Das Neue Testament verstehen

Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

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Josefs Heimat

(Josefs Heimat – ein Kapitel in Auszügen aus Ludwig Schnellers Buch „Kennst du das Land?“

An den Pforten des Neuen Testaments begrüßen uns die vertrauten Gestalten des Josef und der Maria. Bald finden wir die heilige Familie zu Nazaret in Galiläa, bald auf der Reise nach Judäa, bald in Betlehem. Jene ersten lieblichen Geschichten aus der Kindheit Jesu bilden das zarte sanfte Präludium zu dem großen Minnegesang der ewigen Liebe, welcher durch die Hallen des Neuen Testaments tönt. …

Den ungestörten Genuss dieser lieblichen Erzählungen haben sich manche durch die Verschiedenheit der Berichte des Matthäus und des Lukas verkümmern lassen. Lukas berichtet uns, dass Josef und Maria, veranlasst durch eine allgemeine „Schatzung“ des römischen Kaisers, von Nazaret nach Betlehem gereist seien, und dass während des dortigen Aufenthalts Jesus geboren wurde (Lk 2). Matthäus dagegen berichtet von dieser Reise nichts, sondern führt uns sofort auf den Schauplatz seiner Geschichte nach Betlehem (Mt 2). Überhaupt geht aus Matthäus hervor, dass Betlehem nicht nur zur Zeit der Geburt Christi, sondern überhaupt Josefs Heimat war. …

Manche Ausleger haben geglaubt, daraus folgern zu müssen, dass diese widersprechenden Berichte sich nicht in Einklang bringen lassen. Ein genügender Grund scheint uns hierfür aber nicht vorzuliegen. … Es ist für diesen Zweck nicht unwichtig, einen Blick auf den Lebensberuf des Josef zu werfen.

Derselbe war nach dem Ausdruck der Schrift ein „Tekton“. Dieser Ausdruck ist mit manchem Wort verwandt, welches dem freundlichen Leser wohlbekannt ist, z. B. Architekt, Architektonik, und bedeutet einen, welcher Häuser baut. Im Abendland, wo bei gewöhnlichen Bauten die Zimmermannsarbeit die Hauptsache war, übersetzte man das Wort selbstverständlich mit Luther durch „Zimmermann“. Im gelobten Land baut man aber alle Häuser vom Grunde in der Erde bis hinauf aufs Dach aus Steinen. Und so muss dieses Wort hier durch „Baumeister“ oder „Maurermeister“ übersetzt werden. …

Dieser Bau- oder Maurermeister Josef war nach Matthäus in Betlehem zu Hause. Auch nach Lukas stammt die Familie aus Betlehem. Und erst später war er durch besondere Umstände veranlasst, nach Nazaret überzusiedeln. Bei Lukas aber finden wir den Josef schon vor der Geburt von Jesus in Nazaret. Sind diese beiden Berichte unvereinbar? Jedenfalls nicht, wenn wir annehmen, dass sich Josef seines Handwerks wegen vorübergehend in Nazaret aufhielt und vor der Geburt Jesu wieder nach Betlehem zurückreiste.

Und hier ist der Punkt, an welchem die heutigen Zustände Betlehems vielleicht einiges Licht auf jene Geschichten zu werfen vermögen. Es ist nämlich merkwürdig, dass die Baumeister Betlehems, wenn sie nicht zu Hause genügende Arbeit finden, bis zum heutigen Tage ähnliche Geschäftsreisen unternehmen. Gewisse Berufsarten sind in Palästina vorzugsweise an besondere Orte gebunden. So finden wir die Töpfer-, Glas- und Schlauchwerkstätten hauptsächlich in Hebron, die Perlmutterarbeiter nur in Betlehem. Die Baumeister, Maurer und Steinhauer finden wir hauptsächlich in Betlehem und seinen beiden zugehörigen Dörfern Beit Djála und Beit Sachur.

Fast bei allen ordentlichen Bauten in Jerusalem arbeiten die Betlehemer Steinmetzen und Maurermeister. Und sie haben an Geschicklichkeit nicht ihresgleichen im Lande. Daher sind sie auch allerorten gesucht. Baut man in Hebron, so werden sie geholt. Wird im fernen Kerak in Moab, fünf Tagereisen von hier entfernt, jenseits des Toten Meeres, ein besserer Bau aufgeführt, finden wir dort wieder Betlehemer Steinhauer und Maurer. Baut man in Salt, dem alten Ramot Gilead, so begegnen wir wiederum unseren bekannten Meistern aus Betlehem. Auch nach Galiläa und gerade nach Nazaret ziehen dieselben nicht selten und finden dort lohnende und oft lange dauernde Arbeit. …

Wenn man nun bedenkt, wie sehr sich die Dinge im Morgenlande seit Jahrtausenden ähnlich geblieben sind, so ist es kaum sehr gewagt, anzunehmen, dass Josef, ein Betlehemer Baumeister, in Nazaret für längere Zeit Arbeit gefunden hatte. Ob er nur ein halbes Jahr dort war, oder ob er, als Junggeselle weniger gebunden, länger dort verweilte, lässt sich nicht mehr entscheiden. Jedenfalls lernte er während seines dortigen Aufenthalts Maria kennen und lieben und vermählte sich mit ihr.

Als Morgenländer und Betlehemit hatte er die Absicht, mit seiner jungen Frau nach Betlehem zurückzukehren, sobald seine Arbeit in Nazaret beendet war. Das ist nach hiesigen Begriffen selbstverständlich. Jetzt zog es ihn nicht mehr in die Ferne, sondern nach Hause, an den eigenen Herd. Dort in Josefs Heimat, im Kreise der Verwandtschaften, wollte er sich mit seiner Frau dauernd niederlassen. In dem nahen, nur zwei Stunden entfernten, an prächtigen Gebäuden reichen Jerusalem konnte er von Betlehem aus ebenso leicht Arbeit finden, wie die heutigen Baumeister Betlehems.

Erst später, ganz gegen sein Erwarten, wurde er durch die Feindseligkeit des Herodes und seines Sohnes Archelaos genötigt, Betlehem aufzugeben. Was lag ihm da näher, als nach Nazaret zu ziehen? Dort war die Heimat seiner Frau, dort hatte er sie kennen gelernt, dort hatte er schon früher lohnende Arbeit gefunden. Nachmals fanden die Evangelisten diese so natürlich durch die Zeitumstände veranlasste Verlegung des Wohnortes nach Nazaret ebenso bedeutsam und an gewisse Aussprüche der Propheten anklingend, wie die durch die Schatzung veranlasste Rückkehr nach Betlehem, infolge deren Jesus nicht in Nazaret, sondern in der alten Stadt Davids geboren wurde.

Kennst du das Land?

„Kennst du das Land?“ ist der Titel eines Buches des Theologen Ludwig Schneller. Es liegt mir in einer Auflage von 1923 vor. Ludwig Schneller war von 1884 bis 89 als Pfarrer der lutherischen Gemeinde in Betlehem tätig. Von dort aus war er in dem damals noch „Palästina“ genannten Land viel unterwegs. Das Land war noch unberührt von modernen Zeiten. Und so entdeckte Ludwig Schneller vieles, was ihn an biblische Zeiten erinnerte und ihm diese besser zu verstehen half. Darüber schrieb er sein Buch. Ich zitiere Auszüge aus seinem Vorwort:

„Amt und Beruf haben mich, den ersten deutschen Theologen, mitten in das arabische Volk, in eine arabische Gemeinde hineingestellt. Da war es mir eine liebe Aufgabe, Palästina mit seinen Bergen und Menschen, welche gewissermaßen Modell gestanden haben für das Gemälde des himmlischen Reichs und seiner Wahrheiten, zu beobachten, den Spuren biblischer Vergangenheit nachzugehen. An heißen Sommertagen, wenn alle frischgrüne Vegetation weggebrannt ist, kann das heilige Land oft so öde und grau vor uns liegen. Aber abends ist’s, als ob die Sonne aus ihrem reichen Farbenkasten allen Reichtum in allen Farben des siebenfarbigen Regenbogens über das Land hinstreute. Dann beginnt es in bezaubernder Schöne zu leuchten wie das Paradies.

So liegt auch das arme Volk des Landes mit seinen zerrütteten, herabgekommenen Zuständen vor uns wie eine öde graue Landschaft. Aber lass nur das Licht der Bibel darüber scheinen. Da treten plötzlich die alten, wohlbekannten Züge zu Tage, da beginnen sie zu schimmern und erhalten Leben und Farbe. Die Gestalten der Vorzeit erstehen vor unserem inneren Auge. Propheten wandern, predigen, kämpfen, unterliegen, sinken, bis endlich der Sohn Gottes selbst erscheint und über diese Berge hineilt, sein verlorenes Schäflein zu suchen.

Dieses Land mit seinen Menschen und Sitten habe ich befragt und manche überraschende Antwort gefunden. Denn in hundert Fällen handelt der heutige Palästinenser noch genau so, wie vor Jahrtausenden die Hethiter, Kanaaniter, Israeliten. Deutlicher als alte Tempel und Inschriften reden diese Dinge zu uns von der biblischen Vergangenheit. Und so bilden sie einen lebendigen Kommentar zur Heiligen Schrift. …

Je anschaulicher uns die biblischen Geschichten werden, desto mehr drücken sie sich unserer Seele ein. Desto mehr werden wir angeregt, dem Ewigen und Bleibenden nachzusinnen, welches sich hinter den äußeren Erscheinungen verbarg und zugleich sich darinnen zum Ausdruck brachte.

Nichts kann uns aber hierin so wichtige Dienste leisten, wie eine genaue Beobachtung der heutigen Sitten des Morgenlandes, welche sich seit Jahrtausenden so wenig geändert haben. Was ich hiervon beobachtet habe, was ich in den Häusern, auf den Märkten, auf zahlreichen Wanderungen dem Volke abgelauscht, das biete ich hiermit den Lesern dar.“

Aus „Kennst du das Land?“ veröffentliche ich hier fortlaufend immer wieder Auszüge auf meinem Blog. Zur besseren Lesbarkeit sind diese teilweise sprachlich etwas modernisiert. Sie werden uns helfen, uns in der Bibel manches besser vorstellen zu können.

Altdeutsche Spruchweisheit

Altdeutsche Spruchweisheit – die folgenden Sprüche habe ich dem Büchlein „Altdeutscher Witz“ entnommen. Es ist – leider ohne Jahresangabe – einst im Bertelsmann Lesering erschienen. Allem Anschein nach stammen die meisten der Sprüche noch aus dem Mittelalter:

Wie einer liest in der Bibel, so steht am Haus der Giebel.

Alles Böse kommt vom Guten her, aus Engeln Teufel, aus Jungfrauen Huren.

Die Gelehrten: die Verkehrten.

Wenn der Papst Geld braucht, bevölkert er den Himmel.

Der Teufel hat mehr Apostel denn zwölf.

Man braucht sieben Lügen, um eine Lüge zu bestätigen.

Die allzeit lehren, sich nimmer bekehren.

Man muss die Laster schlagen, wie die Parther ihre Feinde – durch Fliehen.

Wer ein Amt genommen, ist der Freiheit verkommen.

Die Pfaffen predigen zu ihren Ehren und nicht, um andere zu belehren.

Alle Menschen verkehren das Vaterunser und wollen nur, dass ihr Wille geschehe.

Bücher fressen und nicht käuen macht ungesund.

Besser mit den Füßen gestrauchelt als mit der Zunge.

Wer dem Haufen folgt, hat viele Gesellen.

Der Herr Christus hat am meisten von den Gelehrten leiden müssen.

Die Lüge bedarf gelehrter, die Wahrheit einfältiger Leute.

An der Geduld kennt man den Mann.

An Gott sind schon viele Narren irre geworden.

Das ist ein gute Traurigkeit, wenn man um Sünd trägt herzlich Leid.

Gott fürchten, ein gesunder Leib, ein fröhlich Herz, ein freundlich Weib, ein guter Wein, das Gewissen rein, mag wohl das beste Leben sein.

Heute ist die beste Zeit.

Lust haben zur Tugend ist auch Tugend.

Viele kennen viel; sich selbst kennt keiner.

Wenn Gott nicht schwimmen könnte, wäre er längst im Pfaffenwein ersoffen.

Wer beten will, der richte sich eine Kapelle zu in seinem Herzen.

Die Pfaffen machen die Hölle heiß um des Opfers willen.

Sünde schadet nicht so viel als eigene Gerechtigkeit.

Die Wahrheit hat einen blauen Rücken.

Wenn wir täten, was wir sollten, so tät Gott auch, was wir wollten.

Gott hat die ganze Welt für den Menschen, den Menschen aber für sich selbst geschaffen.

Die Welt ist eine Insul, darin vier Festungen sind: Goldberg, Neideck, Hohenzorn und Haderwick.

Geredet ist geredet, man kann es mit keinem Schwamm wegwischen.

Des Menschen Herz ist von Natur aus ein Götzenhaus.

Reden kommt von Natur, Schweigen vom Verstand.

Vor nichts nimm dich bei Tag und Nacht so sehr als vor dir selbst in Acht!

Wer noch dem Papst sein Gut zuschleift und glaubt, dass man den Himmel käuft, der ist ein armer Narr und Aff; der Himmel hat nicht Mönch noch Pfaff.

Es ist umsonst, dass dir das Glück gewogen ist, wenn du nicht selbst erkennst, wie sehr du glücklich bist.

Die Wahrheit ist ein selten Kraut, noch seltener, wer es gut verdaut.

In jedem Pfäfflein steckt ein Päpstlein.

Die uneinigen Pfaffen werden eins über des Ketzers Haar.

Wenn man Deutsche verderben will, so nimmt man Deutsche dazu.


Die altdeutsche Spruchweisheit gibt interessante Einblicke in die Erfahrungswelt längst vergangener Zeiten, besonders auch im Verhältnis der einfachen Menschen zur Kirche.

Der Fluch der Ehe

Der Fluch der Ehe gehört zu den Folgen des Sündenfalls. Gott hatte im Fluch über die Frau zuerst die schmerzhaften Geburten ankündigte. Und dann sagte er noch: „Und gegen deinen Mann (geht) dein Begehren, er aber will herrschen über dich!“

Um diese Aussage genauer zu verstehen, ist es hilfreich, aus dem folgenden Kapitel die Worte Gottes an Kain zu betrachten. 1 Mo 4,7: „Ist es nicht so: Wenn du das Richtige tust, ist (dein Blick) erhoben, wenn du aber nicht das Richtige tust, lagert Sünde vor der Tür? Und gegen dich (geht) ihr Begehren, du aber sollst herrschen über sie!“

Die zwei Aussagen sind mit denselben Vokabeln genau gleich aufgebaut:

„Und gegen deinen Mann (geht) dein Begehren, er aber will herrschen über dich!“

„Und gegen dich (geht) ihr Begehren, du aber sollst herrschen über sie!“

Was die Sünde gegenüber dem Menschen tut, das will die Frau gegenüber dem Mann: Begehren. Wenn ich etwas begehre, dann will ich es besitzen. Die Sünde will den Menschen besitzen, sie will Macht über ihn ausüben. Die Frau will den Mann besitzen. Und dieses „Besitzen“ ist natürlich auch eine Art Machtausübung, vermutlich auf die etwas feinere weibliche Art und Weise. Vielleicht sind „Steuern“ und „Manipulieren“ passende moderne Ausdrücke dafür.

Die Antwort darauf besteht im Herrschen. Der Mensch soll über die Sünde herrschen, soll sie also in die Schranken weisen und nicht über sich herrschen lassen. Der Mann wehrt sich gegen die Besitzergreifung der Frau. Er versucht, über sie zu herrschen, um die Oberhand zu behalten. Vielleicht ist dann „Dominieren“ der passende Ausdruck dazu.

Hier ist also der eheliche Urkonflikt ausgesprochen und programmiert: der Machtkampf zwischen Ehemann und Ehefrau. Die vielen Witze, die es über diese Problematik gibt, bestätigen deren Richtigkeit und Realität. Ehen werden also nicht im Himmel geschlossen. Gott hat die Ehe geschaffen und gesetzt. Aber infolge der Sünde hat er im Fluch die Mühsamkeit des Lebens über sie ausgesprochen, so wie auch über die Arbeit und die Fortpflanzung.

Die Frage ist, ob es dafür eine Lösung gibt. In diesen Zusammenhang gehört ein Abschnitt, der innerhalb des Neuen Testaments etwas aus dem Rahmen fällt – Eph 5,21-33:

„… – indem ihr euch einander unterordnet in Achtung vor dem Messias, die Ehefrauen ihren Männern wie dem Herrn, denn ein Ehemann ist Haupt (seiner) Frau, wie auch der Messias Haupt der Gemeinde ist, er, der Retter des Leibes. Also, wie sich die Gemeinde dem Messias unterordnet, so auch die Ehefrauen (ihren) Männern in allem. Ihr Ehemänner, liebt (eure) Frauen, wie auch der Messias die Gemeinde liebt und sich für sie hingegeben hat, um sie heilig zu machen – dazu hat er sie gereinigt mit dem Bad im Wasser und durch das Wort -, um sie sich herrlich hinzustellen, die Gemeinde, damit sie keinen Fleck oder eine Runzel oder etwas derartiges hat, sondern heilig und makellos sein soll.

So müssen auch die Ehemänner ihre Frauen lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Niemandem war doch jemals sein Körper gleichgültig, man gibt ihm vielmehr, was er braucht, und pflegt ihn. Und so (pflegt) auch der Messias die Gemeinde, weil wir Glieder seines Leibes sind. ‚Dafür wird ein Mann den Vater und die Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden, und die zwei werden körperlich eins sein‘. Dieses Geheimnis ist groß. Ich sage das aber auf den Messias und auf die Gemeinde hin. Jedenfalls auch ihr, jeder Einzelne: Jeder soll seine Frau so lieben wie sich selbst! Die Frau aber: dass sie Achtung hat vor dem Mann!“

Das Eigenartige in diesem Abschnitt ist, dass er dem allgemeinen Prinzip der Gleichheit in der Gemeinde scheinbar zuwiderläuft. Die Christen in der Gemeinde haben untereinander – Männer und Frauen! – das Gebot von Jesus, einander zu lieben. Und sie haben, wie Paulus auch hier schreibt, das Gebot – Männer und Frauen! – sich einander unterzuordnen in Achtung vor dem Messias. Warum betont er nun hier so, dass der Mann, der sowieso alle lieben soll, auch seine Frau lieben soll? Und warum die Frau, die sich in Achtung vor dem Messias sowieso allen unterordnen soll, sich auch ihrem Mann unterordnen soll?

Diese spezielle Ermahnung von Paulus an die Eheleute ergibt einen guten Sinn, wenn man sie in Beziehung setzt zu 1 Mo 3 – dem Fluch der Ehe. Die Frau, die in menschlicher Art ihr Begehren auf ihren Mann gerichtet hat, hört jetzt damit auf und ordnet sich unter. Paulus formuliert es am Ende des Abschnitts noch anders: Sie hat Achtung vor ihm. Das ist offenbar ein anderer Ausdruck für „unterordnen“. Der Mann, der in menschlicher Art über seine Frau zu herrschen versucht, hört jetzt damit auf und liebt – so wie Jesus seine Gemeinde.

Diese Stelle im Epheserbrief mit ihrer speziellen Belehrung über den Umgang miteinander in der Ehe steht aber nicht ganz allein im Neuen Testament. Neben Paulus hat als ein zweiter Zeuge auch Petrus in etwas anderen Worten genau dasselbe gelehrt – 1 Petr 3,1-7:

„Genauso ordnen sich auch die Ehefrauen den eigenen Männern unter, damit, auch wenn einige (der Ehemänner) vom Wort nicht überzeugt sind, sie durch den Lebenswandel der Frauen ohne ein Wort gewonnen werden, wenn sie euren in Furcht reinen Lebenswandel betrachten. Dazu soll nicht der äußere Schmuck gehören mit Frisieren von Haaren, Umhängen von Goldschmuck und Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen (Schmuck) des sanften und zufriedenen Geistes, was vor Gott kostbar ist. So schmückten sich ja einst auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren Männern unterordneten, wie Sara Abraham gehorchte und ihn ‚Herr‘ nannte. Deren Töchter seid ihr geworden, die Gutes tun und sich vor keinem Schrecken fürchten.

Ihr Ehemänner genauso, wohnt ehelich mit ihnen zusammen in der Erkenntnis, dass sie – als der weibliche – der schwächere Teil sind, und erweist ihnen Ehre als Miterben der Gnade des Lebens, damit eure Gebete nicht aufgehalten werden.“

Mit dem Ausleben der von Paulus und Petrus genannten Bestimmungen ist der Fluch der Ehe aufgehoben. Das neue Leben aus Gott kommt in die Ehe. Dass dafür Herzensveränderung mit Hilfe des Heiligen Geistes nötig ist, ist klar. Und so haben wir hier eine erlöste Ehe vor Augen, in der echte Liebe und echter Respekt die Haltung zueinander und den Umgang miteinander bestimmen. Das ist dann wohl auch die Antwort auf die Frage, was eine christliche Ehe ausmacht.

Aus Gott geboren

Aus Gott geboren – das ist im Neuen Testament der häufigste Ausdruck für die neue Geburt. Im traditionellen Sprachgebrauch sagt man dazu üblicherweise „Wiedergeburt“. Dieser Begriff ist allerdings zu einem christlichen Insider-Ausdruck geworden. Man könnte ihn auch mit der Vorstellung der „Wiedergeburten“ in der Reinkarnationslehre durcheinanderbringen. Im Neuen Testament benutzt man für diese eine Sache allerdings nicht einen, sondern mehrere Ausdrücke, die wir hier im Überblick betrachten:

Das erste, was uns begegnet, ist die Ausdrucksweise, die Jesus (in Joh 3) gegenüber Nikodemus benutzt. „Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Und „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineinkommen. Was aus dem Menschen geboren wird, ist menschlich, was aus dem Geist geboren wird, ist Geist.“

Das „von Neuem geboren“ könnte man auch mit „von oben geboren“ übersetzen. Das Wort kann räumlich mit „von oben“ oder zeitlich mit „von neuem“ verstanden werden im Sinne von „noch einmal“. Nikodemos hat es jedenfalls zeitlich verstanden, denn er fragte, wie er denn noch einmal in den Leib seiner Mutter gehen könnte. Jesus hat es dann erklärt, indem er sagte, man müsse „aus Wasser und Geist geboren“ werden. Oder wie er im Nachsatz sagte, „aus dem Geist geboren“. Jesus selbst hat hier also schon drei verschiedene Formulierungen gebraucht.

Wasser und Geist, das sind die zwei Elemente der neuen Geburt, die zwei Taufen im Wasser und im Geist. Das Wasser der Taufe bezeichnet die menschliche Seite der neuen Geburt, die völlige Übergabe an Gott. Die Taufe mit Geist ist die göttliche Seite der neuen Geburt, der Einzug des göttlichen Wesens in den Menschen. Das reale Geschehen der Vereinigung des Menschen mit Gott durch die Erfüllung mit Heiligem Geist ist das Zentrum der neutestamentlichen Gottesbeziehung.

Petrus verwendet (in 1 Petr 1) einen Ausdruck, den ich mit „neu geboren“ übersetze. „Zu preisen ist der Gott und Vater unseres Herrn, Jesus des Messias, der uns in seinem großen Erbarmen neu geboren hat zu einer lebendigen Hoffnung …“ (1,3). „… die ihr neu geboren seid nicht aus vergänglichem Samen, sondern aus unvergänglichem, durch das Wort des lebendigen und bleibenden Gottes.“ (1,23).

Johannes benutzt dafür den Ausdruck „aus Gott geboren“. Das beginnt im Einleitungskapitel des Johannesevangeliums. Joh 1,12-13: „Aber all denen, die ihn annahmen, gab er eine hohe Stellung: Gottes Kinder zu sein, die an seinen Namen glauben, die nicht aus menschlicher Abstammung, nicht aus körperlichem Verlangen, nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geboren sind.“

Am meisten spricht er aber in seinem umfangreicheren Brief davon. „Jeder, der aus Gott geboren ist, vollbringt keine Sünde, weil sein Same in ihm bleibt. Er kann sich nicht versündigen, weil er aus Gott geboren ist.“ (1 Joh 3,9). „Jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott.“ (4,7b). „Jeder, der glaubt, dass Jesus der Messias ist, ist aus Gott geboren. Und jeder, der den liebt, der (ihn) geboren hat, liebt auch den, der von ihm geboren ist.“ (5,1). „Denn alles, was aus Gott geboren ist, besiegt die Welt.“ (5,4b). „Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, sich nicht versündigt, …“ (5,18a).

Bei Paulus finden wir das Bild der neuen Geburt nicht. Offensichtlich ist auch hier wieder das Phänomen der prophetischen Symbolsprache erkennbar. Statt einer neuen Geburt spricht Paulus von einer neuen Schöpfung. „Denn wenn jemand im Messias ist, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, jetzt ist Neues entstanden.“ (2 Kor 5,17). „Weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit ist etwas, sondern eine neue Schöpfung!“ (Gal 6,15). Die neue Geburt ist also ein Schöpfungsakt. Außerdem spricht er von einem neuen Menschen, einem neuen Leben, einem Leben in der Auferstehung – alles Ausdrücke dafür, dass etwas von Gott selbst real in einem neuen Menschen wohnt und am Werk ist. Auch „der Messias in euch“ (Kol 1,27) bezeichnet dieselbe Realität.

Gottes Ankündigung der Ausgießung des heiligen Geistes hat sich also in dieser Weise erfüllt. Mit dem Einwohnen des heiligen Geistes in einem Menschen ist dieser zum Kind, zum Abbild, zur Wohnung Gottes geworden. „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ (Joh 14,23).

So ist die neue Geburt also der Beginn eines völlig neuen Lebens, einer neuen, ganz anderen Existenzweise. Und mit weniger sollten wir uns als Christen nicht zufrieden geben.

Sprüche

Verse aus dem Buch der Sprüche in eigener Übersetzung:

1,7: Die Furcht des Herrn ist der Anfang des Erkennens;
Weisheit und Belehrung der Gottlosen wird man verachten.

2,6: Denn der Herr gibt Weisheit,
von ihm kommt Erkenntnis und Einsicht.

3,5: Vertraue mit ganzem Herzen auf Gott,
doch erhebe dich nicht wegen deiner Weisheit!

3,6: Auf all deinen Wegen – kenne ihn,
damit er deine Pfade ebnet!

3,11: Mein Kind, weise keine Erziehung des Herrn zurück,
werde nicht mutlos, wenn du von ihm überführt wirst!

3,12: Denn wen der Herr liebt, den weist er zurecht;
er züchtigt jedes Kind, das er annimmt.

3,25: Fürchte dich nicht vor der Leidenschaft der Unverständigen,
auch nicht vor dem Ansturm der Gottlosen, wenn er kommt!
3,26: Denn der Herr wird auf allen deinen Straßen sein;
er wird deinen Fuß bewahren vor Gefahr.

3,27: Lass dich nicht abhalten, einem Bedürftigen Gutes (zu tun),
wenn deine Hand etwas hat, um zu helfen!

3,29: Unternimm nichts, was übel ist für deinen Mitmenschen,
der bei dir wohnt und dir vertraut!

3,34: Gott stellt sich gegen Überhebliche,
Bescheidenen gibt er Gnade.

4,13: Halte fest an der Unterweisung, lass nicht los,
bewahre sie, denn sie ist dein Leben!

4,18: Der Weg von Gerechten ist wie der Lichtglanz,
er geht auf und wird immer heller, bis der Tag da ist.

5,21: Direkt vor den Augen des Herrn sind ja die Wege eines Menschen,
auf alle seine Pfade achtet er.

7,2: Behüte meine Gebote, und du wirst leben,
(behüte) meine Unterweisung wie deinen Augapfel!

10,2: Verbrecherische Schätze nützen nichts,
aber Gerechtigkeit rettet vor dem Tod.

10,7: Die Erinnerung an Gerechte (bleibt) ein Segen,
der Name von Gottlosen entschwindet.

10,12: Hass erweckt Streit;
alle Vergehen bedeckt aber die Liebe.

10,19: Bei vielen Worten kann man Sünde nicht vermeiden;
die Lippen sparsam zu gebrauchen, wäre klug.

10,28: Die Wartezeit der Gerechten ist Fröhlichkeit,
die Hoffnung der Frevler vergeht.

11,13: Ein doppelzüngiger Mensch geht und verrät geheime Absprachen,
aber ein zuverlässiger Geist hält Dinge bedeckt.

11,19: So (ist es): Gerechtigkeit (führt) zum Leben,
wer hinter dem Bösen her ist, (geht) zum Tod.

11,22: Wie ein Ohrring im Rüssel einer Sau,
so ist Schönheit für eine Frau ohne klaren Verstand.

11,31: Wenn der Gerechte nur mit Mühe gerettet wird,
wo kann dann der Gottlose und Sünder sich sehen lassen?

14,21: Wer einen Hungrigen verachtet, sündigt;
wer aber Erbarmen hat mit Armen, ist glücklich.

14,26: In der Furcht des Herrn liegt starkes Vertrauen;
ihren Kindern gibt sie festen Halt.

14,31: Wer einen Bedürftigen schikaniert, verhöhnt seinen Schöpfer;
wer den (Schöpfer) ehrt, hat Erbarmen mit einem Armen.

14,34: Gerechtigkeit erhebt ein Volk,
aber Sünde macht den Völkern Schaden.

15,1: Eine nachgiebige Antwort wendet die Wut ab;
ein kränkendes Wort erweckt den Zorn.

15,13: Ein fröhliches Herz macht ein gutes Gesicht;
aber mit Herzschmerz ist der Geist gequält.

15,16: Besser wenig mit der Furcht des Herrn,
als ein großer Schatz und Panik dabei.

15,17: Besser eine Bewirtung mit Gemüse und Liebe dabei,
als ein gemästeter Stier mit Hass.

15,33: Die Furcht des Herrn ist Erziehung zur Weisheit,
vor der Größe (Gottes) wird man bescheiden.

16,6: Mit Güte und Wahrheit wird Schuld bedeckt;
und mit Furcht des Herrn weicht man vom Bösen.

16,7: Wenn dem Herrn die Wege eines Menschen gefallen,
lässt er auch dessen Feinde mit ihm übereinkommen.

16,9: Des Menschen Herz plant seinen Weg;
doch der Herr macht fest seinen Schritt.

16,18: Vor dem Zusammenbruch kommt Übermut,
vor dem Fall ein hochmütiger Geist.

16,32: Ein Geduldiger ist besser als ein Gewaltiger;
wer mit dem Verstand herrscht, (ist besser) als wer eine Stadt einnimmt.

17,5: Wer einen Armen verspottet, verhöhnt seinen Schöpfer;
wer sich freut, wenn jemand zugrunde geht, wird nicht straflos bleiben.

18,22: Wer eine Frau gefunden hat, hat Gutes gefunden;
er hat Wohlgefallen bekommen vom Herrn.

19;17: Wer Mitgefühl zeigt mit einem Armen, leiht etwas dem Herrn,
und der wird ihm seine Gabe zurückerstatten.

20,9: Wer kann sagen: „Ich bin rein in meinem Herzen,
ich bin gereinigt von meiner Sünde?“

20,12: Ein Ohr, das hört, ein Auge, das sieht –
beide sind Werke des Herrn.

21,21: Wer den Weg der Gerechtigkeit und des Erbarmens geht,
wird Leben und Herrlichkeit finden.

22,9: Wer ein gütiges Auge hat, wird gesegnet;
denn er gibt dem Schwachen von seinem Brot.

23,17: Dein Herz soll sich nicht ereifern über Sünder,
sondern in der Furcht des Herrn sein den ganzen Tag!

23,26: Gib mir, mein Kind, dein Herz;
lass deinen Augen meine Wege gefallen!

25,21: Wenn dein Feind hungert, gib ihm zu essen,
wenn er dürstet, gib ihm zu trinken!
25,22: Wenn du das tust, wirst du glühende Kohlen aufhäufen auf seinen Kopf,
und der Herr wird es dir vergelten.

25,26: Eine verstopfte Quelle, eine kaputte Zisterne
ist ein Gerechter, der vor einem Gottlosen zu Fall gekommen ist.

28,13: Wer seinen Frevel verbirgt, wird keinen Erfolg haben;
wer (ihn) offen bekennt und lässt, wird Erbarmen finden.

29,7: Ein Gerechter weiß, gerecht zu richten für Geringe;
ein Gottloser versteht nicht, (so etwas) zu erkennen.

29,20: Wenn du einen Menschen gesehen hast, eilig mit seinen Worten –
für einen Unverständigen gibt es mehr Hoffnung als für ihn.

29,25: Furcht vor Menschen führt in die Fallgrube,
aber wer auf den Herrn vertraut, bleibt geschützt.

30,8: Nichtiges und verlogenes Reden
halte weit von mir fern!
Gib mir weder Armut noch Reichtum,
weise mir mein regelmäßiges Brot zu!

31,8: Öffne deinen Mund für Gottes Sache,
schaffe heilsam Recht für alle!

Jünger

„Jünger“ ist im Neuen Testament die bekannte Bezeichnung für die Nachfolger von Jesus. Das Wort ist die Übersetzung des griechischen „mathetés“. Das kommt von dem Wort „manthánein / lernen“ und bezeichnet also im eigentlichen Sinne einen „Lernenden“. Wir hätten im Deutschen dafür auch Worte wie Schüler, Student, Lehrling oder Auszubildender. Aber sie bringen nicht die richtige Vorstellung von der Sache zum Ausdruck.

Bei einem „Schüler“ sehen wir vor unserem geistigen Auge eine Schulklasse, bei einem „Studenten“ einen Hörsaal, bei einem „Azubi“ einen Ausbildungbetrieb. Das alles passt nicht zur antiken Jüngerschaft. Ein Jünger ist natürlich ein Schüler, deshalb ist das Gegenstück dazu auch der Lehrer. Aber er lernt nicht stundenweise in einem Klassenzimmer, sondern er tritt in eine Lebensgemeinschaft mit einem Lehrer ein. Er sucht sich den Lehrer aus, dieser muss ihn aber auch annehmen. Die Worte seines Lehrers sind dann so wichtig für ihn, dass er sie auswendig lernt. Aber er will nicht nur die Worte des Lehrers lernen, sondern auch das daraus folgende Handeln. Und deshalb muss er die vorbildliche Umsetzung der Worte im Leben des Lehrers auch mit eigenen Augen beobachten.

Es gibt eine nette Anekdote aus der jüdischen Überlieferung dazu. Ein Rabbi (die jüdische Bezeichnung für einen Lehrer) wollte abends mit seiner Frau zu Bett gehen. Dabei entdeckte er zwei seiner Jünger, die sich in seinem Schlafzimmer versteckt hatten. Empört stellte er die beiden zu Rede, was sie hier zu suchen hätten? Die bezeichnende Antwort der beiden war: „Rabbi, wir wollen lernen!“

Im Neuen Testament finden wir deshalb nicht nur Jünger von Jesus. Wir finden auch Jünger von Johannes dem Täufer und Jünger der jüdischen Theologen. Paulus z. B. war ein Jünger des hoch geachteten Rabbinen Gamaliel gewesen, der in der Apostelgeschichte auch einmal in Erscheinung tritt (Apg 5,34-39).

Insofern war es nichts Neues, dass auch Jesus diese Art von Jüngern hatte. Neu bei ihm war die große Zahl von Jüngern, die er hatte. Denn bei Jesus waren es nicht nur die „Zwölf“, sondern alle, die ihm folgten, und das ging zeitweise in die Tausende. Und das ganz Neue dabei war, dass er Frauen als Jüngerinnen akzeptierte.

So konnten letztlich alle, die an ihn als den Messias glaubten, als seine Jünger bezeichnet werden. In Ablehnung dagegen nannten sich die jüdischen Theologen die „Jünger von Mose“ (Joh 9,28).

Beachtenswert ist, dass die Bezeichnung „Jünger“ für die Gläubigen in der Apostelgeschichte einfach weitergeht. Überall, wo man hinkommt, findet man Jünger. Und das ist eine aufschlussreiche Benennung. Auch die Christen in der Gemeinde sind und bleiben Jünger. Sie bleiben Lernende. Eine interessante Frage an jeden Christen: Bist du ein Lernender? Bist du immer noch ein Lernender?

Und wer ist der Lehrer? Diese Frage hat Jesus ein für alle Mal beantwortet. Mt 23,8: „Ihr aber sollt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen lassen! Einer ist nämlich euer Lehrer, ihr alle seid Geschwister.“

Natürlich gibt es in der Gemeinde des Neuen Testaments auch Lehrer – Geschwister mit der Gabe des Lehrens. Aber auch ihr Lehrer ist Jesus, und man folgt nicht ihnen, sondern ihm. Ein falscher Lehrer bindet Menschen an sich, ein richtiger Lehrer weist sie in die Nachfolge von Jesus.

Auch das Ziel eines Jüngers hat Jesus klar definiert. Lk 6,40: „Es ist kein Jünger über dem Lehrer. Als Ausgebildeter soll aber jeder wie sein Lehrer sein.“ Wenn Jesus der Lehrer des Jüngers ist, dann ist das Ziel der Ausbildung, wie Jesus zu sein. Deswegen bleiben Christen wohl auch zeitlebens Jünger …

Entweder-Oder

(Entweder-Oder: Die Thematik eines Artikels von Sören Kierkekaard aus „Der Augenblick“ vom 24. Mai 1855. Um der Verständlichkeit willen wurde er um einige Nebengedanken gekürzt.)

Zu: „Das soll gesagt werden!“ – oder: Wie wird etwas Entscheidenedes angebracht?

Der Protest, den ich gegen das Bestehende erhoben habe, ist entscheidend. Ich bin nun darauf gefasst, dass auch der wohlwollendste Mensch dies als Vorwurf gegen mich kehrt: „Das ist ja fürchterlich, wie man einen da mir nichts, dir nichts, vor eine Entscheidung stellt.“ Meine Erwiderung ist einfach: „Es kann nicht anders sein.“ …

Doch ich kann mich auch genauer erklären. Dass man einen entscheidenden Gedanken anbringt, was doch die Aufgabe ist, das lässt sich nicht auf dieselbe Weise machen wie alles andere. Und wenn zugleich das Unglück unserer Zeit just dies „bis zu einem gewissen Grade“ ist, wenn sie bis zu einen gewissen Grade auf alles eingeht und eben hierin ihre Krankheit besteht: So muss man vor allem darauf achten, dass sie womöglich nicht auch bis zu einem gewissen Grade auf die Sache eingeht – weil hierdurch alles verloren ist. …

Und glaube mir: Ich kenne den Schaden unserer Zeit nur allzu gut. Dass er in der Charakterlosigkeit besteht, in dem „bis zu einem gewissen Grade“. Wie aber ein „spiegelblanker Schild von geschliffenem Stahl“, so blank, „dass er der Sonne leuchtenden Strahl mit verdoppeltem Glanze zurückwirft“, auch den geringsten Flecken unbedingt fürchtet – denn ist der Flecken noch so gering, so ist der Schild nicht mehr der, welcher er war -: so fürchtet ein entscheidender Gedanke unbedingt jede Berührung mit dem „bis zu einem gewissen Grade“. Das verstehe ich. Sollte ich das nicht verstehen, ich, den selbst die Kinder auf der Straße unter dem Namen kennen: „Entweder-Oder“?

Denn was ist Entweder-Oder? – Lass mich es sagen, der es wohl wissen muss. Entweder-Oder ist das Wort, vor dem die Flügeltüren aufspringen und die Ideale sich zeigen – holdseliger Anblick! Entweder-Oder ist das Zeichen, durch das uns der Zutritt zum Unbedingten wird – Gott sei Lob und Dank! Ja, Entweder-Oder ist der Schlüssel zum Himmel! Und was ist dagegen, was war und ist des Menschen Unglück? Das ist der Satan der Erbärmlichkeit oder der feigen Klugheit, das „bis zu einem gewissen Grade“, das, auf das Christentum angewendet, – o verkehrtes Wunder oder wunderbare Verkehrtheit – dieses in ein Geschwätz verwandelt. Nein: entweder – oder! Wie herzlich auch der Schauspieler und die Schauspielerin auf der Bühne sich umarmen und liebkosen, es bleibt doch immer nur ein theatralisches Einverständnis, nur eine Theaterehe. Ganz so ist alles „bis zu einem gewissen Grade“ dem Unbedingten gegenüber nur etwas Theatralisches. …

Dem Gegensatz zum Folgenden zuliebe will ich auch ein Bild aus des Lebens Tand zur Verdeutlichung herbeiziehen. Jeder Offizier aus des Königs persönlicher Umgebung trägt eine Auszeichnung, die ihn kenntlich macht. So waren alle wahren Diener des Christentums durch das Entweder-Oder gekennzeichnet, durch den Ausdruck der Majestät, oder den Ausdruck dafür, dass man vor der göttlichen Majestät steht. Alles, was bloß bis zu einem gewissen Grade ist, hat aber nicht dem Christentum gedient, sondern höchstens sich selbst. Das Christentum kann aber, wenn es redlich sein will, nie eine andere Uniform tragen als die des Königs. Denn für Gottes Diener ist die Uniform nur dies: „Entweder – oder“.

Christus oder Messias

Christus oder Messias, das ist eine Übersetzungsfrage. „Christós“ ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes „maschíach“. Von christós ist über die lateinische Kirchensprache das Wort „Christus“ ins Deutsche gekommen. Von maschíach stammt aber ebenfalls ein Begriff im Deutschen, nämlich „Messias“. Beides heißt übersetzt auf Deutsch „gesalbter“. Sinngemäß ist dazu das Wort „König“ zu ergänzen: „gesalbter König“.

Durch eine Salbung mit Olivenöl wurde in Israel der König eingesetzt, und so wurde das Wort auch zur Bezeichnung des von Gott versprochenen endgültigen Retters und Königs.

Das in den üblichen Bibelübersetzungen Gewohnte ist zunächst einmal „Christus“. Aber daran hatte ich schon lange meine Zweifel. In meinem Werdegang komme ich aus dem kirchlichen Heidenchristentum, das neutestamentlich gesehen überhaupt kein Christentum ist. Von dort her ist mir die Bezeichnung „Christus“ im Grunde unmöglich geworden. Sie ist zu einem nichtssagenden Beinamen geworden, zu einer Floskel, die im Munde geführt wird, ohne die eigentliche Bedeutung zu bedenken oder gar zu kennen. Wenn z. B. einer der Kirchenfunktionäre von „Jesus Christus“ spricht, dann hat niemand den Eindruck, dass er vom Herrn der Welt spricht, von Gottes gesalbtem König, dem er unbedingten Gehorsam schuldig wäre. Eine ähnliche Entwicklung hat übrigens auch der Begriff „Evangelium“ genommen.

Die Frage, ob ich Christus oder Messias übersetze, ist damit beantwortet. Für Israel und die Welt bekennt das Neue Testament: „Jesus ist der Messias!“ – Einen anderen gibt es nicht. Diese Bezeichnung ist nicht nur gegenüber Juden ein Zeugnis, sie ist auch im weltlichen Sprachgebrauch präsent. Und es ist mir ja wichtig, in meiner Übersetzung möglichst Begriffe zu verwenden, die auch in der säkularen Sprache verständlich sind.

Und hier hat „Messias“ eine interessante Bedeutung. Als zum Beispiel Obama damals in den USA zum Präsidenten gewählt wurde, hieß es in den Medien angesichts der großen Begeisterung, er würde aber doch wohl auch kein Messias sein. Oder umgekehrt, als Bolsonaro in Brasilien die Wahl zum Präsidenten gewann, haben ihn manche („christliche“!) Kreise zum Messias ernannt, was ihm selber auch sehr gut gefallen hat. So weit ich sehe, kann sich die Welt also unter „Messias“ irgendwie etwas Richtiges vorstellen, eine Art Heilsbringer. Das ist weit mehr, als sie sich unter dem Beinamen „Christus“ vorstellt.

Und Jesus ist in der Tat nicht nur der Messias Israels, sondern der ganzen Welt. Das ist ja das grundlegende Ärgernis für die Juden, dass unser Messias Jesus eigentlich ihr Messias sein soll. Und umgekehrt ist es das Ärgernis für die Welt, dass Gott von ihr verlangt, Jesus, den jüdischen Messias, als ihren Messias anzuerkennen. Doch die Zumutungen, die Gott selbst den Menschen macht, darf man auf keinen Fall abschwächen.

Deshalb habe ich also „Messias“ übersetzt. In diesem Begriff habe ich die verständlichste und prägnanteste Möglichkeit der Übersetzung gefunden. So prägnant, dass ich es auch zum Titel meiner Übersetzung des Neuen Testaments gemacht habe: „Jesus der Messias„. Im ganzen Buch geht es nur um ihn.

(Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung der früheren Beiträge „Christus“ und „Warum ich Messias übersetze“.)

Der Sündenfall

Der Sündenfall ist ein Schlüsselereignis in der Geschichte zwischen Gott und den Menschen. In eigener Übersetzung folgt hier der biblische Bericht. Gott stellte den Menschen in Freiheit und Verantwortung, und so kam es zur Sünde und zur Trennung von Gott. 1 Mo 3,1-24:

Die Schlange war aber klüger als alle Tiere des Feldes, die der Herr, Gott, gemacht hatte.

Und sie sagte zu der Frau: „Sollte es sein, dass Gott gesagt hat: ‚Ihr dürft nicht von allen Bäumen des Parks essen?‘ “

Die Frau sagte zu der Schlange: „Wir essen von den Früchten der Bäume des Parks. Aber über die Früchte des Baums, der in der Mitte des Parks ist, hat Gott gesagt: ‚Esst nicht von ihm, berührt ihn auch nicht, damit ihr nicht sterbt!‘ “

Und die Schlange sagte zu der Frau: „Ihr werdet ganz sicher nicht sterben! Denn Gott weiß: An dem Tag, an dem ihr davon esst, werden eure Augen geöffnet werden, und ihr werdet wie Götter sein, die wissen, was Gut und Böse ist.“

Die Frau sah dann, dass von dem Baum gut zu essen war, dass er eine Pracht für die Augen war und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seinen Früchten und aß. Sie gab dann auch ihrem Mann (davon), der bei ihr war, und er aß.

Da wurden die Augen der beiden geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Und sie nähten Blätter vom Feigenbaum zusammen und machten sich Röcke.

Als sie dann das Geräusch des Herrn, Gottes, hörten, der beim Abendwind im Park umherging, versteckten sie sich, der Adam und seine Frau, vor dem Blick des Herrn, Gottes, zwischen den Bäumen des Parks.

Und der Herr, Gott, rief den Adam und sagte ihm: „Wo bist du?“

Der sagte: „Dein Geräusch habe ich gehört im Park. Und ich habe mich gefürchtet, weil ich nackt bin, und habe mich versteckt!“

(Gott) aber sagte: „Wer hat dir erzählt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir befohlen habe, nicht von ihm zu essen?“

Und der Adam sagte: „Die Frau, die du gegeben hast, um bei mir zu sein, sie hat mir von dem Baum gegeben, sodass ich aß.“

Der Herr, Gott, sagte dann der Frau: „Warum hast du das getan?“

Die Frau sagte: „Die Schlange hat mich betrogen, sodass ich aß.“

Da sagte der Herr, Gott, der Schlange: „Weil du das getan hast, bist du verflucht: Weg von allen Nutztieren und allen Tieren des Feldes wirst du dich auf deinem Bauch fortbewegen und Staub schlucken alle Tage deines Lebens! Und ich stifte Feindschaft zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er wird dich am Kopf packen, und du wirst ihn an der Ferse packen.

Und der Frau sagte er: „Ganz gewiss lasse ich zahlreich werden deine Schmerzen und dein Stöhnen. Mit Schmerzen wirst du Kinder gebären. Und gegen deinen Mann (geht) dein Begehren, er aber will herrschen über dich!“

Dem Adam aber sagte er: „Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir befohlen hatte: ‚Du darfst nicht von ihm essen!‘: Verflucht ist der Erdboden bei deiner Arbeit! Mit Schmerzen sollst du dich von ihm ernähren alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln wird er dir aufwachsen lassen, und du wirst Kräuter des Feldes essen. Im Schweiß deines Angesichts sollst du Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, von dem du genommen bist. Denn du bist Erde, und zur Erde sollst du zurückkehren!“

Und der Adam gab seiner Frau den Namen „Eva“ (Leben), denn sie war die Mutter aller lebenden (Menschen).

Der Herr, Gott, machte Adam und seiner Frau aber Gewänder aus Leder und bekleidete sie.

Und Gott sagte: „Jetzt ist der Adam geworden wie einer von uns, er kennt Gut und Böse. Doch jetzt: Dass er ja nicht seine Hand ausstreckt und auch vom Baum des Lebens nimmt und isst und in Ewigkeit lebt!“

Und der Herr, Gott, schickte ihn hinaus aus dem Park von Eden, um den Erdboden zu bearbeiten, von dem er genommen worden war. Er warf den Adam hinaus und ließ ihn östlich des Parks von Eden wohnen. Und er bestellte die Cherubim und das blitzende Schwert, das sich hin- und herwendet, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

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