hinterfragt und beurteilt werden. Und von hier aus sieht’s düster aus mit der „Christenheit“.

Das Gebot des Königs

Ein Vergleich von Sören Kierkegaard

Das Gebot des Königs als Vergleich habe in seinem Buch „Zur Selbstprüfung der Gegenwart anbefohlen“ gefunden. Es steht unter der Überschrift „Was erforderlich ist, um sich mit wahrem Segen im Spiegel des Wortes zu betrachten“:

Denke dir ein Land. Es ergeht im Namen des Königs ein Gebot an alle Beamten und Untertanen, kurz an die ganze Bevölkerung.

Was geschieht? Mit allen geht eine merkwürdige Veränderung vor: Alles verwandelt sich in Erklärer. Die Beamten werden Schriftsteller. Jeder Tag bringt eine neue Erklärung, die immer gelehrter, scharfsinniger, geschmackvoller, tiefsinniger, geistvoller, wunderbarer, lieblicher und wunderbar lieblicher ist als die vorige. Die kritische Umschau kann diese ungeheure Literatur kaum bewältigen. Ja die Kritik selbst wird eine so weitläufige Literatur, dass man auch sie nicht übersehen kann. – Aber niemand las das Gebot des Königs so, dass er danach getan hätte.

Und nicht genug damit, dass alles Erklärung wurde. Nein, man verrückte zugleich den Gesichtspunkt für das, was Ernst ist. Und man machte die Beschäftigung mit der Erklärung zum eigentlichen Gegenstand des Ernstes.

Denke dir, dieser König sei nicht ein menschlicher König.

– Auch ein solcher würde ja gewiss verstehen, dass man mit dieser Verkehrung der Sache ihn eigentlich zum Narren habe: Aber ein menschlicher König ist abhängig, besonders von der Gesamtheit seiner Beamten und Untertanen. Und so müsste er wohl gute Miene zum bösen Spiel machen, tun, als wäre das in seiner Ordnung, den geschmackvollsten Erklärer zur Belohnung in den Adelsstand erheben und den tiefsinnigsten durch einen Orden auszeichnen usf.

Aber denke dir also, dieser König sein ein allmächtiger, den es nicht in Verlegenheit brächte, auch wenn sämtliche Beamten und Untertanen so ein falsches Spiel mit ihm trieben. Was meinst du, würde dieser allmächtige König dazu denken? Gewiss würde er sagen: Dass sie dem Gebot nicht nachkommen, könnte ich noch verzeihen. Dass sie mich in einer Bittschrift um Nachsicht oder vielleicht um völlige Verschonung mit diesem für sie zu schweren Gebot angingen, könnte ich ihnen auch noch verzeihen. Nicht verzeihen kann ich aber, dass man sogar den Gesichtspunkt für das, was Ernst ist, verrückt.

Und nun Gottes Wort!

„Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.“ Und Gottes Wort, was ist dies nach seiner Bestimmung, und was haben wir daraus gemacht? All dies Erklären und Erklären, diese Wissenschaft und neue Wissenschaft betreibt man unter dem feierlichen, ernsthaften Schein, dass man durch sie Gottes Wort recht verstehen wolle. Siehst du jedoch näher zu, so findest du, dass man sich damit nur gegen Gottes Wort wehren will. …

Es ist menschlich, dass einer Gott um Geduld bittet, wenn er nicht sofort kann, was er soll, dass er aber doch einen ehrlichen Versuch verspricht. Es ist menschlich, dass einer Gott um Mitleid bittet, weil ihm die Forderung zu hoch ist. – Will sonst niemand das von sich gestehen, gestehe ich’s von mir.

Aber es ist doch nicht menschlich, dass man der Sache eine ganz andere Wendung gibt: Dass ich listig Erklärung und Wissenschaft und wieder Wissenschaft, eine Schicht auf die andere einschiebe. (Wie etwa ein Knabe sich ein Polster unter seine Hosen macht, wenn Prügel auf ihn warten.) Dass ich das alles zwischen das Wort und mich einschiebe und dann diese Erklärung und Wissenschaftlichkeit Ernst und Wahrheitseifer nenne. Und dass ich diese Beschäftigung zu einer solchen Weitläufigkeit aufbausche, dass ich nie einen Eindruck von Gottes Wort gewonnen habe, nie mich selbst im Spiegel betrachte.

Es sieht aus, als brächte all dieses Forschen und Sinnen, Suchen und Ergründen mir Gottes Wort ganz nahe. Die Wahrheit ist aber, dass ich eben dadurch auf die listigste Weise Gottes Wort mir möglichst ferne rücke. Unendlich ferner, als es dem ist, der es nie sah. Unendlich ferner, als es dem ist, der es aus Angst und Scheu davor soweit als möglich von sich warf.

Dass man jahraus jahrein, Tag für Tag ruhig dasitzen und – den Spiegel betrachten kann: Das bedeutet einen noch größeren Abstand von der Forderung, sich im Spiegel zu betrachten, als dass man nie den Spiegel sieht.

Alles eine Frage der Auslegung

Alles eine Frage der Auslegung – diese Aussage hört man öfter, wenn sich jemand nicht auf eine klare biblische Aussage einlassen will. Seit Jahrhunderten erzählt man den Menschen, sie bräuchten „Auslegung“, um die Bibel wirklich zu verstehen. Die Theologen sprechen dabei gerne von „Exegese“, weil sie es lieben, mit Fremdwörtern ihre wissenschaftliche Kompetenz und geistige Überlegenheit zum Ausdruck zu bringen. Der „Laie“ möge hören und staunen …

Ich stelle hier einmal die Gegenfrage: Als Jesus seine Botschaft verkündet und seine Jünger unterwiesen hat, hat er dabei gedacht, dass jemand diese seine Worte irgendwann einmal noch „auslegen“ müsste? Als Matthäus, Markus, Lukas und Johannes ihre Berichte über Jesus und seine Botschaft schrieben, ist ihnen dabei der Gedanke gekommen, dass irgend jemand ihre Berichte noch „auslegen“ sollte? Als Paulus, Barnabas, Jakobus, Petrus, Johannes und Judas ihre Briefe an die Gemeinden geschrieben haben, dachten sie, dass man dort eine „Auslegung“ bräuchte, um sie zu verstehen? Ich denke, die Antwort ist klar.

Die Erfindung der „Auslegung“

In der frühesten Zeit des Christentums wurden die neutestamentlichen Schriften gelesen, verstanden und befolgt. Als sich dann die hierarchische Kirchenstruktur entwickelte, begann auch die Geschichte der „Auslegung“. Die Diskrepanz zwischen biblischer und kirchlicher Realität musste vertuscht werden. Die biblischen Aussagen mussten an die menschlichen und kirchlichen Bedürfnisse angepasst werden. Und die, die beim neutestamentlichen Verständnis blieben und sich widersetzten, konnte man dann mit der kirchlichen Lehrautorität als „Ketzer“ verdammen und verfolgen.

Das Wort Gottes, das laut der Aussage des Hebräerbriefs ein zweischneidiges, scharfes Schwert ist, steckte man in eine Scheide. So war die Schärfe genommen. Ich denke, das Grundprinzip ist deutlich: Zwischen das geschriebene (vom Heiligen Geist inspirierte) Wort Gottes und den Leser hat sich eine menschliche Instanz geschoben. Diese hat den Anspruch, das Wort Gottes „richtig“ auszulegen und weiterzugeben. Und dem Hörer bzw. Leser wird suggeriert, dass er das Wort Gottes alleine nicht wirklich und richtig verstehen kann. So wird er zum „Laien“, der einfach glauben soll, was die „Ausleger“ ihm sagen.

Alles eine Frage der Auslegung

Es ist aber natürlich auch bequem, wenn man sagen kann „Alles eine Frage der Auslegung“. Man kann damit wunderbar unbequeme biblische Aussagen an sich abprallen lassen. Es ist einfach, sich damit auf einen Standpunkt der Unverbindlichkeit und Unzuständigkeit zurückziehen. Man kann damit bleiben, wie man ist, wenn Gott gerne etwas an einem verändern möchte. Man kann Gehorsam und Nachfolge verweigern, denn es ist ja „alles eine Frage der Auslegung“.

Schluss mit: „Alles eine Frage der Auslegung“

Wenn Jesus sagt „Wer meine Worte hört und sie tut“, dann gibt es da keinen Raum für einen Ausleger. Dann sollst du als Christ und Nachfolger von Jesus ganz einfach „hören“ und „tun“. Du bist in einem unmittelbaren Verhältnis zum Wort, weil du in einem unmittelbaren Verhältnis zu Gott stehst. Wenn es in diesem Verhältnis zwischen Gott und dir noch so etwas wie einen Theologen gibt, dann bist du selbst es. Du kennst Gott, du hörst und befolgst sein Wort, und du kannst anderen davon erzählen. Von hier aus ergibt sich nach biblischer Definition der Grundsatz: Nicht alle Theologen sind Christen, aber alle Christen sind Theologen.

Was beim Verstehen hilft

Es gilt also, die Bibel direkt zu hören und zu verstehen (und natürlich zu befolgen). Alles, was dazu dient, ist herzlich willkommen: Die biblischen Sprachen sind gut erforscht. Die alten Handschriften mit den biblischen Texten hat man mit großem Aufwand gesammelt und ausgewertet, damit man den wahrscheinlichsten Urtext rekonstruieren kann. Aus der Geschichte und der Archäologie hat man Kenntnisse über die politischen, religiösen und kulturellen Hintergründe der Zeit gewonnen. Mit Tages- und Jahreszeiten kann man den Lebensrhythmus der Menschen in ihrer Abhängigkeit von der Natur besser einordnen. All diese Dinge sind hilfreich zum Verstehen und natürlich auch in meine Übersetzung des Neuen Testaments mit ihren Erklärungen eingeflossen. Aber deswegen bin ich kein „Ausleger“, nur Übersetzer. Das ist mein Anspruch.

Hindernisse beseitigen

Ich stelle also eine Übersetzung zur Verfügung, die möglichst genau das zum Ausdruck bringt, was die neutestamentlichen Autoren mitteilen wollten. Nun bleibt noch die Aufgabe, die Missverständmisse und Verdrehungen zu beseitigen, die 2000 Jahre an „Auslegung“ in unseren Köpfen hinterlassen haben. Ich werde damit im Glossar (Wörterverzeichnis) im Anhang „meines“ Neuen Testaments schon einmal einen Anfang machen. Dann wird wohl auch noch ein extra Buch dazu von mir erscheinen.

Aber ich kann dem Leser selbst seine eigene wichtige Aufgabe nicht abnehmen: Sich durch eigenständige Aneignung der biblischen Aussagen von „Auslegungen“ zu befreien, die er im Laufe seines Lebens durch Hören und Lesen von „Auslegern“ angesammelt hat. Die Bibel ist das wichtigste Buch deines Lebens. Das wichtigste Buch, das dabei hilft, sie auch selbst zu erforschen, ist im Übrigen die Konkordanz.

Ein Tipp

Es ist also alles gut, was zur Klärung der biblischen Aussage beiträgt. Und es ist alles schlecht, was zu Verdrehung und Verwirrung beiträgt. Wenn du also eine Erklärung hörst, die dir im Verständnis ein Licht aufsteckt, und du denkst: „Warum bin ich da eigentlich nicht schon von selbst drauf gekommen?“, dann wird sie vermutlich richtig sein. Wenn du aber eine „Auslegung“ hörst, bei der du eher das Gefühl hast: „Nie im Leben wäre ich da selber drauf gekommen!“, dann versucht vermutlich jemand, dir etwas unterzujubeln, was der biblischen Botschaft nicht entspricht.

Die Aufgabe

Du kommst als eigenständiger, verantwortlicher Christ also um eine Sache nicht herum: Du hast – abgesehen von der direkten Beziehung zu Gott – als wichtigste Aufgabe, dir deine eigene fundierte Bibelkenntnis zu erarbeiten. Natürlich wird dir der Heilige Geist gerne dabei behilflich sein. Du wirst dich vermutlich dabei auch immer wieder einmal korrigieren lassen müssen. Und von Leuten, die von dir verlangen, nur ihrer Lehrmeinung zu folgen, solltest du dich befreien, wenn du weiterkommen willst.

Auf einem Fundament von „Auslegungen“ kann man als Christ nicht stehen. Nur die persönliche Überzeugung aus eigener biblischer Erkenntnis gibt dir die Standhaftigkeit, auch in schwierigen Zeiten im Glauben zu bestehen. Die Aussage „Bruder XY hat einmal gesagt …“ wird den Satan nicht beeindrucken. Gegen ihn hilft nur, wie auch Jesus gesprochen hat: „Es steht geschrieben …“.

Johannes

Bei der Zusammenstellung meiner Evangelienharmonie war es eine große Entdeckung für mich: Das Johannesevangelium ist offensichtlich ein Bericht, der die anderen Evangelien ergänzt. Die Zusammenstellung zeigte für mich eindeutig, dass Johannes die Überlieferung der anderen drei Evangelien gekannt haben muss. Und dazu hat er dann aus seinem persönlichen Wissen als Augenzeuge einen Bericht mit lauter ergänzenden Informationen zusammengestellt. Besonders fällt das gerade auch dann auf, wenn er etwas berichtet, was auch die anderen berichten. Das ist bei der Speisung der 5000, der Leidensgeschichte und den Auferstehungsberichten. Immer bringt er etwas, was die anderen nicht haben, wobei er die Informationen der anderen voraussetzt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist das Johannesevangelium in meinen Augen ein wahres Meisterwerk: Es ist ein vollständiger, für sich allein sinnvoller und logischer Bericht aus lauter ergänzenden Informationen. Ich hatte diese Sichtweise noch nirgendwo anders gehört oder gelesen, als sie mir selbst deutlich wurde. Durch Zufall fand ich aber das Buch des Bibelwissenschaftlers Theodor Zahn (1883-1933) „Grundriss der Geschichte des neutestamentlichen Kanons“. Und in dem stieß ich auf einen Satz, der die gleiche Ansicht zum Ausdruck brachte. Ich war also doch nicht der erste, der es entdeckt hatte. Die Aussage aus Zahns etwas altertümlichen Theologendeutsch gebe ich hier etwas modernisiert wieder: „Das vierte Evangelium setzt bei seinen Lesern nicht nur die Art der Berichte als bekannt voraus, wie sie uns in den drei anderen Evangelien vorliegen, sondern es berücksichtigt auch den Wortlaut von Markus und Lukas.“

Johannes berichtet Besuche in Jerusalem

Dass eine solche Ergänzung nötig war, zeigt z.B. die Aussage von Jesus, die in Lk. 13, 34 und Mt. 23,37 berichtet wird: „Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die zu ihr Gesandten steinigt: Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen wie ein Vogel seine Jungen unter den Flügeln, und ihr habt nicht gewollt!“

Matthäus und Lukas berichten nicht, dass Jesus zuvor in Jerusalem war (außer bei Lukas als Baby und mit 12), und trotzdem hat er gesagt, „wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen …“ Genau hier hilft uns Johannes weiter, dessen Bericht sich im Wesentlichen um die Auseinandersetzung von Jesus mit Jerusalem dreht. Er berichtet uns fünf Begegnungen mit Jerusalem, immer im Zusammenhang mit den jüdischen Festen, wo immer auch viele Leute aus dem Land dort waren:

1) Der erste Besuch gleich am Anfang seiner Tätigkeit mit einer ersten Tempelreinigung an Pesach im Jahr 28, anschließend das Gespräch mit Nikodemus.

2) Der zweite Besuch auf dem Laubhüttenfest im Herbst 28 mit der Heilung des Gelähmten am Teich Betesda.

3) Der dritte Besuch am Laubhüttenfest im Herbst 29 mit der Heilung des Blindgeborenen.

4) Der vierte Besuch am Tempelweihefest (Chanukka) im Dezember 29.

5) Der letzte Besuch, den auch die anderen Evangelien berichten, zu Pesach im Frühjahr 30, bei dem er verhaftet und hingerichtet wurde.

Die drei anderen Evangelien berichten in der Reihenfolge nach der Grundlinie des Dienstes von Jesus: „Von Galiläa nach Jerusalem“. So haben sie sogar auch die Feinde von Jesus beschrieben – Lk 23,5: „Er wiegelt das Volk auf, indem er in ganz Judäa lehrt, und von Galiläa aus hat er angefangen bis hierher!“ Johannes ergänzt dazu die zwischendurch stattgefundenen Besuche in Jerusalem, das ja das eigentliche Ziel des Messias sein muss.

Zeichen, die Jesus tut

Dass Johannes die Berichte der anderen voraussetzt, zeigt sich auch z.B. an einer Bemerkung wie Joh. 6,2: „Und eine große Menge folgte ihm, weil sie die Zeichen gesehen hatten, die er an den Schwerkranken getan hatte.“ Johannes selbst berichtet die Zeichen an den Schwerkranken in Galiläa gar nicht. Er setzt die Kenntnis derselben voraus. Er spricht ja auch an anderen Stellen von „vielen“ Zeichen, die Jesus getan hat. Johannes selbst berichtet nur sechs „Zeichen“ (davon fünf, die die anderen nicht berichtet haben):

1) Die Verwandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit in Kana.

2) Die Heilung des Sohnes des Königlichen aus Kafarnaum.

3) Die Heilung des Gelähmten am Teich Betesda.

4) Die Speisung der 5000 an Pesach im Jahr 29.

5) Die Heilung des Blindgeborenen in Jerusalem.

6) Die Auferweckung von Lazarus.

Man könnte nun denken, dass die Zahl von sechs Zeichen etwas unvollständig aussieht. Die Zahl der Vollkommenheit wäre ja sieben. Aber bei Johannes darf man zum Abschluss seines Berichts natürlich die Auferstehung als das siebte und größte Wunderzeichen betrachten.

Wiedergeburt

Wiedergeburt aus Wasser und Geist, das hat Jesus gegenüber Nikodemos als Bedingung für den Eintritt ins Reich Gottes genannt. Es hilft uns, mehr davon zu verstehen, wenn wir den Vorgang des Christwerdens im Neuen Testament betrachten. Das Verständnis für das, was ich jetzt hier darüber schreiben möchte, habe ich David Pawson zu verdanken. Ausführlich dargelegt hat er das alles in seinem Buch: „Wiedergeburt – Start in ein gesundes Leben als Christ„.

Insbesondere in der Apostelgeschichte finden wir viele Beispiele dafür, wie Menschen Christen werden. Dabei tauchen durchgehend vier Elemente auf, die dabei eine wichtige Rolle spielen. An manchen Stellen nur eines davon, an anderen zwei oder drei oder auch alle vier. Aber zusammengenommen ergeben sie ein genaues Bild davon, was zum Christwerden bzw. zur Wiedergeburt gehört. Es sind: der Glaube an Jesus, die Bereitschaft sich zu ändern (traditionell „Buße“ genannt), die Taufe im Wasser und die Erfüllung mit Heiligen Geist.

Der Glaube an Jesus

Beginnen tut es damit, dass die Menschen die Botschaft von Jesus hören und sie glauben. Der zentrale Inhalt der Botschaft ist, dass Jesus der Messias ist. Die Botschaft beinhaltet allerdings das komplette Leben und die komplette Lehre von Jesus. Also alles, was uns unsere vier Evangelien berichten, ist die Botschaft von Jesus. So war das Überbringen der Botschaft eine längerfristige Angelegenheit, die in den Gemeinden weiterging, auch nachdem sie Christen geworden waren.

Die Initialzündung war aber: Jesus ist der Messias! Diese Botschaft ist keine Information, die man zur Kenntnis nehmen könnte im Sinne eines bloßen Kopfglaubens. Wenn Jesus der Messias ist, dann begegne ich in ihm dem lebendigen Gott persönlich. Dann hat dieser Glaube Auswirkungen und Konsequenzen für mein ganzes Leben.

Die Sinnesänderung

Wenn ich im Messias dem lebendigen und heiligen Gott begegne, dann wird als erstes deutlich, dass mein bisheriges Leben nicht zu ihm passt. Das Problem der Sünde taucht auf. Und ob ich davor ein eher anständiger Sünder war oder ein eher unanständiger, ist unerheblich. Im Neuen Testament war das Thema von Anfang an, schon bei Johannes dem Täufer. Die Leute gestanden ihre Sünden, bevor sie sich von ihm untertauchen ließen.

Das griechische Wort „metanoeín“, das Luther mit „Buße tun“ übersetzt hat, heißt wörtlich übersetzt „umdenken“. Dabei ist vorausgesetzt, dass, wenn ein Mensch sein Denken ändert, sich auch sein ganzes Leben ändert. Wenn er seine Sünde erkannt hat, will er sich ändern. Natürlich gehört dazu der Inhalt der Botschaft, dass der Messias am Kreuz für seine Sünden gestorben ist. Das Versprechen, die Sünden zu vergeben, erleichtert natürlich das Eingestehen der Sünden sehr.

Das Gericht Gottes über die Sünde ist am Kreuz vollzogen worden. Das ist die Ursache der damit möglich gewordenen Vergebung. Gott vergibt nicht einfach so. Gott richtet die Sünde. Der Mensch wird entweder von Gott wegen seiner Sünde gerichtet, oder er nimmt Zuflucht zum am Kreuz hingerichteten Messias, an dem das Gericht über die Sünde bereits vollzogen ist.

Mit dem Geständnis seiner Sünde und der Bereitschaft sich zu ändern für ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott kann er sich nun untertauchen lassen.

Wiedergeburt durch Wasser

Das Untertauchen im Namen Jesus hat eine so umfassende Bedeutung, dass das Neue Testament das nur mit mehreren Gesichtspunkten und Bildern erklären kann. Zum einen ist das Eintauchen in den Namen Jesus eine Besitzübergabe. Mit „Jesus“ wird er Name des neuen Besitzers und Herrn über dem Menschen ausgesprochen. Wenn wir in der Bibel eine „Lebensübergabe“ finden wollen, dann hier an dieser Stelle.

Das Untertauchen ist zum anderen dann auch ein „Bad“, mit dem die Sünden abgewaschen werden. Damit verbunden ist die Gabe eines guten Gewissens: Die Sünden sind vergeben, sie sind abgewaschen, sie sind weg. Der Mensch ist kein Sünder mehr und lebt mit einem guten Gewissen.

Zum Untertauchen gehört dann auch die Sichtweise des Sterbens des alten Menschen. Er wird für die Sünde getötet, mit am Kreuz hingerichtet und begraben im Tod des Messias, Jesus, am Kreuz. Und wenn er aus der Taufe wieder heraufkommt, bedeutet das eine Auferstehung mit Jesus in ein neues Leben hinein. Die Kraft dieses neuen Lebens ist der Heilige Geist.

Wiedergeburt durch Geist

Nun ist es Zeit, den Heiligen Geist zu empfangen. In meinem Beitrag „Heiligen Geist bekommen“ habe ich einen Überblick über die neutestamentlichen Stellen dazu gegeben. Der gereinigte, Jesus übereignete neue Mensch wird jetzt zur Wohnstätte des heiligen Geistes. Die Leere im Herzen des Menschen, die sich weltlich mit nichts füllen ließ, wird jetzt von Gott gefüllt. Denn im Geist sind auch Jesus der Sohn und Gott der Vater im Menschen anwesend. Der Mensch hat seine Bestimmung gefunden, Partner und Ebenbild Gottes zu sein.

Dass der Geist mit Gebet und Handauflegung auf Menschen gekommen ist, scheint in der missionarischen Praxis in der Apostelgeschichte die Regel gewesen zu sein. Es gibt aber auch Fälle, in denen er ohne menschliches Zutun direkt gefallen ist. Auf jeden Fall war es aber deutlich erkennbar. Man wusste, ob ein Mensch den heiligen Geist empfangen hatte oder nicht. Wirkungen und Gaben des Geistes waren deutlich zu sehen und zu hören. Diese Anwesenheit des Geistes und sein Wirken waren dann das bestimmende Element für das Leben der Gemeinde und auch für die Mission.

So deutlich und klar sind die Angaben über den Inhalt und den Zusammenhang dieser vier Elemente im Neuen Testament. Ich habe dazu keine Bibelstellen zitiert, weil viele auch bekannt sind. Und ich lade ein, die Dinge im Neuen Testament selbst zu erforschen. Ich weiß nur, dass so alles zusammenpasst.

Gottes Geschenk in der Praxis bewähren

Ich weiß auch, dass es im Christen- und Gemeindeleben des Neuen Testaments noch nachträgliche Probleme gab. Sünde tauchte noch auf und musste bereinigt werden. Verhaltensweisen des alten Menschen mussten erkannt und abgelegt werden. An das Leben im Geist musste man sich gewöhnen und ihn nicht immer wieder dämpfen. Wachstum in der Erkenntnis und in der Heiligung war erforderlich, genauso wie Bewährung in Schwierigkeiten und Bedrängnis. Dennoch war für all diese Dinge in den Grundelementen der Wiedergeburt ein klares Fundament gelegt und die richtige Richtung vorgegeben.

Dass die Dinge unter den Christen heutzutage in der Regel nicht so deutlich und klar sind, liegt an den Verwirrungen und Verdrehungen, die die biblische Botschaft in 2000 Jahren Kirchengeschichte erfahren hat. Darüber zu schreiben, wird vermutlich mein nächster Beitrag sein …

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