Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Schlagwort: Hölle

Was kommt aus dem Mund?

Was kommt aus dem Mund? Diese Frage ist in Offb 1 schon aufgetaucht, ich habe im Beitrag „Prophetische Symbolsprache“ darüber geschrieben. Das Schwert, das aus dem Mund von Jesus kommt, ist ein Symbol für das Wort Gottes. In Wirklichkeit kommt also kein Schwert, sondern das Wort Gottes aus seinem Mund.

Aus dem Mund von Jesus

Das gleiche Bild erscheint noch einmal in der Offenbarung. Hier wird in Kapitel 19 ab Vers 11 die Ankunft des Herrn geschildert. Er kommt als Reiter auf einem weißen Pferd, gefolgt von seinen Truppen. Und in Vers 15 heißt es: „Aus seinem Mund kommt ein scharfes Schwert, um damit die Völker zu schlagen.“ Hier ist sicherlich nicht mehr allgemein das Wort Gottes gemeint, sondern das spezielle Wort des Richters, der das Urteil vollzieht. In Vers 21 heißt es dann: „Und alle anderen wurden getötet mit dem Schwert des Reiters auf dem Pferd, das aus seinem Mund kam.“

Zuvor wurden das Tier (die antichristliche Macht) und der falsche Prophet (der antichristliche Geist) „gefasst“, also verhaftet. Und man warf sie lebendig in den Feuersee – die Hölle. Auch dazu gibt es eine Parallele mit etwas, das aus dem Mund kommt. In 2 Thess 2 schreibt Paulus über das Kommen und Wirken des Antichristen. Und in Vers 8 sagt er dann: „Ihn wird Jesus, der Herr, mit dem Hauch seines Mundes beseitigen, zunichtemachen bei seiner sichtbaren Ankunft.“

Mit einem Hauch aus seinem Mund wird der Herr ihn beseitigen und zunichtemachen. Das ist derselbe Vorgang, den die Offenbarung mit „gefasst“ und „in den Feuersee geworfen“ beschreibt. Auch hier haben wir wieder ein Beispiel für „prophetische Unschärfe„: Zwei ganz verschiedene Bilder beschreiben denselben Vorgang, und doch ist völlig klar, was gemeint ist.

Wenn nun das Schwert, das aus dem Mund von Jesus kommt, ein prophetisches Bild für etwas anderes ist, zum einen für das Wort Gottes, zum anderen für das Gericht, dann kann man auch eine Parallele zu einem anderen Bild ziehen, in dem etwas „aus dem Mund“ kommt.

Aus dem Mund der Zeugen

In Offb 11,5 steht über die zwei Zeugen: „Wenn ihnen jemand schaden will, kommt Feuer aus ihrem Mund und frisst ihre Feinde. Sollte ihnen jemand schaden wollen, muss er so getötet werden.“

Wir haben gesehen, dass das Schwert, das aus dem Mund von Jesus kommt, das Wort Gottes ist. Warum sollte dann das Feuer aus dem Mund der Zeugen nicht auch das Wort Gottes sein? Es ist ja schließlich ihr Auftrag, das Wort Gottes zu bezeugen. Und das Bild vom Feuer gebraucht der Herr schon im Alten Testament – Jer 23,29: „Ist mein Wort nicht so wie ein Feuer, sagt der Herr, und wie ein Hammer, der einen Felsen zerschlägt?“

Das Wort Gottes im Mund der Zeugen, das sich auswirkt wie ein brennendes Feuer, passt zur Schilderung in Offb 11 . Kein Wunder, dass man ihnen schaden will, gegen sie Krieg führt, sie besiegt und tötet und sich dann darüber freut.

Doch wie frisst das Feuer aus dem Mund der Zeugen ihre Feinde? Das Feuer, das am Ende die Feinde frisst, ist nach der sonstigen Aussage im Neuen Testament das Feuer der Hölle. Doch wie hängt dieses Feuer, das am Ende die Feinde frisst, zusammen mit dem Feuer des Wortes Gottes, das aus dem Mund der Zeugen kommt?

Das Gericht aus dem Wort

Hier kann uns ein Wort von Jesus auf die richtige Spur bringen – Joh 12,47-48: „Wenn jemand auf meine Worte hört und sie nicht einhält – ich richte ihn nicht. Denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten. Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat seinen Richter: Das Wort, das ich gesagt habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“

Das Wort, das sie gehört, aber nicht angenommen haben, das wird sie am Ende richten. Nun wissen wir also, was für ein Feuer aus dem Mund der Zeugen kommt. Und wir wissen, wie es zusammenhängt mit dem Feuer, das die Feinde fressen wird. Auch haben wir so den scheinbaren Widerspruch aufgelöst, dass niemand den Zeugen schaden kann, obwohl man sie doch bekämpft und tötet.

Und bei genauem Hinsehen bemerkt man dann, dass ja auch gar nicht dasteht, dass ihnen niemand schaden kann. Es steht nur da, dass ihnen jemand schaden will. Und dass das Feuer, das aus dem Mund der Zeugen kam, diese Feinde verzehren wird. Das Wort, das sie hörten und ablehnten, das wird sie richten …

Satan

Die Bezeichnung „Satan“ kommt aus dem Hebräischen und heißt „Gegner“ bzw. „Feind“. (Siehe auch den Beitrag „Bezeichnungen für den Satan„.)

Einst war er der oberste, mächtigste und schönste Engel, den Gott erschaffen und als Herrscher über alles eingesetzt hatte. Aber im Wunsch, selbst Gott zu sein, wurde er im Aufruhr gegen Gott zur obersten dämonischen Macht, die Gottes Werk auf jede Weise zu zerstören versucht. Die Geschichte von seinem Abfall hat uns das Alte Testament nur indirekt überliefert. Propheten haben sie dort als Vorbild für den Sturz des Königs von Babel (Jes 14) und den Sturz des Königs von Tyrus (Hes 28) gesehen.

Sein Recht als Mitglied von Gottes Thronrat auf Anwesenheit im Himmel vor Gott hatte er allerdings behalten. So zeigen es die Geschichte von Hiob (Hiob 1+2) und die Vision des Propheten Micha ben Jimla (2 Chron 18).

Seinen kommenden Hinauswurf aus dem Himmel hat Jesus in einer prophetischen Vision gesehen – Lk. 10,18: „Ich sah den Satan aus dem Himmel fallen wie einen Blitz.“ Und kurz vor seinem Tod hat Jesus es noch einmal angekündigt – Joh 12,31: „Jetzt findet ein Gericht statt über diese Welt. Jetzt soll der Oberste dieser Welt hinausgeworfen werden.“

Erst musste Jesus mit der Kraft seines vergossenen Blutes im Himmel ankommen und zur Rechten Gottes eingesetzt werden. Dann konnte der Satan mit seinen Engeln von dort hinausgeworfen werden, wie die Vision in Offb 12 es beschreibt. Das Sühneopfer von Jesus hatte also Auswirkungen bis weit in die himmlischen Welten.

Nun ist Satan auf die Erde geworfen, wo er weiterhin gegen das Werk Gottes wütet. Erst nach der Ankunft von Jesus auf der Erde wird man ihn auch hier verhaften und im Abgrund einschließen. Nachdem er zum Schluss noch einmal aus dem Abgrund losgelassen wird, ist sein letzter Bestimmungsort die Hölle. Diese hat Gott für ihn und seinesgleichen schon lange vorbereitet – Mt 25,41: “ … das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet war!“

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Totenwelt

Das griechische Wort „Hades“ steht für das Jenseits, die Totenwelt, den Ort oder die Welt der Totengeister. Auch im Neuen Testament bezeichnet er einige Male diesen Ort. Im hebräischen Alten Testament gibt es die Totenwelt ebenfalls, das Wort dafür heißt „sche’ól“. Im Deutschen gab es bis ins Mittelhochdeutsche dafür den Begriff „Hel“, den wir aber leider verloren haben. Er hat sich nämlich gewandelt in das spätere Wort „Hölle“, das eine völlig andere Bedeutung hat. Denn die „Hölle“ ist nicht der gegenwärtige Ort der Toten, sondern der zukünftige Ort der Strafe. Für die Hölle gab es im Griechischen keinen Begriff. Im biblischen Griechisch hat man dafür das hebräischen Lehnwort „Géhenna“ verwendet.

Diese beiden Dinge sollte man nicht durcheinanderbringen. Der Hades als Totenwelt ist das Jenseits, wo die Toten bleiben bis zum letzten Gericht. Die Hölle dagegen ist der Ort der Strafe für die Ungerechten und Unbrauchbaren nach dem letzten Gericht.

Da die Welt der Toten kein „Reich“ ist im Sinne eines Staatswesens, verwende ich in meiner Übersetzung nicht den älteren Ausdruck „Totenreich“, sodern den etwas neutraleren Begriff „Totenwelt“.