Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Monat: November 2025

Psalm 8

1 Für den Vorsänger, bei den Keltern (zu singen),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde,
(wie) erhebt sich deine Hoheit
über den Himmeln!
3 Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen
hast du Lob zubereitet
wegen deiner Feinde,
um Feind und Rächer zum Aufhören zu bringen.
4 Ja, ich sehe die Himmel, Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt hast.


5 Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst,
oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest?
6 Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel,
mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn eingesetzt über das Werk deiner Hände,
alles hast du untergeordnet unter seine Füße,
8 Schafe und Ziegen und Rinder, alle zusammen,
dazu auch die Tiere des Feldes,
9 die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,
die die Pfade der Meere durchziehen.
10 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde!

Anmerkungen:

1) Der Psalm 8 hat eine aufallende Textvariante. In Vers 6 sagt der hebräische Text „Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als Gott“. „Ein wenig niedriger als Engel“ steht in der griechischen Version. Das heißt, der griechische Übersetzer hatte einen Text vor sich, in dem nicht „Elohim“ (Gott) stand, sondern „Malachim“ (Engel). Die beiden Wörter sind im Hebräischen tatsächlich sehr ähnlich, man könnte da beim Abschreiben einen Fehler machen.

Vom Textzusammenhang der Schöpfung her ist es naheliegender, den Menschen als Herrn der Schöpfung als „ein wenig niedriger als Engel“ zu betrachten. Der Vergleich mit Gott erscheint etwas weiter hergeholt. Entscheiden lassen wir die Frage in diesem Fall aber das Neue Testament. Dort wird im Hebräerbrief die Formulierung „ein wenig niedriger als Engel“ zitiert.

2) Der Psalm 8 wird mehrfach im Neuen Testament zitiert:

Mt 21,15-16: Die obersten Priester und die Theologen sahen aber die wunderbaren Dinge, die er tat, und die Kinder, die auf dem Tempelgelände laut riefen: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und sie ärgerten sich und sagten ihm: „Hörst du, was die sagen?“ Jesus erwiderte: „Ja. Habt ihr noch nie gelesen: ‚Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du Lob zubereitet’?“

1 Kor 15,26-27a: Als letzter Feind wird der Tod zunichtegemacht. Denn „alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Eph 1,20-22a: Mit ihr hat er im Messias gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt und an seiner rechten Seite eingesetzt hat in den himmlischen Welten über jede Gewalt, Macht, Kraft, Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der kommenden. „Alles hat er untergeordnet unter seine Füße.

Hebr 2,5-9: Er hat die kommende Welt, über die wir sprechen, doch nicht Engeln untergeordnet. Irgendwo hat jemand bezeugt und gesagt: „Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst, oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Alles hast du untergeordnet unter seine Füße.” Indem er ihm das alles untergeordnet hat, hat er ja nichts ohne Unterordnung unter ihn gelassen. Jetzt sehen wir aber noch nicht, dass ihm alles untergeordnet ist. Als den, der „ein wenig geringer gemacht war als Engel“, sehen wir aber Jesus, der aufgrund des Todesleidens „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ wurde, sobald er durch die Gnade Gottes für jeden den Tod gekostet hatte.

3) Der Psalm 8 hat prophetisch gesehen eine Art doppelten Boden. Vordergründig beschreibt er die Herrlichkeit und Vielfalt der Schöpfung mit dem Menschen, den Gott dem Schöpfungbericht entsprechend als Herrscher darüber eingesetzt hat. Hintergründig sieht die Prophetie des Neuen Testaments hier unter dem Stichwort „Menschensohn“ den Messias Jesus. In seiner irdischen Zeit war er „ein wenig niedriger gemacht als Engel“ bis in den Tod. Nach seiner Auferstehung wurde er aber von Gott als Herrscher im Himmel eingesetzt. „Alles wurde ihm untergeordnet unter seine Füße“, und er wurde „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“.

Psalm 4

Psalm 4 in eigener Übersetzung aus dem Hebräischen unter Berücksichtigung des griechischen Alten Testaments (Septuaginta):

1 Für den Vorsänger, mit Saiteninstrumenten (zu begleiten),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Wenn ich rufe, erhört mich der Gott meiner Gerechtigkeit,
in der Enge verschaffst du mir Weite.
Hab Erbarmen mit mir,
und erhöre mein Gebet!
Ihr Menschenkinder, bis wann (wollt ihr) schwerfälligen Herzens sein,
warum liebt ihr Nichtiges und trachtet nach Lüge?
– Kurze Pause –

4 Erkennt auch, dass der Herr wunderbar handelt an (mir,) seinem Heiligen!
Der Herr wird mich erhören, wenn ich zu ihm rufe.
5 Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht,
sprecht in euren Herzen auf euren Betten und geht in euch!
– Kurze Pause –

6 Opfert das richtige Opfer,
und vertraut auf den Herrn!
7 Wenn viele sagen: „Wer wird uns das Gute zeigen?“,
erhebe über uns das Licht deines Angesichts, Herr!
8 Du gibst mir Fröhlichkeit ins Herz,
mehr als dann, wenn sich ihr Korn, Wein und Öl vermehren.
9 In Frieden kann ich zugleich mich niederlegen und einschlafen,
denn du, Herr, lässt mich ganz für mich im Vertrauen wohnen.

Anmerkungen:

Psalm 4 gibt in Vers 9 auch das Rezept für einen guten Schlaf. Im Frieden mit Gott gibt es nichts mehr, was einen innerlich umtreiben und einem den Schlaf rauben kann. Alles ist im Vertrauen beim Herrn aufgehoben, damit für den Gläubigen erledigt, und wenn er sich müde niederlegt, schläft er zugleich auch sofort ein.

Dass der Gläubige sich in Vers 4 auch als „Heiligen“ bezeichnet, ist für das Alte Testament etwas ungewöhnlich, aber sachlich dennoch richtig.

Aus Psalm 4 hat auch Paulus zitiert:

Wenn ihr zornig seid, versündigt euch nicht!“ Die Sonne darf nicht untergehen über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum! (Eph 4,26-27)

Psalm 3

Psalm 3 in eigener Übersetzung unter Berücksichtigung der griechischen Übersetzung des Altentestaments (Septuaginta):

1 Ein Psalm mit Worten Davids,
als er auf der Flucht war vor Absalom, seinem Sohn.

2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger,
viele erheben sich gegen mich!
3 Viele sagen meiner Seele:
„Es gibt keine Rettung für ihn bei Gott.“
– Kurze Pause –

4 Du aber, Herr, bist mein Schild,
bist meine Ehre und erhebst mein Haupt.
5 Meine Stimme ruft zum Herrn,
und er erhört mich von seinem heiligen Berg.
– Kurze Pause –

6 Ich bette mich zur Ruhe, ich schlafe,
ich wache auf, denn der Herr hält mich fest.
7 Ich werde mich nicht fürchten vor Zehntausenden von Kriegsleuten,
die sich ringsum gegen mich aufstellen.
8 Erhebe dich Herr,
rette mich, mein Gott!
Ja, du schlägst all meine Feinde auf die Backen,
die Zähne der Frevler zerbrichst du.
9 Bei dem Herrn ist die Rettung,
auf deinem Volk dein Segen!

Anmerkungen dazu:

1) Die „Kurze Pause“ nach den Versen 3 und 5 gibt das hebräische Wort „Sela“ wieder. Der hebräische Sprachrhythmus mit den zwei zueinandergehörigen Zeilen ist nicht einfach nur ein dichterisches Stilmittel, sondern geht auf die orientalische Art des Wechselgesangs zurück, bei dem ein Chor oder der Vorsänger jeweils die erste Zeile sang und ein anderer Chor die zweite. Musikinstrumente begleiteten das Lied, aber nicht während des Singens, sondern davor, dazwischen und danach. „Sela“ bedeutet eine „kurze Pause“ im Lied, während der dann Instrumente spielten.

2) Im Althebräischen gibt es nicht die Tempora (Zeitformen) der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese müssen sinngemäß aus dem Textzusammenhang erschlossen werden. Dafür ist es hilfreich, dass die Übersetzung ins Griechische schon damals zwangsläufig die griechischen Zeitformen verwendet hat. Und hier taucht auch in Psalm 3 wieder die griechische Vergangenheitsform des Aorist auf. Dieser bringt erzählend Vorgänge in der Vergangenheit zum Ausdruck, in einer besondern Bedeutung aber auch Erfahrungstatsachen. Dinge, die immer (wieder) so waren und deshalb auch jetzt so sind, drückt man im Deutschen aber mit dem Präsens (Gegenwart) aus. David erzählt in den Versen 6 und 8 nicht einfach vergangene Ereignisse, sondern seine Erfahrung. Und so bringt hier das Präsens am besten zum Ausdruck, was er wirklich meint.

3) Wem das „auf die Backen schlagen“ und „Zähne zerbrechen“ in Vers 8 etwas grausam erscheint, den darf man erinnern, dass David etliche Kriege zu bestehen hatte und auch in dieser Situation kriegerisch bedroht wurde. Wenn man sich die frühere Art des bewaffneten Kampfs Mann gegen Mann im Krieg vorstellt, dann sind die hier genannten Ausdrücke vielleicht sogar eher von der harmloseren Art.