Fischer vom See Genezaret machen mindestens ein Drittel der zwölf Jünger von Jesus aus. Doch viele Jahre lang hatte ich mich immer wieder ein bisschen gewundert über den Ruf in die Nachfolge, den uns Matthäus berichtet – Mt. 4,18-22: „Als er am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der ‚Petrus‘ genannt wird, und Andreas, seinen Bruder, wie sie ein Wurfnetz in den See warfen. Sie waren nämlich Fischer. Und er sagte ihnen: „Kommt mit mir! Ich will euch zu Menschenfischern machen.“ Sogleich verließen sie die Netze und folgten ihm. Als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit Zebedäus, ihrem Vater, wie sie ihre Netze richteten, und er rief sie. Sogleich verließen sie das Schiff und ihren Vater Zebedäus und folgten ihm.“

Wie kommt es, dass Fischer vom See Genezarte für einen eher zufällig daherkommenden unbekannten neuen Lehrer auf einen Zuruf hin alles stehen und liegen lassen, um ihm zu folgen? Und woher weiß Jesus, dass ausgerechnet diese vier Männer die Richtigen für seine Nachfolge sind? Das konnte eigentlich nur eine geheime Offenbarung Gottes sein, wie sie im Leben von Jesus natürlich immer wieder vorkam. Sicherlich hat man diese wunderbare Geschichte in der Kinderstunde auch recht spannend erzählt bekommen. Aber das Geheimnis dieses Ereignisses wurde mir dann um vieles verständlicher, als ich die Geschichte mit den ergänzenden Informationen aus dem Johannesevangelium zusammenbrachte. Alle Beteiligten kannten sich nämlich bereits.

Der Bericht von Johannes

In Johannes 1 wird berichtet, dass Jesus bei Johannes dem Täufer vorbeikam, der sich damals auf der Ostseite des Sees Genezaret aufhielt. (Das war, nachdem Jesus die vierzig Tage Gebet und Fasten samt Versuchung durch den Teufel überstanden hatte.) Johannes bezeichnet Jesus dort als das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt. Daraufhin folgen zwei der Johannesjünger Jesus. Einer der zwei ist Andreas, der Bruder von Simon Petrus. Den anderen nennt Johannes nicht mit Namen. Aber wenn Johannes in seinem Bericht einen Jünger nicht mit Namen nennt, dann meint er sich selber. Also, Andreas und Johannes waren damals bei Jesus. Dann brachte Andreas seinen Bruder Simon mit zu Jesus, dann kamen noch Philippus und Natanael dazu. Natanael ist wohl der Jünger, der an anderer Stelle „Bartholomäus“ heißt, „Sohn von Tholomäus“.

Mindestens diese fünf Jünger gingen dann von der Ostseite des Sees aus mindestens einen Monat lang mit Jesus. Sie folgten ihm durch Galiläa bis nach Nazaret und Kana. Hier erlebten sie das Wunder auf der Hochzeit mit und, wie Johannes sagt, „glaubten an ihn“. Drei der vier Fischer vom See Genezaret waren also diese Zeit schon bei Jesus gewesen. Und Johannes hat seinem Bruder Jakobus natürlich all das berichtet. Nachdem Jesus von Nazaret nach Kafarnaum umgezogen war und nach einer kurzen Pause von dort zu seinem Antrittsbesuch in Jerusalem aufbrach, war es dann doch wohl kein so großes Wunder mehr, dass die vier sich am See so willig von ihm rufen ließen, ihm zu folgen.

Wobei eine wirkliche Nachfolge von Jesus doch auch immer irgendwie ein großes Wunder ist …