Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Gemeinde

Gemeinde und Welt unterscheiden

Im Neuen Testament ist völlig deutlich, dass „Gemeinde“ und „Welt“ zwei einander gegenüber stehende unvereinbare Größen sind. Die Gemeinde besteht aus Wiedergeborenen, die lernen, sich vom Geist Gottes leiten zu lassen. Die Welt besteht aus natürlich Geborenen, die sich von den Gegebenheiten der menschlichen Natur leiten und verleiten lassen. Außerdem sind hier dämonische Einflüsse am Werk. Jesus hat gerade auch in seinen Abschiedsreden sehr deutlich gemacht, dass die Seinen zwar „in der Welt“ sind, aber nicht „von der Welt“. In seiner Gemeinde zählt nicht die natürliche Geburt, sondern die geistliche Geburt. Und so gibt es das im Neuen Testament geläufige „drinnen“ und „draußen“.

Ich zitiere die deutliche Erklärung von Paulus (1.Korinther 5,9-13): „Im (vorigen) Brief hatte ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt. (Ich meinte da) ganz und gar nicht die Unzüchtigen dieser Welt oder die Habgierigen und Räuber oder Götterverehrer. Da müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Jetzt schreibe ich euch aber, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemand, der sich ‚Bruder‘ nennen lässt und (dabei) ein Unzüchtiger ist oder ein Habgieriger, ein Götterverehrer, ein Verleumder, ein Trinker, ein Räuber. Mit einem solchen dürft ihr auch nicht essen! Was liegt mir denn daran, über die draußen zu urteilen? Müsst ihr nicht über die bei euch drinnen urteilen? Über die draußen spricht Gott das Urteil. Ihr müsst ‚den Bösen entfernen aus eurer Mitte‘!“

Ein interessanter Ansatz: Unsere Aufgabe in der Gemeinde ist neben dem geistlichen Aufbau auch notfalls das Entfernen von hartnäckigen Sündern, um die Gemeinde in Reiheit vor Gott zu erhalten. Die Welt dürfen wir sich selbst bzw. dem Urteil Gottes überlassen. In der Welt sind wir Licht, Salz und Zeugnis. In der Gemeinde stehen wir gemeinsam vor dem heiligen Gott, wo kein Platz für Sünde ist. Nur wer bereit ist, sich zu reinigen bzw. sich kraft des Blutes von Jesus reinigen zu lassen, kann aufgenommen werden in die Gemeinde und seinen Platz dort behalten.

Diese wesensmäßigen Barriere zwischen Gemeinde und Welt wurde schon in den ersten Jahrhunderten des Christentums aufgehoben. Und das war der wichtigste Baustein für den Sieg des Antichristentums. „Welt“ und „Gemeinde“ wurden zusammengeführt, es entstand eine „christliche“ Welt bzw. eine weltliche „Christenheit“. Aus der Braut des Lammes wurde die Hure Babylon. Und die wirkliche Gemeinde des Herrn wurde von ihr verfolgt.

Nur wenn wir in unserem Denken diese Unterscheidung von Gemeinde und Welt, von drinnen und draußen, wieder benennen und beachten, können wir geistliche Gemeinde bauen. Die Gemeinde wird dabei ihren Platz „in der Welt“ haben, aber die Welt darf keinen Platz in der Gemeinde haben, nicht in den Köpfen, nicht in den Herzen, nicht in den Strukturen. Das bedeutet völlige Reinigung von allen überkommenen weltlichen Denkweisen, Verhaltensmustern und Strukturen. Wie könnte die Gemeinde sonst die Vorhut der neuen Welt Gottes sein?

Worte oder Kraft?

Einen ganz vergessenen Aspekt des neutestamentlichen Christentums möchte ich hier noch mit einem Wort von Paulus ansprechen: „Und mein Wort, meine Verkündigung, (geschah) nicht mit überzeugenden Worten der Weisheit, sondern mit dem Beweis von Geist und Kraft. Denn euer Glaube soll nicht auf menschlicher Weisheit beruhen, sondern auf Gottes Kraft.“ (1.Korinther 2,4+5.)

Wie viele Worte haben wir schon gehört, in Predigten, Vorträgen, Andachten, Meditationen? Sei es in Natura oder auf CDs, in Videos, im Internet? Wie viele Worte haben wir schon auf Papier oder online gelesen in Büchern, Zeitschriften, Artikeln? Mit wie viel menschlicher Weisheit wurde schon versucht, uns irgendwas zu erklären oder beizubringen? Wie oft haben wir schon gute Redner und mitreißende Prediger gehört oder informative oder gar packende Literatur gelesen? Und wie oft haben wir auch nur unsere Zeit verschwendet beim Hören oder Lesen von einem frommen Blabla? Von allen Seiten werden wir „christlich“ zugetextet, wenn wir und das als Hörer oder Leser gefallen lassen. Aber ob die vielen Worte gut oder schlecht waren, die Frage bleibt: Wo ist die Kraft?

Paulus sagt, sein Wort kam nicht mit überzeugenden Worten der Weisheit, sondern mit dem Beweis von Geist und Kraft. Der Glauben der Christen sollte nicht auf menschlicher Weisheit beruhen, sondern auf Gottes Kraft. Und als in Korinth Leute auftraten, die sich wichtig nahmen und große Worte machten, schrieb er an die Gemeinde: „Ich werde aber schnell zu euch kommen, wenn der Herr es will. Und dann will ich nicht die Worte der Aufgeblasenen kennenlernen, sondern ihre Kraft. Das Reich Gottes (besteht) nämlich nicht in Worten, sondern in Kraft.“ (2.Korinther 4,19+20.)

Man mache einmal anhand der Konkordanz ein einfaches Bibelstudium zum Thema „Kraft“. Im Neuen Testament wird in der Kraft gedient, in der Kraft verkündet, in der Kraft sich versammelt, und es geschehen Zeichen und Wunder. Leute Gottes sind zu erkennen an der Kraft Gottes. Natürlich ist diese Kraft da im Heiligen Geist. Wo er ist, ist Kraft. Wo er nicht ist, ist keine Kraft.

Aber Worte, die gehen ja immer, auch ohne Heiligen Geist. Und so wird in Versammlungen und Zusammenkünften einfach weitergeredet. Am schlimmsten ist es, wenn Leute sich selbst gerne reden hören oder mit Reden ihre persönliche oder amtliche Wichtigkeit zum Ausdruck bringen müssen. Da ist der Heilige Geist weit weg.

Wollen wir uns auf den Weg machen, zur Kraft zu kommen? Wenn wir neutestamentliche – d. h. kraftvolle – Christen sein wollen, gibt es keine andere Wahl. Aber auf dem Weg zur Kraft wird die erste Station wohl so etwas sein müssen wie Innehalten. Zunächst einmal muss man zugeben, dass die Kraft nicht da ist. Dann hat man den richtigen Ausgangspunkt, um Gott in dieser Sache zu suchen. Denn die Kraft kommt von Gott, und sie lässt sich nicht herbeireden.

Ein Gemeindesystem, das auf Reden und Worte aufgebaut ist, wird diese Schritte so nicht machen können. Denn zugeben, dass etwas fehlt, geht ja nicht. Man pflegt ja, insbesondere in der Leiterschaft, eine gewisse Art der selbstzufriedenen Vollkommenheit und Unangreifbarkeit.

Aber jeder Einzelne kann es tun: Innehalten, Zugeben, Bekennen, Schweigen, Beten und Fasten, um Gott zu suchen. Gott hat versprochen, dass er sich von denen, die ihn suchen, finden lässt. Und Jesus hat versprochen, dass Gott Heiligen Geist geben wird – denen, die ihn bitten.

Aber Gott suchen heißt dann auch, sich nach Gott richten. Seine Wege einschlagen, auf seinen Bahnen gehen, seinen Willen tun. Von dem, was das bedeutet im Blick auf das Christsein und die Gemeinde, war hier ja schon viel die Rede.

Lehrer

Das ist die Übersetzung des griechischen Wortes „didáskalos“. Dieses Wort war in Israel zur Zeit von Jesus Titel und Anrede der Theologen. Sie waren als Gesetzeskundige die Lehrer des Volkes. Jesus hat z. B. auch Nikodemos so genannt (Johannes 3,10). Man gebraucht die Bezeichnung als Anrede parallel zum hebräischen „Rabbi“. Johannes bezeichnet es auch ausdrücklich als dessen griechische Übersetzung – Johannes 1,38: „Rabbi – was übersetzt Lehrer heißt“.

Auffallend ist, dass man auch Jesus damit angesprochen hat, obwohl er kein offizieller, d. h. ordinierter Theologe war. Er hat aber offensichtlich einen solchen Eindruck gemacht, dass nicht nur seine Jünger so zu ihm sagten. Auch Leute aus dem Volk und sogar Pharisäer und Theologen, die ihm durchaus nicht freundlich gesinnt waren, sprachen ihn so an.

Im Gegensatz dazu hat Jesus seinen Jüngern und damit seiner Gemeinde das Führen dieses Titels verboten, als er sagte (Matthäus 23,8): „Ihr aber sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen! Einer ist nämlich euer Lehrer, ihr alle seid Geschwister.“ (Wobei gerade auch dieser Satz die Parallelität zu „Rabbi“ noch einmal deutlich zeigt.)

Lehrer in der Gemeinde

In diesem Sinne eines Titels kam er in der neutestamentlichen Gemeinde dann auch nicht vor. Aber als eine funktionelle Bezeichnung für Ältere bzw. Verantwortliche in der Gemeinde taucht er auf. In Epheser 4,11 sind unter den Gaben an die Gemeinde die „Hirten und Lehrer“. In Antiochia waren Propheten und Lehrer in der Gemeinde (Apostelgeschichte 13,1).

Laut Jakobus 3,1 soll die Gemeinde nicht so viele Lehrer werden lassen, weil der Umgang mit dem Reden eine anspruchsvolle menschliche und geistliche Aufgabe ist. Paulus zählt sie auch in 1. Korinther 12,26 unter den geistlichen Gaben auf.

In Hebräer 5,12 werden die Geschwister getadelt: „Obwohl ihr von der Zeit her doch Lehrer sein müsstet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch lehrt, …“. Hier wird eine interessante Perspektive sichtbar: Jeder sollte oder könnte ein Lehrer werden, indem er sich geistlich und in der Erkenntnis entsprechend entwickelt. Paulus bezeichnet sich auch selbst so. Und mehrfach wird dann auch vor falschen Lehrern gewarnt.

Aber noch einmal: Im Sinne einer Funktion oder Gabe gab es „Lehrer“ in der Gemeinde. Als Anrede oder Titel kam es nicht vor, weil Jesus es ja auch verboten hatte. Die Einrichtung der ordinierten „Lehrer“ bzw. „Rabbis“ wie im Judentum war den christlichen Gemeinden fremd.

Pastor

„Pastor“ ist das lateinische Wort für „Hirte“, griechisch „poimén“. Im Neuen Testament kommt es im wörtlichen Sinn vor z. B. bei den Hirten im Bericht von der Geburt des Messias (Lukas 2). Im übertragenen Sinn ist es an mehreren Stellen dann eine Bezeichnung von Jesus selbst. Er ist der von Gott gesandte gute Hirte, der Anführer und Versorger seiner Herde, der Gemeinde.

Als Bezeichnung von Verantwortlichen in der Gemeinde taucht „Hirten“ nur ein einziges Mal auf. Und das ist in der Aufzählung der Gaben Epheser 4,11, und zwar in der Kombination „Hirten und Lehrer“. Aus dieser Tatsache kann man vielleicht auch schließen, dass es keine häufige Bezeichnung war. Das „Hüten“ als deren Tätigkeit wird zweimal genannt, in Apostelgeschichte 20,28 und 1.Petrus 5,2.

In 1.Petrus 5,4 wird in der Unterweisung gegenüber den „Älteren“ Jesus als der „oberste Hirte“ bezeichnet. Das macht deutlich, wem allein die Vorrang- und Machtstellung in der Gemeinde gehört. Gegenüber dem „obersten Hirten“ sind die menschlichen „Hirten“ dann eben die Älteren in der Gemeinde. In der Verantwortung vor Jesus üben sie innerhalb der geschwisterlichen Gemeinde ihre dienende Funktion aus.

Natürlich hat man das Wort ins Lateinische als „pastor“ übersetzt. Das lateinische „pastor“ aber im Deutschen als Titel eines ordinierten Amtsträgers zu verwenden, ist der gemeinschaftlichen Struktur der Gemeinde wesensfremd. Die Sonderrolle des „Pastors“, wie wir ihn aus protestantischen und freikirchlichen Traditionen kennen, hat hier keinen Platz. Außerdem hat Jesus das Führen von religiösen, kirchlichen oder „geistlichen“ Titeln in Matthäus 23,8-10 eindeutig verboten.

Erbauung

Wenn wir an „Erbauung“ denken, fallen uns vielleicht jene „Erbauungs“-Stunden ein, in denen mit „erbaulicher“ Verkündigung fromme Christen in ihren frommen Ansichten bestätigt werden und sich dadurch „erbaut“ fühlen, ohne dass sich geistlich in ihrem Leben etwas bewegt.

Die Botschaft Gottes ist aber nicht dazu da, den Menschen zu bestätigen, sondern in Frage zu stellen und auch den Christen bis zur geistlich verstandenen vollkommenen Heiligkeit zu führen. Die erwähnte „Erbauung“ ist ein großes Hindernis auf diesem Weg.

Deshalb wird im Neuen Testament und also auch in meiner Übersetzung die christliche Gemeinde nicht „erbaut“, sondern „aufgebaut“, wie es dem eigentlichen Sinn des Wortes „oikodomé“ im Griechischen tatsächlich entspricht. Hier soll alles nicht der „Erbauung“ dienen, sondern dem Aufbau. Aufgebaut wird eine Wohnung Gottes im Geist, in der es nicht „erbaulich“ zugeht, sondern geistlich.

Kirche

Das Wort, das in katholischen Bibelübersetzungen als „Kirche“ und in anderen Bibeln meist als „Gemeinde“ auftaucht, heißt griechisch „ekklesía“. Als „ecclesia“ ist es dann ins Lateinische gekommen, als Fachausdruck dann auch ins Deutsche.

„Ekklesía“ ist im Griechischen interessanterweise kein religiöser Begriff, sondern kommt aus dem politischen Raum. Er bezeichnet die „Volksversammlung“ in der griechischen Stadt, die Versammlung der freien und stimmberechtigten Bürger. In diesem Sinne wird das Wort in Apostelgeschichte 19 dreimal gebraucht: „ … die Volksversammlung war völlig durcheinander gekommen, … wird es in der gesetzmäßigen Volksversammlung aufgeklärt werden, … als er dies gesagt hatte, entließ er die Volksversammlung.“

Der Hintergrundbegriff des Alten Testamentes ist hebräisch „qahál“, das ebenfalls die Volksversammlung – in diesem Fall Israels – bezeichnet.

Die Bezeichnung ist im Neuen Testament bewusst gewählt, um zu zeigen, dass hier ein neues Volk Gottes aus freien, gleich- und stimmberechtigten Bürgern entsteht. Das Wesen dieser neuen Volksversammlung hat nichts gemein mit irgend etwas, das wir uns unter dem Namen „Kirche“ vorstellen.

In meiner Übersetzung habe ich mich nach einigem Überlegen entschieden, ebenfalls den geläufigen Begriff „Gemeinde“ zu verwenden. Er bezeichnet im Deutschen auch profan die Gesamtheit oder Versammlung einer bestimmten Anhängerschaft oder Gruppierung (z. B. Fan-Gemeinde, Trauergemeinde, türkische Gemeinde).

Gottesdienst

Was „Gottesdienst“ ist, steht ausdrücklich und klar im Neuen Testament. Paulus hat es so formuliert: „Ich ermutige euch also, Geschwister, wegen des Erbarmens Gottes, dass ihr eure Leiber zur Verfügung stellt als Opfer, lebendig, heilig und Gott wohlgefällig, als eure Gottesverehrung, die dem Wort entspricht.” (Römer 12,1). Das Wort „latreía“, das ich hier mit „Gottesverehrung“ übersetze, würde am ehesten dem deutschen „Gottesdienst“ entsprechen.

Es ist fast überflüssig zu bemerken, dass eine solche Art des Gottesdienstes natürlich nichts mit ein oder zwei organisierten Veranstaltungen pro Woche zu tun hat.

Die neue Form der Gottesverehrung im neuen „Haus Gottes“ beschreibt Jakobus so: „Eine Gottesverehrung, die rein und unbefleckt ist bei Gott dem Vater, ist die: nach Waisen und Witwen zu schauen in ihren Schwierigkeiten, sich selbst unbefleckt zu halten von der Welt.” (Jakobus 1,27).

Vielleicht lässt sich das Prinzip so formulieren: Wir dienen Gott, indem wir für ihn und füreinander da sind. Gott dient uns, indem er direkt und durch unsere Geschwister für uns da ist. Eine zeremoniell ablaufende Veranstaltung abzuhalten und sie dann auch noch „Gottesdienst“ zu nennen, das wäre in der neutestamentlichen Gemeinde keinem eingefallen.

gemeinschaftliche Zusammenkünfte

Natürlich gab es in der neutestamentlichen Gemeinde regelmäßige, auch tägliche Treffen, Versammlungen, Zusammenkünfte, oder wie wir es nennen wollen. Wie es da so etwa zuging, können wir bei Paulus nachlesen:

„Wie ist es denn, Geschwister, wenn ihr zusammenkommt? Jeder hat ein Lied, hat eine Lehre, hat eine Entdeckung, hat eine Gebetssprache, hat eine Deutung. Alles soll geschehen, um aufzubauen! Wenn jemand in einer Gebetssprache spricht, auch zwei oder höchstens drei, dann der Reihe nach, und jemand soll übersetzen. Wenn aber kein Übersetzer da ist, soll er in der Gemeinde schweigen. Für sich selbst soll er aber sprechen und für Gott. Propheten sollen zwei oder drei sprechen, die anderen sollen beurteilen. Wenn einem anderen, der dasitzt, etwas offenbart wird, soll der erste schweigen. Ihr könnt doch – je einer – alle prophetisch sprechen, damit alle lernen und alle ermutigt werden.” (1.Korinther 14,26-31).

Es würde mich sehr wundern, wenn jemand in dieser Beschreibung den ihm bekannten „Gottesdienst“ irgendwie wiederfinden würde. Auf jeden Fall wäre zur Zeit des Neuen Testaments niemand auf den Gedanken gekommen, diese Treffen der Christen als „Gottesdienst“ zu bezeichnen.

Bischof

Bischof ist ein Lehnwort aus dem Griechischen, es ist von dem Wort „epískopos“ abgeleitet. Dieses bezeichnet im Neuen Testament viermal Verantwortliche in den Gemeinden und in 1.Petr. 2,25 einmal Jesus selbst. Die deutschen Übersetzungen des Wortes sind vielfältig.

Die Stelle Apostelgeschichte 20,28 zeigt in ihrem Zusammenhang eindeutig, dass es eine alternative Bezeichnung für „presbýteroi / Ältere“ ist und dass es – dazu passend – mehrere in einer Gemeinde sind. Wie die Evangelien zeigen, ist ‚presbýteroi‘ der Begriff aus der jüdischen Tradition. „Epískopoi“ ist dann der entsprechende Begriff aus dem griechischen Kulturkreis.

Das Wort ist zusammengesetzt aus der Vorsilbe „epí – auf/über“ und „skópos – Sehender / Beobachter“. Es könnte also autoritär übersetzt werden als „Aufseher“ oder aber funktional als „jemand, der die Übersicht hat“.

In der nach-neutestamentlichen Zeit hat sich leider das autoritäre Verständnis durchgesetzt. Der „Bischof“ wurde ein besonders geweihter Übergeordneter, der der unumschränkte Herr einer Ortsgemeinde, und dann eines Sprengels oder einer Diözese war. Die Theologen bzw. Historiker nennen das „monarchischer Episkopat“. Von der gemeinschaftlichen Struktur der neutestamentlichen Gemeinde her ist das eine gravierende Fehlentwicklung, die alles verfälscht und die Gemeinde zerstört.

Im neutestamentlichen Sinne sind die „epískopoi“ in der Gemeinde solche, die „die Übersicht haben“. Da es dafür im Deutschen leider nicht das passende Substantiv gibt, benutze ich als allgemeinste Übersetzung dafür den Begriff „Verantwortlicher“. Aber wohlgemerkt, das ist nicht der eine Verantwortliche in der Gemeinde, das ist Jesus selbst, sondern einer der Verantwortlichen bzw. Älteren.

Gemeinde und Welt

Bei der Beschäftigung mit Argumentationen im Rahmen der Corona-Impfproblematik ist mir aufgefallen, dass hier oft wieder eine Unklarheit mitmischt, die es auch in vielen anderen Bereichen gibt und überall für Verwirrung sorgt. Ich meine die fehlende Unterscheidung zwischen der Gemeinde des Herrn und der Welt. Mal meint man mit „wir“ die Christen, und mal meint man mit „wir“ die Gesellschaft. Hier sollte man deutlich unterscheiden lernen, um nicht ständig weltliche Politik und Reich Gottes durcheinanderzuwerfen. Ich zitiere dazu ein Kapitel aus einem Buch, das ich fast fertig geschrieben habe und das der Veröffentlichung meiner NT-Übersetzung irgendwann folgen wird:

Im Neuen Testament ist völlig deutlich, dass „Gemeinde“ und „Welt“ zwei einander gegenüber stehende Größen sind. Die Gemeinde besteht aus Wiedergeborenen, die lernen, sich vom Geist Gottes leiten zu lassen. Die Welt besteht aus natürlich Geborenen, die sich von den Gegebenheiten der menschlichen Natur leiten und verleiten lassen. Jesus hat gerade auch in seinen Abschiedsreden sehr deutlich gemacht, dass die Seinen zwar „in der Welt“ sind, aber nicht „von der Welt“. In seiner Gemeinde zählt nicht die natürliche Geburt, sondern die geistliche Geburt. Und so gibt es das im Neuen Testament geläufige „drinnen“ und „draußen“.

Ein Beispiel von Paulus

Ich zitiere die deutliche Erklärung von Paulus (2.Korinther 5,9-13): „Im (vorigen) Brief hatte ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt. (Ich meinte da) ganz und gar nicht die Unzüchtigen dieser Welt oder die Habgierigen und Räuber oder Götterverehrer, da müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Jetzt schreibe ich euch aber, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemand, der sich ‚Bruder‘ nennen lässt und ein Unzüchtiger ist oder ein Habgieriger, ein Götterverehrer, ein Verleumder, ein Trinker, ein Räuber, mit einem solchen dürft ihr auch nicht essen! Was liegt mir denn daran, über die draußen zu urteilen? Müsst ihr nicht über die bei euch drinnen urteilen? Über die draußen spricht Gott das Urteil. Ihr müsst ‚den Bösen entfernen aus eurer Mitte‘!“

Ein interessanter Ansatz: Unsere Aufgabe in der Gemeinde ist neben dem geistlichen Aufbau auch notfalls das Entfernen von hartnäckigen Sündern, um die Gemeinde in Reiheit vor Gott zu erhalten. Die Welt dürfen wir sich selbst bzw. dem Urteil Gottes überlassen. In der Welt sind wir Licht, Salz und Zeugnis. In der Gemeinde stehen wir gemeinsam vor dem heiligen Gott, wo kein Platz für Sünde ist. Nur wer bereit ist, sich zu reinigen bzw. sich kraft des Blutes von Jesus reinigen zu lassen, kann aufgenommen werden in die Gemeinde und seinen Platz dort behalten.

Von da an ging’s bergab

Diese wesensmäßige Barriere zwischen Gemeinde und Welt wurde schon in den ersten Jahrhunderten des Christentums aufgehoben. Das war der wichtigste Baustein für den Sieg des Antichristentums. „Welt“ und „Gemeinde“ wurden zusammengeführt, es entstand eine „christliche“ Welt bzw. eine weltliche „Christenheit“. Aus der Braut des Lammes wurde die Hure Babylon. Und die wirkliche Gemeinde des Herrn wurde von ihr verfolgt.

Nur wenn wir in unserem Denken diese Unterscheidung von Gemeinde und Welt wieder benennen und beachten, können wir geistliche Gemeinde bauen. Die Gemeinde wird dabei ihren Platz „in der Welt“ haben, aber die Welt darf keinen Platz in der Gemeinde haben. Sie darf keinen Platz haben in den Köpfen, in den Herzen, in den Strukturen. Das bedeutet völlige Reinigung von allen überkommenen weltlichen Denkweisen, Verhaltensmustern und Strukturen. Wie könnte die Gemeinde sonst die Vorhut der neuen Welt Gottes sein?