Sieben Schalen der Wut Gottes sind das beherrschende Thema in den Kapiteln 15 und 16 der Offenbarung. Zunächst sieht Johannes sieben Engel, die die letzten sieben Plagen haben, mit denen die Wut Gottes gestillt sein wird. Dass sie hier die sieben Plagen schon haben, obwohl ihnen die sieben Schalen mit den Plagen nachher erst übergeben werden, gehört sicherlich auch zum Phänomen der prophetischen Unschärfe.

Diese sieben Plagen bilden das letzte Gericht Gottes über die gottlose Menschenwelt. Im Anschluss an die Auferstehung und Entrückung der Gläubigen ergeht es über den Rest der Welt. Dem bis zur Wut gesteigerten Zorn Gottes wird damit dann Genüge getan.

Man sollte dieses Gericht aber nicht verwechseln oder vermischen mit dem Jüngsten Gericht bzw. Weltgericht. Die sieben Schalen der Wut Gottes sind das letzte zeitliche Gericht über die Menschheit auf der Erde, bevor Jesus dort sichtbar als Messias erscheint und dieser Weltgeschichte ein Ende macht.

Das Weltgericht geschieht später, nach dem Ende der sichtbaren Schöpfung und der Auferstehung aller Toten. Dann erscheinen alle Menschen vor dem Richter und werden nach ihren Taten – jeder einzelne – für ewig gerichtet. Und dieses letzte Gericht hat nichts mit Zorn oder Wut zu tun, sondern ergeht ganz nüchtern und sachlich auf Basis der gerechten Beurteilung jedes einzelnen Menschen. Aber davon später.

Auch wenn die sieben Engel einerseits die sieben Plagen schon haben, sie ihnen andererseits mit den sieben Schalen erst übergeben werden, ist aber eines deutlich: Die laute Stimme aus dem Tempelhaus ist die Stimme Gottes. Auf seinen Befehl ergeht jetzt dieses Gericht.

Die sieben Schalen der Wut Gottes sind aus Gold, und die Engel sind mit weißem Leinen und goldenen Gürteln gekleidet. Das heißt, von Gott her ist auch dieses siebenfache Gericht eine absolut gerechte und saubere Sache. Es gibt keinerlei Anklang an ein humanistisches Jammern über „diese armen Menschen“, die davon betroffen werden. Offensichtlich haben sie dieses Gericht Gottes einfach oder auch vielfach verdient.

Die erste Schale geht auf die menschlichen Körper, gegen des Menschen höchstes Gut, seine Gesundheit. „Hauptsache gesund!“ – wie oft haben Menschen diesen gottlosen Spruch wohl gesagt? Und jetzt ist es damit vorbei. Die eitrigen Wunden scheinen unheilbar zu sein; die Gesundheitsreligion ist am Ende.

Die zweite Schale geht auf das Meer, das zu Blut wird. Ob das wortwörtlich richtiges Blut sein muss, sei dahingestellt. Es kann einfach auch eine schmutzige Brühe sein, die wie Blut aussieht. Das Meer kippt, alles darin stirbt. (Wem der Gedanke kommt, dass die Menschheit wohl auch heute schon ihren Teil dazu beiträgt, dass es soweit kommen wird, hat wohl nicht ganz Unrecht.)

Die dritte Schale geht auf die Quellen und die Flüsse, auch hier sieht man wieder nur noch die dreckige Brühe. Und dazu kommt die Aussage des Engels: Sie haben Blut von Heiligen und Propheten vergossen, und jetzt bekommen sie dafür Blut zu trinken, sie haben es verdient.

Die vierte Schale geht auf die Sonne, die die Menschen mit großer Hitze versengt. Und auch hier klingt die Beschreibung irgendwie verwandt mit der kommenden Klimakatastrophe. Aber jetzt bei der Ausgießung der Schalen geht es Schlag auf Schlag.

Die fünfte Schale geht auf den Thron des Tieres, dessen Reich finster wird. Hier wird es etwas schwieriger, sich das konkret vorzustellen. Vielleicht erinnern wir uns an die Finsternis, die über Ägypten kam im Rahmen der damaligen zehn Plagen. Aber auch geistige Vorgänge sind denkbar. Jegliche humanistisch-menschliche Fassade fällt ab, und jenes Reich zeigt sein wahres brutales Gesicht.

Die sechste Schale geht auf den Eufrat, den Grenzfluss Israels im Norden, hier soll den Königen vom Aufgang der Sonne der Weg gebahnt werden. Dämonisch verführt und angeführt zieht die Menschheit in ihren letzten Krieg. Am „Har Mageddon“, dem Berg von Megiddo, ist das Schlachtfeld am großen Tag Gottes. Wie die Schlacht ausgeht, kann man sich auch hier schon denken. Kap. 19 beschreibt es dann ausführlich.

Die siebte Schale geht auf den Luftraum und bringt die Vollendung dieses Gerichts. Da der „Luftraum“ im Neuen Testament auch eine Bezeichnung für die uns umgebende unsichtbare Welt ist, kann man sich hier auch ein Gericht über die Dämonenwelt vorstellen, wie z. B. die Verbannung Satans und die Bestrafung des Antichrist-Tieres und seines Compagnions im ewigen Feuer.

Das abschließende große Erdbeben wurde schon bei der Öffnung des sechsten Siegels beschrieben. Und auch beim sechsten Hornsignal bildet es den Abschluss nach der Vision von den zwei Zeugen. Im Bereich der Natur fallen die Berge ein und die Inseln verschwinden, im Bereich der Menschenwelt stürzen die Städte mit ihren Wolkenkratzern ein und die „große Stadt“ zerbricht. Ein Steinhagel aus dem Himmel krönt das Ganze. (Gemeint ist wohl so etwas, das wir heutzutage als Einschläge von Meteoriten aus dem All bezeichnen würden.)

Und bis zum Schluss lästern die Menschen Gott …