Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Messias

Warum ich „Messias“ übersetze

Warum ich „Messias“ übersetze – das haben mich Leser meiner Übersetzung schon angefragt. Im Beitrag „Der Messias“ habe ich die Begriffe „Christus“, „Messias“, „gesalbter (König)“ ja schon erklärt. Ich habe diese Begriffe im Lauf der Jahre als Übersetzungsmöglichkeiten auch selbst mehrfach hin und her durchgekaut und ausprobiert. Und ich bin zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Das in den üblichen Bibelübersetzungen Gewohnte ist zunächst einmal „Christus“. Aber damit hatte ich meine Probleme. Ich komme in meinem Werdegang ja aus dem kirchlichen Heidenchristentum, das neutestamentlich gesehen überhaupt kein Christentum ist. Und von dort her ist mir die Bezeichnung „Christus“ eigentlich unmöglich geworden. Sie ist dort zu einem nichtssagenden Beinamen geworden, zu einer Floskel, die im Munde geführt wird, ohne die eigentliche Bedeutung zu bedenken oder gar zu kennen. Wenn z. B. einer der Kirchenfunktionäre von „Jesus Christus“ spricht, dann hat niemand den Eindruck, dass er vom Herrn der Welt spricht, von Gottes gesalbtem König, dem er unbedingten Gehorsam schuldig wäre.

Die Bezeichnung „Messias“ dagegen ist nicht nur gegenüber Juden ein Zeugnis, sie ist auch im weltlichen Sprachgebrauch präsent. Und es ist mir ja wichtig, in meiner Übersetzung Begriffe zu verwenden, die auch in der säkularen Sprache verständlich sind. Und hier hat „Messias“ eine interessante Bedeutung.

Als zum Beispiel Obama damals in den USA zum Präsidenten gewählt wurde, hieß es in den Medien angesichts der großen Begeisterung, er würde aber doch wohl auch kein Messias sein. Oder umgekehrt, als Bolsonaro in Brasilien die Wahl zum Präsidenten gewann, haben ihn manche („christliche“!) Kreise zum Messias ernannt, was ihm selber auch sehr gut gefallen hat.

So weit ich sehe, kann sich also die Welt unter „Messias“ irgendwie das Richtige vorstellen, nämlich eine Art Heilsbringer. Das ist weit mehr, als sie sich unter dem Beinamen „Christus“ vorstellt.

Und Jesus ist in der Tat nicht nur der Messias Israels, sondern der ganzen Welt. Das ist ja das grundlegende Ärgernis für die Juden, dass unser Messias Jesus eigentlich ihr Messias sein soll. Und umgekehrt ist es das Ärgernis für die Welt, dass Gott von ihr verlangt, Jesus, den jüdischen Messias, als ihren Messias anzuerkennen. Doch die Zumutungen, die Gott selbst den Menschen macht, darf man auf keinen Fall abschwächen.

Warum ich „Messias“ übersetze – das dürfte nun beantwortet sein. Ich habe in dem Begriff „Messias“ die verständlichste und prägnanteste Möglichkeit der Übersetzung gefunden. So prägnant, dass ich es auch zum Titel des Neuen Testaments gemacht habe: „Jesus der Messias“. Im ganzen Buch geht es nur um ihn.

Das Tier aus der Unterwelt

Das Tier aus der Unterwelt, das in Offb 11,7 schon kurz erwähnt wurde, „taucht“ dann in Offb 13 sogar im wörtlichen Sinne wieder „auf“. Johannes am Ufer der Insel Patmos sieht es aus dem Meer heraufkommen. Aber das ist natürlich die gleiche Herkunft „von unten“ wie „aus der Unterwelt“.

Das griechische Wort für „Tier“, das hier dieses Wesen bezeichnet, hat eine spezielle Bedeutung. Es bezeichnet im Unterschied zu den Nutz- oder Haustieren ein wildes Tier, ein Wildtier. Und „wild“ passt ja ganz offensichtlich zu ihm. Die königlichen Stirnbänder an seinen Hörnern zeigen auch gleich, was sein Auftrag bzw. seine Intention ist, nämlich zu regieren.

Über die gotteslästerlichen Namen an seinen Köpfen kann man rätseln. Aber man kommt sicherlich auf die richtige Spur, wenn man weiß, dass sich die römischen Kaiser jener Zeit gerne mit Titeln schmückten wie „göttlich“, „Retter“, „Wohltäter“, „Gottessohn“ und „Gott“. Besonders trifft das auf den Kaiser Nero zu, der sich als Gott verehren ließ und als erster die Christen verfolgte. Er ist dann wohl die erste mächtige menschliche Inkarnation dieses dämonischen Wesens gewesen. Die genannten Titel sind natürlich nicht lästerlich an sich. Aber wenn Menschen sich solche Titel selbst zulegen, wird es zur Gotteslästerung.

Es gibt allerdings eine Anzahl griechischer Handschriften, die an dieser Stelle nicht von mehreren Namen sprechen, sondern nur von einem: „an seinen Köpfen einen gotteslästerlichen Namen“. Offensichtlich hat sich schon in der frühen Zeit unter den Christen eine spezielle Bezeichnung für dieses Tier herauskristallisiert. Und diese wird auch im Neuen Testament schon erwähnt, nämlich „Antichrist„. Natürlich ist „Antichrist“, also „Anti-Messias“ eine sachliche und keine lästerliche Bezeichnung, genauso auch wie „Messias“. Aber nehmen wir an, der Name auf den Köpfen des Tieres wäre „Messias“. Dann wären sowohl die Lästerung als auch der Antichrist perfekt.

Dass einer seiner Köpfe wie zu Tode geschächtet, die Todeswunde aber geheilt war, passt zu Nachahmung des echten Messias. Er war am Kreuz als Opferlamm getötet worden und nach drei Tagen wieder auferstanden. Opferlämmer musste man schächten.

Das Tier aus der Unterwelt zeigt in seiner Gestalt natürlich auch an, dass an diesem Wesen nichts Menschliches ist. Mit dem Ebenbild Gottes hat diese Dämonenwelt bei allen Nachahmungsversuchen nichts zu tun.

Mit der Macht Satans erwirbt das Tier aus der Unterwelt den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und mit seinem Großmaul redet dieser Antichrist große Dinge und Lästerungen. Dass ihm das „gegeben wurde“, ist ein kleiner Hinweis darauf, dass auch dieses Tier in den Plan und unter die Zulassung Gottes gehört.

Seine Aufgabe besteht zum einen darin, gegen die Nachfolger des wahren Messias Krieg zu führen. Zum anderen besteht sie darin, alle anderen vom wahren Messias abzuhalten, indem sie den Anti-Messias anbeten. Die Zeitangabe von 42 Monaten besagt, dass das während der gesamten Endzeit sein Werk ist.

Auffallend ist, dass es hier ausdrücklich heißt, dass alle Menschen ihn anbeten. Das heißt, das geschieht unbewusst unter Verführung. Wir alle kennen niemanden, der bewusst den Antichristen anbetet. Aber sie haben alle in irgendeiner Weise ihre Götzen. Sie haben Dinge, die ihnen wichtiger sind als alles andere. Und sie sind ihnen wichtiger als die Beziehung zu Gott und seinem Messias.

Gegenüber der Offenheit und Wahrheit auf der Seite des Messias Jesus steht hier also eine Welt von Manipulation, Verführung, Lüge, Betrug und Hass. Da ist auch der Gedanke an die Fake-News, Hate-Speeches, Shit-Storms und Lügengebäude unserer Zeit doch irgendwie naheliegend …

Aus der Darstellung dieser Hintergründe im Buch der Offenbarung haben Christen zu allen Zeiten unter Verfolgung Mut und Kraft geschöpft. Denn sie besagt, dass das alles unter Gottes Plan und Zulassung steht. Von der satanischen Seite aus kann man nicht willkürlich Christen töten. Nur diejenigen kann man fangen oder töten, für die Gott es bestimmt ist. Man darf sich hier auch gerne eine biblische Tatsache in Erinnerung rufen: Für Jesus zu leiden oder zu sterben ist eine Ehre.

Das Rezept, als Leute Gottes unter diesen Umständen dennoch den Sieg davonzutragen, liefert Johannes dann auch gleich mit:

„Hier ist die Ausdauer und der Glaube der Heiligen!“

Die Frau und der Drache

Die Frau und der Drache sind die Hauptfiguren der großen Vision in Offb 12. Zuvor war die Eigenart der Endzeit schon jeweils beim Öffnen der sieben Siegel und dann beim Ertönen der sieben Hornsignale überblicksartig dargestellt worden.

Und nun enthüllen sich ab Kap. 12 zuvor schon erwähnte Details in großer Ausführlichkeit, und das dämonische Gegenprogramm gegen Gottes Werk wird sichtbar: Der Satan als Anti-Gott, das Tier aus dem Meer als Anti-Messias bzw. Antichrist, der falsche Prophet als Anti-Geist und die Hure als Anti-Braut bzw. Anti-Gemeinde.

Hintergrund für die große Vision „die Frau und der Drache“ am Himmel könnten Sternbilder sein, die Werner Papke identifiziert und in seinem Buch „Das Zeichen des Messias“ dargestellt hat. Die Frau und der Drache sind, wenn man sie kennt, auch heute noch dort zu sehen. Besonders die Schlange ist gut zu erkennen.

Aber nun sieht Johannes dort keine stehenden Bilder, sondern dramatische Ereignisse. Die Frau ist am Gebären, mit Wehen geplagt. Mit der Frage, wer sie ist, werden wir uns nachher noch befassen. Von allen anderen Figuren können wir eindeutig sagen, wer sie sind.

Der Sohn, der Männliche, den sie gebiert, soll alle Völker hüten mit einem eisernen Stab. Der eiserne Stab kommt aus Psalm 2 und kennzeichnet ihn als den Messias. Er wird nach seiner Geburt fast vom Drachen aufgefressen, wird dann aber entrückt zu Gott und seinem Thron.

Hier haben wir eine sehr kurze Fassung des Lebens von Jesus. Nach seiner Geburt wurde er erwachsen und präsentierte dem Volk Israel als von Gott mit Heiligem Geist gesalbter Messias das Reich Gottes. Während dieser Zeit wurden laufend Pläne gegen ihn geschmiedet, um ihn umzubringen. Und als er dann am Kreuz hing, meinte der Teufel vielleicht, das Ziel seiner Vernichtung („Auffressen“) erreicht zu haben. Aber mit der Auferstehung, der Himmelfahrt und der Einsetzung zur Rechten Gottes wurde ihm ein gewaltiger Strich durch die Rechnung gemacht.

Auch der Drache ist eindeutig, in Vers 9 auch als Schlange, Teufel und Satan bezeichnet. Und seine königlichen Stirnbänder zeigen seine Intention. Manche haben schon einmal gehört, der Satan habe bei seinem Fall ein Drittel der Engel mit in den Abfall gezogen. Diese Interpretation basiert auf der Aussage hier in Vers 4, dass er mit seinem Schwanz ein Drittel der Sterne vom Himmel gefegt und auf die Erde geworfen hat.

Als er nach seinem Hinauswurf aus dem Himmel dann die Frau verfolgen will und merkt, dass sie seinem Zugriff entzogen ist, wendet er sich gegen ihre „weiteren Nachkommen“. Das sind die, „die Gottes Gebote halten und das Zeugnis von Jesus haben“. Auch diese Personengruppe ist eindeutig. Es sind die Nachfolger von Jesus, es ist die Gemeinde. Durch ihre pure Existenz zieht sie sich den Hass des wütenden Satans zu.

Nun kommen wir zurück zu der Frage: Wer ist die Frau? Aus der katholischen Tradition kennen wohl manche die Sichtweise, es sei Maria, die hier mit den zwölf Sternen auf ihrem Haupt als „Himmelskönigin“ dargestellt sei. Aber die „Himmelskönigin“ ist eine aus dem Alten Testament wohlbekannte heidnische Gottheit. Und es gibt hier auch noch ein anderes Argument gegen diese Sichtweise.

Die Frau hat hier nicht nur den einen Sohn geboren, es gibt danach auch die „weiteren Nachkommen“ von ihr. Und die Christen als Nachkommen Marias zu bezeichnen, wäre zu den neutestamentlichen Zeiten ja keinem eingefallen. Eher darf man daran denken, dass sie dort als die legitimen Nachkommen Abrahams gesehen werden.

Und Abraham ist der Stammvater Israels. Und wenn wir uns daran erinnern, dass das Volk Israel im Alten Testament auch im Bild der Ehefrau Gottes dargestellt wird, nähern wir uns dem richtigen Verständnis an. Der Messias entstammt dem alttestamentlichen gläubigen Teil Israels, der treu auf das Kommen des Messias wartete.

Dieses Israel hat es bis zum Beginn der neutestamentlichen Geschichte tatsächlich gegeben. Es begegnet uns in Gestalten wie Zacharias und Elisabet, Maria und Josef, den Hirten auf dem Feld, dem Propheten Simeon, der Prophetin Hanna und Johannes dem Täufer. Aus diesem Israel ist unter Wehen der Messias geboren.

Und dieses Israel war dann auch nicht mehr da, als der Teufel aus dem Himmel geworfen war. Der Platz in der Wüste, an dem es nicht mehr für ihn erreichbar ist, liegt sicherlich jenseits dieser Welt, wo Gott diesen verstorbenen Heiligen einen Platz bereitet hat. Und ihre „weiteren Nachkommen“, die kennen wir ja …

Christus

„Christós“ ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes „maschíach“. Von christós kommt im Deutschen das Wort „Christus“. Von maschíach kommt „Messias“. Beides heißt auf Deutsch „gesalbter“, sinngemäß zu ergänzen ist „König“, der „gesalbte König“.

Mit einer Salbung wurde in Israel der König eingesetzt, und so wurde das Wort auch zur Bezeichnung des von Gott versprochenen endgültigen Retters und Königs.

Die geläufige Bezeichnung „Christus“ ist durch den Gebrauch in der kirchlichen Formelsprache aber leider zu einem nichtssagenden Beinamen geworden. Wenn ein Kirchenfunktionär von „Jesus Christus“ spricht, hat niemand den Eindruck, dass er vom Herrn der Welt spricht, von Gottes gesalbtem König, dem er Gehorsam schuldig wäre.

Deshalb bevorzuge ich in der Übersetzung die Bezeichnung „Messias“, die auch im weltlichen Sprachgebrauch im Sinne einer Rettergestalt präsent ist. Für Israel und die Welt bekennt das Neue Testament: „Jesus ist der Messias!“ – Einen anderen gibt es nicht.

Der Stern von Betlehem

Der Stern von Betlehem ist noch ein weiteres Thema im Umfeld von „Weihnachten„. Er hatte die persischen Weisen veranlasst, nach Israel zu reisen, um den Messias zu begrüßen.

Es gibt dazu gängige Theorien über einen Kometen oder die Annäherung zweier Planeten, die zusammen einen hellen Stern ergeben haben sollen. Diese Theorien haben zwei große Nachteile. Zum einen gab es zwar Annäherungen von Planeten aneinander, aber nie ein Zusammentreffen, das man als einen Stern sehen konnte. Zum anderen stimmen die Theorien nicht mit dem Bibeltext überein. In Matthäus 2 ist eindeutig von einem Stern zu lesen (griechisch „astér“). Matthäus spricht weder von einem Kometen („kométes“) oder einem Planeten („planétes“). (Da sieht man wieder, woher manche deutschen Wörter kommen …)

Wir nehmen ja an, dass Matthäus alles so gemeint hat, wie er es schreibt. Und dann ist die einzig überzeugende Erklärung (wenn man nicht einfach eine Art „Leuchtwunder“ am Himmel annehmen will) die von Werner Papke, die er in seinem Buch „Das Zeichen des Messias“ dargelegt hat. Sein Buch hat leider auch recht spekulative Anteile, aber da, wo er als Fachmann für Astronomie und Alten Orient spricht, darf man seinen einleuchtenden Argumenten folgen.

Ein am Himmel plötzlich erscheinender Stern kann nur das Phänomen sein, das die Astronomie als „Supernova“ bezeichnet. Ein ausbrennender Stern, der zuletzt in einer riesigen Explosion auf das Vielfache seiner Größe anwächst und einige Wochen lang mit einer Leuchtkraft von bis zu 200 Millionen Sternen leuchtet, bis er in sich zusammenfällt und aus dem Gesichtsfeld verschwindet. Am Himmel sieht man in diesem Fall da, wo vorher mit bloßem Auge vielleicht ein kleiner oder auch gar kein Stern zu sehen war, plötzlich einen unübersehbaren sehr hellen Stern, der dann nach einigen Wochen wieder verschwindet.

Erscheinungen solcher „Supernovae“ sind historisch aus verschiedenen Jahrhunderten gut bezeugt, z.B. hat Kepler zu seiner Zeit eine beobachtet. Unten ein Beispiel aus unseren Tagen, allerdings nur mit einem Superteleskop zu sehen. Eine solche Supernova ist die einfachste und beste Erklärung für den Stern von Betlehem.

So haben die Weisen in Persien während einer Himmelsbeobachtung einen Stern „beim Aufscheinen“ gesehen. Sie haben „zufällig“ das Erscheinen eines neuen Sterns beobachtet. Und sie haben ihre Schlüsse daraus gezogen: „Wo ist der König der Juden, der geboren ist? Wir haben nämlich seinen Stern gesehen, beim Aufscheinen, und wir sind gekommen, ihm unsere Verehrung darzubringen.“

(Beispiel einer Supernova mit umgebenden „normalen“ Sternen:)

(Die Aufnahme des James-Webb-Teleskops im Nahinfrarot-Bereich zeigt die Supernova 1987A, die sich 168.000 Lichtjahre entfernt befindet. Quelle: web.de – Update vom 6. September 2023.)

Das passende Sternbild

Nun kommt dazu, dass es Werner Papke in seiner wissenschaftlichen Arbeit gelungen ist, die Sternbilder des alten Orients zu rekonstruieren. Diese sind von den heute üblichen recht verschieden. Es gab damals am Himmel auch noch Bilder aus der biblischen Urgeschichte. Darunter waren Noah, die Arche, ein Rabe und auch eine Frauengestalt, die in Keilschrifttexten ERUA genannt wird. Sie bezieht sich auf die Verheißung an Eva, dass einer ihrer Nachkommen der Schlange der Kopf zertreten würde. ERUA ist dann das Bild der Nachkommin Evas, die diesen Schlangenzertreter gebären würde. (Ein Teil dieser ERUA ist heute das Sternbild „Jungfrau“.)

Dieses Sternbild ERUA war den persischen Weisen, die auch Überlieferungen vom weisen Daniel in Babylon hatten, wohl bekannt. Als nun genau im Schoß dieser ERUA am Himmel der neue helle Stern erschien, wussten sie Bescheid und packten ihre Sachen. Der Stern schien ja noch, als sie in Betlehen vor dem Haus der Familie Josef ankamen.

Zu dieser Sichtweise muss ich noch einen Gedanken ergänzen: Sterne sind im Weltall sehr weit von uns weg. Der nächste Stern ist zwei Lichtjahre von uns entfernt, das Zentrum unserer Milchstraße bzw. Galaxis etwa 15 000 Lichtjahre. Ich nehme als Beispiel einmal als zufällige Zahl 1000. Wenn die Supernova, die man zur Zeit der Geburt Jesu im Sternbild ERUA sehen konnte, 1000 Lichtjahre entfernt war, dann war die Sternenexplosion 1000 Jahre früher geschehen, als man sie von der Erde aus sehen konnte. So lange brauchte das Licht von dort bis hierher.

Das heißt, Gottes Zeitplan war so genau, dass er 1000 Jahre früher an der richtigen Stelle eine Sternexplosion geschehen ließ. Dann konnte man, „als die Zeit erfüllt war und Gott seinen Sohn sandte“ punktgenau deren Licht hier auf der Erde sehen. Für mich ein großartiger Gedanke, wie Gottes Pläne auch über Jahrtausende exakt ablaufen und sich durch nichts stören lassen …

Natürlich müssen wir uns von der pseudochristlichen Legende verabschieden, nach der der Stern von Betlehem die Weisen „geführt“ habe und sie ihm „gefolgt“ seien. Das ist nicht das, was Matthäus erzählt. Geleitet wurden die Weisen von der Botschaft des Sterns, die sagte: „Der neue (und endgültige) König der Juden ist geboren!“ Deshalb gingen sie ja zunächst in die Königsstadt Jerusalem. Nach Betlehem führte sie dann erst die Aussage der Schriftgelehrten, dass dort der Messias geboren würde. Also wurden sie vom Wort Gottes dorthin „geleitet“.

Matthäus sagt, dass auf dem Weg dorthin der Stern „vor“ ihnen ging, nicht dass er „vor ihnen her“ ging. Es ist so zu verstehen, dass sie während der nächtlichen Reise nach Betlehem den Stern vor sich hatten. Der Stern ging gegen Mitternacht im Osten auf und wanderte während der zweiten Nachthälfte am Himmel nach oben. So stand er gegen Morgen, als sie hinkamen, genau im Zenith über dem Haus, in dem das Kind war mit Maria, seiner Mutter.

Der Messias

Der Messias ist der von Gott eingesetzte König und Herrscher. Das hebräische Wort heißt „Maschíach“. Wenn der Grieche das auszusprechen oder zu schreiben versucht, wird es zu „Messias“. Auf Griechisch übersetzt heißt es „christós“, was die Lateiner dann mit „Christus“ als Fremdwort übernommen haben. Auf Deutsch heißt es „Gesalbter“. Es ist eigentlich ein Adjektiv, zu dem man sinngemäß das Substantiv „König“ ergänzen muss: „gesalbter König“.

Wir erinnern uns, wie schon der Prophet Samuel zuerst Saul und später David zum König salbte. Diese Salbung geschah mit Öl, wobei Öl in der Bibel immer Olivenöl ist. „Salbung“ ist eigentlich eine verharmlosende Übersetzung, denn man schüttete das Öl auf den Kopf, und es lief überall runter.

Das Öl hat die symbolische Bedeutung des Heiligen Geistes. Die Salbung bedeutet also die Verleihung des Heiligen Geistes, den der im Auftrag Gottes Gesalbte zur Ausübung seiner Aufgabe braucht. Die Salbung war das Zentrum des Rituals bei der Einsetzung des Königs in Israel. Und der König war der (von Gott) „Gesalbte“ bzw. der „Messias“.

Wir lesen es in Psalm 2, Vers 2: „Die Könige der Erde haben sich aufgestellt, die Obersten haben sich versammelt gegen den Herrn und gegen seinen Messias.“ In dem Psalm geht es um den Tag der Einsetzung des neuen Königs. Gegen ihn erhebt sich in der Nachbarschaft Israels offensichtlich von Anfang an bittere Feindschaft. Aber wenn es Gottes König ist, dann geht diese Feindschaft nicht nur gegen den König. Sie geht auch gegen Gott selbst, der ihn eingesetzt hat. Die Einsetzungsworte sind, Vers 7: „Mein Sohn bist du heute, ich habe dich geboren, bitte von mir!“

Zu Zeiten des Neuen Testaments wartete man in Israel dringend auf den Messias. Das lag daran, dass die von Gott eingesetzte Königslinie der Nachkommen Davids schon ein paar Jahrhunderte nicht mehr an der Regierung war. Alles andere, was man als „König“ erlebte, wie zum Beispiel Herodes, entsprach nicht dem, was man von einem König erwartete, der das Königreich Israel als „Königreich Gottes“ wieder aufrichten sollte.

Kein Wunder, dass die Leute wie elektrisiert waren, als Johannes der Täufer mit der Botschaft auftrat: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!“ Wenn das Reich Gottes nahe ist, dann ist eben auch der Messias nahe. Nachdem Johannes zuerst abstreiten musste, selbst der Messias zu sein, kam dann Jesus zu ihm an den Jordan. Er, der die Taufe zur Sündenvergebung nicht nötig gehabt hätte, ging trotzdem ins Wasser. Wo andere die Sünden abgaben, nahm er sie auf sich und wurde zum „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt“. So sagte es dann Johannes über ihn aus.

Als Jesus im Wasser wieder aufstand, kam der heilige Geist vom Himmel herab auf ihn. Diese Geschichte war mir lange Zeit wohlbekannt, bis ich endlich die eigentliche Bedeutung begriff: dass hier der Messias gesalbt wurde. Nicht mit Öl, dem Symbol, wurde er gesalbt, sondern mit dem Original, dem Heiligen Geist. Und nicht von einem Propheten oder Priester wurde er gesalbt, sondern von Gott selbst, direkt aus dem Himmel herab. Dann wundert einen auch die Stimme nicht mehr, die aus dem Himmel kam: „Du bist mein Sohn, der Geliebte, an dem ich Gefallen habe.“

Ab hier ist Jesus im eigentlichen Sinn der Messias. Er hat auch gleich seinen Dienst angetreten, um das Werk Gottes auszuführen, das bis heute noch nicht zu Ende ist. Erst mit dieser Ausrüstung des Heiligen Geistes hat Jesus dann die Zeichen und Wunder getan, die die Bestätigung seines Auftrags von Gott waren.

Johannes der Täufer, der es miterlebte, hat es hinterher als Zeuge bestätigt – Joh 1, 32-34: Johannes sagte als Zeuge aus: „Ich habe gesehen, dass der Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabkam und auf ihm blieb. Ich kannte ihn nicht, aber der, der mich gesandt hat, Menschen ins Wasser zu tauchen, der hatte mir gesagt: ‚Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der Menschen in Heiligen Geist taucht.‘ Und ich habe es gesehen und sage als Zeuge aus: Er ist der Sohn Gottes.“

Das Reich Gottes entfaltete sich dann aber anders, als die Menschen es erwarteten. Das gehört zum Thema: „Unterschiede zwischen den Gedanken Gottes und denen der Menschen“. Aber diesen Unterschied zu erkennen, daran haben wir auch in der Nachfolge von Jesus bis heute zu tun …