Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Schlagwort: Sinnesänderung

Der Sack

Der Sack ist in der Bibel ursprünglich das, was er bei uns auch ist. Er ist ein Behälter aus grobem Tuch zur Aufnahme von trockenen, schüttbaren Inhalten. Als Getreidesack spielte er in der Josefsgeschichte eine Rolle. Jakobs Söhne zogen nach Ägypten, um das lebensnotwendige Getreide zu kaufen und es in Säcken nach Hause zu transportieren.

Der Sack heißt übrigens auch im Hebräischen „saq“, und das griechische „sákkos“ hat nur eine deklinierbare Endung angehängt.

Der „saq“ in der Bibel meint aber auch das Material, aus dem der Sack hergestellt wird, das „Sacktuch“. Und das grobe, meist aus Ziegen- oder Kamelhaaren hergestellte Sacktuch hatte auch eine ganz spezielle Bedeutung. In extremen Situationen der Trauer und der Not wurde es zum Zeichen der Ernsthaftigkeit als Gewand auf der Haut getragen.

Das Tragen des Sacktuchs gehörte so auch in den Zusammenhang des Fastens. Öfters streuten sich die Leute dabei auch Erde auf den Kopf und/oder setzten sich in Asche oder Staub. Am besten sieht man sich einmal mit der Konkordanz die ganzen Bibelstellen an, wo der Sack oder das Sacktuch vorkommen. Es sind sehr interessante Geschichten dabei zu entdecken.

Das Tragen des Sacktuchs drückt Trauer, Verzweiflung, Demütigung vor Gott und die dringende Bitte um Hilfe oder Gnade aus. Gott gegenüber gehört aber auch die Bereitschaft zur Umkehr und Sinnesänderung dazu. Damit sind wir dann auch bei einem Grundelement der neutestamentlichen Botschaft – Mt 3,2 / Mk 1,15: „Seid bereit euch zu ändern! Denn das Königreich der Himmel ist nahegekommen.“

Sowohl Johannes der Täufer als auch Jesus selbst haben das als Voraussetzung zum Eintritt in das Reich Gottes verkündet. Dazu gehört das Eingestehen der Sünden, die Beugung vor Gott, das Eintauchen ins Wasser zur Reinigung von den Sünden und die Bereitschaft zur Beendigung des sündigen Lebens mit einer völligen und bedingungslosen Übergabe an Gott.

Das Entscheidende dabei geht im Inneren des Menschen vor. Und dabei wird kein äußerliches Anlegen eines Sacktuchs verlangt. Aber das Gewand aus Kamelhaar, das Johannes der Täufer trug, zeigt in diese Richtung. Glanz, Pomp und Bequemlichkeit der menschlichen Äußerlichkeiten sind ausgeblendet, wenn es um die Begegnung mit dem lebendigen Gott geht.

In diesem Zusammenhang hat auch Jesus an einer Stelle den Sack erwähnt. Beim Rückblick auf seine Tätigkeit in Galiläa heißt es – Mt 10,20-22 / Lk 10,13-4: „Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen die meisten seiner Kraftwirkungen geschehen waren, denn sie waren nicht bereit, sich zu ändern: ‚Wehe dir, Chorazin, weh dir, Betsaida! Denn wenn in Tyros und Sidon die Kraftwirkungen geschehen wären, die bei euch geschehen sind, hätten sie sich längst in Sack und Asche sitzend geändert. Jedenfalls sage ich euch: Für Tyros und Sidon wird es am Tag des Gerichts erträglicher sein als für euch.'“

Bei der Erwähnung dieser zwei heidnischen Städte dachte Jesus vielleicht auch an das Vorbild der heidnischen Stadt Ninive. Zu ihr hatte Gott den Propheten Jona gesandt. Er hatte zu verkünden, Gott würde die Stadt Ninive in vierzig Tagen zerstören. Und die Leute in Ninive glaubten ihm, riefen ein Fasten aus und kleideten sich in Sacktuch. Auch der König kleidete sich in Sacktuch und setzte sich in den Staub. Und er ließ verkünden, alle sollten zu Gott rufen und jeder solle umkehren und sich von jeglichem Bösen abwenden, damit Gott vielleicht noch einmal Gnade walten lasse und das Gericht abwende. Nachzulesen im Buch Jona.

Und nun verstehen wir auch, warum in Offb 11 die zwei Zeugen in der Endzeit in Sacktuch gekleidet sind. Zum einen ist es ihre geistliche Existenz, dass sie in der andauernden und emsthaften Umkehr und Hinkehr zu Gott leben. Zum anderen ist es auch der Inhalt ihrer Botschaft, in der deutlich der Ruf Gottes zu vernehmen ist: „Seid bereit euch zu ändern! Denn das Königreich der Himmel ist nahegekommen.“

Dass die zwei Zeugen, die hier im Bild für die Gemeinde von Jesus stehen, mit dieser Botschaft die Bewohner der Erde quälen, dürfte verständlich sein.

Und dass in dieser Gemeinde alles echt und ernsthaft auf Gott ausgerichtet ist, ohne fromme Leichtfertigkeit und Überheblichkeit, ist auch klar.

Die neue Geburt

Die neue Geburt aus Wasser und Geist hat Jesus gegenüber Nikodemos als Bedingung für den Eintritt ins Reich Gottes genannt. „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh 3,3). „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineinkommen.“ (Joh 3,5). Weitere neutestamentliche Begriffe dafür habe ich in dem Artikel „Aus Gott geboren“ zusammengestellt.

Es hilft uns, mehr davon zu verstehen, wenn wir den Vorgang des Christwerdens im ganzen Neuen Testament betrachten. Das grundlegende Verständnis für das, was ich hier darüber schreibe, habe ich David Pawson zu verdanken. Ausführlich dargelegt hat er das alles in seinem Buch: „Wiedergeburt – Start in ein gesundes Leben als Christ„.

Insbesondere in der Apostelgeschichte finden wir viele Beispiele dafür, wie Menschen Christen werden. Dabei spielen durchgehend vier Elemente eine wichtige Rolle. An manchen Stellen wird nur eine davon genannt, an anderen zwei oder drei oder auch alle vier. Zusammengenommen ergeben sie ein klares Bild davon, was zum Christwerden bzw. zur neuen Geburt gehört. Es sind: der Glaube an Jesus, die Bereitschaft sich zu ändern (traditionell „Buße“ genannt), die Taufe im Wasser und die Erfüllung mit Heiligen Geist.

Beginnen tut es damit, dass die Menschen die Botschaft von Jesus hören und glauben. Der zentrale Inhalt der Botschaft ist, dass Jesus der Messias ist. Die Botschaft beinhaltet allerdings das komplette Leben und die komplette Lehre von Jesus. Also alles, was uns unsere vier Evangelien berichten, ist die Botschaft von Jesus. So war das Überbringen der Botschaft eine längerfristige Angelegenheit, die in den Gemeinden weiterging, auch nachdem sie Christen geworden waren.

Die Initialzündung war aber: Jesus ist der Messias! Diese Botschaft ist keine Information, die man zur Kenntnis nehmen könnte im Sinne eines bloßen Kopfglaubens. Wenn Jesus der Messias ist, dann begegne ich in ihm dem lebendigen Gott persönlich. Dann hat dieser Glaube Auswirkungen und Konsequenzen für mein ganzes Leben.

Wenn ich im Messias dem lebendigen und heiligen Gott begegne, dann wird als erstes deutlich, dass mein bisheriges Leben nicht zu ihm passt. Das Problem der Sünde taucht auf. Ob ich zuvor ein eher anständiger Sünder war oder ein eher unanständiger, ist unerheblich. Im Neuen Testament war dieses Thema von Anfang an da, schon bei Johannes dem Täufer. Die Leute gestanden ihre Sünden, bevor sie sich von ihm untertauchen ließen (Mt 3,6).

Das griechische Wort „metanoeín“, das Luther mit „Buße tun“ übersetzt hat, heißt wörtlich übersetzt „umdenken“. Dabei ist vorausgesetzt, dass, wenn ein Mensch sein Denken ändert, sich auch sein ganzes Leben ändert. Wenn er seine Sünde erkannt hat, will er sich ändern. Natürlich gehört dazu der Inhalt der Botschaft, dass der Messias am Kreuz für seine Sünden gestorben ist. Das Versprechen, die Sünden zu vergeben, erleichtert das Eingestehen der Sünden erheblich.

Das Gericht Gottes über die Sünde ist am Kreuz vollzogen worden. Das ist die Grundlage der damit möglich gewordenen Vergebung. Gott vergibt nicht einfach so. Gott richtet die Sünde. Der Mensch wird entweder von Gott wegen seiner Sünde gerichtet, oder er nimmt Zuflucht zum am Kreuz hingerichteten Messias, an dem das Gericht über die Sünde bereits vollzogen ist.

Mit dem Geständnis seiner Sünde und der Bereitschaft sich zu ändern für ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott kann er sich nun untertauchen lassen.

Das Untertauchen im Namen Jesus hat eine so umfassende Bedeutung, dass das Neue Testament es nur mit mehreren Gesichtspunkten und Bildern erklären kann. Zum einen ist das Eintauchen in den Namen Jesus eine Besitzübergabe. Mit „Jesus“ wird er Name des neuen Besitzers und Herrn über dem Menschen ausgesprochen. Wenn wir in der Bibel eine „Lebensübergabe“ finden wollen, dann hier an dieser Stelle.

Das Untertauchen ist zum anderen auch ein „Bad“, mit dem die Sünden abgewaschen werden. Damit verbunden ist die Gabe eines guten Gewissens: Die Sünden sind vergeben, sie sind abgewaschen, sie sind weg. Der Mensch ist kein Sünder mehr und lebt mit einem guten Gewissen.

Zum Untertauchen gehört dann auch die Sichtweise des Sterbens des alten Menschen. Er wird für die Sünde getötet, mit am Kreuz hingerichtet und begraben im Tod von Jesus dem Messias am Kreuz. Und wenn er aus der Taufe wieder heraufkommt, bedeutet das eine Auferstehung mit Jesus in ein neues Leben hinein. Die Kraft dieses neuen Lebens ist der Heilige Geist.

Nun ist es Zeit, den Heiligen Geist zu empfangen. In meinem Beitrag „Heiligen Geist bekommen“ habe ich einen Überblick über die neutestamentlichen Stellen dazu gegeben. Der gereinigte, Jesus übereignete neue Mensch wird jetzt zur Wohnstätte des heiligen Geistes. Die Leere im Herzen des Menschen, die sich weltlich mit nichts füllen ließ, wird nun von Gott gefüllt. Denn im Geist sind auch Jesus der Sohn und Gott der Vater im Menschen anwesend. Der Mensch hat seine Bestimmung gefunden, Partner und Ebenbild Gottes zu sein.

Dass der Geist mit Gebet und Handauflegung auf Menschen kommt, scheint in der missionarischen Praxis in der Apostelgeschichte die Regel zu sein. Es gibt aber auch Fälle, in denen er ohne menschliches Zutun direkt fällt. Auf jeden Fall ist es aber deutlich erkennbar. Man weiß, ob ein Mensch den heiligen Geist empfangen hat oder nicht. Wirkungen und Gaben des Geistes sind deutlich zu sehen und zu hören. Diese Anwesenheit des Geistes und sein Wirken sind das bestimmende Element für das Leben der Gemeinde und für die Mission.

So deutlich und klar sind die Angaben über den Inhalt und den Zusammenhang dieser vier Elemente im Neuen Testament. Ich habe dazu keine Bibelstellen zitiert, weil viele auch bekannt sind. Und ich lade ein, die Dinge im Neuen Testament selbst zu erforschen. Ich weiß nur, dass so alles zusammenpasst.

Ich weiß auch, dass es im Christen- und Gemeindeleben des Neuen Testaments noch nachträgliche Probleme gab. Sünde tauchte noch auf und man musste sie bereinigen. Verhaltensweisen des alten Menschen musste man erkennen und abgelegen. An das Leben im Geist musste man sich gewöhnen und ihn nicht immer wieder dämpfen. Wachstum in der Erkenntnis und in der Heiligung war erforderlich, genauso wie Bewährung in Schwierigkeiten und Bedrängnis. Dennoch war für all diese Dinge in den Grundelementen der Wiedergeburt ein klares Fundament gelegt und die richtige Richtung vorgegeben.

Dass diese Dinge unter Christen heutzutage nicht so deutlich und klar sind, liegt an den Verwirrungen und Verdrehungen, die die biblische Botschaft in fast 2000 Jahren Kirchengeschichte erfahren hat. Diese zu durchschauen, sich daraus zu lösen und sich auf den Weg zu neutestamentlichem Christsein zu machen, ist heutzutage wohl die einzig sinnvolle Perspektive für Christen, die es mit Jesus ernst meinen. (Und wenn sie es mit Jesus nicht ernst meinen, sind sie ja auch gar keine Christen …)

Heiligen Geist bekommen

In meinem letzten Beitrag habe ich die Ankündigung des Geistes im Alten und Neuen Testament dargestellt. In einem früheren Beitrag hatte ich besprochen, warum wir nicht „den“ Heiligen Geist haben, sondern „nur“ Heiligen Geist haben. Auch über die Frage, was es heißt, Im Geist zu sein, hatte ich schon viele Bibelstellen zusammengestellt. Dazwischen fehlt jetzt noch das Thema: „Heiligen Geist bekommen“.

Auch hier gilt in der griechischen Ausdrucksweise wieder die Differenzierung, dass der einzelne Christ nicht „den Heiligen Geist“ bekommt. Er bekommt „Heiligen Geist“ als Anteil am Heiligen Geist. Zunächst ist die Apostelgeschichte dafür das maßgebende Buch. Hier schildert Lukas nämlich in etlichen Fällen, wann und wie Menschen Heiligen Geist bekommen.

Der Start ist bekanntermaßen das Kommen des Geistes auf die damalige Gemeinde an jenem denkwürdigen Pfingstfest, wie in Apg 2 berichtet. Achten wir auch gleich auf die unterschiedlichen Formulierungen: Der Geist „kam“ und „erfüllte“ das Haus. Und dann erschien etwas wie Feuerzungen und „setzte sich“ auf jeden von ihnen, und sie wurden von Heiligem Geist „erfüllt“.

Erst Petrus nennt das Geschehen in seiner erklärenden Rede an die Zusammengelaufenen dann ein „Ausgießen“, und zwar anhand der Prophetie von Joel. Allerdings spricht er aber erst über Jesus, dass er der Messias ist. Und als sie – tief getroffen – bereit sind, sich zu bekehren, fordert er sie zur Taufe im Wasser auf. Daran anschließend sagt er, dann würden sie auch „das Geschenk des Heiligen Geistes bekommen“.

Lukas erzählt uns an dieser Stelle nicht weiter, wie die damaligen Zuhörenden dieses Geschenk konkret bekommen haben. Aber in späteren Fällen gibt er Schilderungen davon.

In Kapitel 5 kommen durch Philippus viele Leute in Samaria zum Glauben, also Samariter. Davon hören die Gesandten in Jerusalem und schicken Petrus und Johannes dorthin. Lukas erzählt: „Als die zu ihnen hinabkamen, beteten sie für sie, dass sie Heiligen Geist bekämen. Der war nämlich noch auf niemanden von ihnen gefallen. Sie waren nur untergetaucht worden in den Namen von Jesus, dem Herrn. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie bekamen Heiligen Geist.“ Wir haben also auch hier die Ausdrücke „fallen auf“ und „bekommen“. In der Auseinandersetzung mit dem Magier Simon heißt es dann auch noch, dass der Geist „gegeben wird“. Und Petrus spricht wieder vom „Geschenk Gottes“.

In Apg 9 erzählt uns Lukas die Bekehrung von Paulus. In Damaskus kommt der Jünger Hananias im Auftrag des Herrn zu dem erblindeten und fastenden Paulus. Und er sagt zu ihm: „Saul, Bruder! Der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf dem Weg, den du gekommen bist, damit du wieder sehen kannst und von Heiligem Geist erfüllt wirst“. Hier schildert uns Lukas wieder nicht, wie dieses „Erfülltwerden“ dann ausgesehen hat.

In Apg 10, während Petrus dem Römer Cornelius und seiner Hausgemeinde in Cäsarea die Botschaft verkündete, da „fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen von den Beschnittenen, die mit Petrus gekommen waren, waren fassungslos, weil auch auf die Nichtjuden das Geschenk des Heiligen Geistes ausgegossen war. Denn sie hörten, dass sie in Gebetssprachen sprachen und Gott rühmten. Daraufhin sprach Petrus laut aus: „Kann denn jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht untergetaucht werden, die den Heiligen Geist empfangen haben genau wie wir?“ In wenigen Zeilen haben wir hier die Ausdrücke „fiel auf“, „ausgegossen“ und „empfangen“.

In Apg 11 musste sich Petrus in Jerusalem dann dafür rechtfertigen, dass er Nichtjuden getauft hatte. Dabei sagte er: „Und als ich begonnen hatte zu sprechen, fiel der Heilige Geist auf sie, wie am Anfang auch auf uns. Ich wurde an das Wort des Herrn erinnert: ‚Johannes hat untergetaucht mit Wasser, ihr aber werdet untergetaucht werden in Heiligem Geist‘. Wenn Gott ihnen dasselbe Geschenk gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn, Jesus den Messias, glauben, hätte jemand wie ich dann vielleicht Gott davon abhalten sollen?“ Petrus sagte, der heilige Geist „fiel auf sie“ und Gott hat ihnen dasselbe „Geschenk gegeben“.

Und er begründete es mit der Erinnerung an das Wort von Jesus, sie würden „untergetaucht werden in Heiligem Geist“. Er bestätigte also, dass das hier geschehene Empfangen des Geistes die Erfüllung der angekündigten Geisttaufe ist. Er stellte dabei auch die Verbindung zur ersten Geistausgießung an Pfingsten her mit der zweimaligen Formulierung „wie auf uns“. Es ist hier also geschehen, was Jesus angekündigt hat und die Jerusalemer an Pfingsten als Erste erlebt haben.

Und dann das denkwürdige Ereignis in Ephesus als Paulus dort einige Jünger traf – Apg 19:

Er sagte zu ihnen: „Habt ihr Heiligen Geist bekommen, als ihr zum Glauben gekommen seid?“ Sie (antworteten) ihm: „Aber wir haben nicht einmal davon gehört, dass es Heiligen Geist (für uns) gibt!“ Er sagte: „In was seid ihr denn untergetaucht worden?“ Sie sagten: „In die Taufe des Johannes.“ Paulus sagte: „Johannes hat untergetaucht mit einer Taufe der Sinnesänderung und dem Volk gesagt, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm kommt, das heißt, an Jesus.“ Als sie das hörten, ließen sie sich untertauchen in den Namen von Jesus, dem Herrn. Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Gebetssprachen und sprachen prophetisch.“

Von hier an wendet sich Lukas in der Apostelgeschichte anderen Ereignissen zu, und das Thema „Heiligen Geist bekommen“ taucht nicht mehr auf. Wir dürfen annehmen, dass er es, nachdem er es ein paar Mal beschrieben hat, einfach als bekannt voraussetzt.

Aber wir sind damit noch nicht fertig. Auch in den Briefen des Neuen Testaments gibt es im Rückblick etliche Erwähnungen dazu. Die Geschwister haben alle Heiligen Geist bekommen, und man erfährt auch, was es bedeutet.

Etwas indirekt in 1 Thess 1,6: „Ihr … habt das Wort angenommen unter viel Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes.“ Die Freude des Heiligen Geistes setzt voraus, dass sie Heiligen Geist bekommen haben.

1 Kor 2,12: „Und wir haben nicht den Geist der Welt bekommen, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen sollen, was uns von Gott geschenkt ist.“

1 Kor 12,13: „Denn in einem Geist sind auch wir alle in einen Leib getaucht worden, seien wir Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie. Alle sind wir mit einem Geist getränkt worden.“

Man beachte hier die Ausdrücke „tauchen“ und „tränken“. Mit dem Eintauchen im Geist geschieht gleichzeitig das Eintauchen in den Leib. Der Leib des Messias ist die Gemeinde. Und im Eintauchen wird man mit Geist „getränkt“ – das geht durch und durch.

2 Kor 1,21: „Es ist Gott, der uns samt euch festigt auf den Messias hin, der uns gesalbt hat, der uns versiegelt hat, der als Anzahlung den Geist gegeben hat, der in unseren Herzen ist.“

Hier sind drei Ausdrücke für dieselbe Sache. Mit Heiligem Geist „salben“, das ist der alttestamentliche Ausdruck, der vom Bild des Öls herkommt. Daher ist ja auch Jesus der „Gesalbte“ – der Messias – gesalbt nicht mit Öl, sondern mit Heiligem Geist. „Versiegeln“ mit Heiligem Geist, das kommt vom Bild des Siegels. Mit einem Siegel wird offiziell das Besitz- bzw. Zugriffsrecht an einer Sache geklärt. Niemand anderer hat Zugriff darauf. Und schließlich sagt Paulus, dass der Geist „als Anzahlung gegeben“ wird, also als Vorausgabe für etwas noch viel Größeres.

Gal 3,2+3: „Nur das will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist durch das Tun des Gesetzes bekommen oder durch die Nachricht vom Glauben? Seid ihr so unverständig, dass ihr, die ihr mit Geist angefangen habt, es jetzt mit menschlichem Tun ‚vollendet‘?“

Gal 4,6: „Weil ihr Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der laut ruft: ‚Papa! Vater!'“

Röm 8,15: „Ihr habt ja keinen Geist der Versklavung bekommen, wieder auf Angst hin, ihr habt vielmehr einen Geist der Kindschaft bekommen, in dem wir rufen: ‚Papa! Vater!’“

Eph 1,13+14: „In ihm wurdet ihr auch, als ihr zum Glauben kamt, versiegelt mit dem versprochenen Heiligen Geist, der eine Anzahlung unseres Erbes ist auf die erworbene Erlösung hin, zum Lob seiner Herrlichkeit.“

2 Tim 1,7: „Gott hat uns doch keinen Geist von Furchtsamkeit gegeben, sondern von Kraft und Liebe und klarem Denken.“

1 Joh 3,24: „Wer seine Gebote hält, bleibt in ihm und er in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, von dem er uns gegeben hat.“ Und 1 Joh 4,13: „Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns: dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“

Hebr 6,4: „… die das Geschenk des Himmels geschmeckt haben, die Teilhaber am Heiligen Geist geworden sind, …“

Wir sehen also, dass „Heiligen Geist bekommen“ für das Christsein konstituiv ist. Das ganze Leben im Geist als Einzelner und als Gemeinde beruht darauf.

An der Vielgestaltigkeit der Ereignisse und der Begriffe zeigt sich auch deutlich, dass „Heiligen Geist bekommen“ im Neuen Testament nichts mit einem festgelegten Ritual zu tun hat, schon gar nichts mit einem Sakrament der „Firmung“. Es ist offensichtlich: Der Heilige Geist im Leben des Christen und der Gemeinde ist lebendige Realität.

Taufen

Das griechische Wort „baptízein“, das im Deutschen gewöhnlich unter „taufen“ bekannt ist, heißt richtigerweise „untertauchen“. Und zwar ist es transitiv gemeint: „etwas oder jemanden untertauchen“. In der Passivform heißt es dann „untergetaucht werden“ oder „sich untertauchen lassen“. So kommt es im Neuen Testament meist vor, und so gebe ich es in meiner Übersetzung wieder. (Wenn im Griechischen z. B. ein Schiff „baptízetai“, dann wird es nicht „getauft“, sondern es geht gerade unter.)

Das Untertauchen als Ritus im Zusammenhang mit dem Eintritt ins Reich Gottes war bei Johannes dem Täufer und bei Jesus von Anfang an ein integraler Bestandteil der Botschaft und der persönlichen Hinwendung zu Gott.

Da es dazu kein praktikables deutsches Substantiv gibt, halte ich in meiner Übersetzung für das griechische „báptisma“ an dem allgemein üblichen Begriff „Taufe“ fest. So stelle ich auch den Zusammenhang her: „Taufe“ durch „Untertauchen“. Die im Neuen Testament selten gebrauchte Nebenform „baptismós“ übersetze ich mit „Tauchbad“.

Im Neuen Testament lassen sich eigenverantwortliche Menschen auf freiwilliger Basis untertauchen. Und das geschieht im Zusammenhang von Glaube, Sinnesänderung, Taufe und Empfang des Heiligen Geistes. Die Taufe bringt in diesem Zusammenhang die Lebensübergabe, die völlige Übergabe des Menschen an Gott bzw. Jesus zum Ausdruck. Das beinhaltet auch das, was Paulus sagt: das Begraben des alten Menschen und die Auferstehung in ein neues Leben hinein.

Ein „Taufen“, das an Menschen ohne ihr Wissen oder gegen ihren Willen vollzogen wird, kann im neutestamentlichen Sinn keine Taufe sein. Die Kindertaufe ist keine Taufe. Die Beziehung zu Gott ist persönlich. Man kann einen Menschen nicht ohne sein Wissen und Wollen mit Gott in Verbindung bringen. Und das Untertauchen zu ersetzen durch Besprengen mit ein bisschen Wasser ist genauso ein willkürliches und eigenmächtiges Abweichen vom gottgegebenen Vorbild.

Die Unsinnigkeit der Kindertaufe wird besonders deutlich, wenn man sich vorstellt, man würde dasselbe an einem Erwachsenen vollziehen. Man holt ihn, ohne dass er weiß, um was es geht, sonntags aus dem Bett und zieht ihm eine Art Hochzeitskleid an. Man trägt ihn mit Gewalt in eine Kirche und hält ihn dem Pfarrer hin. Der beträufelt in einer feierlichen Zeremonie seinen Kopf mit ein bisschen Wasser, und damit ist er offiziell ein Christ. Ein fröhliches Familienfest als eigentlicher Höhepunkt dieses Ereignisses ist dann aber doch nicht mehr so recht vorstellbar …

Buße

Das griechische Wort „metanoeín“, das Luther mit „Buße tun“ übersetzt hat, gehört zum Grundbestand des Christentums. Es bedeutet ganz wörtlich „umdenken“, das heißt, sein Denken bzw. seine Gesinnung ändern. Im Neuen Testament ist dabei vorausgesetzt, dass, wenn sich das Denken ändert, sich das ganze Leben ändert, sich der ganze Mensch ändert. Deshalb übersetze ich das Wort mit „sich ändern“, „sich ändern wollen“ oder „bereit sein, sich zu ändern“. Das Substantiv „metánoia“ heißt dann entsprechend „Sinnesänderung“.

Ich denke, dass es im landläufigen Christentum eines der unbeachtetsten unter den grundlegenden Themen ist.

Die ganze neutestamentliche Geschichte fängt damit an: „In jenen Tagen kam Johannes der Täufer und verkündete in der Wüste von Judäa: ‚Seid bereit euch zu ändern! Denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen.’“ (Mt 3,1-2). „Von da an fing Jesus an zu verkünden und zu sagen: ‚Seid bereit euch zu ändern! Denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen.’“ (Mt 4,17).

Es geht weiter in der Apostelgeschichte: „Petrus sagte zu ihnen: ‚Seid bereit euch zu ändern! Jeder von euch muss sich untertauchen lassen im Namen von Jesus dem Messias, zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet das Geschenk des Heiligen Geistes bekommen. (Apg 2,38). Und es steht in der Offenbarung: „Sei also bereit dich zu ändern!“ (Offb 2,16). Und an dieser Stelle ist es zu Christen gesagt.

Der heutige Bedeutungsinhalt von „Buße, büßen, abbüßen“ ist „eine Strafe bezahlen, erleiden oder ableisten“. Und das ist für die Übersetzung von „metánoia“ nicht geeignet. Im Zusammenhang der neutestamentlichen Lehre hat Jesus in seinem Leiden und Sterben am Kreuz die Strafe auf sich genommen. Wenn jemand „gebüßt“ hat, dann er. Und so können wir uns ohne Angst vor Strafe zu Gott wenden und unsere Gesinnung und unser Leben in seinem Sinne mit seiner Hilfe ändern. Jesus hat für unsere Sünden gebüßt, und wir werden von Sündern zu Heiligen – wenn wir bereit sind, uns zu ändern.

Der Weg vom Sünder zum Heiligen kann ja nur ein gewaltiger Veränderungsprozess sein. Es ist das Lebenselement eines lebendigen Christen. In der Gemeinschaft mit Jesus und unter der Leitung des heiligen Geistes ist er bereit, jegliche Veränderung in seinem Leben umzusetzen, die dem Willen Gottes entspricht. Das Festhalten am Alten gegen den Willen Gottes ist Ungehorsam und damit Sünde. Wer nicht bereit ist sich zu ändern, kann den Weg mit Jesus nicht gehen.