Jeremia, Hesekiel und Daniel sind Zeitgenossen. Sie haben aus verschiedenen Blickwinkeln die Zeit von ca. 610 bis 580 v. Chr. miterlebt und begleitet, in der das angekündigte Gericht Gottes stufenweise über den israelitischen Rest-Staat Juda hereinbrach. Das Maß der geistlichen und moralischen Korruption Israels war voll geworden. Gott ließ durch den babylonischen König Nebukadnezar das Königreich auflösen und Jerusalem samt Tempel zerstören. Bis auf eine ländliche Unterschicht wurden die Einwohner Judas und Jerusalems ins Exil nach Babylonien gebracht.

Josia, der letzte Gott gehorsame und souveräne König, war im Jahr 609 gestorben. Schon während dessen Regierungszeit hatte Gott Jeremia zum Propheten berufen. Josias Nachfolger auf dem Königsthron wurde sein Sohn Joahas, der nicht mehr tat, was Gott gefiel. Schon nach drei Monaten erschien dann der ägyptische Pharao aus dem Süden mit seinem Heer vor Jerusalem. Dieser setzte Joahas ab und brachte ihn gefangen nach Ägypten. Er setzte Joahas‘ Bruder Eljakim zum König ein und änderte dessen Namen in Jojakim. Damit war Jojakim samt seinem Königreich ägyptischer Untertan und musste einen hohen Tribut zahlen. Auch die Namensänderung war ein Zeichen der Macht, die der neue Herr über ihn ausübte.

Im Jahr 604 wurde Nebukadnezar König von Babylonien im Norden. Sein Ziel war die Ausdehnung seines aufstrebenden Königreichs, und so erschien er ein Jahr später zum ersten Mal mit seinem Heer vor Jerusalem. Jojakim musste sich von Ägypten lossagen und Untertan des babylonischen Königs werden. Bei dieser Gelegenheit sprach Nebukadnezar „zu Aschpenas, seinem obersten Kämmerer, er sollte einige von den Israeliten auswählen, und zwar von königlichem Stamm und von edler Herkunft, junge Leute, die keine Gebrechen hätten, sondern schön, begabt, weise, klug und verständig wären, also fähig, an des Königs Hof zu dienen. Und er sollte sie in Schrift und Sprache der Chaldäer (Babylonier) unterrichten lassen.“ (Dan 1,3-4 Lutherübersetzung). Unter diesen jungen Leuten, die an den Königshof in Babylon kamen, war Daniel.

Drei Jahre später ließ sich Jojakim von ägyptischer Seite bereden, sich von Babylon loszusagen und wieder auf die ägyptische Seite zu wechseln. Doch ein Jahr darauf starb er, und sein Sohn Jojachin wurde König. Dieser musste nun auslöffeln, was sein Vater eingebrockt hatte. Nebukadnezar erschien ein zweites Mal mit seinem Heer vor Jerusalem. Dieses Mal wurde die Stadt belagert, bis sich im März 597 Jojachin ergab. Nebukadnezar ließ ihn gefangen nach Babylon bringen. Als König in Jerusalem setzte er Jojachins Onkel Mattanja ein, dem er den Namen Zedekia gab. „Und er führte weg das ganze Jerusalem, alle Obersten, alle Kriegsleute, zehntausend Gefangene und alle Zimmerleute und alle Schmiede“ (2 Kön 24,14 Luther). Unter den hier weggeführten Leuten war Hesekiel. Zum Propheten berief ihn Gott vier Jahre später in Babylonien.

Im Jahr 589 fiel dann auch Zedekia nocheinmal von Nebukadnezar ab. Als das Königreich Juda ihm damit zum dritten Mal die Treue gebrochen hatte, war Nebukadnezar mit seiner Geduld am Ende. Im Januar 588 begann die Belagerung von Jerusalem, im August 587 wurde es erobert. Die Stadt und der Tempel wurden komplett verbrannt und zerstört, die Stadtmauern niedergerissen. Zedekia wurde nach Babylonien gebracht und furchtbar bestraft. „Das Volk aber, das übrig war in der Stadt, und die zum König von Babel abgefallen waren und was übrig war von den Werkleuten, führte Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, weg“ (2 Kön 24,11 Luther). Jeremia war einer dieser weggeführten Gefangenen. Weil auch die Babylonier seine Prophetie von der Zerstörung Jerusalems kannten, wurde er unterwegs von Nebusaradan zum Gespräch gebeten. Er durfte wählen, ob er als freier Mann mit nach Babylomien gehen oder im Land Israel bleiben wolle. Er blieb im Land.

So hatte Gott seine Propheten Jeremia, Hesekiel und Daniel in dieser Zeit aufgestellt: Jeremia erlebte in Jerusalem alles mit. Hesekiel lebte unter den Weggeführten am Fluss Kebar (vermutlich Chabur) in Babylonien, von wo man das Schicksal Jerusalems aufmerksam verfolgte. Daniel hatte eine sehr hohe Stellung am Königshof in Babylon.