Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Gericht

Das Ende der Welt

Das Ende der Welt nach den tausend Jahren wird ebenfalls in Offb 20 beschrieben. Der Satan wird zu einem letzten Aufstand noch einmal losgelassen und danach endgültig in den Feuer- und Schwefelsee geworfen. Der Sinn dieser nochmaligen Loslassung kann eigentlich nur darin liegen, dass auch die Menschen, die in den tausend Friedensjahren gelebt haben, einem letzten Test unterzogen werden müssen.

– Der Teufel wohnt also nicht, wie die landläufige Vorstellung sagt, in der Hölle. Der Teufel ist seit seinem Rauswurf aus dem Himmel hier auf der Erde. (Wer offene Augen dafür hat, kann es sehen …) Wenn Jesus der Messias dann auf die Erde kommt, wird er zunächst für die tausend Jahre in einem Gefängnis in der Unterwelt festgehalten. Und nach seinem letzten Aufstand wirft man ihn dann in die Hölle zur ewigen Bestrafung. Von „Wohnen“ kann dort natürlich nicht die Rede sein … –

Das Ende der Welt beinhaltet sodann die zweite Auferstehung. Das Meer, der Tod und die Totenwelt geben alle Menschen in ihnen heraus. Alle Menschen aus allen Zeiten von Anbeginn der Welt.

Dann verschwinden der geschaffene Himmel und die geschaffene Erde. Die Formulierungen sind unmissverständlich:

Offb 20,11: „Dann sah ich einen Thron, groß, weiß, und den, der auf ihm sitzt. Vor dessen Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es war kein Platz (mehr) für sie zu finden.“ Von einer Umwandlung der alten Erde in eine neue kann keine Rede sein. Es ist wahrlich das Ende der Welt.

Offb 21,1: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. – Der erste Himmel und die erste Erde sind ja vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. -„

Und auch der 2. Petrusbrief bestätigt es. Kap. 3,10-11a: „Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. An ihm werden die Himmel zischend vergehen, die Elemente sich vor Hitze brennend auflösen, die Erde und die Werke auf ihr nicht (mehr) zu finden sein. Wenn sich dies alles so auflöst, was für Leute müsst ihr dann sein?“

Auch den Tod und die Totenwelt – die man zu nichts mehr braucht – entsorgt man dann im Feuersee.

Es ist nun alles weg, was den Menschen Heimat, Behausung oder Aufbewahrungsort war. Nur sie selbst sind noch da und stehen jetzt vor dem großen weißen Thron. Das ist der Richterthron, und der, der darauf sitzt, ist Jesus. Dieses letzte Gericht über die Menschen gehört im Neuen Testament zum Grundbestand der Botschaft. Ausführlicher beschrieben wird es aber nur an zwei Stellen.

Die eine ist Offb 20,11-15:

„Dann sah ich einen Thron, groß, weiß, und den, der darauf saß. Vor dessen Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es war kein Platz (mehr) für sie zu finden. Dann sah ich die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Schriftrollen wurden geöffnet. Auch eine andere Schriftrolle wurde geöffnet, das ist die des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach ihren Taten, aus dem, was in den Schriftrollen geschrieben ist. Das Meer hatte die Toten, die in ihm waren, herausgegeben, auch der Tod und die Totenwelt hatten die Toten, die in ihnen waren, herausgegeben. Und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Taten. Der Tod und die Totenwelt wurden in den Feuersee geworfen. – Das ist der zweite Tod, der Feuersee. – Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens geschrieben gefunden wurde, wurde er in den Feuersee geworfen.“

Die andere Stelle ist Mt 25,31-46:

„Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle seine Engel mit ihm, dann wird er sich auf seinen herrlichen Thron setzen, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander aussondern, wie der Hirte die Schafe von den Böcken aussondert. Er wird zum einen die Schafe auf seine rechte Seite stellen, zum anderen die Böckchen auf die linke. Dann wird der König denen auf seiner rechten Seite sagen: ‚Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Königreich, das für euch vorbereitet ist seit Erschaffung der Welt! Denn ich hatte Hunger, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich hatte Durst, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, und ihr habt mich gekleidet. Ich war krank, und ihr habt nach mir geschaut. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.‘

Dann werden die Gerechten ihm antworten: ‚Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich ernährt, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich fremd gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir gesehen, dass du krank warst oder im Gefängnis, und sind zu dir gekommen?‘ Und der König wird ihnen antworten: ‚Amen, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, habt ihr mir getan!‘

Dann wird er denen auf seiner linken Seite sagen: ‚Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet war! Denn ich hatte Hunger, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich hatte Durst, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Ich war fremd, und ihr habt mich nicht aufgenommen, nackt, und ihr habt mich nicht gekleidet, krank und im Gefängnis, und ihr habt nicht nach mir geschaut.‘

Dann werden auch sie antworten: ‚Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?‘ Dann wird er ihnen antworten: ‚Amen, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan!‘ Und diese werden in ewige Bestrafung gehen, die Gerechten aber in ewiges Leben.“

Auch dieses Gericht ist das Ende der Welt. Die Unterschiede zwischen den zwei Berichten lassen sich mit dem Phänomen der prophetischen Unschärfe sicherlich hinreichend erklären.

Man beachte, dass es sich bei diesem Gericht um die zweite Auferstehung handelt. Die Heiligen, die an der ersten Auferstehung teilhatten, sind hier nicht dabei. Sie stehen auf der Seite des Richters, nicht auf der der Gerichteten. „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, er ist vielmehr aus dem Tod ins Leben übergegangen.“ (Joh 5,24)

Es sind also keine biblisch Gläubigen, die hier vor Gericht stehen. Dem entspricht auch, dass es im Gericht nicht um den Glauben, sondern um die Taten geht. So bezeugt es die ganze Bibel: Das Gericht Gottes geht nach den Werken. Von jedem einzelnen Menschen ist alles komplett aufgezeichnet.

Und das Ende der Welt bringt alles ans Licht. „Es gibt nämlich nichts Verborgenes, das nicht sichtbar gemacht werden wird. Und nichts wurde verheimlicht, das nicht bekannt werden und ans Licht kommen wird.“ (Mk 4,22 / Lk 8,17).

Und siehe da, es gibt auch in diesem Gericht Menschen, die noch Rettung erfahren. Das Gericht Gottes ist immer gerecht. Nach Matthäus nennt Jesus sie „die Gerechten“. Nach der Offenbarung stehen sie geschrieben im Buch bzw. der Schriftrolle des Lebens. Unbewusst haben sie mitfühlend das Richtige getan, ohne zu wissen, dass sie es Jesus getan haben. Und deshalb stehen sie im Buch des Lebens und erben das Königreich.

Das Ende der Welt ist für die einen also noch Rettung. Die anderen aber kommen in die Hölle, wo sich schon der Satan und seine Dämonen befinden, denen sie in ihrem Leben gedient haben. Hier ist alle Sünde und Bosheit der Weltgeschichte dann (un)schön beisammen auf einem Haufen. Und man muss es noch einmal betonen: Es ist gerecht, sie haben es verdient. Niemand kommt unverdient in die Hölle.

Im Matthäustext beschreibt Jesus negativ, was sie an Gutem alles nicht getan haben. Die Offenbarung beschreibt auch positiv, was für Leute sie sind. Offb 21,8: „Für die Furchtsamen, Ungläubigen, Abscheulichen, Mörder, Unzüchtigen, Okkultisten, Götterverehrer und alle Verlogenen (gilt) aber: Der Anteil, der ihnen gebührt, ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.“ Dass die Aufzählung hier Ungläubige nennt, widerspricht nur scheinbar dem, dass es hier nicht nach dem Glauben geht. Es sind die absichtlich Ungläubigen, die sich so entschieden hatten, und auch das ist ein „Werk“.

Und dazu auch Offb 21,27: „Jegliches Unreine und wer Gräuel und Lüge ausübt, kommt nicht in sie hinein, sondern nur die, die geschrieben stehen in der Schriftrolle des Lebens des Lammes.“

Die „Gerechten“, die im letzten Gericht noch Rettung erfahren, waren in ihrem Leben sicherlich keine perfekten und sündlosen Menschen. Auch ihre Rettung geschieht aus Gnade, und sie staunen darüber. „Herr, wann haben wir …?“ (Man kann sich also nicht absichtlich und kalkuliert mit Werken retten …)

Und dann gibt es im himmlischen Jerusalem, das auf die neue Erde kommt, noch eine eigenartige Einrichtung. Offb 22,2: „In der Mitte zwischen ihrer Hauptstraße und dem Fluss ist ein Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte bringt; in jedem Monat bringt er seine Frucht, und die Blätter des Baums sind zur Heilung der Völker.“ Und dazu die Frage: Welche „Völker“ sollten denn dann noch „Heilung“ benötigen?

Erste und zweite Auferstehung

Erste und zweite Auferstehung – diese Zählung und Unterscheidung finden wir in Kapitel 20 der Offenbarung.

Die erste ist die Auferstehung derer, die Jesus in Bedrängnis und Verfolgung treu waren. Paulus nennt sie in 1 Th 4,16 „die Toten im Messias“. Diese Auferstehung beinhaltet auch die Entrückung derer, die das Kommen des Herrn am Ende noch miterleben. Paulus spricht dann von ihrer „Verwandlung“, also Sterben und Auferstehen in einem Moment. Ausführlich kann man diese Dinge in 1 Ko 15 nachlesen.

Die zweite ist dann die Auferstehung der übrigen Toten, die erst nach den tausend Jahren stattfindet. Deshalb heißt die erste Auferstehung im Neuen Testament auch die Auferstehung „von den“ oder „aus den“ Toten. Die zweite ist die Auferstehung „der“ Toten.

Die Unterscheidung dieser zwei Auferstehungen sehen wir im ganzen Neuen Testament. Bei Paulus finden wir in 1 Ko 15,22-24 allerdings noch eine andere Zählung. „Denn gerade wie sie in Adam alle sterben, so werden sie im Messias auch alle lebendig gemacht. Jeder aber in seiner Reihenfolge: als erste Frucht der Messias, danach die, die dem Messias gehören, bei seiner Ankunft, danach die Vollendung, wenn er Gott dem Vater das Königreich übergibt, wenn er jede Herrschergewalt, jede Macht und Kraft zunichtegemacht hat.“

Als Erstes kommt in dieser Zählung die Auferstehung von Jesus. Dann kommen als Zweites die, die dem Messias gehören. Und die „Vollendung“ der Auferstehung wird als Drittes am Ende geschehen, wenn alle auferstehen. Wir finden also auch bei diesen Zählungen kein festes Schema im Neuen Testament, aber die Sache ist klar.

Zur Auferstehung von Jesus gehört dann auch die singuläre und zugegebenermaßen etwas rätselhafte Aussage von Matthäus. Mt 27,52b-53: „Viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt; nach seiner Auferweckung kamen sie aus den Grabkammern, gingen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.“ Das würde in der Konsequenz heißen, dass mit Jesus auch schon die Heiligen des Alten Testaments auferstanden sind.

Aber wie gesagt, wir finden keine weiteren und klärenden Parallelen zu diesem Wort. Passen würde es aber zu der Aussage von Jesus in Mt 8,11: „Viele werden von Osten und Westen kommen und sich zu Tisch legen mit Abraham und Isaak und Jakob.“

Doch zurück zu den zwei Auferstehungen in der Offenbarung. Teilhabe an der ersten Auferstehung bedeutet Rettung und Mitregieren mit Jesus. Offb 20,6: „Glücklich und heilig ist, wer Teil hat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sie werden vielmehr Priester Gottes und des Messias sein und die tausend Jahre mit ihm regieren.“

Teilhabe an der zweiten Auferstehung bedeutet Gericht. Und es wird sich da keiner entziehen können. Offb 20,13: „Das Meer hatte die Toten, die in ihm waren, herausgegeben, auch der Tod und die Totenwelt hatten die Toten, die in ihnen waren, herausgegeben. Und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Taten.“

Und wenn auch alle, die als Futter der Fische im Meer gedient haben, auferstehen werden, dann war auch der Gedanke absurd, man könne durch das Verbrennen der Ketzer deren Auferstehung verhindern …

Gefallen ist Babylon

Gefallen ist Babylon – mit dieser Botschaft taucht das Thema „Babylon“ schon bei seiner ersten Erwähnung in der Offenbarung auf. „Gefallen, gefallen ist Babylon, die große, die vom Wein ihrer wütenden Unzucht alle Völker getränkt hat!“ So sagt es der Engel in Offb 14,8 im Blick auf das kommende Ende.

Auch die zweite Erwähnung – noch vor ihrer ausführlichen Darstellung in Kap. 17 – geht direkt auf ihr Ende. Am Schluss der Ausgießung der sieben Schalen der Wut Gottes, die mit dem großen Erdbeben endet, heißt es – Offb 16,19: „Die große Stadt wurde zu drei Bruchstücken, und die Städte der Völker fielen ein. – An Babylon die Große war vor Gott gedacht worden, ihr den Weinbecher der Wut seines Zornes zu geben. -„

Gott ist also wütend auf Babylon, und ihr Ende ist beschlossen und vorprogrammiert. Ausführlich schildert dieses dann Kap. 18. Und hier werden auch noch einmal ihre Sünden genannt:

Zum einen geht es um die Verwirrung und Verführung der ganzen Welt – 18,3: „Denn vom Wein ihrer wütenden Unzucht sind alle Völker betrunken, die Könige der Erde haben Unzucht mit ihr getrieben, und die Großhändler der Erde sind reich geworden aus den Möglichkeiten ihres Luxus.“

Zum anderen geht es um die Unterdrückung und Verfolgung der Leute Gottes und auch vieler anderer – 18,24: „Und in ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen Getöteten auf der Erde.“

Dazwischen kommt noch ein deutlicher Aufruf – 18,4: „Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel: ‚Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr euch nicht beteiligt an ihren Sünden, und hinaus aus ihren Plagen, damit ihr sie nicht bekommt!'“ Mit diesem Babylon kann es für Christen offenbar keine Gemeinschaft und keine Kompromisse geben. Wenn doch, wird sich das bitter rächen.

Mit dem Ende von Babylon hat es aber eine eigenartige Bewandtnis. Einerseits zerfällt die große Stadt beim letzten großen Erdbeben in drei Teile – ihr totales Ende.

Andererseits steht in Kap. 17 eine eigenartige Aussage auch schon aus der Zeit davor – Vers 16: „Die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und sie verwüstet machen und nackt und werden ihre Fleischstücke fressen und sie im Feuer verbrennen.“ Auch die große Klage der der Könige, der Großhändler und der Seeleute in Kap. 18 ist ja nur denkbar, solange diese selbst noch nicht unter das Gericht gefallen sind.

Wir stehen hier vor dem Phänomen eines Bruchs in der antichristlichen Welt. Die zehn Könige und das Tier im Sinne der weltlichen antichristlichen Macht, auf der die Hure Babylon sitzt und sich tragen lässt, wenden sich plötzlich gegen sie, um sie zu zerreißen. Hier ist einerseits ein Ende Babylons beschrieben, obwohl andererseits offensichtlich auch etwas von ihr weiterexistiert bis zu den großen Gerichten am Ende.

Auch hier kann man im Rückblick in die Geschichte einen Erklärungsversuch machen. Der Beginn war ja das Kaisertum im alten Rom. Mit dieser Staatsmacht arrangierte sich das päpstliche Christentum. Mit dem Ende des weströmischen Kaisertums übernahm der Papst den Kaisertitel „Pontifex Maximus“, übernahm auch provisorisch die Regierung Roms und richtete von dort aus dann den Kirchenstaat ein, den Vatikanstaat.

An Weihnachten 800 ergriff er die Gelegenheit und krönte den fränkischen König Karl den Großen zum römischen Kaiser. Und so war das römische Kaisertum wieder da. Und auch weiterhin mussten alle nachfolgenden Kaiser wieder vom Papst gekrönt werden. Daraus leitete sich dann die päpstliche Oberhoheit über Kaiser und Könige in der „Christenheit“ ab, die 1000 Jahre lang bestand.

Unter dieser Herrschaft geschah im Übrigen auch die jahrhundertelange größte Christenverfolgung aller Zeiten. Unter dem Zeichen des Kreuzes (!) versuchte die Kirche mit Hilfe der weltlichen Macht, jeden Ansatz von biblischem Christentum mit brutalster Gewalt auszurotten. Auch Andersgläubige bekamen diese Gewalt zu spüren: Heiden, Juden und Muslime. „In ihr wurde Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen Getöteten auf der Erde.“

Einen ersten Bruch dieser Herrschaft gab es in der Reformationszeit, als lutherische, reformierte und anglikanische Länder von Rom abfielen. Über den Rest regierte der Papst aber weiterhin mit eiserner Hand und ließ auch nichts unversucht, verlorene Gebiete zurückzugewinnen.

Erst im Zuge der französischen Revolution wurde der Bann gebrochen. Die französischen Revolutionäre identifizierten die Kirche richtigerweise als integralen Bestandteil des adeligen Unterdrückungsystems, das sie beseitigten. Und so marschierte dann ein französisches Revolutionsheer auch bis nach Rom, holte den Papst aus seiner Burg und führte ihn ins Exil.

Damit war dieser Teil der Geschichte beendet. Gefallen ist Babylon. Weltliche Mächte hatten tatsächlich dieses Joch zerbrochen. Seither gibt es zwar noch den Kirchenstaat mit seinen diplomatischen Kanälen, aber die einstige Macht ist dahin.

Etwas ist also am Ende, und etwas existiert weiter. Die politischen Heilsbringer und die kirchlichen Würdenträger marschieren jetzt auf getrennten Wegen. Und sie lassen sich weiterhin von ihren Gefolgsleuten und Anhängern bewundern und feiern und führen sie ins Verderben.

Aber auch darüber ist bei Gott das Ende beschlossen …

Sieben Schalen der Wut Gottes

Sieben Schalen der Wut Gottes sind das beherrschende Thema in den Kapiteln 15 und 16 der Offenbarung. Zunächst sieht Johannes sieben Engel, die die letzten sieben Plagen haben, mit denen die Wut Gottes gestillt sein wird. Dass sie hier die sieben Plagen schon haben, obwohl ihnen die sieben Schalen mit den Plagen nachher erst übergeben werden, gehört sicherlich auch zum Phänomen der prophetischen Unschärfe.

Diese sieben Plagen bilden das letzte Gericht Gottes über die gottlose Menschenwelt. Im Anschluss an die Auferstehung und Entrückung der Gläubigen ergeht es über den Rest der Welt. Dem bis zur Wut gesteigerten Zorn Gottes wird damit dann Genüge getan.

Man sollte dieses Gericht aber nicht verwechseln oder vermischen mit dem Jüngsten Gericht bzw. Weltgericht. Die sieben Schalen der Wut Gottes sind das letzte zeitliche Gericht über die Menschheit auf der Erde, bevor Jesus dort sichtbar als Messias erscheint und dieser Weltgeschichte ein Ende macht.

Das Weltgericht geschieht später, nach dem Ende der sichtbaren Schöpfung und der Auferstehung aller Toten. Dann erscheinen alle Menschen vor dem Richter und werden nach ihren Taten – jeder einzelne – für ewig gerichtet. Und dieses letzte Gericht hat nichts mit Zorn oder Wut zu tun, sondern ergeht ganz nüchtern und sachlich auf Basis der gerechten Beurteilung jedes einzelnen Menschen. Aber davon später.

Auch wenn die sieben Engel einerseits die sieben Plagen schon haben, sie ihnen andererseits mit den sieben Schalen erst übergeben werden, ist aber eines deutlich: Die laute Stimme aus dem Tempelhaus ist die Stimme Gottes. Auf seinen Befehl ergeht jetzt dieses Gericht.

Die sieben Schalen der Wut Gottes sind aus Gold, und die Engel sind mit weißem Leinen und goldenen Gürteln gekleidet. Das heißt, von Gott her ist auch dieses siebenfache Gericht eine absolut gerechte und saubere Sache. Es gibt keinerlei Anklang an ein humanistisches Jammern über „diese armen Menschen“, die davon betroffen werden. Offensichtlich haben sie dieses Gericht Gottes einfach oder auch vielfach verdient.

Die erste Schale geht auf die menschlichen Körper, gegen des Menschen höchstes Gut, seine Gesundheit. „Hauptsache gesund!“ – wie oft haben Menschen diesen gottlosen Spruch wohl gesagt? Und jetzt ist es damit vorbei. Die eitrigen Wunden scheinen unheilbar zu sein; die Gesundheitsreligion ist am Ende.

Die zweite Schale geht auf das Meer, das zu Blut wird. Ob das wortwörtlich richtiges Blut sein muss, sei dahingestellt. Es kann einfach auch eine schmutzige Brühe sein, die wie Blut aussieht. Das Meer kippt, alles darin stirbt. (Wem der Gedanke kommt, dass die Menschheit wohl auch heute schon ihren Teil dazu beiträgt, dass es soweit kommen wird, hat wohl nicht ganz Unrecht.)

Die dritte Schale geht auf die Quellen und die Flüsse, auch hier sieht man wieder nur noch die dreckige Brühe. Und dazu kommt die Aussage des Engels: Sie haben Blut von Heiligen und Propheten vergossen, und jetzt bekommen sie dafür Blut zu trinken, sie haben es verdient.

Die vierte Schale geht auf die Sonne, die die Menschen mit großer Hitze versengt. Und auch hier klingt die Beschreibung irgendwie verwandt mit der kommenden Klimakatastrophe. Aber jetzt bei der Ausgießung der Schalen geht es Schlag auf Schlag.

Die fünfte Schale geht auf den Thron des Tieres, dessen Reich finster wird. Hier wird es etwas schwieriger, sich das konkret vorzustellen. Vielleicht erinnern wir uns an die Finsternis, die über Ägypten kam im Rahmen der damaligen zehn Plagen. Aber auch geistige Vorgänge sind denkbar. Jegliche humanistisch-menschliche Fassade fällt ab, und jenes Reich zeigt sein wahres brutales Gesicht.

Die sechste Schale geht auf den Eufrat, den Grenzfluss Israels im Norden, hier soll den Königen vom Aufgang der Sonne der Weg gebahnt werden. Dämonisch verführt und angeführt zieht die Menschheit in ihren letzten Krieg. Am „Har Mageddon“, dem Berg von Megiddo, ist das Schlachtfeld am großen Tag Gottes. Wie die Schlacht ausgeht, kann man sich auch hier schon denken. Kap. 19 beschreibt es dann ausführlich.

Die siebte Schale geht auf den Luftraum und bringt die Vollendung dieses Gerichts. Da der „Luftraum“ im Neuen Testament auch eine Bezeichnung für die uns umgebende unsichtbare Welt ist, kann man sich hier auch ein Gericht über die Dämonenwelt vorstellen: Die Verbannung des Satans und die Bestrafung des Antichrist-Tieres und seines Compagnions im ewigen Feuer.

Das abschließende große Erdbeben wurde schon bei der Öffnung des sechsten Siegels beschrieben. Und auch beim sechsten Hornsignal bildet es den Abschluss nach der Vision von den zwei Zeugen. Im Bereich der Natur fallen die Berge ein und die Inseln verschwinden, im Bereich der Menschenwelt stürzen die Städte mit ihren Wolkenkratzern ein und die „große Stadt“ zerbricht. Ein Steinhagel aus dem Himmel krönt das Ganze. (Gemeint ist wohl so etwas, das wir heutzutage als Einschläge von Meteoriten aus dem All bezeichnen würden.)

Und bis zum Schluss lästern die Menschen Gott …

Die Wut Gottes

Die Wut Gottes klingt ungewohnt in frommen deutschen Ohren. Eher ist man hier – wenn überhaupt – aus der biblischen Tradition den „Zorn“ Gottes gewohnt. Für die pseudochristlich-humanistische Denkweise ist ein wütender Gott natürlich überhaupt undenkbar – einfach grauenhaft, so eine Vorstellung. Aber Gott richtet sich ja nicht nach der Denkweise der Menschen.

In der griechischen Sprache geht es um die zwei Begriffe „orgé“ und „thymós“. Orgé ist dabei das etwas harmlosere und rationalere Wort. Seine Bedeutungsbandbreite geht auch herunter bis zum einfachen „Ärger“. Thymós ist daneben das emotionalere und intensivere Wort. Da ich Wert darauf lege, verschiedene griechische Begriffe auch im Deutschen verschieden wiederzugeben, übersetze ich orgé mit dem gewohnten „Zorn“, thymós dann mit „Wut“.

Orgé ist auch in der Bibel das üblicherweise gebrauchte Wort für den Zorn Gottes. Aber im Neuen Testament wird auch von der Wut Gottes gesprochen, und zwar bis auf eine Stelle ausschließlich in der Offenbarung.

Manchmal stehen die Begriffe auch direkt nebeneinander, wie in Rö 2,8: „Für die anderen, die aus Konkurrenz (handeln), nicht von der Wahrheit überzeugt sind und sich vom Betrug überzeugen lassen, (gibt es) Zorn und Wut.“ Die Reihenfolge zeigt auch hier eine Steigerung vom Zorn zur Wut.

Außer dieser einen Stelle im Römerbrief spricht sonst nur die Offenbarung von der „Wut“ Gottes. Offensichtlich steigert sich hier auf das Ende zu auch bei Gott selbst noch etwas.

Es fängt an in Offb 14,9-10: „Wenn jemand das wilde Tier und sein Bild anbetet und (sein) Kennzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine rechte Hand, dann wird er auch zu trinken bekommen vom Wein der Wut Gottes, der pur eingeschenkt ist im Becher seines Zornes.“

Auch hier stehen die beiden Begriffe zusammen: Der Becher ist der Zorn, sein Inhalt die Wut. Und das Bild vom „Wein“ der Wut Gottes passt zu der in den Versen 17-20 folgenden Darstellung des Gerichts als Weinernte.

Eine breite inhaltliche Darstellung dieses Wut-Gerichts erfolgt dann in den Kapiteln 15 und 16 mit den sieben Plagen, die durch das Ausgießen der sieben Schalen, gefüllt mit der Wut Gottes, über die Menschheit kommen.

Doch zuvor sehen wir in Offb 15,2-4 die, „die gesiegt hatten“ mit Gottes Harfen an dem Meer aus Kristall stehen. Das Meer aus Kristall, das sich nach Offb 4,6 direkt vor dem Thron Gottes befindet, ist ein Bild für die Grenze zwischen der irdischen Welt darunter und der Welt Gottes darüber. Die Sieger sind jetzt in die Welt Gottes eingetreten.

In Kap. 14,1-5 standen sie als die Hundertvierundvierzigtausend noch auf der Erde. In Kap. 14,14-16 waren sie dann die Frucht bei der Getreideernte in der Entrückung. Und nun stehen sie an dem Meer aus Kristall vor dem Thron Gottes.

Die Entrückung der Gemeinde geschieht also, bevor die Wut Gottes sich entlädt. Gott holt am Ende die Seinen weg, damit ist die Gnadenzeit dann abgelaufen. Und die Wut Gottes über die gottlose und gerichtsreife Menschheit nimmt ihren Lauf, und nichts hält sie mehr auf. Die Zeit des Einsammelns der Geretteten ist zu Ende, und es gibt keine Rettung mehr.

Offb 15,8: „Und das Tempelhaus wurde erfüllt mit Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft, und niemand konnte in das Tempelhaus gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren.“ Das heißt, der Zugang zu Gott ist blockiert, es gibt keine Fürbitte mehr. Niemand kann Gott jetzt noch umstimmen.

Offb 16,9: „Die Menschen wurden von großer Hitze versengt, und sie lästerten den Namen Gottes, der die Macht über diese Plagen hat, und waren nicht bereit sich zu ändern, um ihm Ehre zu geben.“ Offb 16,11: „… und sie lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Nöte und ihrer eitrigen Wunden und waren nicht bereit sich zu ändern – heraus aus ihren Werken.“ Es gibt keine Bekehrung mehr, keine Einsicht, keine Reue, keine Umkehr.

Es ist also nichts mit Spekulationen über eine große Erweckung nach der Entrückung. Wenn die Gemeinde weg ist, ist der heilige Geist weg, ist die Gnade weg, gibt es keine Rettung mehr. Die Zeit, mit Gott Ernst zu machen, ist jetzt. Wer meint, da noch etwas verschieben zu können, zeigt nur, dass er Gott immer noch nicht wirklich Ernst nimmt. Und dann fällt er mit Recht unter das Gericht Gottes.

Dass es am Ende einmal dieses „zu spät“ gibt, hat Jesus auch schon zu seinen irdischen Lebzeiten deutlich gelehrt. Als Beispiel nenne ich Mt 25,10-12 – im Bild der Brautjungfern: „Während sie aber zum Einkaufen weggingen, kam der Bräutigam. Die, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Brautjungfern und sagten: ‚Herr, Herr, mach uns auf!‘. Er aber antwortete: ‚Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.'“

Die zwei Ernten

Die zwei Ernten sind in der Offenbarung in Kap 14,14-20 nachzulesen.

Nach der Darstellung des Antichristentums in Gestalt der Tiere in Kap. 13 und der christlichen Gemeinde in Gestalt der Hundertvierundvierzigtausend in Kap. 14 läuft es jetzt auf das Ende zu. Die zwei Ernten schildern ein doppeltes Ende.

Doch zuvor kommen drei Botschaften von Engeln und zwei Hinweise an die Heiligen. Die Botschaften der Engel beinhalten eine Aufforderung und zwei Warnungen.

Der erste Engel sagt: „Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre, denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen! Betet den an, der den Himmel, die Erde, das Meer und die Wasserquellen gemacht hat!“

Gott zu fürchten und ihm die Ehre zu geben, ist im Grunde die Umschreibung einer Bekehrung. Angesichts des bevorstehenden Gerichts gibt es noch eine letzte Chance. Bis dahin ist die Tür offen.

Der zweite Engel sagt: „Gefallen, gefallen ist Babylon, die große, die vom Wein ihrer wütenden Unzucht alle Völker getränkt hat!“

Babylon, das im 17. und 18. Kapitel dann ausführlich behandelt wird, fällt anscheinend schon vor dem Ende. Die Nichtigkeit des antichristlichen Systems wird offensichtlich. Die im Gegensatz zur Braut des Lammes stehende Hure ist entlarvt. Es gibt keinen Grund mehr, sich von ihr festhalten oder irreführen zu lassen.

Der dritte Engel sagt: „Wenn jemand das wilde Tier und sein Bild anbetet und (sein) Kennzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine rechte Hand, dann wird er auch zu trinken bekommen vom Wein der Wut Gottes, der pur eingeschenkt ist im Becher seines Zornes. Er wird gequält werden in Feuer und Schwefel vor heiligen Engeln und vor dem Lamm, der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit, und sie haben keinen Ruheplatz bei Tag und Nacht, die das wilde Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Kennzeichen seines Namens annimmt.“

Das ewige Feuer als Darstellung der Hölle macht die Ernsthaftigkeit dessen deutlich, worum es hier geht. Noch kann man sich vom Antichristentum abkehren und durch das Blut von Jesus völlige Reinigung davon erhalten, als ob man dort nie dabei gewesen wäre. Aber wer dabei bleibt, trägt ewige Konsequenzen.

Angesichts dieser letzten Ernsthaftigkeit sagt der Vers 12 dann noch einmal, worin die Rettung der Heiligen liegt. Sie liegt in der Ausdauer, die durchhält bis zum Ende. So hatte es Jesus auch zu seinen irdischen Lebzeiten gesagt – Mt 10,22: „Wer aber durchhält bis zum Ende, der wird gerettet werden.“

Und die Christen, die sozusagen vorzeitig im Herrn sterben, haben es laut Vers 13 schon geschafft. Sie sind nach dem Kampf und den Mühen ihres Lebens in der Nachfolge des Herrn in seine Ruhe eingegangen. Und alles, was sie für ihn getan und erlitten haben, ist mit ihnen da.

Doch nun kommen die zwei Ernten. Der, der wie ein Menschensohn mit einer goldenen Krone auf dem Kopf und einer scharfen Sichel in der Hand auf einer Wolke sitzt, ist sicherlich Jesus. Er wird hier auch nicht wie alle anderen darum herum als „Engel“ bezeichnet. Als den „Menschensohn“ hat er sich schon zu seinen irdischen Lebzeiten identifiziert. Er ist der König der Könige (Krone) und der Herr der Ernte (Sichel), und er kommt in den Wolken.

Nur der Befehl zur Ernte kommt aus dem himmlischen Tempelhaus, also von Gott selbst, denn: „Über jenen Tag oder die Stunde weiß aber niemand etwas, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, nur der Vater allein.“ (Mt 24,36). Und in 1 Thess 4,16 spricht auch Paulus davon, dass Jesus „beim Befehl (Gottes)“ kommen wird.

Was der Sämann gesät hat, ist gewachsen, herangereift und wird jetzt geerntet. In diesem Bild wird das Einsammeln derer, die zu Jesus gehören, beschrieben. Es besteht in der Auferstehung der bereits Verstorbenen, gefolgt von der Entrückung der noch Lebenden ihm entgegen in den Wolken.

Etwas unerwartet und ein Gegenbild dazu ist die zweite Ernte, im Bild einer Weinernte. Mit ihr wird „nur“ ein Engel beauftragt. Das Blut, das nach dem Lesen der Trauben aus der Weinkelter Gottes kommt, erweist sie als eine Ernte des Gerichts. Und die Menge des Blutes zeigt, dass es ein gewaltiges Gericht Gottes ist, das hier stattfindet.

Offensichlich ist nicht nur das Gute, das der Herr gesät hat, reif geworden. Auch das Böse, das der Feind gesät hat, ist ausgereift und wird nun geerntet, sprich: gerichtet. Lange Zeit hatte Gott Geduld und ließ die Geschichte laufen, bis die Zahl der Geretteten voll war. Doch nach der Ernte der Getreuen und Heiligen ist dann auch die Zeit reif für das Gericht. Gottes Geduld ist zuende.

Die ausführliche Beschreibung dieses Gerichts finden wir dann in Kapitel 16 im Bild der Ausgießung der sieben Schalen, gefüllt mit der Wut Gottes.

Das sind also die zwei Ernten, die Beschreibung des doppelten Ausgangs der irdischen Geschichte, wie er auch sonst im Neuen Testament durchgehend bezeugt und angekündigt ist …

Was kommt aus dem Mund?

Was kommt aus dem Mund? Diese Frage ist in Offb 1 schon aufgetaucht, ich habe im Beitrag „Prophetische Symbolsprache“ darüber geschrieben. Das Schwert, das aus dem Mund von Jesus kommt, ist ein Symbol für das Wort Gottes. In Wirklichkeit kommt also kein Schwert, sondern das Wort Gottes aus seinem Mund.

Das gleiche Bild erscheint noch einmal in der Offenbarung. Hier wird in Kapitel 19 ab Vers 11 die Ankunft des Herrn geschildert. Er kommt als Reiter auf einem weißen Pferd, gefolgt von seinen Truppen. Und in Vers 15 heißt es: „Aus seinem Mund kommt ein scharfes Schwert, um damit die Völker zu schlagen.“ Hier ist sicherlich nicht mehr allgemein das Wort Gottes gemeint, sondern das spezielle Wort des Richters, der das Urteil vollzieht. In Vers 21 heißt es dann: „Und alle anderen wurden getötet mit dem Schwert des Reiters auf dem Pferd, das aus seinem Mund kam.“

Zuvor wurden das Tier (die antichristliche Macht) und der falsche Prophet (der antichristliche Geist) „gefasst“, also verhaftet. Und man warf sie lebendig in den Feuersee – die Hölle. Auch dazu gibt es eine Parallele mit etwas, das aus dem Mund kommt. In 2 Thess 2 schreibt Paulus über das Kommen und Wirken des Antichristen. Und in Vers 8 sagt er dann: „Ihn wird Jesus, der Herr, mit dem Hauch seines Mundes beseitigen, zunichtemachen bei seiner sichtbaren Ankunft.“

Mit einem Hauch aus seinem Mund wird der Herr ihn beseitigen und zunichtemachen. Das ist derselbe Vorgang, den die Offenbarung mit „gefasst“ und „in den Feuersee geworfen“ beschreibt. Auch hier haben wir wieder ein Beispiel für „prophetische Unschärfe„: Zwei ganz verschiedene Bilder beschreiben denselben Vorgang, und doch ist völlig klar, was gemeint ist.

Wenn nun das Schwert, das aus dem Mund von Jesus kommt, ein prophetisches Bild für etwas anderes ist, zum einen für das Wort Gottes, zum anderen für das Gericht, dann kann man auch eine Parallele zu einem anderen Bild ziehen, in dem etwas „aus dem Mund“ kommt.

In Offb 11,5 steht über die zwei Zeugen: „Wenn ihnen jemand schaden will, kommt Feuer aus ihrem Mund und frisst ihre Feinde. Sollte ihnen jemand schaden wollen, muss er so getötet werden.“

Wir haben gesehen, dass das Schwert, das aus dem Mund von Jesus kommt, das Wort Gottes ist. Warum sollte dann das Feuer aus dem Mund der Zeugen nicht auch das Wort Gottes sein? Es ist ja schließlich ihr Auftrag, das Wort Gottes zu bezeugen. Und das Bild vom Feuer gebraucht der Herr schon im Alten Testament – Jer 23,29: „Ist mein Wort nicht so wie ein Feuer, sagt der Herr, und wie ein Hammer, der einen Felsen zerschlägt?“

Das Wort Gottes im Mund der Zeugen, das sich auswirkt wie ein brennendes Feuer, passt zur Schilderung in Offb 11 . Kein Wunder, dass man ihnen schaden will, gegen sie Krieg führt, sie besiegt und tötet und sich dann darüber freut.

Doch wie frisst das Feuer aus dem Mund der Zeugen ihre Feinde? Das Feuer, das am Ende die Feinde frisst, ist nach der sonstigen Aussage im Neuen Testament das Feuer der Hölle. Doch wie hängt dieses Feuer, das am Ende die Feinde frisst, zusammen mit dem Feuer des Wortes Gottes, das aus dem Mund der Zeugen kommt?

Hier kann uns ein Wort von Jesus auf die richtige Spur bringen – Joh 12,47-48: „Wenn jemand auf meine Worte hört und sie nicht einhält – ich richte ihn nicht. Denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten. Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat seinen Richter: Das Wort, das ich gesagt habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“

Das Wort, das sie gehört, aber nicht angenommen haben, das wird sie am Ende richten. Nun wissen wir also, was für ein Feuer aus dem Mund der Zeugen kommt. Und wir wissen, wie es zusammenhängt mit dem Feuer, das die Feinde fressen wird. Auch haben wir so den scheinbaren Widerspruch aufgelöst, dass niemand den Zeugen schaden kann, obwohl man sie doch bekämpft und tötet.

Und bei genauem Hinsehen bemerkt man, dass ja auch gar nicht dasteht, dass ihnen niemand schaden kann. Es steht nur da, dass ihnen jemand schaden will. Und dass das Feuer, das aus dem Mund der Zeugen kam, diese Feinde verzehren wird. Das Wort, das sie hörten und ablehnten, das wird sie richten …