Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Schlagwort: Jesus (Seite 5 von 5)

Der Name Jesus

Der Name Jesus ist im Hebräischen ursprünglich der Name, den wir als Josua kennen. Jehoschua, auf dem ‚u‘ betont, ist zusammengesetzt aus dem Namen Gottes, JHWH, und dem Wortstamm jascha, was „helfen, retten“ bedeutet. Jesus heißt also „Der Herr ist Rettung“ bzw. „Hilfe“ oder „Der HERR rettet“ bzw. „hilft“.

Nun hat sich aber schon zu altestamentlichen Zeiten der Name im Sprachgebrauch abgenutzt und man kürzte ihn ab. Wir können ja auch statt Margarete Margret, Gretel oder Grit sagen, statt Benjamin Beni oder Ben und statt Ulrich Uli. Aus „Jehoschua“ wurde zunächst „Jeschua“, und zuletzt „Jeschu“. Den Namen betont man in allen Formen immer auf dem langen „u“. Den Namen Jeschu gab der Engel dann Josef und Maria an als Namen des zu erwartenden neugeborenen Königs der Juden, „denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden“. So berichten es uns Matthäus (1,21) und Lukas (1,31).

(In heutigen messianisch-jüdischen Kreisen ist es umstritten, ob Jesus auf Hebräisch „Jeschu“ oder „Jeschua“ heißt. So weit ich weiß, bevorzugt man dort eher die Form „Jeschua“. Andererseits wird der Name „Jeschu“ von jüdischer Seite bis heute auch als Schimpfwort für Jesus verwendet. Das könnte dann auch eher dafür sprechen, dass es die originale Bezeichung ist für den, den sie als Messias verwerfen.)

Bei der Übertragung ins Griechische erfuhr der Name zwei Änderungen: Zum einen konnte der Grieche ein „sch“ weder sprechen noch schreiben und nahm dafür ein „s“. Zum anderen brauchte er eine deklinierbare Substantivendung und hängte deshalb hinten noch ein „s“ an. So entstand der Name Jesus, auch im Griechischen hinten betont, mit langem ‚u‘. (Die griechische Version bestätigt im Übrigen die Namensform „Jeschu“, denn „Jeschua“ hätte auf Griechisch eher so etwas wie „Jesuas“ ergeben.)

Nun hat der Name aber nicht nur eine eigene Bedeutung, sondern auch eine Vorgeschichte. Wir kennen Josua aus dem Alten Testament. Das Alte Testament wurde übrigens um 250 – 100 vor Christus in Alexandria in Ägypten ins Griechische übersetzt. Dort konnten viele Juden kein Hebräisch mehr, auch wollte der König Ptolemäus dieses bedeutende Schriftwerk auf Griechisch in seiner berühmten Bibliothek haben. Und so wurde die Übersetzung bewerkstelligt, der Überlieferung nach durch siebzig jüdische Gelehrte. Deshalb heißt das griechische Alte Testament von damals auch „die Siebzig“, lateinisch „Septuaginta„.

Allerdings war der Name Josua damals schon auf Jeschu geschrumpft. Und es ist ein eigentümlicher Eindruck, in der Septuaginta zu lesen, wie „Jesus“ die Israeliten durch den Jordan in das verheißene Land geführt, die Kriege geführt, das Land verteilt und am Ende gesagt hat: „Ich und mein Haus wollen dem HERRN dienen!“. Aber „Jesus“ als der, der das Volk Gottes in ein neues Land führt, passt ja auch irgendwie zu dem im Neuen Testament.

Und dann gibt es im Alten Testament noch einen „Jesus“, an einer etwas versteckteren Stelle. Es war in der Zeit, als die Israeliten aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekommen waren und in Jerusalem wieder den Tempel aufbauen sollten. Damals waren ihre Führer der Regent und Davidsnachkomme Serubbabel und der Oberste Priester Jeschua, griechisch „Jesus“. Und dieser Jeschua wurde von Gott gewürdigt, durch den Propheten Sacharja als Beispiel für den kommenden Messias zu dienen – Sach 6,11-12:

„Und du sollst Silber und Gold nehmen und eine Krone machen. Und du sollst sie auf den Kopf von Jeschua, dem Sohn von Jozedek, dem Obersten Priester, setzen und sollst zu ihm sagen: ‚So sagt der HERR, der Allmächtige: Schau, ein Mann, ‚Sonnenaufgang‘ ist sein Name. Unter ihm wird es aufgehen, und er wird das Tempelhaus des HERRN bauen!’“

Diesen ‚Sonnenaufgang‘ kannte übrigens auch der Priester Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer – Lk 1,78-79: „… durch das mitfühlende Erbarmen unseres Gottes, durch das uns der ‚Sonnenaufgang‘ aus der Höhe besuchen wird, um denen zu erscheinen, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen, um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu lenken.“

Frauen bei Lukas

Frauen bei Lukas – dieser besondere Gesichtspunkt soll hier betrachtet werden. Bei dieser Thematik hebt sich Lukas von den anderen Evangelien ab.

Auch bei Matthäus, Markus und Johannes spielen die Frauen im Bericht über die Hinrichtung am Kreuz und die Auferstehung eine wichtige Rolle. Bei Lukas erfahren wir aber schon vorher von ihnen, Lk. 8,1-3: „Und als er der Reihe nach durch Stadt und Dorf zog, da verkündete er und brachte die gute Nachricht vom Reich Gottes, auch die Zwölf mit ihm und einige Frauen. Diese waren geheilt von bösen Geistern und Gebrechen. (Es waren) Maria, die ‚Magdalena‘ genannt wurde, von der sieben dämonische Geister hinausgegangen waren, Johanna, die Frau von Chuzas, einem Verwalter des Herodes, Susanna und viele andere, die ihnen (mit Mitteln) aus ihrem Vermögen dienten.“

Jesus hatte also im größeren Jüngerkreis außerhalb der Zwölf nicht nur männliche Jünger. Er hatte auch Jüngerinnen, was den Gepflogenheiten der damaligen Zeit widersprach. Damit verstehen wir auch besser, warum Maria, als sie „zu Füßen des Herrn“ saß und ihm zuhörte, „sich den guten Teil ausgewählt“ hatte, statt Marta in der Küche zu helfen. Auch das berichtet uns natürlich Lukas (Lk 10,38-42).

Auch wichtige Frauengestalten würden wir ohne ihn nicht kennen: Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer, die Prophetin Hanna, die Sünderin, die Jesus die Füße salbte, und in der Apostelgeschichte Tabitha, Lydia und Damaris. Und an vielen Stellen seines Berichts legt Lukas nebenbei Wert darauf, dass „auch Frauen“ dabei waren oder dazukamen.

Zur obigen Stelle Lk 8,1-3 gibt es noch eine Feinheit zu beachten. Ich hatte sie ursprünglich einmal so übersetzt, wie sie in den meisten Übersetzungen steht: „Und als er der Reihe nach durch Stadt und Dorf zog, da verkündete er und brachte die gute Nachricht vom Reich Gottes. Und die Zwölf waren bei ihm und einige Frauen, die geheilt waren von bösen Geistern und Gebrechen: Maria, die ‚Magdalena‘ genannt wurde, von der sieben dämonische Geister hinausgegangen waren, Johanna, die Frau von Chuzas, einem Verwalter des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen (mit Mitteln) aus ihrem Vermögen dienten.“

Durch einen Vortrag, den ich als Aufzeichnung von einer Tagung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen bekam, wurde ich auf die oben genannte alternative Übersetzungsmöglichkeit aufmerksam. Sie überzeugte mich sofort. In der griechischen Schreibkultur von damals setzte man keine Satzzeichen, man machte nicht einmal Abstände zwischen den Wörtern. Das Schreibmaterial war teuer, deshalb sparte man Platz. Der erste Satz hätte in der damaligen Schreibweise etwa so ausgesehen:

UNDALSERDERREIHENACHDURCH

STADTUNDDORFZOGDAVERKÜNDE

TEERUNDBRACHTEDIEGUTENACHR

ICHTVOMREICHGOTTES

Kein Wunder, dass nicht nur Schreiben, sondern auch Lesen eine Kunst war! Und das heißt nun, dass alle Satzzeichen im Deutschen vom Übersetzer stammen. Er hat die Aufgabe, Satzzeichen zu setzen und damit das Lesen erheblich leichter zu machen.

Und so gibt es in Lk 8,1-3 zwei Möglichkeiten – ist der Unterschied aufgefallen? In der üblichen (zweiten) Version tut Jesus seinen Dienst, und die zwölf Jünger und die Frauen sind bei ihm. In der alternativen (ersten) Version sind die Zwölf und die Frauen mit ihm im Dienst. Wen wundert’s, dass ich im Zusammenhang des Neuen Testaments das letztere für die wahrscheinlichere und glaubwürdigere Version halte? Im Reich Gottes sind Frauen gleichwertig und gleichberechtigt – und Lukas ist ein wichtiger Zeuge dafür.

Wer bei Jesus ein Theologe ist

Wer bei Jesus ein Theologe ist, ist eine wichtige Frage. Denn er hat immer die entscheidende richtige Sichtweise. Die zu seiner Zeit bekannten „Schriftgelehrten“ sind zwar die offiziellen Theologen ihrer Zeit. – Deshalb gebe ich das Wort in meiner Übersetzung auch als „Theologen“ wieder. – Jesus hat diese Leute aber scharf kritisiert.

Wer bei Jesus ein Theologe ist, kommt bei ihm an einer Stelle deutlich zum Ausdruck. Für viele meiner Entdeckungen habe ich Hilfe aus entsprechender Literatur bekommen. Deshalb füge ich hier an, dass mich in dieser Sache die Erklärung von Adolf Schlatter überzeugt hat.

Es geht um die Stelle Matthäus 13,52. In der herkömmlichen Tradition wird der Vers sinngemäß so übersetzt:

„Jeder Theologe, der ein Jünger des Königreichs der Himmel geworden ist, ist deshalb einem Menschen gleich, einem Hausherrn, der aus seinem Vorrat Neues und Altes austeilt.“

So habe auch ich den Vers früher gelesen und hatte ihn zunächst so übersetzt. Aber dann kam die Entdeckung, dass man dieselben Worte auch so lesen kann:

„Deshalb ist jeder, der ein Jünger des Königreichs der Himmel geworden ist, ein Theologe. Er ist einem Menschen gleich, einem Hausherrn, der austeilt aus seinem Vorrat, Neues und Altes.“

Nun gibt es also zwei Möglichkeiten, den Vers zu verstehen. Und als Übersetzer muss man entscheiden, welche davon wohl richtig ist. Die Entscheidung ist in diesem Fall aber nicht schwer: Denn zum einen spielt die Bekehrung von offiziellen Theologen in der neutestamentlichen Jüngergemeinde erkennbar nirgends eine Rolle. Und zum anderen kennen in der Gemeinde alle Gott, sind von Gott gelehrt und werden vom Heiligen Geist in alle Wahrheit geleitet. So passt es also wunderbar, dass Jesus an dieser Stelle alle seine Jünger als „Theologen“ bezeichnet.

Wer bei Jesus ein Theologe ist, ist also klar: Es sind die, die angenommen haben, was das Reich Gottes von ihnen fordert und ihnen schenkt. Sie haben verstanden, worum es geht. Sie können darüber reden, darin wachsen und davon weitergeben. Aus ihrem Vorrat können sie Neues und Altes hervorholen und austeilen, wie man es braucht.

Wenn sich also jemand einen „Theologen“ nennt und damit zum Ausdruck bringt, dass er mehr ist als ein gewöhnlicher Christ, ein Jünger des Herrn oder gar ein „Laie“, sondert er sich von der Jesus-Gemeinde ab. Er stellt sich damit tatsächlich auf die Seite jener Leute, die Jesus so scharf kritisiert hat.

Andererseits sollten die Christen endlich anfangen, sich nach dem Wort von Jesus auch selbst für Theologen zu halten. Sie haben ihre persönliche Beziehung zu Gott und nehmen beständig zu in der Kenntnis des Wortes Gottes. Auf jeden Fall haben sie keinen Grund mehr, an einem „Theologen“ hinaufzuschauen und ihn für etwas Besonderes zu halten. Die biblischen Maßstäbe sind nicht Gelehrtheit, Gelehrsamkeit und Wissen, sondern Glaube, Erkenntnis, Weisheit und Heiligkeit.

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