Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Auferstehung

Der Blick auf die himmlische Gemeinde

Die Gemeinschaftstruktur der christlichen Gemeinde als die eine Gemeinde unter dem einem Hirten Jesus wird auch noch anders deutlich. Betrachten wir doch einmal die Bilder der verherrlichten Gemeinde im Himmel, wie sie in der Offenbarung in Erscheinung tritt. Die Gemeinde im Himmel nach der Auferstehung bzw. Entrückung wird an zwei Stellen gezeigt:

„Danach sah ich: Da war eine große Menschenmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Volksgruppe, aus Stämmen, Völkern und Sprachen. Die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, gekleidet mit weiß leuchtenden Gewändern und mit Palmzweigen in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme: ‚Die Rettung (geschieht) durch unseren Gott, der auf dem Thron sitzt, und durch das Lamm!’” (Offenbarung 7,9+10).

„Und ich sah etwas wie ein Meer aus Kristall mit Feuer vermischt, und die, die gesiegt hatten – heraus aus (dem Machtbereich) des Tieres, seines Bildes und der Zahl seines Namens. Sie standen an dem Meer aus Kristall und hatten Gottes Harfen. Und sie singen den Gesang Moses, des Sklaven Gottes, und den Gesang des Lammes: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahr sind deine Wege, König der Völker! Wer sollte sich nicht fürchten, Herr, (wer sollte) deinen Namen (nicht) ehren? Denn du allein bist heilig! Alle Völker werden kommen und sich vor dir zu Boden werfen. Denn deine gerechten Taten sind sichtbar geworden!” (Offenbarung 15, 2-4).

Wenn sie im Himmel als die eine große Schar von Geretteten und Siegern vor dem Thron Gottes stehen, sind keine menschlichen Leitungsstrukturen unter ihnen erkennbar. Sie sind alle gleich vor Gott und dem Lamm. Sollte man nicht aus der Struktur der himmlischen Gemeinde auch Rückschlüsse auf die irdische Gemeinde ziehen?

Oder umgekehrt gefragt: Können wir uns ernsthaft vorstellen, dass wir bei unserem Einzug im Himmel vor Gottes Thron von einer Heerschar von Ältesten, Pastoren, Priestern, Bischöfen und sonstigen Leitern begleitet werden, die uns womöglich dort einweisen und anleiten, was wir zu beachten haben und was zu tun oder zu lassen ist? Eine absurde Vorstellung!

Diese Art von Leuten ist also im Himmel völllig fehl am Platz. Sind sie dann nicht auch im Reich Gottes hier auf der Erde fehl am Platz? Ich denke, das Bild der neutestamentlichen Gemeinde gibt eine klare Antwort darauf: Sie sind nicht nur überflüssig, sie sind schädlich. Gott hat sie nie gewollt.

Sterben und Neugeburt

Sterben und Neugeburt gehört zu den menschlichen Unmöglichkeiten, die man beim Lesen der Bibel entdeckt, die aber bei Gott möglich sind. Ich nenne hier einmal zwei Beispiele für solche Unmöglichkeiten. Zuerst das rätselhafte Wort aus Johannes 11,26: „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ Und ein dazu paralleles Wort mit einem anderen Thema sehe ich in 1.Joh. 3,6: „Jeder, der in ihm bleibt, versündigt sich nicht.“ Beides geht nach dem üblichen christlich-religiösen Denken eigentlich nicht, nicht mehr sündigen und nicht mehr sterben. Aber es steht so da im Wort Gottes.

Einen neuen Menschen anziehen

Ich denke, beides hängt mit Sterben und Neugeburt zusammen bzw. dem Geheimnis des neuen Menschen, wie Paulus davon schreibt – Eph. 4,24: „… dass ihr den neuen Menschen anzieht, der nach Gott geschaffen ist mit Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit.“ Der neue nach Gott geschaffene Mensch ist also ein Gerechter und Heiliger, der nicht sündigt. Sündigen tut der alte Mensch, weil in ihm die Kräfte der gefallenen menschlichen Natur am Werk sind. Der durch das Blut Jesu gereinigte und mit Heiligem Geist getaufte/erfüllte/versiegelte neue Mensch sündigt nicht.

Den alten Menschen töten

Paulus verbindet diese Tatsache auch mit dem Bild des Todes – Römer 6,24-26: „Wir wurden durch die Taufe mit ihm zusammen begraben in den Tod, damit, wie der Messias von den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einer neuen Art des Lebens leben. Wenn wir mit dem Abbild seines Todes vereinigt sind, werden wir es ja vielmehr auch mit dem der Auferstehung sein. Das wissen wir, dass unser alter Mensch mit hingerichtet wurde am Kreuz, damit der Mensch der Sünde abgeschafft wird …“

Die Bekehrung bzw. Wiedergeburt bedeutet also Sterben und Neugeburt. Für die alte, sündige menschliche Natur kommt der Tod. Das ist durchaus real gemeint, wie es Paulus auch in Gal. 5,24 ausdrückt: „Und die, die dem Messias Jesus gehören, haben die menschliche Natur am Kreuz hingerichtet mit den Leidenschaften und den Trieben.“

Die (gefallene) menschliche Natur ist der alte Mensch, er muss mit Jesus am Kreuz hingerichtet bzw. in seinen Tod getaucht werden. Für den alten Menschen gibt es keine Rettung, er hat keine Verheißung, er hat den Tod verdient, er muss sterben. Ich bin auch überzeugt, dass manche „seelsorgerlichen“ Probleme sofort hinfällig wären, wäre man bereit, den alten Menschen in den Tod zu geben. Was übrigens sehr befreiend ist …

Wenn jemand sein Leben retten will …

Wenn man diese Tatsache verstanden hat, findet man sie immer wieder im NT, auch schon bei Jesus, z.B. Mt. 16,24+25: „Wenn jemand mir nachgehen will, soll er sich selbst verleugnen und seinen Kreuzesbalken tragen und mir folgen. Wenn jemand sein Leben retten will, wird er es freilich verlieren. Wenn jemand sein Leben aber verliert wegen mir, wird er es finden.“

Sich selbst verleugnen, sein Leben verlieren, was ist das anderes als Sterben? Die Frage ist also: Bist du schon mit Jesus gestorben? Hast du den Tod schon hinter dir? Hast du den Tod hinter dir, dann bist du im ewigen Leben und stirbst natürlich nicht mehr. Wenn wir die Entrückung erleben, dann wird unser Körper, der allein noch sterblich ist, direkt in den Auferstehungsleib verwandelt.

Wenn wir die Entrückung nicht erleben, dann bleibt noch das Ende unsres irdischen Lebens, ich nenne hier mal die Bezeichnungen aus 2.Kor. 5: „Abbrechen der irdischen Zeltwohnung“, „Ablegen des Gewands“, „nicht mehr im Leib daheim sein“. In Phil. 2 nennt Paulus es „heimgehen“ und einen „Gewinn“. Das übliche menschliche „Sterben“ dagegen ist ganz was anderes.

Ich denke, manche Christen werden solche Gedanken etwas radikal oder extrem finden. Ich bin aber auch überzeugt, dass viele „Christen“ die Radikalität des Christentums auch nicht verstanden haben. Es geht um Leben und Tod, um nichts weniger …

Auferstehung „nach drei Tagen“

Die Auferstehung „nach drei Tagen“ hat mich einmal eine Zeit lang beschäftigt. Ich hatte in einem Buch gelesen – weiß aber nicht mehr von wem -, dass Jesus evtuell nicht am Freitag verstorben sei, sondern schon früher, am Donnerstag oder gar Mittwoch. Das Hauptargument war, dass Jesus vorausgesagt hatte, der Menschensohn werde drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Und die Aussage, er werde „nach drei Tagen“ auferstehen, klinge nach mehr als von Freitagnachmittag bis Samstagnacht.

Freitag

Nach einigem Drehen und Wenden musste ich dann aber doch beim Freitag bleiben. Denn die alte Tradition, nach der die Christen in der frühen Zeit freitags gefastet haben, weil Jesus da getötet wurde, ist nur verständlich, wenn es wahr ist. In Israel gab es in den ersten Jahrhunderten ohne Unterbrechung eine große Einwohnerschaft von jesusgläubigen Juden. Diese erlaubte keine Veränderungen an den überlieferten Orten und Terminen aus dem Leben von Jesus. Und es gibt aus der alten Zeit tatsächlich keinerlei Nachricht, dass mit dem Freitag als Todestag etwas nicht stimmen könnte. Auch die Evangelien kann man nicht anders verstehen.

Samstag

Der Samstag als Ruhetag bzw. Schabbat wird im Evangelium zwar als ein „großer“ oder „besonderer“ bezeichnet, aber das heißt nur, dass er kein gewöhnlicher Schabbat war. Er war nur gleichzeitig auch der erste große Feiertag des Pesach-Festes, der in jenem Jahr nach pharisäischer Rechnung auf den Schabbat fiel. Aber es bleibt ein Tag, und man kann keine zwei draus machen.

Sonntag

Und am Sonntag als Auferstehungstag ist genausowenig zu rütteln. Es ist eindeutig der erste Tag der Woche, der Tag nach dem Schabbat. Jesus ist in der Nacht zum Sonntag auferstanden, und die gehört nach jüdischem Verständnis seit kurz nach Sonnenuntergang schon zum Sonntag, so dass am Zeitraum „von Freitag bis Sonntag“ nichts zu ändern ist. Die Auferstehung „nach drei Tagen“ kann also nicht im Widerspruch dazu stehen.

Wir können getrost den Aussagen vertrauen, dass im damaligen jüdischen Denken bei der Ausdrucksweise „nach drei Tagen“ der erste Tag mitgezählt wurde. Etwas Ähnliches haben wir im Deutschen (Schwäbischen?) mit der Bezeichung „acht Tage“ für eine Woche. Wenn ich sage „in acht Tagen“, und heute ist Montag, dann ist der nächste Montag gemeint und nicht der Dienstag. Jesus ist also ab Freitagnachmittag tot, das war der erste Tag. Dann war er den ganzen Samstag über tot, das war der zweite Tag. Und dann war er auch einen Teil der Nacht auf Sonntag noch tot, das war der dritte Tag. So sagten es auch die Emmausjünger am Sonntag: „Und heute ist es der dritte Tag, nachdem das geschehen ist.“

Hilfreich ist auch diese Beobachtung: In den Evangelien werden die Bezeichnungen „nach drei Tagen“ und „am dritten Tag“ für die Auferstehung nebeneinander und gleichbedeutend gebraucht.

Drei Nächte unter der Erde?

Bleibt noch das Rätsel, was Jesus meinte, als er sagte, Mt. 12,40: „Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Meerestieres war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ Drei Tage bringen wir nach obiger Rechnung ja noch zusammen, aber keine drei Nächte. Da müssen wir ein prophetisches Wort des Herrn vielleicht in einer ungefähren Rätselhaftigkeit stehen lassen.

Ich will an dieser Stelle auf meinen Beitrag „Die Woche der Verhaftung und Hinrichtung“ verweisen. Nach dem darin beschriebenen Ablauf war Jesus tatsächlich drei Nächte unter der Erde: Von Mittwoch auf Donnerstag war er im Kerker der Obersten Priesters. Von Donnerstag auf Freitag war er im Kerker des römischen Regenten. Und von Freitag auf Samstag war er im Grab des Josef von Arimathia. Das klingt vielleicht etwas weit hergeholt. Aber manchmal erfüllen sich prophetische Worte eben doch etwas anders, als man ursprünglich dachte …