Ein Bibelübersetzer entdeckt ...

Schlagwort: Schöpfung

Konnte Adam schreiben?

Konnte Adam schreiben? – Diese Frage erhebt sich, wenn man nach der Herkunft der ältesten Berichte in der Bibel forscht. Ein Licht darauf wirft das Buch „Die Entstehung der Genesis“ von P.J. Wiseman, das in deutscher Übersetzung im Jahr 1957 erschienen ist. „Genesis“ ist die griechische Bezeichnung für das erste Buch Mose. Es geht darin um die Frage, wie die Berichte von den Anfängen der Welt bis zu den Patriarchen Israels glaubwürdig zu uns gekommen sind. Ich zitiere aus dem Klappentext des Buchs:

„Archäologische Funde haben ergeben, dass die Schreibkunst zur Zeit Abrahams bereits weit verbreitet war und allgemein geübt wurde. Man hat Tontäfelchen gefunden, die etwa 5000 Jahre alt sind und zum Teil vor der Sintflut entstanden sein müssen. … Im Licht dieser wissenschaftlichen Entdeckungen untersucht der Verfasser die Genesis und kommt dabei zu erstaunlichen und überraschenden Feststellungen. Die Genesis weist Spuren jener uralten Schreibgewohnheiten auf. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Berichte dieses Buchs (also auch Schöpfungs-, Flutbericht und die Schilderung des Sündenfalls) ursprünglich in Keilschrift auf Tontafeln geschrieben wurden, und zwar von den Patriarchen selbst oder durch sie veranlasst. Sogar die Schreiber bzw. Besitzer der einzelnen Tafeln lassen sich an Hand des Bibeltextes noch nachweisen …“

Natürlich wurde „Die Entstehung der Genesis“ von P.J. Wiseman von der theologischen Fachwelt weitgehend ignoriert. Sie hätte doch zu viele „anerkannte“ bibelkritische Theorien über den Haufen geworfen. Aber wer von der historischen Richtigkeit der biblischen Berichte ausgeht, hat hier ein schlüssiges Konzept vor sich, wie man sich die korrekte Überlierung auch der ältesten Berichte vorstellen kann.

P.J. Wiseman legt dar, dass in der alten Schreibkultur die Tontafeln jeweils mit einer Unterschrift abgeschlossen wurden. Diese Unterschrift gab den Verfasser des Textes an, manchmal auch den Ort oder die Zeit der Abfassung. Und – man höre und staune – diese Unterschriften sind heute noch im Bibeltext zu finden.

Das Stichwort dafür ist das hebräische Wort „Toledot“. Dieses ist ein Pluralwort und kann im Sinne einer Aufzählung entweder als „Geschlechtsregister“ aufeinanderfolgende Generationen oder als „Geschichte“ aufeinanderfolgende Ereignisse aufzählen. Mit „Geschichte“ sind hier keine erfundenen Geschichten gemeint, sondern wahre Geschichte im Sinne von Historie. Leider hat P.J. Wiseman in seinem Buch diese zwei unterschiedlichen Bedeutungen von Toledot noch nicht berücksichtigt. Aber wenn man die zwei Bedeutungen differenziert und die Stellen, an denen offensichtlich ein „Geschlechtsregister“ gemeint ist, weglässt, dann ergibt sich für die Aufzeichnungen der „Geschichte“ mit den jeweiligen Unterschriften folgendes Bild:

1 Mo 5,1a: „Dieses ist die Aufzeichnung der Geschichte Adams.“ Hier endet also die Geschichte, die Adam aufgeschrieben hat. Interessant ist hier die Beobachtung, dass die ersten Menschen demnach nicht nur sprechen, sondern auch schreiben konnten. Offensichtlich hat Gott diese Fähigkeit miterschaffen. Konnte Adam schreiben? Eigentlich sollte uns das nicht verwundern, wo doch die ursprüngliche menschliche Intelligenz direkt vom Schöpfer kam.

1 Mo 6,9a „Dieses ist die Geschichte Noahs.“ Hier endet die Geschichte, die Noah aufgeschrieben hat.

1 Mo 10,1a: „Dieses ist die Geschichte der Söhne Noahs.“ Hier endet die Geschichte, die Noahs drei Söhne zusammen aufgeschrieben haben.

1 Mo 11,10a: „Dieses ist die Geschichte Sems.“ Hie endet die Geschichte, die Sem alleine aufgeschrieben hat.

1 Mo 11,27a: „Und dieses ist die Geschichte Terachs.“ Hier endet die Geschichte, die Terach, der Vater Abrahams, aufgeschrieben hat.

1 Mo 25,19a „Und dieses ist die Geschichte Isaaks, des Sohnes von Abraham.“ Hier endet die Geschichte, die Isaak aufgeschrieben hat.

1 Mo 37,2a: „Dieses ist die Geschichte Jakobs.“ Hier endet die Geschichte, die Jakob aufgeschrieben hat. Und er hat dabei (Vers 1) auch Ort und Zeit der Aufzeichnung angegeben: „Jakob wohnte im Land, in dem sein Vater als Fremder lebte, im Land Kanaan.“

Bis hierher gehen die Aufzeichnungen, die auf Tontafeln geschrieben und überliefert wurden. Jakobs Sohn Josef hat dann in Ägypten sicherlich die ägyptische Hieroglyphenschrift gelernt und die dortigen Schreibmaterialien benutzt. Und Mose hat später die althebräische Buchstabenschrift mit erfunden, die sich von ägyptischen Hieroglyphenzeichen ableiten. Ihm ist zuzutrauen, dass er die ihm vorliegenden alten Berichte in sein Werk mit aufnahm.

Ein besonderer Hinweis auf die Richtigkeit dieser Sichtweise ist der, dass in keinem der genannten Tafel-Abschnitte irgendetwas steht, das aus einer späteren Zeit stammt. Die Berichte wurden also weder später geschrieben noch später mit irgend etwas ergänzt. Die Form der Tontafeln war wohl sehr resistent gegenüber Änderungen und Fälschungen.

Wenn wir das soweit verstanden haben, werfen wir nun den Blick auf eine Stelle, die in der obigen Auflistung noch gefehlt hat:

1 Mo 2,4: „Dieses ist eine Aufzeichnung der Geschichte des Himmels und der Erde, wie sie geschaffen wurden. (Aufgezeichnet) am Tag, als Gott den Himmel und die Erde gemacht hatte.“ Hier gibt Adam an, dass er diesen Bericht angefertigt hat am Tag nach der Schöpfung. Nehmen wir an, dass der siebte Tag, an dem Gott ruhte, noch zur Schöpfung gehört und dann der Tag danach gemeint ist. Das erste Werk nach der Schöpfung war also die Niederschrift der Geschichte der Schöpfung.

Und woher konnte Adam diese Geschichte kennen vor seiner eigenen Erschaffung? Natürlich von Gott selbst, die Gemeinschaft mit ihm war ja noch ungetrübt. Stellen wir uns also vor: Gott und sein Adam sitzen im Park Eden zusammen, natürlich mit Eva dabei, und Gott erzählt, wie er alles gemacht hat, und Adam schreibt alles auf. Adam musste dazu natürlich die Keilschrift erfinden und üben, aber er hatte viel Zeit dazu, denn so etwas wie „Zeit“ lief damals noch nicht ab. So entstand das erste literarische Werk der Weltgeschichte, über dessen Vollkommenheit man sich nun auch nicht mehr wundern muss.

Psalm 8

1 Für den Vorsänger, bei den Keltern (zu singen),
ein Psalm mit Worten Davids.

2 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde,
(wie) erhebt sich deine Hoheit
über den Himmeln!
3 Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen
hast du Lob zubereitet
wegen deiner Feinde,
um Feind und Rächer zum Aufhören zu bringen.
4 Ja, ich sehe die Himmel, Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt hast.


5 Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst,
oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest?
6 Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel,
mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn eingesetzt über das Werk deiner Hände,
alles hast du untergeordnet unter seine Füße,
8 Schafe und Ziegen und Rinder, alle zusammen,
dazu auch die Tiere des Feldes,
9 die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,
die die Pfade der Meere durchziehen.
10 Herr, unser Herr, wie herrlich ist dein Name
auf der ganzen Erde!

Anmerkungen:

1) Der Psalm 8 hat eine aufallende Textvariante. In Vers 6 sagt der hebräische Text „Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als Gott“. „Ein wenig niedriger als Engel“ steht in der griechischen Version. Das heißt, der griechische Übersetzer hatte einen Text vor sich, in dem nicht „Elohim“ (Gott) stand, sondern „Malachim“ (Engel). Die beiden Wörter sind im Hebräischen tatsächlich sehr ähnlich, man könnte da beim Abschreiben einen Fehler machen.

Vom Textzusammenhang der Schöpfung her ist es naheliegender, den Menschen als Herrn der Schöpfung als „ein wenig niedriger als Engel“ zu betrachten. Der Vergleich mit Gott erscheint etwas weiter hergeholt. Entscheiden lassen wir die Frage in diesem Fall aber das Neue Testament. Dort wird im Hebräerbrief die Formulierung „ein wenig niedriger als Engel“ zitiert.

2) Der Psalm 8 wird mehrfach im Neuen Testament zitiert:

Mt 21,15-16: Die obersten Priester und die Theologen sahen aber die wunderbaren Dinge, die er tat, und die Kinder, die auf dem Tempelgelände laut riefen: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und sie ärgerten sich und sagten ihm: „Hörst du, was die sagen?“ Jesus erwiderte: „Ja. Habt ihr noch nie gelesen: ‚Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du Lob zubereitet’?“

1 Kor 15,26-27a: Als letzter Feind wird der Tod zunichtegemacht. Denn „alles hat er untergeordnet unter seine Füße.”

Eph 1,20-22a: Mit ihr hat er im Messias gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt und an seiner rechten Seite eingesetzt hat in den himmlischen Welten über jede Gewalt, Macht, Kraft, Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der kommenden. „Alles hat er untergeordnet unter seine Füße.”

Hebr 2,5-9: Er hat die kommende Welt, über die wir sprechen, doch nicht Engeln untergeordnet. Irgendwo hat jemand bezeugt und gesagt: „Was ist ein Mensch, dass du an ihn denkst, oder ein Menschensohn, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Alles hast du untergeordnet unter seine Füße.” Indem er ihm das alles untergeordnet hat, hat er ja nichts ohne Unterordnung unter ihn gelassen. Jetzt sehen wir aber noch nicht, dass ihm alles untergeordnet ist. Als den, der „ein wenig geringer gemacht war als Engel“, sehen wir aber Jesus, der aufgrund des Todesleidens „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ wurde, sobald er durch die Gnade Gottes für jeden den Tod gekostet hatte.

3) Der Psalm 8 hat prophetisch gesehen eine Art doppelten Boden. Vordergründig beschreibt er die Herrlichkeit und Vielfalt der Schöpfung mit dem Menschen, den Gott dem Schöpfungbericht entsprechend als Herrscher darüber eingesetzt hat. Hintergründig sieht die Prophetie des Neuen Testaments hier unter dem Stichwort „Menschensohn“ den Messias Jesus. In seiner irdischen Zeit war er „ein wenig niedriger gemacht als Engel“ bis in den Tod. Nach seiner Auferstehung wurde er aber von Gott als Herrscher im Himmel eingesetzt. „Alles wurde ihm untergeordnet unter seine Füße“, und er wurde „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“.

Sexualität

Sexualität sollte unter Christen – wie alles andere auch – aus Gottes Sicht betrachtet werden. Und Gottes Sicht finden wir in der Bibel. Fangen wir vorne an und schauen, wo die Sexualität herkommt:

Der Schöpfungsbericht – 1 Mo 1,27: „Und Gott machte den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes machte er ihn, männlich und weiblich machte er sie.“ Es ist also Gottes persönliche Erfindung, den Menschen als Mann und Frau zu machen.

Im zweiten Kapitel des 1. Buches Mose – einer sinnvollen Ergänzung zum ersten – wird dieser Vorgang konkreter beschrieben. Vers 7: „Und Gott formte den Menschen aus Erde vom Erdboden …“. Gott hat also nicht nur gesprochen, sondern geformt – also etwas getan, was z. B. auch ein Töpfer tut. Und dann erschuf Gott aus dem Adam auch noch eine Frau. Vers 22: „Der Herr, Gott, baute die Seite, die er von dem Adam entnommen hatte, zu einer Frau …“. Auch „bauen“ ist etwas, was man mit seinen Händen macht. Wenn Gott also Mann und Frau geformt bzw. gebaut hat, dann hat er auch alle an und in ihnen befindlichen Geschlechtsteile und -merkmale mit eigenen Händen geformt und gebaut.

Und in 1 Mo 1,31 heißt es: „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und sieh, es war sehr gut.“ Dieses Urteil betrifft also auch die Sexualität des Menschen. Alles daran ist sehr gut. Und die mit der Sexualität vorhandenen körperlichen Empfindungen gehören mit dazu. „Sündig“ oder „schmutzig“ ist daran nichts. Sünde fängt immer erst da an, wo man die guten Gaben Gottes missbraucht und pervertiert.

Adam und Eva haben nicht gesündigt, als sie sexuell zusammen waren, sondern sie haben ihre Ehe damit geschlossen. Ich habe dieses Verständnis der Sexualität ausführlicher in meinem Beitrag über Unzucht dargelegt. Das körperliche Zusammensein von Mann und Frau ist das grundlegende Wesensmerkmal der Ehe. Das heißt, die Ehe ist der Raum für die Entfaltung der Sexualität. Dass diese Entfaltung der Sexualität durchaus lustvoll gemeint ist, wird an wenigen Stellen in der Bibel deutlich.

In den Sprüchen z. B. warnt der Weisheitslehrer davor, sich auf den Ehebruch mit einer fremden Frau einzulassen. Als Mittel dagegen empfiehlt er sehr bildhaft die Freude an der eigenen Ehe. Ich zitiere Spr 5,15-19 nach der Elberfelder Bibel. „Trinke Wasser aus deiner (eigenen) Zisterne und was aus deinem Brunnen quillt. Sollen nach draußen verströmen deine Quellen, auf die Plätze deine Wasserbäche? Dir allein sollen sie gehören, doch keinem Fremden neben dir. Deine Quelle sei gesegnet, erfreue dich an der Frau deiner Jugend! Die liebliche Hirschkuh und anmutige Gemse – ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar!“

Kann man es schöner ausdrücken, dass hier der Ort ist, an dem sexuelle Bedürfnisse ausgelebt werden können? Und offensichtlich können sie nicht nur, sondern sollen hier auch ausgelebt werden („berauschen“, „taumeln“ …). Warum die Lutherbibel statt der korrekten Übersetzung „Brüste“ lieber „Anmut“ schreibt, darauf darf sich jeder selbst einen Reim machen.

Auch Paulus, der Ehelose, der die Ehelosigkeit empfiehlt, vertritt diese Sichtweise. In der Ehe haben die sexuellen Bedürfnisse ihren legitimen Platz. 1 Kor 7,2-5: „Wegen der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und genauso jede den eigenen Mann. Der Mann soll der Frau geben, was er schuldig ist, genauso auch die Frau dem Mann. Die Frau hat nicht die Macht über ihren Leib, sondern der Mann. Und genauso hat auch der Mann nicht die Macht über seinen Leib, sondern die Frau. Beraubt einander nicht, außer in gegenseitigem Einverständnis für eine gewisse Zeit, um frei zu sein fürs Gebet. Und seid (dann) wieder zusammen, damit euch der Satan nicht versucht wegen eures Verlangens.“

Wenn wir Paulus hier genau nehmen, dann ist das sexuelle Verlangen sogar der einzige Grund für die Ehe, der angesichts des nahen Endes aller Dinge noch akzeptabel ist. Und wie er dabei die Gegenseitigkeit und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau beschreibt, ist für seine Zeit revolutionär. (Die Frau, die Macht hat über den Leib des Mannes!). Das heißt natürlich, dass das Bedürfnis beider Partner wichtig ist. Sogar hier kommt der christliche Grundsatz zum Zuge, dass niemand das Seine suchen soll, sondern das des anderen (1 Kor 10,24). Und es gibt dabei sicherlich keine Grenzen für alles, was beiden Partnern Freude macht …

Dass Ehe und Sexualität aber nur irdisch und damit vergänglich sind, hat Jesus deutlich erklärt. Mt 29,30 / Mk 12,25 / Lk 20,35-36: „Die aber, die für wert gehalten werden, zu jener Welt zu kommen und zur Auferstehung von den Toten, die heiraten nicht und sind nicht verheiratet, wenn sie von den Toten auferstehen. Sie können ja auch nicht mehr sterben, sondern sie sind Engeln in den Himmeln gleich und sind Söhne und Töchter Gottes, weil sie Söhne und Töchter der Auferstehung sind.“

Der „zweite“ Schöpfungsbericht

Der zweite Schöpfungsbericht – diese Bezeichnung haben bibelkritische Theologen dem Abschnitt 1 Mo 2,5-25 gegeben. Man fand hier im zeitlichen Ablauf Widersprüche zum „ersten“ Schöpfungsbericht. Und man postulierte, es seien unabhängige Berichte von verschiedenen Autoren aus unterschiedlichen Zeiten. (Vom historischen Wahrheitsgehalt ganz zu schweigen …)

Es gibt allerdings eine grammatikalische Eigenheit, mit der sich, wenn man sie beachtet, die Widersprüche auflösen. Im Hebräischen und im Griechischen gibt es zwar verschiedene Vergangenheitsformen, aber keine Vorvergangenheit, wie wir sie im Deutschen kennen. Es gibt dort also „machte“ oder „hat gemacht“, aber nicht „hatte gemacht“. Aber in den Texten gibt es natürlich Fälle, in denen die Vorvergangenheit gemeint ist. Das muss ein Übersetzer dann aus dem Zusammenhang erschließen und entsprechend zum Ausdruck bringen.

Mit Anwendung der Vorvergangenheitsform ist es dann möglich, das zweite Kapitel ohne Widerspruch zum ersten zu übersetzen. Es ist dann nicht der „zweite“ Schöpfungsbericht, sondern eine passende Erläuterung und Ergänzung zum „ersten“. Im Wesentlichen geht es dabei ausführlich um die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau am fünften Schöpfungstag. Und wie gesagt, genug Zeit war ja vorhanden für alles, was uns da berichtet wird.

Und hier die entsprechende Übersetzung des Abschnitts 1 Mo 2,5-25:

Für alles Grüne auf dem Feld, damit es auf der Erde entstand,
und für alle Kräuter des Feldes, damit sie aufwuchsen,
hatte Gott es nicht regnen lassen auf die Erde,
es hatte auch keinen Menschen gegeben zum Bearbeiten des Erdbodens.
Grundwasser stieg aber auf aus der Erde
und tränkte die ganze Oberfläche des Erdbodens.
Gott formte dann den Menschen aus Erde vom Erdboden
und blies ihm lebendiges Atmen ins Gesicht,
und der Mensch wurde zu einer lebendigen Seele.
Der Herr, Gott, hatte ein Paradies gepflanzt in Eden, nach Osten zu,
und dorthin setzte er den Menschen, den er geformt hatte.
Gott hatte aus dem Erdboden jede Art Baum aufwachsen lassen,
prächtig zum Anschauen und gut zum Essen,
und den Baum des Lebens in der Mitte des Parks,
und den Baum des Erkennens von Gut und Böse.
Ein Fluss entsprang aber aus (dem Boden von) Eden,
um das Paradies zu bewässern.
Von dort teilte er sich und wurde zu vier Ursprüngen (von Flüssen):
Der Name des einen ist Pischon,
das ist der, der rings um das ganze Land Chawila herumfließt,
wo es Gold gibt, und das Gold dieses Landes ist gut.
Dort gibt es auch den Bernstein und den Karneolstein.
Der Name des zweiten Flusses ist Gichon.
Der fließt um das ganze Land Kusch herum.
Der Name des dritten Flusses ist Tigris.
Der fließt im Osten von Assur.
Und der vierte Fluss, das ist der Eufrat.
Der Herr, Gott, hatte den Menschen genommen
und hatte ihn abgesetzt im Paradies von Eden,
um es zu bearbeiten und zu bewahren.
Und der Herr, Gott, befahl dem Adam:
„Von jedem Baum des Paradieses darfst du Speise essen.
Aber vom Baum des Erkennens von Gut und Böse,
von ihm darfst du nichts essen!
Denn an dem Tag, an dem du von ihm isst, wirst du ganz gewiss sterben!“
Und der Herr, Gott, sagte:
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.
Wir wollen ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“
Gott hatte aus dem Erdboden auch alle Tiere des Feldes
und alle Vögel des Himmels geformt,
und er brachte sie zu dem Adam, um zu sehen, wie er sie nennen würde.
Was Adam für jedes lebendige Wesen nennen würde,
das sollte dann sein Name sein.
Und Adam nannte Namen für alle Nutztiere
und alle Vögel des Himmels und alle Wildtiere des Feldes.
Für Adam wurde aber keine Hilfe gefunden, die ihm ebenbürtig war.
Und Gott ließ eine Geistesabwesenheit auf den Adam fallen, und der schlief.
Er entnahm dann eine seiner Seiten
und verschloss (die Stelle) stattdessen mit Fleisch.
Der Herr, Gott, baute die Seite, die er von dem Adam entnommen hatte,
zu einer Frau und brachte sie zu dem Adam.
Und der Mensch sagte:
„Das ist jetzt Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch!
Sie wird (hebräisch) ‚Ischa‘ (Frau) genannt werden,
weil sie vom ‚Isch‘ (Mann) genommen wurde.“
– Deswegen wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen
und sich mit seiner Frau verbinden, und die zwei werden körperlich Eins sein. –
Und die zwei waren nackt, der Adam und seine Frau,
und sie schämten sich nicht.

Der Schöpfungsbericht

Der Schöpfungsbericht in 1 Mo 1,1 – 2,3 ist ein grundlegender und auch einer der schönsten Texte der Bibel. Unter Berücksichtigung des hebräischen und des griechischen Textes habe ich eine eigene Übersetzung erstellt:

Am Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde.
Die Erde war aber Wüste und Leere,
Finsternis war über der Tiefe
und Wind von Gott bewegte sich über dem Wasser.
Und Gott sagte:
„Es werde Licht!“
Und es wurde Licht.
Und Gott sah das Licht, dass es gut war.
Und Gott trennte zwischen dem Licht und der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht „Tag“, die Finsternis nannte er „Nacht“.
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein Tag.


Und Gott sagte:
„Es werde eine Wölbung mitten im Wasser,
sie sei trennend zwischen Wasser und Wasser!“
Und es wurde so:
Gott machte die Wölbung
und trennte zwischen dem Wasser, das unter der Wölbung war,
und dem Wasser, das über der Wölbung war.
Und Gott nannte die Wölbung „Himmel“.
Und Gott sah, dass es gut war.
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein zweiter Tag.


Und Gott sagte:
„Das Wasser unter dem Himmel soll sich sammeln in eine Ansammlung,
und das Trockene soll sichtbar werden!“
Und es wurde so:
Das Wasser, das unter dem Himmel war,
sammelte sich in seine Ansammlungen,
und das Trockene wurde sichtbar.
Und Gott nannte das Trockene „Erde“,
und die Gebilde der Wasser nannte er „Meere“.
Und Gott sah, dass es gut war.
Und Gott sagte:
„Die Erde soll Grünes hervorbringen:
grüne Bodenpflanzen, die Samen aussäen nach ihrer Art,
und fruchttragende Bäume, die Frucht bringen,
in der ihr Same ist nach ihrer Art auf der Erde.“
Und es wurde so:
Die Erde brachte hervor:
grüne Bodenpflanzen, die Samen aussäen nach ihrer Art,
und Bäume, die Frucht bringen, in der ihr Same ist nach ihrer Art..
Und Gott sah, dass es gut war.
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein dritter Tag.


Und Gott sagte:
„Es sollen Lichtquellen entstehen in der Wölbung des Himmels,
um zu trennen zwischen dem Tag und der Nacht,
sie sollen sein für Zeichen und Zeiten und für Tage und Jahre,
und sie sollen zur Beleuchtung sein in der Wölbung des Himmels,
um auf die Erde zu leuchten.“
Und es wurde so:
Gott machte die zwei großen Lichtquellen,
die große Lichtquelle zur Herrschaft des Tages,
die geringere Lichtquelle zur Herrschaft der Nacht, und die Sterne.
Und Gott setzte sie in Bewegung in der Wölbung des Himmels,
um auf die Erde zu leuchten,
um zu herrschen am Tag und in der Nacht
und um zu trennen zwischen dem Licht und der Finsternis.
Und Gott sah, dass es gut war.
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein vierter Tag.


Und Gott sagte:
„Die Wasser sollen wimmeln lassen ein Gewimmel von lebendigen Wesen,
und fliegende Tiere sollen fliegen über der Erde
unter der Wölbung des Himmels.“
Und es wurde so:
Gott erschuf die großen Meerestiere
und jedes lebendige Wesen, das herumkriecht,
die die Wasser wimmeln lassen nach ihrer Art,
und jedes fliegende Tier mit Flügeln nach seiner Art.
Und Gott sah, dass es gut war.
Und Gott segnete sie und sagte:
„Seid fruchtbar vermehrt euch, füllt die Wasser in den Meeren,
und die fliegenden Tiere sollen sich vermehren auf der Erde.“
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein fünfter Tag.


Und Gott sagte:
„Die Erde soll lebendiges Wesen hervorbringen nach seiner Art:
Nutztiere, kriechende Tiere und Wildtiere der Erde nach ihrer Art.“
Und es wurde so:
Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art,
die Nutztiere nach ihrer Art
und alle kriechenden Tiere des Erdbodens nach ihrer Art.
Und Gott sah, dass es gut war.
Und Gott sagte:
„Wir wollen einen Menschen* machen
nach unserem Bild – nach unserem Abbild.
Sie sollen Herrscher sein über die Fische des Meeres,
die fliegenden Tiere des Himmels,
die Nutztiere und alle Wildtiere der Erde
und alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen.“
Und Gott machte den Menschen nach seinem Bild,
nach dem Bild Gottes machte er ihn,
männlich und weiblich machte er sie.
Und Gott segnete sie und sagte:
„Seid fruchtbar, vermehrt euch, füllt die Erde, beherrscht sie,
seid Herrscher über die Fische des Meeres,
die fliegenden Tiere des Himmels,
die Nutztiere und alle Wildtiere
und alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen.“
Und Gott sagte:
„Seht, ich habe euch jede Bodenpflanze gegeben, die Samen aussät,
die auf der ganzen Erde ist,
und jeden Baum, an dem Frucht ist, die Samen aussät,
für euch soll sie sein zum Essen.
Und allen Wildtieren der Erde, allen Vögeln des Himmels
und jedem kriechenden Tier, das auf der Erde kriecht,
in dem eine lebendige Seele ist,
(habe ich) alle grünen Bodenpflanzen zum Essen (gegeben).“
Und es wurde so.
Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und sieh, es war sehr gut.
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein sechster Tag.

Vollendet waren der Himmel und die Erde und ihre ganze geordnete Menge,
vollendet hatte Gott am sechsten Tag seine Werke, die er gemacht hatte.
Und am siebten Tag ruhte er von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
Und Gott segnete den siebten Tag und machte ihn heilig,
denn an ihm ruhte er von allen seinen Werken,
die er angefangen und gemacht hatte.

* „Mensch“ heißt auf Hebräisch „Adam“.