Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Lehre

Die Lehrautorität in der Gemeinde

Die Gesandten des Anfangs sind andererseits natürlich die von Gott gegebenen Lehrer, deren Lehre verbindlich ist für die ganze Gemeinde. Die von Jesus ausgewählten, ausgebildeten, beauftragten und gesandten Zwölf haben die Lehre von und über Jesus weitergegeben. Und damit haben sie den Grund der universalen christlichen Gemeinde gelegt. Ihre Namen sind Simon Petrus, Andreas, Jakobus, der Sohn von Zebedäus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus, der Sohn von Alfäus, Thaddäus, Simon der Zelot und Matthias. Nicht umsonst tauchen sie auch am Ende der Offenbarung wieder auf, wo die verherrlichte Gemeinde in Gestalt des neuen Jerusalem aus dem Himmel auf die neue Erde herabkommt: „Die Stadtmauer der Stadt hat zwölf Fundamentsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Gesandten des Lammes.“ (Offenbarung 22,14)

Die Lehre dieser Gesandten ist bis zu uns gekommen durch die Autoren der neutestamentlichen Schriften. Auch ihre Namen sind bekannt: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Paulus, Jakobus, Petrus, Judas und Barnabas (der mutmaßliche Autor des Herbräerbriefs). Sie könnte man mit Recht die „Lehrer der Kirche“ nennen, wenn die „Kirche“ diese Bezeichnung nicht verunmöglicht hätte. Sie hat diese Lehrer nämlich zur Seite gestellt und sich ihre eigenen Lehrer und Lehren gemacht. Und sie macht das bis heute.

Für die Gemeinde des Herrn, die Jesus treu folgt, bleibt die Lehre dieser Männer aber für immer verbindlich. In ihr vernimmt sie die Stimme ihres guten Hirten. In ihr erkennt sie den ganzen Willen Gottes, den zu tun ihr oberstes Bestreben ist. Deshalb brauchen wir in der einfachen Gemeinde einfacher Christen das einfache Bibelverständnis, das immer danach fragt, was in den biblischen Schriften im eigentlichen Sinne ursprünglich gemeint ist. Diese Schriften sind für alle da und für alle verständlich. Auch hier hat die Weisheit Gottes etwas geschenkt, was die Gleichwertigkeit und Verantwortlichkeit der Geschwister in der Gemeinde zum Ausdruck bringt.

Die „Predigt“

Die Predigt, wie wir sie aus dem kirchlichen Bereich kennen, findet in einem religiösen Raum statt. Dabei richtet ein kirchlich Beauftragter von einer Kanzel oder einem Pult einen Monolog an Zuhörer. Diese Art zu lehren ist so in der neutestamentlichen Gemeinde nicht denkbar. Im Alltagsdeutsch ist dieser Begriff ja auch in eine negative Bedeutung übergegangen, im Sinne von „Anpredigen“ oder „Moralpredigt“. Der negative Touch hat seinen Ursprung ganz sicher in Erfahrungen mit kirchlichen Predigten.

Was im Neuen Testament mit der Botschaft Gottes geschieht, ist nach außen hin „verkünden“ bzw. „verkündigen“ und nach innen, in der Gemeinde, „lehren“. Und diese Lehre ist einheitlich und verbindlich. Die uns bekannten „Predigten“ dagegen sind subjektive Darstellungen des jeweiligen Predigers und – zum Glück – völlig unverbindlich. Niemand muss sie ernst nehmen und sich danach richten. Ein Sonderfall ist es, wenn der Prediger seine Predigt verbindlich macht, dann wird er zum Sektierer.

Das griechische Wort „kerýssein/verkünden“, das kirchlicherseits gerne mit „predigen“ gleichgesetzt wird, beschreibt die Tätigkeit eines „kéryx“. Das ist ein öffentlicher Ausrufer bzw. ein offizieller Übermittler einer offiziellen Botschaft. Ein öffentlicher Ausrufer oder Übermittler einer Botschaft wäre früher ja auch niemals ein „Prediger“ gewesen.

Abgesehen von dem unbiblischen Rahmen, in der die Predigt stattfindet, ist sie auch pädagogisch die denkbar ineffektivste Form des Lehrens. Man zähle einmal alle Predigten zusammen, die die Prediger am Sonntag in allen „Gemeinden“ so vortragen. Und dann zähle man zusammen, was in Summe geistlich dabei herauskommt …

Die griechischen Begriffe, die man anderweitig schon mit „predigen“ übersetzt hat, gebe ich in meiner Übersetzung wie folgt wieder: euangelízesthai – (gute) Botschaft bringen, katangéllein – verkündigen, kerýssein – verkünden.