Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Griechisch

Sprachen im Neuen Testament

Sprachen im Neuen Testament, also die, die uns zur Zeit von Jesus im Land Israel begegnen, sind Hebräisch, Aramäisch, Griechisch und Lateinisch.

Hebräisch

Hebräisch ist die ursprüngliche Sprache Israels, die älteste der Sprachen im Neuen Testament. In ihr sind die Bücher des Alten Testaments geschrieben mit Ausnahme von ein paar aramäischen Kapiteln im Buch Daniel. Hebräisch als gesprochene Sprache gab es aber nur noch in Jerusalem und Umgebung. Da Paulus hier aufgewachsen ist und studiert hat, konnte er nach seiner Verhaftung in Jerusalem die Menge damit erstaunen, dass er eine Rede in Hebräisch an sie richtete. Ansonsten lernte aber jeder jüdische Junge in Israel in der Synagogenschule, die hebräischen Texte des Alten Testaments wenigstens lesen und einigermaßen verstehen zu können. So konnte auch Jesus in der Synagoge in Nazaret den Text aus Jesaja problemlos auf Hebräisch vorlesen und ohne weitere Erklärung dazusagen: „Heute sind diese Worte erfüllt vor euren Ohren.“

Aramäisch

Aramäisch ist eine dem Hebräischen verwandte semitische Sprache, die ursprünglich in Syrien gesprochen wurde. Das Land heißt semitisch „Aram“ und griechisch „Syrien“. Deswegen ist Aramäisch und Syrisch dasselbe, genau wie Aramäer und Syrer. Durch viele Jahrhunderte der ethnischen Überfremdung war im nördlichen Teil Israels Hebräisch als gesprochene Sprache ausgestorben und das Aramäische heimisch geworden. Das betrifft auch Jesus und seine Jünger, deren Muttersprache Aramäisch war. Dass er mit seinen Jüngern aramäisch sprach, klingt an der Stelle durch, an der er Petrus als „Simon bar Jona“ anspricht, d. h. „Simon, Sohn von Jona“. „Bar“ ist Aramäisch und heißt „Sohn“. Auf Hebräisch würde es „Ben“ heißen. Auch in seiner Todesstunde am Kreuz hat Jesus aramäisch gesprochen, als er sagte: „Eloi, eloi, lema sabachtani“. Das ist zwar der Anfang von Psalm 22, aber auf Aramäisch. Und Petrus war im Hof des Obersten Priesters auch an seiner Sprache als Galiläer identifiziert worden.

Griechisch

Griechisch war damals die internationale Verkehrssprache des römischen Reiches. Es ist in unserer Zeit gut mit dem Englischen vergleichbar, das ja auch jeder mehr oder weniger kann und in internationalen Beziehungen sogar perfekt. Alle, die um den See Genezaret mit den Handelsstraßen und der römischen Besatzung aufwuchsen, konnten neben Aramäisch auch Griechisch. So hat auch Jesus am Ende mit Pilatus ganz sicher Griechisch gespochen. Und der ehemalige Steuereinnehmer Matthäus konnte in dieser Sprache ein ganzes Evangelium verfassen.

Lateinisch ist die unbedeutendste der Sprachen im Neuen Testament. Sie taucht als römische Amtssprache nur an einer Stelle auf, nämlich bei der Urteilsbegründung, die Pilatus über dem am Kreuz hängenden Jesus anbringen ließ. Diese war ausdrücklich für alle lesbar in Hebräisch, Griechisch und Lateinisch geschrieben.

Als die Botschaft von Jesus über Israel hinaus zu den Nichtjuden ging, war automatisch das Griechische die entscheidende Sprache. Sie wurde von allen Völkerschaften im östlichen römischen Reich verstanden. Deshalb sind sämtliche Schriften des Neuen Testaments auch ursprünglich in Griechisch verfasst. Nur von Matthäus schreibt später Papias, ein führender Mann der Gemeinde in Hierapolis, er habe die Reden von Jesus zuerst in Aramäisch aufgeschrieben. In der Tat finden wir im Matthäusevangelium mindestens fünf längere Reden von Jesus, die auf eine solche ursprüngliche Sammlung zurückgehen könnten. Aber auch Matthäus hat sein ausgearbeitetes Evangelium auf Griechisch herausgegeben.

Natürlich wurden die griechischen Texte im Zuge der Mission auch schon früh in andere Sprachen übersetzt. Dazu gehören Aramäisch bzw. Syrisch, Lateinisch, Armenisch und äthiopische Sprachen. Auf der Suche nach dem ursprünglichen Text landet man aber immer beim Griechischen.

Zitate im griechischen Text

Das Erkennen von Zitaten im griechischen Text des Neuen Testaments ist oft nicht einfach. Das hängt mit der Kunst des Schreibens und Lesens zusammen. Die antike Schreibkunst hatte das Kulturgut der Satzzeichen noch nicht erfunden, also auch keine Doppelpunkte und Anführungszeichen, um Zitate kenntlich zu machen. Es ist also der Kunst des Lesers überlassen, ein Zitat im Text zu erkennen.

Einfach ist es, wenn ein Zitat angekündigt wird, wie z.B. in 1.Kor. 1,19 (ohne Satzzeichen): „Es steht doch geschrieben Ich will die Weisheit der Weisen zunichte machen und die Einsicht der Einsichtigen verschwinden lassen.“ Einfacher ist es dann aber doch mit den Lesehilfen: „Es steht doch geschrieben: ‚Ich will die Weisheit der Weisen zunichte machen und die Einsicht der Einsichtigen verschwinden lassen.’“ (Jes. 29,14)

Schwieriger wird es in einem Fall wie 1.Kor. 5,13 (ohne Satzzeichen): „Über die draußen spricht Gott das Urteil Ihr müsst den Bösen entfernen aus eurer Mitte“. Dass hier ein Zitat drinsteckt, sieht nur der, der es aus dem Alten Testament kennt. Leichter hat man es, wenn man es so lesen kann: Über die draußen spricht Gott das Urteil. Ihr müsst „den Bösen entfernen aus eurer Mitte“! (5.Mo. 17,7) – und auch gleich mit der Quellenangabe, wo es steht.

Der erste Korintherbrief ist durch eine sehr intensive Auseinandersetzung mit Vorgängen in der dortigen Gemeinde gekennzeichnet, und Paulus zitiert Meinungen aus der Gemeinde, mit denen er sich in seinem Brief auseinandersetzt. Diese als andere Meinung zu erkennen und nicht als Aussage von Paulus selbst misszuverstehen, ist für das Verständnis des Briefs sehr wichtig.

Als Beispiel nehme ich einmal 1.Kor. 6, 12+13 (zunächst einmal ohne Satzzeichen): „Alles ist mir erlaubt Aber nicht alles ist gut Alles ist mir erlaubt Aber nichts soll Macht über mich haben Die Speise für den Bauch und der Bauch für die Speisen Gott wird diese und jenen aber zunichte machen Der Leib nicht für die Unzucht sondern für den Herrn und der Herr für den Leib“.

Mit den erkannten Zitaten, Satzzeichen und Erklärungshilfen in Klammern heißt es dann in meiner Übersetzung: (Wenn einige bei euch sagen:) „Alles ist mir erlaubt!“ (dann sage ich dazu:) Aber nicht alles ist gut. (Wenn sie sagen:) „Alles ist mir erlaubt!“ (dann sage ich:) Aber nichts soll Macht über mich haben. (Wenn sie sagen:) „Die Speise für den Bauch, und der Bauch für die Speisen!“ (sage ich dazu:) Gott wird diese (Speisen) und jenen (Bauch) aber zunichte machen. Der Leib aber nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib!

Ich denke, so wird es doch deutlicher, welche Auseinandersetzung Paulus an dieser Stelle führt und wie er mit der liberalen Fraktion in Korinth argumentiert, die ihre christliche Freiheit offensichtlich für ungute Dinge in Anspruch nahm. Das Schlagwort dieser liberalen Fraktion mit ihrem „Alles ist mir erlaubt!“ haben wir eben kennen gelernt. Dieses Schlagwort zitiert Paulus in 1.Kor. 10,23 noch zweimal. Beim leichtfertigen Essen von Götzenopferfleisch werden sicherlich diese Leute angesprochen sein, die wohl auch kein Problem damit hatten, zu einer Hure zu gehen oder zu tolerieren, dass einer eine Frau seines Vaters hat.

Willkommen auf meinem Blog

Tageslosung zum 7. Februar 2023 – Jes 55,10+11:

Denn so, wie der Regen und der Schnee vom Himmel herabkommt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne dass er die Erde durchfeuchtet, dass sie keimen und wachsen lässt und Samen für den Sämann und Brot zum Essen gibt, so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund geht: Es kehrt nicht leer zurück zu mir, ohne dass es ausführt, was ich gewollt habe, und gelingen lässt, was ich in Auftrag gegeben habe.“

————————————————

Liebe Blogbesucher, während meine Übersetzung des Neuen Testaments noch ihren letzten Schliff erhält, arbeite ich auch weiter an einem Buch, das von der neutestamentlichen Gemeinde handelt, wie Gott sie gedacht und gewollt hat – und wie nicht. Zur Information biete ich hier fortlaufend einzelne Kapitel zum Lesen dar:

7. 2. 2023 – Das „christliche“ Abendland

6. 2. 2023 – Der Anfang vom Ende

5. 2. 2023 – Gemeinde und Welt unterscheiden

———————————————-

Reihenfolge aller Beiträge zur Kategorie „Neues Testament“:

Lehrer

Wiedergeburt

Heiligen Geist bekommen

Die Ankündigung des Geistes

Das „Evangelium“

Der Geist Gottes

Satan

Was ist Geist

Totenwelt

Taufen

Schriftgelehrter

Die „Predigt“

Pastor

Das Kreuz

Erbauung

Kirche

Oberster Priester

Gottesdienst

Fleisch

Diakon

Christus

Buße

Der Bund

Bischof

Apostel

Älteste / Ältere

Die Sprachen im Neuen Testament

Im Geist

Der Antichrist

Der Hebräerbrief

Petrusbriefe und Judasbrief

Titus 2: ältere und jüngere Frauen

Gefangenschaftsbriefe

Wer sind die Geistlichen?

Die Frucht des Geistes

Gerettet sein und gerettet werden

Gerettet durch Kindergebären?

Verschleierung der Frauen?

Zitate im griechischen Text

Wer hat die Briefe geschrieben?

Wer ist Rufus?

Auch Frauen sind „Brüder“

Heiligen Geist haben

Was blieb bei Karpos zurück

Der Zehnte von Küchenkräutern?

Wer kennt Julius?

Philippus der Botschafter

Die Apostelgeschichte

Der Stern von Betlehem

Wann ist Jesus geboren?

Beten im Namen von Jesus

Der Ruheplatz für die Seele

Der griechische Aorist

Sterben und Neugeburt

In Ewigkeit kein Tod

Die Auferstehung „nach drei Tagen“

Die Datierung der Ereignisse

Der Ablauf der Passionswoche

Die Tageszeiten

Die Essener

Flavius Josephus

Jesus von Nazaret

Der Messias

Der Psalm 2

Der Name Jesus

Fischer vom See Genezaret

Johannes

Eine Evangelienharmonie

Frauen bei Lukas

Lukas

Markus

Wer bei Jesus ein Theologe ist

Matthäus