Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Schlagwort: Weisheit

Altdeutsche Spruchweisheit

Altdeutsche Spruchweisheit – die folgenden Sprüche habe ich dem Büchlein „Altdeutscher Witz“ entnommen. Es ist – leider ohne Jahresangabe – einst im Bertelsmann Lesering erschienen. Allem Anschein nach stammen die meisten der Sprüche noch aus dem Mittelalter:

Wie einer liest in der Bibel, so steht am Haus der Giebel.

Alles Böse kommt vom Guten her, aus Engeln Teufel, aus Jungfrauen Huren.

Die Gelehrten: die Verkehrten.

Wenn der Papst Geld braucht, bevölkert er den Himmel.

Der Teufel hat mehr Apostel denn zwölf.

Man braucht sieben Lügen, um eine Lüge zu bestätigen.

Die allzeit lehren, sich nimmer bekehren.

Man muss die Laster schlagen, wie die Parther ihre Feinde – durch Fliehen.

Wer ein Amt genommen, ist der Freiheit verkommen.

Die Pfaffen predigen zu ihren Ehren und nicht, um andere zu belehren.

Alle Menschen verkehren das Vaterunser und wollen nur, dass ihr Wille geschehe.

Bücher fressen und nicht käuen macht ungesund.

Besser mit den Füßen gestrauchelt als mit der Zunge.

Wer dem Haufen folgt, hat viele Gesellen.

Der Herr Christus hat am meisten von den Gelehrten leiden müssen.

Die Lüge bedarf gelehrter, die Wahrheit einfältiger Leute.

An der Geduld kennt man den Mann.

An Gott sind schon viele Narren irre geworden.

Das ist ein gute Traurigkeit, wenn man um Sünd trägt herzlich Leid.

Gott fürchten, ein gesunder Leib, ein fröhlich Herz, ein freundlich Weib, ein guter Wein, das Gewissen rein, mag wohl das beste Leben sein.

Heute ist die beste Zeit.

Lust haben zur Tugend ist auch Tugend.

Viele kennen viel; sich selbst kennt keiner.

Wenn Gott nicht schwimmen könnte, wäre er längst im Pfaffenwein ersoffen.

Wer beten will, der richte sich eine Kapelle zu in seinem Herzen.

Die Pfaffen machen die Hölle heiß um des Opfers willen.

Sünde schadet nicht so viel als eigene Gerechtigkeit.

Die Wahrheit hat einen blauen Rücken.

Wenn wir täten, was wir sollten, so tät Gott auch, was wir wollten.

Gott hat die ganze Welt für den Menschen, den Menschen aber für sich selbst geschaffen.

Die Welt ist eine Insul, darin vier Festungen sind: Goldberg, Neideck, Hohenzorn und Haderwick.

Geredet ist geredet, man kann es mit keinem Schwamm wegwischen.

Des Menschen Herz ist von Natur aus ein Götzenhaus.

Reden kommt von Natur, Schweigen vom Verstand.

Vor nichts nimm dich bei Tag und Nacht so sehr als vor dir selbst in Acht!

Wer noch dem Papst sein Gut zuschleift und glaubt, dass man den Himmel käuft, der ist ein armer Narr und Aff; der Himmel hat nicht Mönch noch Pfaff.

Es ist umsonst, dass dir das Glück gewogen ist, wenn du nicht selbst erkennst, wie sehr du glücklich bist.

Die Wahrheit ist ein selten Kraut, noch seltener, wer es gut verdaut.

In jedem Pfäfflein steckt ein Päpstlein.

Die uneinigen Pfaffen werden eins über des Ketzers Haar.

Wenn man Deutsche verderben will, so nimmt man Deutsche dazu.


Die altdeutsche Spruchweisheit gibt interessante Einblicke in die Erfahrungswelt längst vergangener Zeiten, besonders auch im Verhältnis der einfachen Menschen zur Kirche.

Sprüche

Verse aus dem Buch der Sprüche in eigener Übersetzung:

2,6: Denn der Herr gibt Weisheit, von ihm kommt Erkenntnis und Einsicht.

3,5: Vertraue mit ganzem Herzen auf Gott, doch erhebe dich nicht wegen deiner Weisheit!

3,6: Auf all deinen Wegen – kenne ihn, damit er deine Pfade ebnet!

3,11: Mein Kind, weise keine Erziehung des Herrn zurück, werde nicht mutlos, wenn du von ihm überführt wirst!

3,12: Denn wen der Herr liebt, den weist er zurecht; er züchtigt jedes Kind, das er annimmt.

3,25: Fürchte dich nicht vor der Leidenschaft der Unverständigen, auch nicht vor dem Ansturm der Gottlosen, wenn er kommt!

3,26: Denn der Herr wird auf allen deinen Straßen sein; er wird deinen Fuß bewahren vor der Gefahr.

3,27: Lass dich nicht abhalten, einem Bedürftigen Gutes (zu tun), wenn deine Hand etwas hat, um zu helfen!

3,29: Unternimm nichts, was übel ist für deinen Mitmenschen,
der bei dir wohnt und dir vertraut!

3,34: Gott stellt sich gegen Überhebliche,
Bescheidenen gibt er Gnade.

4,13: Halte fest an der Unterweisung, lass nicht los,
bewahre sie, denn sie ist dein Leben!

4,18: Der Weg von Gerechten ist wie der Lichtglanz,
er geht auf und wird immer heller, bis der Tag da ist.

5,21: Direkt vor den Augen des Herrn sind ja die Wege eines Menschen,
auf alle seine Pfade achtet er.

7,2: Behüte meine Gebote, und du wirst leben,
(behüte) meine Unterweisung wie deinen Augapfel!

10,2: Verbrecherische Schätze nützen nichts,
aber Gerechtigkeit rettet vor dem Tod.

10,7: Die Erinnerung an Gerechte (bleibt) ein Segen, der Name von Gottlosen entschwindet.

10,12: Hass erweckt Streit; alle Vergehen bedeckt aber die Liebe.

10,19: Bei vielen Worten kann man Sünde nicht vermeiden; die Lippen sparsam zu gebrauchen, wäre klug.

10,28: Die Wartezeit der Gerechten ist Fröhlichkeit, aber die Hoffnung der Frevler vergeht.

11,13: Ein doppelzüngiger Mensch geht und verrät geheime Absprachen, aber ein zuverlässiger Geist hält Dinge bedeckt.

11,19: Ein Kind von Gerechtigkeit ist geboren für das Leben, wer hinter dem Bösen her ist, für den Tod.

11,22: Wie ein Ohrring im Rüssel einer Sau, so ist Schönheit für eine Frau ohne klaren Verstand.

11,31: Wenn der Gerechte nur mit Mühe gerettet wird, wo kann dann der Gottlose und Sünder sich sehen lassen?

14,21: Wer einen Hungrigen verachtet, sündigt; wer aber Erbarmen hat mit Armen, ist glücklich.

14,26: In der Furcht des Herrn ist starkes Vertrauen; ihren Kindern gibt sie festen Halt.

14,31: Wer einen Bedürftigen schikaniert, verhöhnt seinen Schöpfer; wer den (Schöpfer) ehrt, hat Erbarmen mit einem Armen.

14,34: Gerechtigkeit erhebt ein Volk, aber Sünde macht den Völkern Schaden.

15,1: Eine nachgiebige Antwort wendet die Wut ab; ein kränkendes Wort erweckt den Zorn.

15,13: Ein fröhliches Herz macht ein gutes Gesicht; aber mit Herzschmerz ist der Geist gequält.

15,16: Besser wenig mit der Furcht des Herrn, als ein großer Schatz und Panik dabei.

15,17: Besser eine Bewirtung mit Gemüse und Liebe dabei, als ein gemästeter Stier mit Hass.

15,33: Die Furcht des Herrn ist Erziehung zur Weisheit, vor der Größe (Gottes) wird man bescheiden.

16,6: Mit Güte und Wahrheit wird Schuld bedeckt; und mit Furcht des Herrn weicht man vom Bösen.

16,7: Wenn dem Herrn die Wege eines Menschen gefallen, lässt er auch dessen Feinde mit ihm übereinkommen.

16,9: Des Menschen Herz plant seinen Weg;
doch der Herr macht fest seinen Schritt.

16,18: Vor dem Zusammenbruch kommt Übermut,
vor dem Fall ein hochmütiger Geist.

16,32: Ein Geduldiger ist besser als ein Gewaltiger;
wer mit dem Verstand herrscht, (ist besser) als wer eine Stadt einnimmt.

17,5: Wer einen Armen verspottet, verhöhnt seinen Schöpfer;
wer sich freut, wenn jemand zugrunde geht, wird nicht straflos bleiben.

18,22: Wer eine Frau gefunden hat, hat Gutes gefunden;
er hat Wohlgefallen bekommen vom Herrn.

19;17: Wer Mitgefühl zeigt mit einem Armen, leiht etwas dem Herrn,
und der wird ihm seine Gabe zurückerstatten.

20,9: Wer kann sagen: „Ich bin rein in meinem Herzen,
ich bin gereinigt von meiner Sünde?“

20,12: Ein Ohr, das hört, ein Auge, das sieht – beide sind Werke des Herrn.

21,21: Wer den Weg der Gerechtigkeit und des Erbarmens geht, wird Leben und Herrlichkeit finden.

22,9: Wer ein gütiges Auge hat, wird gesegnet; denn er gibt dem Schwachen von seinem Brot.

23,26: Gib mir, mein Kind, dein Herz; deinen Augen sollen meine Wege gefallen.

25,11: Goldene Äpfel auf kunstvollen Silberschalen – so ist ein Wort, das zur rechten Zeit gesprochen wird.

25,21-22: Wenn dein Feind hungert, gib ihm zu essen, wenn er dürstet, gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du glühende Kohlen aufhäufen auf seinen Kopf, und der Herr wird es dir vergelten.

25,26: Eine verstopfte Quelle, eine kaputte Zisterne ist ein Gerechter, der vor einem Gottlosen zu Fall gekommen ist.

28,13: Wer seinen Frevel verbirgt, wird keinen Erfolg haben;
wer (ihn) offen bekennt und lässt, wird Erbarmen finden.

29,7: Ein Gerechter weiß, gerecht zu richten für Geringe;
ein Gottloser versteht nicht, (so etwas) zu erkennen.

29,20: Wenn du einen Menschen gesehen hast, eilig mit seinen Worten –
für einen Unverständigen gibt es mehr Hoffnung als für ihn.

29,25: Furcht vor Menschen führt in die Fallgrube,
aber wer auf den Herrn vertraut, bleibt geschützt.

30,8: Nichtiges und verlogenes Reden
halte weit von mir fern!
Gib mir weder Armut noch Reichtum,
weise mir mein regelmäßiges Brot zu!

31,8: Öffne deinen Mund für Gottes Sache,
schaffe heilsam Recht für alle!

Die zehn Gebote

Die zehn Gebote kommen im Alten Testament zweimal vor, in 2 Mo 20, wo Gott die Worte vom Berg herab direkt zum Volk Israel spricht, und in 5 Mo 5, wo Mose sie vor dem Einzug ins Land Kanaan dem Volk noch einmal wiederholt.

Wenn ich beim Übersetzen der alttestamentlichen Texte auch die griechische Übersetzung mitlese, dann habe ich vier Versionen davon, zwei hebräische und zwei griechische. Und hier fällt auf, dass die Reihenfolge von drei der zehn Gebote in den Versionen verschieden ist. Und auch an anderen Stellen der Bibel werden diese Gebote in unterschiedlicher Reihenfolge aufgezählt. Es handelt sich um die Gebote (nach biblischer Zählung) 6 – 8, ich zitiere hier die Versionen:

2 Mo 20 hebräisch:

Du sollst nicht morden! Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen!

2 Mo 20 griechisch:

Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht morden!

5 Mo 5 hebräisch:

Du sollst nicht morden! Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen!

5 Mo 5 griechisch:

Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht morden! Du sollst nicht stehlen!

Wir sehen: Die zwei hebräischen Versionen sind gleich, und die griechischen Versionen stimmen darin überein, dass das Verbot des Ehebruchs zuerst kommt. Und ich erinnere daran, dass in der Textüberlieferung die griechischen Texte die älteren sind. Die griechischen Übersetzer haben also zu ihrer Zeit „Du sollst nicht die Ehe brechen!“ als 6. Gebot vorgefunden.

Das passt zusammen mit der Darstellung, die ich von meinem damaligen Lehrer für Altes Testament Hartmut Gese gelernt habe. Der Kern seiner Aussage besteht darin, dass sich das Gebot „Du sollst nicht stehlen!“ ursprünglich auf den Menschen bezog. Du sollst nicht (Menschen) stehlen, also nicht rauben, entführen, versklaven, etc.. Es bezieht sich auf alles, was auch heute noch als Menschenhandel und Freiheitsberaubung strafbar ist.

Und damit ergibt es eine sehr sinnvolle Reihenfolge. Die zehn Gebote lassen sich dann einteilen in fünf Gebotspaare, die jeweils ein gemeinsames Thema haben. Ich zitiere die Gebote in Kurzform:

1. Gebotspaar – es geht um Gott an sich:

a) Es soll für dich keine anderen Götter geben gegen mich!

b) Du sollst dir kein Gottesbild machen!

2. Gebotspaar – es geht um die Beziehung zu Gott:

a) Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht für Nichtiges verwenden!

b) Bewahre den Tag der Ruhe, dass du ihn heilig hältst!

3. Gebotspaar – es geht um die dem Menschen übergeordnete Gruppe, die Familie:

a) Ehre deinen Vater und deine Mutter!

b) Du sollst nicht die Ehe brechen!

4. Gebotspaar – es geht um den Menschen an sich, sein Leben und seine Freiheit:

a) Du sollst nicht morden!

b) Du sollst nicht stehlen!

5. Gebotspaar – es geht um den Mitmenschen, sein Recht und seinen Besitz:

a) Du sollst nicht als falscher Zeuge aussagen gegen deinen Mitmenschen!

b) Du sollst nicht gierig sein nach der Frau deines Mitmenschen, du sollst nicht gierig sein nach dem Haus deines Mitmenschen, seinem Feld, seinem Knecht, seiner Magd, seinem Rind, seinem Esel und allem, was deinem Mitmenschen gehört!”

Wir sehen hier eine Lebensordnung, die vom Schöpfer des Universums bis zum Esel im Stall des Nachbarn alle Lebensbereiche umfasst, regelt und schützt. Und ich denke, dass die Weisheit, die diese zehn Worte hervorgebracht hat, nicht von dieser Welt ist. Das hätte auch der Weiseste so nicht hingekriegt …