Der goldene Becher erscheint in Offb 17,4b in der Hand der großen Hure Babylon. „Sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll mit Gräueln und dem Unreinen ihrer Unzucht.“ Das griechische Wort „potérion“ meint ganz allgemein ein Trinkgefäß. Es kann die Form eines Bechers oder eines Kelchs haben, es kann aus Keramik, Glas oder Metall bestehen. Der Becher in der Hand der Hure ist aus Gold.

Nun haben wir ja schon gesehen, dass in der Offenbarung diese große Hure das Gegenbild der Braut des Lammes ist. Sie reitet auf dem Tier, das wir als den dämonischen Antichristen kennen. Wie der Messias Jesus eine reine Braut hat, so hat der Antichrist eine gräuliche Hure. Und wie sich der Antichrist als „Messias“ ausgibt, so gibt sich die Hure als „Gemeinde“ aus, als „christliche“ Kirche. In ihrer Hand sieht Johannes den goldenen Becher.

Und bei genauem Hinsehen ist dann auch dieser goldene Becher ein Gegenbild. Denn auch die Gemeinde des Messias hat einen Becher. Sinnbildlich hat Jesus von diesem Becher schon im Garten Getsemani gesprochen, als er darum bat, wenn es irgend möglich wäre, dass er an ihm vorbeigehen solle. Wir kennen die Geschichte: Er musste ihn austrinken bis zum letzten Tropfen, den Becher des Leidens und Sterbens am Kreuz.

Konkret hat Jesus diesen Becher dann seinen Jüngern gereicht bei seinem letzten Mahl mit ihnen. „Dieser Becher ist die neue Bestimmung in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung von Sünden. Tut das, sooft ihr (von ihm) trinkt, um an mich zu denken!“ (Mt 26,28; Mk 14,24; Lk 22,20; 1 Kor 11,25). In diesem Becher des Leidens und Sterbens ist symbolisch Jesus selbst enthalten. Mit dessen Trinken sollten sie immer daran denken, dass Gott eine neue Bestimmung getroffen hat, wie er nun Menschen durch den Glauben an das Sühnopfer von Jesus am Kreuz retten und zu sich ziehen wollte. Der Inhalt dieses Bechers ist also das reinste und heiligste, was die christliche Botschaft zu bieten hat. Es ist die Botschaft vom Lamm Gottes, das geopfert wurde für die Sünden der Welt.

Dass wir mit Brot und Wein beim Mahl des Herrn nichts von Jesus abbeißen oder wegtrinken, habe ich an anderer Stelle schon deutlich gemacht. Auch dieser Becher gehört zur prophetischen Symbolsprache, mit der uns im Neuen Testament reichlich Gottes Geheimnisse aufgeschlossen werden. Das wirkliche In-uns-Aufnehmen von Jesus mit all seinen Gaben geschieht nach dem einhelligen Zeugnis des Neuen Testaments durch dem Empfang des heiligen Geistes. In ihm wohnt der Messias Jesus in uns.

Der Becher, den Jesus seinen Jüngern gab, war nicht aus Gold. Auch seine Gemeinde hat nach seinem Vorbild ganz sicher nicht mit goldenen Gefäßen hantiert. Andererseits ist der goldene Mess- bzw. Abendmahlskelch das zentrale Symbol des kirchlichen Gottesdienstes. Oder sollten wir nicht besser sagen „Götzendienstes“? Denn der goldene Becher in der Hand der Hure Babylon ist „voll mit Gräueln und dem Unreinen ihrer Unzucht“. In der Hand einer weltlichen, sündigen, unreinen Kirche ist auch der Becher des Opfers von Jesus zum Symbol grenzenloser Unreinheit geworden. Den Jesus, den man mit allen kirchlichen Strukturen und Gebräuchen von vorne bis hinten leugnet, den will man im goldenen Becher verehren und „austeilen“.

Von diesem goldenen Becher willst du noch weiterhin (evangelisch) trinken oder (katholisch) essen? Da ist das übliche „Wohl bekomms!“ dann doch fehl am Platz …