Das Neue Testament verstehen

Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

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Tageslosung

Die Herrnhuter Tageslosung zum Di. 3. Februar in eigener Übersetzung mit Berücksichtigung der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT:

Wer einen Armen verspottet, verhöhnt seinen Schöpfer;
wer sich freut, wenn jemand zugrunde geht, wird nicht straflos bleiben.
(Spr 17,5)

Das neutestamentliche Wort dazu (Übersetzung: Jesus der Messias):

Hört, meine geliebten Geschwister: Hat Gott sich nicht die Armen in der Welt ausgewählt als Reiche im Glauben und Erben des Königreichs, das er denen versprochen hat, die ihn lieben? (Jak 2,5)

Artikel

Neu am 29. Jan. 26: Was mich schaudern macht (Sören Kierkegaard)

Ergänzt am 25. Jan. 26: Das Kreuz

(Verzeichnis aller Artikel unten gleich nach den Buchhinweisen)

Bücher

Das Neue Testament in möglichst wörtlicher und verständlicher Übersetzung, leicht lesbar und authentisch. Man kann „Jesus der Messias“ um 25 € beim Verlag GloryWorld-Medien bestellen (versandkostenfrei) oder im Buchhandel. Als E-Book kostet es 17,49 €. Und hier ist eine Leseprobe.

Das Buch über das Wesen der neutestamentlichen Gemeinde im Gegensatz zu den bekannten Formen des kirchlich/freikirchlichen Traditionschristentums. Um 12,50 € kann man es beim Herausgeber GloryWorld Medien bekommen (versandkostenfrei), ebenso überall im Buchhandel. Als E-Book ist es um 8,99 € erhältlich. Und hier ist die Leseprobe.

Beiträge zum Neuen Testament

Bücher und Autoren

MatthäusMarkusLukasJohannesEine EvangelienharmonieDie ApostelgeschichteJakobusPaulusWer hat die Briefe geschrieben?GefangenschaftsbriefePetrusbriefe und JudasbriefDer HebräerbriefDie Offenbarung

Zeitgeschichte und Hintergründe

Wann ist Jesus geboren?Der Stern von BetlehemDer MessiasDer Name JesusJesus von NazaretDer Psalm 2Die Datierung der EreignisseDie TageszeitenDer Ablauf der PassionswocheAuferstehung „nach drei Tagen“Sprachen im Neuen TestamentDer griechische AoristFlavius JosephusDie EssenerDer Oberste PriesterSchriftgelehrteJüngerWer ist Rufus?Philippus der BotschafterWer kennt Julius?Zitate im griechischen Text

Bibelstellen

Fischer vom See Genezaret (Mt 4,18-22 / Joh 1,35-81) — Grüßen (Mt 10,12-13) — Der Ruheplatz für die Seele (Mt 11,29) — Die Sünde gegen den Heiligen Geist (Mt 12,31-32 / Mk 3,28-29) — Wer bei Jesus ein Theologe ist (Mt 13,52) — Auf dem Wasser gehen (Mt 14,22-33 / Mk 6,45-52 (Joh 6,16-21) — Ekklesia (Mt 16,16) — In Ewigkeit kein Tod (Mt 16,28 / Joh 8,51-52) — Die königliche Hochzeit (Mt 22,1-14) — Der Zehnte von Küchenkräutern? (Mt 23,23 / Lk. 11,42) — Das laute Hornsignal (Mt 24,30+31) — Das Ende der Welt (Mt 25,31-46) — Judas – erhängt oder gestürzt? (Mt 27,5 / Apg 1,18) — Die Herbergssuche (Lk 2,7) — Frauen bei Lukas (Lk 8,1-3) — Grüßt niemand! (Lk 10,4) — Vater und Mutter hassen (Lk 14,26) — Nicht aus „Blut“ geboren (Joh 1,13) — Die Hochzeit in Kana (Joh 2,1-12) — Die neue Geburt (Joh 3,3+5) — Die Welt retten (Joh 3,16) — Beten im Namen von Jesus (Joh 16, 23-27) — Ehelosigkeit (1 Kor 7) — Verschleierung der Frauen? (1 Kor 11,3-16) — Das letzte Hornsignal (1 Kor 15,51-52) — Die Frucht des Geistes (Gal 5,22) — Der Fluch der Ehe (Eph 5,21-33) — Der Herr (Phil 2,9-11) — Das Hornsignal Gottes (1 Thess 4,15-17) — Der Antichrist (2 Thess 2,3-8) — Gerettet durch Kindergebären? (1 Tim 2,8-15) — Was blieb bei Karpos zurück (2 Tim 4,3) — Titus 2: ältere und jüngere Frauen (Tit 2,2-5) — Abfall von Gott (Hebr 6,4-6) — Der Antichrist (1 Joh 2,18) — Sünde zum Tod (1 Joh 5,16)

Themen und Stichworte (alphabetisch)

Älteste oder ÄltereDer AntichristDer griechische AoristApostelErste und zweite AuferstehungAus Gott geborenAlles eine Frage der AuslegungBischofDer BundBußeChristus oder MessiasDiakonDer Fluch der EheEhelosigkeitEkklesiaDie EndzeitErbauung oder AufbauErwachsen werdenEvangeliumEine EvangelienharmonieFleischAuch Frauen sind „Brüder“Was ist GeistDer Geist GottesDie Ankündigung des GeistesIm GeistGeistlicheGemeindeGemeinde und WeltGerettet sein – gerettet werdenDas Gesetz im Neuen TestamentGleichheit in der GemeindeGottesdienstDas Haus GottesHeiligen Geist bekommenHeiligen Geist habenDer HerrDie HölleHomosexualitätIsraelDer Name JesusJüngerKircheDas KopftuchDas KreuzLehrerMariaDer MessiasDie neue GeburtPapstPastorDie PredigtProphetische SymbolspracheProphetische UnschärfeReinigung von der SündeDie Welt rettenDer SackDer SatanSexualitätSinnesänderungSklaven GottesDie neuen SprachenSterben und NeugeburtFrei von SündeSünde, die nicht vegeben wirdSünde und TodTaufenDer TeufelTheologenDie TotenweltWas macht Menschen unrein?UnzuchtWeihnachtenWiedergeburtDie Wut GottesZahlensymbolikZeitZionZorn Gottes

Speziell zur Offenbarung

Die OffenbarungWann hat Johannes geschrieben?Prophetische Symbolsprache (1,12-20) — Die sieben Geister Gottes (1,4 / 3,1 / 4,5 / 5,6) — Die Engel der Gemeinden (1,20) — Die Nikolaiten (2,6 / 2,15)— Die 24 Ältesten (4,4) — Das Buch mit sieben Siegeln (5,1-9) — Die apokalyptischen Reiter (6,1-8) — Die Seelen am Altar (6,9-11) — Das sechste Siegel (6,12-7,17) — Die Endzeit (6,1-7,14) — Die Versiegelten (7,1-8) — Die sieben Posaunen (8,2-11,14) — Das fünfte Hornsignal (9,1-12) — Das sechste Hornsignal (9,7-11,14) — 1000 Jahre keine Zeit (10,5-7 / 20,1-6) — Das siebte HornsignalDas zerteilte Heiligtum (11,1-2) — Die zwei Zeugen (11,3-13) — Der Sack (11,3) — Prophetische Unschärfe (4,6-8 / 11,4) — Was kommt aus dem Mund? (11,5 / 19,15-21) — Die Vollmacht der Zeugen (11,6) — Die besiegten Zeugen (11,7-10) — Die Frau und der Drache (12,1-18) — Das Tier aus der Unterwelt (13,1-10)— Das andere Tier (13,11-17) — Die Zahl des Tieres (13,17-18) — Die 144.000 auf dem Berg Zion (7,1-8 / 14,1-5) — Die zwei Ernten (14,14-20) — Die Wut Gottes (14,10 / 14,19 / 15,1) — Sieben Schalen der Wut Gottes (15,1-16,21) — Babylon die Große (17,1-18) — Gefallen ist Babylon (18,1-19,4) — Die Hochzeit des Lammes (19,5-9) — Der Messias kommt (19,11-21) — 1000 Jahre keine Zeit (10,5-7 / 20,1-6) — Erste und zweite Auferstehung (20,4-6 / 20,11-15) — Das Ende der Welt (21,7-22,8)

Zum Alten Testament

Der Schöpfungsbericht (1 Mo 1,1-2,4) — Der „zweite“ Schöpfungsbericht (1 Mo 2,5-25) — Der Sündenfall (1 Mo 3,1-24) — Der Fluch der Ehe (1 Mo 3,16 / 4,7) — Die Opferung Isaaks (1 Mo 22,1-19) — Die zehn Gebote (2 Mo 20 / 5 Mo 5) — Psalm 1Psalm 2Psalm 3Psalm 4Psalm 8Psalm 16SprücheIn die Hände gezeichnet (Jes 49,16) — Das Lied des Amos

Sören Kierkegaard

Sören Kierkegaard (1813-1855)Sentenzen von KierkegaardBequemlichkeitDas Gebot des KönigsDas GerichtDas religiöse BedürfnisDas Verhältnis zum WahrenDer Abfall vom ChristentumDer DichterDer Kutscher des KönigsDie in langen Kleidern gehenDie KonfirmationDie MeineidigenDie Möglichkeit des ÄrgernissesDrei Formen von ÄrgernisEine Schwierigkeit an dem Neuen TestamentEine VereidigungEntweder-OderGott ist leicht zu betrügenGrabmäler für ProphetenIndifferentismusKaltes Wasser für ProphetenKurze BemerkungenKurz und spitzLobrede auf das MenschengeschlechtMenschenfischereiSie verteidigten das ChristentumSchweigenSind „wir“ wirklich Christen …Staat – ChristentumVom Interesse an meiner SacheVom Verstehen zum HandelnWahre Christen – viele ChristenWas ist das Ethische?Was man so einen Christen nenntWas mich schaudern machtWem die Verheißungen geltenWerde ein Schwätzer

„Kennst du das Land?“ – von Ludwig Schneller

Kennst du das Land?Josefs HeimatDie HerbergssucheDas Haus in NazaretDer BaumeisterAuf der BaustelleJahreszeitenWasserLand und FeldDer FeigenbaumDer OlivenbaumDer WeinstockWo Milch und Honig fließtDer WeinbergFeldbauDie ErnteSpeisenGesangMusikinstrumenteLiederHeiratVerlobungHochzeitHochzeitsmahlVögelWüsteJesus als WandererÜbernachtenGleichnisseSchwörenGrüßenHandelIn die Hände gezeichnet

Zitate

HilariusAltdeutsche SpruchweisheitZinzendorfMartin LutherMatthias ClaudiusKurt MartiKatharina StotzKernsätze zum Nachdenken

Links

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Was mich schaudern macht

(Was mich schaudern macht – ein Abschnitt aus dem Artikel „So also steht die Sache“ von Sören Kierkegaard. Veröffentlicht in seiner Zeitschrift „Der Augenblick am 31. Mai 1855.)

An dem, was bisher geschehen ist, macht mich nur eines schaudern. Und wieder schaudert mich, wenn ich bedenke (was ich wohl weiß), dass ich mit meinen Worten nicht einmal verstanden werde.

Was mich schaudern macht, ist Folgendes. Während mein Leben in Bekümmernis um das Heil der Seele einen Kampf – gegenüber den Herrlichen vor mir freilich einen schwachen Kampf – für die Ewigkeit ausdrückt, stehe ich inmitten eines Geschlechts, das sich für diese Sache höchstens als Publikum interessiert. In einer flüchtigen Stimmung lässt man sich vielleicht von meinen Worten ergreifen. Im nächsten Augenblick darauf beurteilt man sie ästhetisch. Im Augenblick darauf liest man die Gegenschriften gegen mich. Dann ist man auf meine Antwort begierig usw. usw.. Kurz, man ist Publikum.

Und ihrer keinem, keinem fällt es ein, dass auch er ein Mensch ist wie ich und demselben Los unterworfen; dass auch er in der Ewigkeit Rechenschaft ablegen muss, und dass die Ewigkeit sich gewisslich allem verschließt, was in diesem Leben nur Publikum sein wollte, „wie die anderen auch“. Sieh, das erregt mein Schaudern, dass diese Menschen in der Einbildung leben, ich sei in Gefahr, während ich doch, ewig verstanden, sofern ich wenigstens für die Ewigkeit kämpfe, weit weniger in Gefahr bin als sie.

Und nochmals schaudert mich, wenn ich bedenke, dass solches in der Christenheit vor sich geht, dass diese meine Zeitgenossen also eine Gesellschaft von Christen sind, die tausend auf das Neue Testament vereidigte Lehrer hat – und dass dann diese Menschen in Wahrheit keine Ahnung davon haben, was Christentum ist. Das ist zum Schaudern. Es ist schauderhaft für mich, dass ich mit meinen Thesen so vollständig Recht bekommen habe. Das Christentum ist gar nicht da, und das kommt von der Verkündigung des Christentums durch die „Wahrheitszeugen“:

Die sieben Geister Gottes

Die sieben Geister Gottes werden an vier Stellen in der Offenbarung genannt:

„Johannes: an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia. Gnade für euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, von den sieben Geistern vor seinem Thron und von Jesus dem Messias.“ (Offb 1,4-5a)

„Dem Boten Gottes – der Gemeinde – in Sardes schreibe: Folgendes sagt, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke.
Du hast den Namen, dass du lebst, und du bist tot.“ (Offb 3,1)

„Von dem Thron gehen Blitze, Stimmen und Donner aus. Sieben brennende Feuerfackeln sind vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes.“ (Offb 4,5)

„Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und in der Mitte der Älteren ein Lamm stehen, wie getötet gewesen, das hatte sieben Hörner und sieben Augen. – Das sind die sieben Geister Gottes, die auf die ganze Erde gesandt sind. -“ (Offb 5,6)

In der prophetischen Symbolsprache der Offenbarung wird auf diese Weise der Heilige Geist dargestellt. Die Siebenzahl als Zahl der Ganzheit bringt so die Vollkommenheit, die Fülle und die Vielfalt des Geistes zum Ausdruck.

Diese Sichtweise passt an allen der vier genannten Stellen:

Gnade und Friede gehen von Gott, dem Geist und Jesus aus. (1,4-5)

Der Geist Gottes im Bild des Feuers ist präsent vor dem Thron Gottes. (4,5)

Jesus hat den Geist bekommen, um durch ihn in seiner Gemeinde zu wirken. (3,1)

Das Lamm besitzt den Geist und hat ihn auf die ganze Erde ausgesandt. (5,6)

Die Siebenzahl des Geistes korrespondiert auch mit der Zahl der sieben Gemeinden, die hören sollen, was der Geist den Gemeinden sagt. Auch die sieben Gemeinden stehen ja als Beispiele für die gesamte und vielfältige christliche Gemeinde.

Vielleicht steht bei der Verbindung der Siebenzahl mit dem Geist Gottes auch noch die Aussage von Jes 11,2 im Hintergrund. Hier spricht Jesaja prophetisch über den Messias:

„Und ruhen wird auf ihm der Geist des Herrn,
ein Geist von Weisheit und Einsicht,
ein Geist von Planung und Kraft,
ein Geist von Erkenntnis und Ehrfurcht des Herrn.“

Auf dem Wasser gehen

Auf dem Wasser gehen, das ist eine Kunst, die uns von Jesus berichtet wird. Dabei ist zu beachten, dass er dieses Wunder in einer Ausnahmesituation vollbracht hat. Normalerweise ist er mit seinem Jüngern im Schiff auf dem See Genezaret gefahren, wie alle anderen auch. Die Spekulationen darüber, wie dieses Wunder funktioniert haben soll, darf man getrost den Spekulanten überlassen. Es reicht, zu glauben, dass Jesus mit den Möglichkeiten Gottes auch auf dem Wasser gehen konnte, wenn es nötig war.

Der Bericht darüber, dass Jesus auf dem Wasser gehen konnte, schließt sich in den Berichten von Matthäus, Markus und Johannes an ein anderes großes Wunder an, an die Speisung der Fünftausend. Lukas hat in seinem Bericht diese Episode ausgelassen. Matthäus und Markus berichten darüber hinaus eine weitere wunderbare Speisung, die der Viertausend. Die Speisung der Fünftausend fand im Frühjahr statt um die Pessach-Zeit am Westufer des Sees Genezaret. Die Speisung der Viertausend ereignete sich dagegen im Sommer am Ostufer des Sees im Grenzgebiet zwischen Batanäa und der Dekapolis..

Nach der Speisung im Frühling am Westufer drängte Jesus die Jünger dazu, von der begeisterten Menge weg ins Boot zu steigen und Richtung Betsaida wegzufahren, das von dort ausgesehen im Nordosten liegt. Er selbst wollte von der Menge weg allein auf den Berg steigen, um zu beten. Doch nun kam den Jüngern auf dem See ein heftiger Wind entgegen, der starke Wellen verursachte, gegen die sie anzurudern versuchten. Der starke Nordostwind, der im Frühling bekanntermaßen manchmal über das Land und den See braust, ist der Scharkije.

Vom Berg aus sah Jesus die Situation der Jünger und ging auf dem Wasser zu ihnen. Dabei ereignete sich dann auch der teilweise gelungene Versuch von Petrus, ebenfalls auf dem Wasser zu gehen. Nachdem Jesus zu den Jüngern ins Schiff gestiegen war, fuhren sie weiter und kamen bei Genezaret an Land. Das liegt im Südwesten vom Ort der Speisung. Die Jünger mit Jesus im Boot hatten dann also dem Wind nachgegeben und waren statt gegen den Wind Richtung Betsaida mit dem Wind ans Ufer nach Genezaret gefahren. Soweit sind die Örtlichkeiten nach den Angaben von Matthäus und Markus klar.

Ein Problem, das wir dann aber lösen müssen, ergibt sich aus den Angaben des Johannesevangeliums. Johannes, der einen zu den drei anderen Evangelien ergänzenden Bericht schrieb, hat die beiden Speisungen zu einem gemeinsamen Bericht zusammengefasst. Bei ihm werden in der Zusamenfassung nun einerseits Fünftausend gespeist, der Ort der Speisung liegt andererseits aber auf dem Ostufer.

Auch bei Johannes steigen die Jünger nach der Speisung ins Boot und fahren weg, während Jesus auf den dortigen Berg geht. Die Jünger fahren allerdings vom Ostufer des Sees nach Westen in Richtung Kafarnaum. Und es kommt zwar ein stark wehender Wind auf, der den See aufwühlt, doch die Jünger kommen langsam vorwärts. Sie sind schon vier bis fünf Kilometer vom Ufer entfernt, als Jesus sie sieht und dann zu ihnen geht. Und nachdem Jesus zu ihnen ins Boot gestiegen ist, sind sie sogleich da am Land, wohin sie aufgebrochen waren, nämlich am Westufer in der Nähe von Kafarnaum.

Diese Angaben passen mit der Bootsfahrt, die Matthäus und Markus berichten, überhaupt nicht zusammen. Wenn wir aber glauben, dass es stimmt, was der Augenzeuge Johannes als ergänzenden Bericht schreibt, dann bleibt nur eine Lösung: Jesus ist nach beiden Speisungen auf dem See zu seinen Jüngern gekommen. Er ist zweimal auf dem Wasser gegangen.

(Diese Sichtweise wird dann auch in meiner Evangelienharmonie zu finden sein, die zur Zeit beim Verlag für die Veröffentlichung vorbereitet wird.)

Psalm 8

1 Für den Vorsänger, bei den Keltern (zu singen),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde,
(wie) erhebt sich deine Hoheit
über den Himmeln!
3 Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen
hast du Lob zubereitet
wegen deiner Feinde,
um Feind und Rächer zum Aufhören zu bringen.
4 Ja, ich sehe die Himmel, Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt hast.


5 Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst,
oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest?
6 Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel,
mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn eingesetzt über das Werk deiner Hände,
alles hast du untergeordnet unter seine Füße,
8 Schafe und Ziegen und Rinder, alle zusammen,
dazu auch die Tiere des Feldes,
9 die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,
die die Pfade der Meere durchziehen.
10 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde!

Anmerkungen:

1) Der Psalm 8 hat eine aufallende Textvariante. In Vers 6 sagt der hebräische Text „Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als Gott“. „Ein wenig niedriger als Engel“ steht in der griechischen Version. Das heißt, der griechische Übersetzer hatte einen Text vor sich, in dem nicht „Elohim“ (Gott) stand, sondern „Malachim“ (Engel). Die beiden Wörter sind im Hebräischen tatsächlich sehr ähnlich, man könnte da beim Abschreiben einen Fehler machen.

Vom Textzusammenhang der Schöpfung her ist es naheliegender, den Menschen als Herrn der Schöpfung als „ein wenig niedriger als Engel“ zu betrachten. Der Vergleich mit Gott erscheint etwas weiter hergeholt. Entscheiden lassen wir die Frage in diesem Fall aber das Neue Testament. Dort wird im Hebräerbrief die Formulierung „ein wenig niedriger als Engel“ zitiert.

2) Der Psalm 8 wird mehrfach im Neuen Testament zitiert:

Mt 21,15-16: Die obersten Priester und die Theologen sahen aber die wunderbaren Dinge, die er tat, und die Kinder, die auf dem Tempelgelände laut riefen: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und sie ärgerten sich und sagten ihm: „Hörst du, was die sagen?“ Jesus erwiderte: „Ja. Habt ihr noch nie gelesen: ‚Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du Lob zubereitet’?“

1 Kor 15,26-27a: Als letzter Feind wird der Tod zunichtegemacht. Denn „alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Eph 1,20-22a: Mit ihr hat er im Messias gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt und an seiner rechten Seite eingesetzt hat in den himmlischen Welten über jede Gewalt, Macht, Kraft, Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der kommenden. „Alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Hebr 2,5-9: Er hat die kommende Welt, über die wir sprechen, doch nicht Engeln untergeordnet. Irgendwo hat jemand bezeugt und gesagt: „Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst, oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Alles hast du untergeordnet unter seine Füße.” Indem er ihm das alles untergeordnet hat, hat er ja nichts ohne Unterordnung unter ihn gelassen. Jetzt sehen wir aber noch nicht, dass ihm alles untergeordnet ist. Als den, der „ein wenig geringer gemacht war als Engel“, sehen wir aber Jesus, der aufgrund des Todesleidens „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ wurde, sobald er durch die Gnade Gottes für jeden den Tod gekostet hatte.

3) Der Psalm 8 hat prophetisch gesehen eine Art doppelten Boden. Vordergründig beschreibt er die Herrlichkeit und Vielfalt der Schöpfung mit dem Menschen, den Gott dem Schöpfungbericht entsprechend als Herrscher darüber eingesetzt hat. Hintergründig sieht die Prophetie des Neuen Testaments hier unter dem Stichwort „Menschensohn“ den Messias Jesus. In seiner irdischen Zeit war er „ein wenig niedriger gemacht als Engel“ bis in den Tod. Nach seiner Auferstehung wurde er aber von Gott als Herrscher im Himmel eingesetzt. „Alles wurde ihm untergeordnet unter seine Füße“, und er wurde „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“.

Psalm 4

Psalm 4 in eigener Übersetzung aus dem Hebräischen unter Berücksichtigung des griechischen Alten Testaments (Septuaginta):

1 Für den Vorsänger, mit Saiteninstrumenten (zu begleiten),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Wenn ich rufe, erhört mich der Gott meiner Gerechtigkeit,
in der Enge verschaffst du mir Weite.
Hab Erbarmen mit mir,
und erhöre mein Gebet!
Ihr Menschenkinder, bis wann (wollt ihr) schwerfälligen Herzens sein,
warum liebt ihr Nichtiges und trachtet nach Lüge?
– Kurze Pause –

4 Erkennt auch, dass der Herr wunderbar handelt an (mir,) seinem Heiligen!
Der Herr wird mich erhören, wenn ich zu ihm rufe.
5 Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht,
sprecht in euren Herzen auf euren Betten und geht in euch!
– Kurze Pause –

6 Opfert das richtige Opfer,
und vertraut auf den Herrn!
7 Wenn viele sagen: „Wer wird uns das Gute zeigen?“,
erhebe über uns das Licht deines Angesichts, Herr!
8 Du gibst mir Fröhlichkeit ins Herz,
mehr als dann, wenn sich ihr Korn, Wein und Öl vermehren.
9 In Frieden kann ich zugleich mich niederlegen und einschlafen,
denn du, Herr, lässt mich ganz für mich im Vertrauen wohnen.

Anmerkungen:

Psalm 4 gibt in Vers 9 auch das Rezept für einen guten Schlaf. Im Frieden mit Gott gibt es nichts mehr, was einen innerlich umtreiben und einem den Schlaf rauben kann. Alles ist im Vertrauen beim Herrn aufgehoben, damit für den Gläubigen erledigt, und wenn er sich müde niederlegt, schläft er zugleich auch sofort ein.

Dass der Gläubige sich in Vers 4 auch als „Heiligen“ bezeichnet, ist für das Alte Testament etwas ungewöhnlich, aber sachlich dennoch richtig.

Aus Psalm 4 hat auch Paulus zitiert:

Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht!“ Die Sonne darf nicht untergehen über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum! (Eph 4,26-27)

Psalm 3

Psalm 3 in eigener Übersetzung unter Berücksichtigung der griechischen Übersetzung des Altentestaments (Septuaginta):

1 Ein Psalm mit Worten Davids,
als er auf der Flucht war vor Absalom, seinem Sohn.

2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger,
viele erheben sich gegen mich!
3 Viele sagen meiner Seele:
„Es gibt keine Rettung für ihn bei Gott.“
– Kurze Pause –

4 Du aber, Herr, bist mein Schild,
bist meine Ehre und erhebst mein Haupt.
5 Meine Stimme ruft zum Herrn,
und er erhört mich von seinem heiligen Berg.
– Kurze Pause –

6 Ich bette mich zur Ruhe, ich schlafe,
ich wache auf, denn der Herr hält mich fest.
7 Ich werde mich nicht fürchten vor Zehntausenden von Kriegsleuten,
die sich ringsum gegen mich aufstellen.
8 Erhebe dich Herr,
rette mich, mein Gott!
Ja, du schlägst all meine Feinde auf die Backen,
die Zähne der Frevler zerbrichst du.
9 Bei dem Herrn ist die Rettung,
auf deinem Volk dein Segen!

Anmerkungen dazu:

1) Die „Kurze Pause“ nach den Versen 3 und 5 gibt das hebräische Wort „Sela“ wieder. Der hebräische Sprachrhythmus mit den zwei zueinandergehörigen Zeilen ist nicht einfach nur ein dichterisches Stilmittel, sondern geht auf die orientalische Art des Wechselgesangs zurück, bei dem ein Chor oder der Vorsänger jeweils die erste Zeile sang und ein anderer Chor die zweite. Musikinstrumente begleiteten das Lied, aber nicht während des Singens, sondern davor, dazwischen und danach. „Sela“ bedeutet eine „kurze Pause“ im Lied, während der dann Instrumente spielten.

2) Im Althebräischen gibt es nicht die Tempora (Zeitformen) der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese müssen sinngemäß aus dem Textzusammenhang erschlossen werden. Dafür ist es hilfreich, dass die Übersetzung ins Griechische schon damals zwangsläufig die griechischen Zeitformen verwendet hat. Und hier taucht auch in Psalm 3 wieder die griechische Vergangenheitsform des Aorist auf. Dieser bringt erzählend Vorgänge in der Vergangenheit zum Ausdruck, in einer besondern Bedeutung aber auch Erfahrungstatsachen. Dinge, die immer (wieder) so waren und deshalb auch jetzt so sind, drückt man im Deutschen aber mit dem Präsens (Gegenwart) aus. David erzählt in den Versen 6 und 8 nicht einfach vergangene Ereignisse, sondern seine Erfahrung. Und so bringt hier das Präsens am besten zum Ausdruck, was er wirklich meint.

3) Wem das „auf die Backen schlagen“ und „Zähne zerbrechen“ in Vers 8 etwas grausam erscheint, den darf man erinnern, dass David etliche Kriege zu bestehen hatte und auch in dieser Situation kriegerisch bedroht wurde. Wenn man sich die frühere Art des bewaffneten Kampfs Mann gegen Mann im Krieg vorstellt, dann sind die hier genannten Ausdrücke vielleicht sogar eher von der harmloseren Art.

Homosexualität

Homosexualität ist in heutiger Zeit ein offen besprochenes und gesellschaftlich relevantes Thema. In der westlichen Welt hat sich die Haltung dazu von Verbot und Verfolgung zu Akzeptanz und Anerkennung gewandelt. Und im Buhlen um die Anerkennung der Welt wird auch in kirchlichen Kreisen die Segnung von gleichgeschlechtlichen (Ehe-)Paaren diskutiert und praktiziert.

Wirkliche Christen orientieren sich aber nicht an den wandelbaren Meinungen in der Welt, sondern an dem in der Bibel geoffenbarten Willen Gottes. Und den Willen Gottes gilt es, im eigenen Leben umzusetzen und nicht in einer gottlosen Welt. Es geht also in diesem Artikel über Homosexualität nicht um Politik, sondern um Gehorsam gegenüber Gott im eigenen Leben und in der Gemeinde Gottes.

Die Aussage der Bibel ist zunächst einmal eindeutig. Schon im Gesetz Moses gibt es ein klares Verbot – 3 Mo 18,22: „Bei einem Männlichen sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt; es ist abscheulich.“

Dazu kommt dann noch die strafrechtliche Bestimmung: – 3 Mo 20,13: „Wenn ein Mann bei einem Männlichen liegt, wie man bei einer Frau liegt, haben beide etwas Abscheuliches getan. Sie sollen ganz gewiss getötet werden; ihre Blutschuld (liegt) bei ihnen.“

Ich habe diese Stellen in eigener Übersetzung zitiert. Die Aussagen sind für das Verhalten von Männern formuliert. Ein entsprechendes Verhalten von Frauen wird nicht erwähnt, dürfte aber sinngemäß mitgemeint sein. Damit war das Thema Homosexualität offensichtlich so geklärt, dass es im ganzen Alten Testament nirgendwo wieder vorkommt.

Auch im Neuen Testament begegnet uns das Phänomen zunächst nicht. Jesus hat in seiner Lehre nicht darüber gesprochen. Innerhalb Israels war die Sache offensichtlich auch damals kein Thema. Erst als die Botschaft von Jesus sich in der Heidenwelt ausbreitete, tauchte die Problematik auf. Paulus erwähnt sie, und zwar in drei seiner Briefe. In der Abgrenzung zum Heidentum und in der Heiligung der Heidenchristen musste man sich damit befassen. Er erwähnt die Sache in zwei Aufzählungen von sündigem Verhalten und geht im Römerbrief dann etwas ausführlicher darauf ein:

1 Ko 6,9b-10: „Weder Unzüchtige noch Götterverehrer noch Ehebrecher noch Verführer noch praktizierende Homosexuelle noch Diebe noch Habgierige, keine Trinker, keine Verleumder, keine Räuber werden das Reich Gottes erben.“

1 Tim 1,8-10: „Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand gesetzestreu damit umgeht und weiß, dass das Gesetz nicht für einen Gerechten gegeben ist, sondern für Verbrecher und Respektlose, Gottlose und Sünder, Würdelose und Unreine, Leute, die Vater und Mutter schlagen, Mörder, Unzüchtige, praktizierende Homosexuelle, Menschenhändler, Lügner, Meineidige – und alles andere, das der heilsamen Lehre entgegensteht.“

Rö 1,26-27: „Deswegen liefert Gott sie in verachtenswerte Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschen den natürlichen Geschlechtsverkehr mit dem gegen die Natur. Genauso verlassen auch die Männer den natürlichen Geschlechtsverkehr mit der Frau und entbrennen in ihrer Gier zueinander. Männer vollbringen die Schande mit Männern, und den Gegenlohn, der ihrer Irreführung gebührt, bekommen sie an sich selbst zurück.“

Vielleicht ist aufgefallen, dass ich nicht einfach mit „Homosexuelle“ übersetzt habe, sondern mit „praktizierende Homosexuelle“. An allen Stellen verurteilt die Bibel nämlich allein die homosexuellen Handlungen. Die Gefühlslage, die homoerotische innere Ausrichtung eines Menschen, steht offensichtlich auf einem anderen Blatt. Für seine Gefühle kann ein Mensch zunächst nichts, für seine Taten ist er aber voll verantwortlich.

An der Stelle im Römerbrief bestätigt Paulus ausdrücklich, dass auch die Frauen mitgemeint sind. Interessant sind auch seine Begründungen für die Verurteilung der Sache. Man praktiziert hier „verachtenswerte“ Leidenschaften, man vollbringt „Schande“. Das liegt voll und ganz auf der Linie der Bezeichnung „abscheulich“ im Gesetz Moses. Die gemeinten Praktiken verstoßen offensichtlich gegen die biblische Sicht von der Würde des Menschen. Und alles Verachtenswerte und Schändliche ist natürlich Sünde, was denn sonst.

In den oben zitierten Aufzählungen von besonderen Sündern stehen unter den anderen allerdings auch die „Unzüchtigen“. Das sind Heterosexuelle, die Unzucht treiben. Sie sind offensichtlich keinen Deut besser als unzüchtige Homosexuelle. Und so steht ein homoerotisch empfindender Christ mit einem heteroerotisch empfindenden Christen unter dem gleichen Gebot, das die Sünde der Unzucht verbietet. Nur, dass er nicht die Möglichkeit der Ehe hat, die von Gott her als Ort der sexuellen Gemeinschaft vorgesehen ist. Denn die Ehe ist in der Bibel immer die Ehe zwischen Mann und Frau.

Wenn man nun die generelle Empfehlung zur Ehelosigkeit im Neuen Testament ernst nimmt, dann hat ein homoerotisch empfindender Nachfolger von Jesus keine andere Stellung als ein Eheloser, der heteroerotisch empfindet. Jesus ist so sehr das Ein und Alles, dass man auf sexuelle Beziehungen verzichten kann. Verzicht ist auch eine der Ausformungen der Frucht des Geistes (Gal 5,22). Und dann ist ja bei Gott sowieso alles möglich: Kraft zum Verzicht, Befreiung von Bindungen, Heilung von Körper und Seele. Es gibt auch christliche Gruppen, die von der Möglichkeit zur Veränderung des sexuellen Empfindens Zeugnis ablegen.

Immerhin steht unter der oben genannten Aufzählung 1 Kor 6,9b-10 in Vers 11 der bedeutsame Satz: „Und einige von euch waren solche. Aber ihr wurdet abgewaschen, ihr wurdet heilig gemacht, ihr wurdet gerecht gemacht, durch den Namen des Herrn, Jesus des Messias, und durch den Geist unseres Gottes.“

In die Hände gezeichnet

(„In die Hände gezeichnet“ ist ein Abschnitt des Kapitels „Vermischte biblische Spuren“ in dem Buch „Kennst du das Land?„. Ludwig Schneller hat seine Beobachtungen in den Jahren 1884-89 im damaligen Palästina gemacht.)

„In die Hände gezeichnet“ – diese Formulierung steht in einem bekannten Spruch. Jes 49,16: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Deine Mauern sind immerdar vor mir.“

Dieser Spruch ist vielfach so gedeutet worden, als wollte er sagen: Siehe mit Nägelmalen habe ich (Christus) dich in meine Hände gezeichnet. Dies ergibt für die Stelle aber einen ganz unklaren Sinn. Jedenfalls hätte kein einziger der damaligen Zuhörer, für welche Jesaja sprach, diese Worte verstehen können.

Sehen wir uns unter dem orientalischen Volk um, so wird es uns nicht schwer werden, die richtige Erklärung zu finden. Der Herr will mit dem letzten Satz jenes Spruches sagen, dass er Zions nimmermehr vergessen wolle. Vielfach sehen wir nun, dass Leute, welche etwas niemals vergessen wollen, einen teuren Namen oder ihren Geburtstag u. a. mit Nadeln in ihre Arme oder Hände eingraben lassen. Die Nadelstiche werden mit einer gewissen blauen Tinte betupft, und so entsteht eine blaue Schrift oder Zeichnung, welche deutlich leserlich ist.

Hierzulande weiß fast niemand, wie alt er ist. Und so ist diese Zeichnung bei denen, welche dieselbe haben, meist der einzige Ausweis über ihr Lebensalter. Es werden nicht nur Buchstaben, sondern auch allerlei Zeichnungen auf diese Weise in die Hände eingegraben. Diese Zeichnungen lassen sich nie mehr entfernen. Ihr Träger nimmt dieselben mit ins Grab, und sie vergehen nicht eher, als bis der Körper selbst vergeht.

Nun wird uns klar, was der Herr zu Zion sagen will. Er hat sozusagen das Bild von Zion auf die oben beschriebene Weise in seine Hände gezeichnet (wörtlich: eingestochen), so dass er dasselbe stets vor Augen hat. Daher noch der Zusatz: “ Deine Mauern sind immerdar vor mir.“ Zions Gedächtnis kann auch bei dem Herrn nur dann vergehen, wenn er selbst vergeht, also in alle Ewigkeit nicht. Man wird zugeben, dass für einen Orientalen, welcher an jene Sitte gewöhnt war, diese Worte eine sehr einleuchtende und tröstliche Antwort enthielten auf die Klage Zions (Jes 49,14): „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen!“

Grabmäler für Propheten

(Grabmäler für Propheten – ein Auszug aus einem Artikel von Sören Kierkegaard. Der Artikel trägt den Titel: „Die Gleichzeitigkeit; was du dem Zeitgenossen tust, das allein ist das Entscheidende“. Veröffentlicht in „Der Augenblick“ am 11. September 1855.)

(Dieser Abschnitt „Grabmäler für Propheten“ bezieht sich auf die Aussage von Jesus in Mt 23,29-31: „Wehe euch, Theologen und Pharisäer, ihr Heuchler: Ihr baut den Propheten Grabstätten und verziert die Grabkammern der Gerechten und sagt: ‚Wenn wir zur Zeit unserer Vorfahren gelebt hätten, hätten wir nicht teilgenommen, als sie das Blut der Propheten vergossen.’ Damit seid ihr Zeugen über euch selbst, dass ihr die Nachkommen derer seid, die die Propheten ermordet haben.“)

Wer einem Jünger nur einen Becher kalten Wassers reicht, weil er ein Jünger ist, soll nicht um seinen Lohn kommen. Er soll eines Propheten Lohn haben. Wer hingegen dem Propheten, dem Jünger, wenn er tot ist, sein Grabmal errichtet und sagt: „Wenn …“ – er ist nach Jesu Christi Urteil ein Heuchler. Seine Schuld ist Blutschuld.

Er ist ein Heuchler. Ja, denn entweder hat er, der Grabmäler für Propheten baut, vielleicht wieder einen Propheten zum Zeitgenossen – den er im Bunde mit den anderen verfolgt. Und wenn es kein Prophet ist, so ist es vielleicht doch ein Gerechter, der für die Wahrheit leidet. Und wie von den anderen, so wird er auch von ihm verfolgt, von ihm, der Grabmäler für Propheten baut. Oder hast du einen solchen Zeitgenossen nicht, dann sollst du aber, um kein Heuchler zu werden, das Leben der verstorbenen Herrlichen dir so lebhaft vergegenwärtigen, dass du dadurch ebensoviel zu leiden bekommst, als dir beschieden gewesen wäre, wenn du einen zugleich mit dir lebenden Propheten als Propheten anerkannt hättest.

O, wenn du irgendwie um deine Seele ewig bekümmert bist, mit Furcht und Zittern an Gericht und Ewigkeit denkst; oder wenn du andererseits dich gehoben fühlst und noch mehr gehoben fühlen möchtest bei dem Gedanken, was der Mensch ist und dass auch du Mensch bist und dass du verwandt bist mit all den Herrlichen, den Echten (deren Würde daher auch nicht im Unechten, im Profit, in Sternen und Titeln, sondern im Echten, in Armut, Niedrigkeit, Misshandlung, Verfolgung, Leiden besteht): so achte wohl auf diesen Satz von der Gleichzeitigkeit! Entweder sollst du als Zeitgenosse eines leidenden Wahrheitszeugen das Leiden auf dich nehmen, das aus seiner Anerkennung folgt. Oder, wenn du einen solchen Zeitgenossen nicht hast, sollst du dir das Leben des verstorbenen Herrlichen lebendig vor Augen stellen und dadurch zu demselben Leiden kommen, wie wenn du ihn als Zeitgenossen anerkannt hättest. Achte wohl auf diesen Satz von der Gleichzeitigkeit! …

Dieser Gedanke der Gleichzeitigkeit ist mir der Gedanke meines Lebens. Auch darf ich in Wahrheit sagen, ich habe die Ehre, für die Verkündigung dieses Gedankens zu leiden. Darum sterbe ich fröhlich, mit unendlichem Dank gegen die Vorsehung. Sie hat es mir vergönnt, auf diesen Gedanken so aufmerksam zu werden und auch andere aufmerksam zu machen. Nicht als hätte ich ihn erfunden. Gott behüte mich vor solcher Vermessenheit. Nein, der Gedanke ist längst erfunden, er gehört dem Neuen Testament an.

Aber es war mir doch vergönnt, leidend diesen Gedanken wieder in Erinnerung zu bringen. Diesen Gedanken, der wie das Rattengift für die Ratten, Gift ist für die Dozenten, für dieses Geschmeiß, das recht eigentlich das Christentum ruiniert hat. Für die Dozenten, diese edlen Männer, die Grabmäler für Propheten bauen, die objektiv deren Lehre vortragen, die … das Leiden und Sterben der Herrlichen sich zunutze machen, selbst aber … sich draußen halten. In gemessener Entfernung bleiben sie von allem, was entfernt einer Leidensgemeinschaft mit den Herrlichen gleichsehen könnte oder einem die Leiden bringen könnte, die man sich durch Anerkennung der lebenden Herrlichen zugezogen hätte.

Die Gleichzeitigkeit ist das Entscheidende. Denke dir einen Wahrheitszeugen, also eines der abgeleiteten Vorbilder. Er hat allerlei Misshandlung und Verfolgung zu erleiden und hält lange stand. Zuletzt beraubt man ihn seines Lebens. Die Todesstrafe, zu der man ihn verdammt, ist grausam: Er soll lebendig verbrannt werden. Mit ausgesuchter Grausamkeit bestimmt man näher: Er soll langsam auf einem Rost gebraten werden.

Denke dir das! Ernst und Christentum verlangen von dir eine so genaue Vergegenwärtigung dieses Vorgangs, dass du gerade so zu leiden bekommst, als wenn du mit dem Menschen gelebt und ihn als das anerkannt hättest, was er ist. Das ist Ernst und Christentum.

Etwas anderes ist natürlich das Bestialische, das den Predigern kein Gräuel ist. Da gibt man dem Wahrheitszeugen mitsamt seinem Leiden einen guten Tag. Und doch, nein, das Bestialische ist das noch nicht. Nein, man sagt: „Dieses Herrlichen wollen wir nie vergessen. Sieh, darum wollen wir den 17. Dezember, seinen Todestag, als seinen Gedächtnistag feiern. Wir wollen uns einen rechten Eindruck von seinem Leben bewahren. Und zugleich wollen wir unserem Leben doch ‚einige Ähnlichkeit‘ mit dem seinen, dem wir ’nachstreben‘, verleihen. Und deshalb haben wir den heiligen Brauch, dass an diesem Tag jedes Haus einen gebratenen Fisch verspeist. Wohlgemerkt (das ist die Pointe!): einen auf dem Rost gebratenen Fisch verspeist. Und den delikatesten muss der Pfarrer haben.“

Das heißt: Den Gottesdienst, der im Leiden, ja im Sterben für die Wahrheit bestand, verwandelt man in den Gottesdienst, zu essen und zu trinken. In den Gottesdienst, dass der Pfarrer das beste Stück bekommt. Und so bekommt man das wahre (offizielle) Christentum. In diesem trägt der Prediger, wie in seiner Weise der gebratene Fisch, so auch auf seine besondere Weise (z. B. durch eine reizende Rede) zur festlichen Erhöhung des Tages bei. Und er sichert sich dadurch ein mit den Jahren wachsendes Einkommen, macht vielleicht Karriere usw. …

Das ist nur ein Beispiel. Aber ich räume ein, dass keines der abgeleiteten Vorbilder jeden unbedingt verpflichtet. Und es verpflichtet dann freilich auch nicht zu dem Bestialischen. Aber wenn die abgeleiteten Vorbilder nicht unbedingt verpflichten und auch nicht unbedingt jeden verpflichten, so verpflichtet dagegen „das Vorbild“, Jesus Christus. Er verpflichtet unbedingt und unbedingt jeden. Lebt also mit dir in deiner Zeit keiner, der für die Wahrheit zu leiden hat; fällt also diese Christenpflicht für dich weg, dich durch seine Anerkennung dem Leiden auszusetzen: so musst du dir doch „das Vorbild“ so vergegenwärtigen, dass du in ähnlicher Weise zu leiden bekommst wie einst durch die Anerkennung des lebendig Gegenwärtigen. Alles nachträgliche Staatmachen mit ihm, alles Prunken mit Denkmalen auf seinem Grab usw. usw. usw. ist nach Christi Urteil Heuchelei und dieselbe Blutschuld wie die seiner Mörder.

Das ist die christliche Forderung. Die mildeste, mildeste Form derselben ist doch wohl … die einfache Anerkennung, dass dies die Forderung ist. Und dass du dann hinfliehst zur Gnade. Dass aber einer die Forderung nicht nur nicht einlösen, sondern sogar verschwiegen haben will – und dafür zum Grabdenkmal spendieren will, wofür ihn der Pfarrer dann aus gutem Grund einen ernsten Christen nennt: dem wollte unser Herr Jesus Christus gewiss am allermeisten vorbeugen.

Kaltes Wasser für Propheten

(Kaltes Wasser für Propheten – ein Auszug aus einem Artikel von Sören Kierkegaard. Er hat die Überschrift „Die Gleichzeitigkeit; was du dem Zeitgenossen tust, das allein ist das Entscheidende“. Veröffentlicht in „Der Augenblick“ am 11. September 1855.)

„Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird eines Propheten Lohn empfangen. Und wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer einem von diesen Geringen nur einen Becher kalten Wassers reicht, weil er ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch, er soll nicht um seinen Lohn kommen.“ So sagt unser Herr Jesus Christus, Mt 10,41-42.

Wahrlich, eine mehr als königliche und kaiserliche Freigebigkeit; so freigebig ist nur die Gottheit!

Und doch, sieh etwas näher zu. Es handelt sich hier darum, was man einem Zeitgenossen, was man als Zeitgenosse dem Propheten, dem Jünger tut. „Wer einem von diesen Geringen einen Becher kalten Wassers reicht“ – ja, hierauf kann doch der Nachdruck nicht liegen. Nein, der Nachdruck liegt auf dem: „weil er ein Jünger, ein Prophet ist“.

Wenn also ein Zeitgenosse sagen würde: „Ich halte den Menschen gewiss nicht für einen Propheten, für einen Jünger. Dagegen bin ich bereit, ihm einen Becher Wein zu reichen“. Oder wenn einer vielleicht bei sich im Stillen diesen Menschen für einen Jünger, einen Propheten ansähe, hätte aber, feige, nicht den Mut, sich zu seiner Überzeugung zu bekennen. Oder wenn einer dem Propheten, dem Jünger, den ja als solchen die Zeitgenossen nicht anerkennen, im Gegensatz zu den andern Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte, aber um billigeren Preis. Wenn ein solcher dann etwa sagen würde: „Ich halte ihn wohl für keinen Propheten. Aber er ist doch ein merkwürdiger Mensch, und ich mache mir ein Vergnügen daraus, ihm einen Becher Wein zu reichen.“ So müsste das eine- wie das anderemal die Antwort lauten: „Nein, mein Lieber, behalte er nur seinen Becher Wein! Davon redet die Schrift nicht.“

Sie redet nur von einem Becher kalten Wassers, den man ihm reicht. Aber man reicht ihn, weil er ein Jünger, ein Prophet ist. Und damit erkennt man ihn also voll und ganz als das an, was er in Wahrheit ist. Worauf Christus zielt, das ist die Anerkennung als als Jünger, als Prophet, und zwar von den Mitlebenden. Ob man die Anerkennung dadurch ausdrückt, dass man ein Glas kaltes Wasser reicht, oder dadurch, dass man ein Königreich schenkt, ist durchaus gleichgültig. Worauf es ankommt ist nur dies, warum man den Zeitgenossen anerkennt.

Somit ist nicht richtig, was die Besoldungspfarrer für die Pfarrbesoldung den Menschen einbilden. Da 10 Taler mehr sei als ein Glas kaltes Wasser, sagen sie, so sei es auch etwas weit Höheres, dem Propheten, dem Jünger 10 Taler zu geben, aber nicht, weil er der Prophet, der Jünger ist. Das sei mehr, als ihm ein Glas kaltes Wassers zu geben, weil er ein Prophet, ein Jünger ist. Nein, es geht vielmehr darum, dass man es darum gibt. Dass man also ausdrücken will, dass man den Menschen anerkennt für das, was er in Wahrheit ist, darauf kommt es an.

Aber es ist nicht leicht, das einem Mitlebenden zu tun. Hierzu braucht einer zwar nicht selbst ein Prophet, ein Jünger zu sein. Aber was er haben muss (und wohlgemerkt, bei redlichem Willen unbedingt auch haben kann), das ist zwei Drittel von eines Jüngers, eines Propheten Charakter. Denn einem Zeitgenossen gereicht, kann dieser Becher Wasser, oder richtiger dieses Weil, teuer zu stehen kommen. Von der Gegenwart, bei Leibesleben, wird nämlich der Prophet, der Jünger verhöhnt, gehasst, verwünscht, verabscheut, auf alle Weise verfolgt. Und verlass dich drauf: einem Jünger „als Jünger“ einen Becher Wasser zu reichen, zieht nach dem Neuen Testament mindestens Ausschluss aus der Synagoge nach sich. Damit bestrafte man ja jeden, der sich mit seinem Zeitgenossen Christus einließ.

Das wird natürlich von den Lügenpfaffen „vertuscht, verschleiert, verschwiegen, ausgelassen“. Sie schmachten ja vielmehr unter Schluchzen, Herzstößen, unterdrücktem Seufzen mit unsäglichem Verlangen danach, als Zeitgenossen Christi gelebt zu haben – um aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden, was ja natürlich der Pfründen- und Ämterjäger herzlichstes und tiefstes Verlangen ist.

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