Das Neue Testament verstehen

Entdeckungen eines Bibelübersetzers

Willkommen auf meinem Blog

neu erstellt am 1. Dezember 2022:

Alles eine Frage der Auslegung

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Reihenfolge aller Beiträge zur Kategorie „Neues Testament“:

Wiedergeburt

Heiligen Geist bekommen

Die Ankündigung des Geistes

Das „Evangelium“

Der Geist Gottes

Satan

Was ist Geist

Totenwelt

Taufen

Schriftgelehrter

Die „Predigt“

Pastor

Das Kreuz

Erbauung

Kirche

Oberster Priester

Gottesdienst

Fleisch

Diakon

Christus

Buße

Der Bund

Bischof

Apostel

Älteste / Ältere

Die Sprachen im Neuen Testament

Im Geist

Der Antichrist

Der Hebräerbrief

Petrusbriefe und Judasbrief

Titus 2: ältere und jüngere Frauen

Gefangenschaftsbriefe

Wer sind die Geistlichen?

Die Frucht des Geistes

Gerettet sein und gerettet werden

Gerettet durch Kindergebären?

Verschleierung der Frauen?

Zitate im griechischen Text

Wer hat die Briefe geschrieben?

Wer ist Rufus?

Auch Frauen sind „Brüder“

Heiligen Geist haben

Was blieb bei Karpos zurück

Der Zehnte von Küchenkräutern?

Wer kennt Julius?

Philippus der Botschafter

Die Apostelgeschichte

Der Stern von Betlehem

Wann ist Jesus geboren?

Beten im Namen von Jesus

Der Ruheplatz für die Seele

Der griechische Aorist

Sterben und Neugeburt

In Ewigkeit kein Tod

Die Auferstehung „nach drei Tagen“

Die Datierung der Ereignisse

Der Ablauf der Passionswoche

Die Tageszeiten

Die Essener

Flavius Josephus

Jesus von Nazaret

Der Messias

Der Psalm 2

Der Name Jesus

Fischer vom See Genezaret

Johannes

Eine Evangelienharmonie

Frauen bei Lukas

Lukas

Markus

Wer bei Jesus ein Theologe ist

Matthäus

Alles eine Frage der Auslegung

Alles eine Frage der Auslegung – diese Aussage hört man öfter, wenn sich jemand nicht auf eine klare biblische Aussage einlassen will. Seit Jahrhunderten erzählt man den Menschen, sie bräuchten „Auslegung“, um die Bibel wirklich zu verstehen. Die Theologen sprechen dabei gerne von „Exegese“, weil sie es lieben, mit Fremdwörtern ihre wissenschaftliche Kompetenz und geistige Überlegenheit zum Ausdruck zu bringen. Der „Laie“ möge hören und staunen …

Ich stelle hier einmal die Gegenfrage: Als Jesus seine Botschaft verkündet und seine Jünger unterwiesen hat, hat er dabei gedacht, dass jemand diese seine Worte irgendwann einmal noch „auslegen“ müsste? Als Matthäus, Markus, Lukas und Johannes ihre Berichte über die Botschaft von Jesus geschrieben haben, ist ihnen dabei der Gedanke gekommen, dass irgend jemand ihre Berichte noch „auslegen“ sollte? Als Paulus, Barnabas, Jakobus, Petrus, Johannes und Judas ihre Briefe an die Gemeinden geschrieben haben, dachten sie, dass man dort eine „Auslegung“ bräuchte, um sie zu verstehen? Ich denke, die Antwort ist klar.

Die Erfindung der „Auslegung“

In der frühesten Zeit des Christentums wurden die neutestamentlichen Schriften gelesen, verstanden und befolgt. Als sich dann die hierarchische Kirchenstruktur entwickelte, begann auch die Geschichte der „Auslegung“. Die Diskrepanz zwischen biblischer und kirchlicher Realität musste vertuscht werden. Die biblischen Aussagen mussten an die menschlichen und kirchlichen Bedürfnisse angepasst werden. Und die, die beim neutestamentlichen Verständnis blieben und sich widersetzten, konnte man dann mit der kirchlichen Lehrautorität als „Ketzer“ verdammen und verfolgen.

Das Wort Gottes, das laut der Aussage des Hebräerbriefs ein zweischneidiges, scharfes Schwert ist, steckte man in eine Scheide. So war die Schärfe genommen. Ich denke, das Grundprinzip ist deutlich: Zwischen das geschriebene (vom Heiligen Geist inspirierte) Wort Gottes und den Leser hat sich eine menschliche Instanz geschoben. Diese hat den Anspruch, das Wort Gottes „richtig“ auszulegen und weiterzugeben. Und dem Hörer bzw. Leser wird suggeriert, dass er das Wort Gottes alleine nicht wirklich und richtig verstehen kann. So wird er zum „Laien“, der einfach glauben soll, was die „Ausleger“ ihm sagen.

Alles eine Frage der Auslegung

Es ist aber natürlich auch bequem, wenn man sagen kann „Alles eine Frage der Auslegung“. Man kann damit wunderbar unbequeme biblische Aussagen an sich abprallen lassen. Es ist einfach, sich damit auf einen Standpunkt der Unverbindlichkeit und Unzuständigkeit zurückziehen. Man kann damit bleiben, wie man ist, wenn Gott gerne etwas an einem verändern möchte. Man kann Gehorsam und Nachfolge verweigern, denn es ist ja „Alles eine Frage der Auslegung“.

Schluss mit der „Frage der Auslegung“

Wenn Jesus sagt „Wer meine Worte hört und sie tut“, dann gibt es da keinen Raum für einen Ausleger. Dann sollst du als Christ und Nachfolger von Jesus ganz einfach „hören“ und „tun“. Du bist in einem unmittelbaren Verhältnis zum Wort, weil du in einem unmittelbaren Verhältnis zu Gott stehst. Wenn es in diesem Verhältnis zwischen Gott und dir noch so etwas wie einen Theologen gibt, dann bist es du selbst. Du kennst Gott, du hörst und befolgst sein Wort, und du kannst anderen davon erzählen. Von hier aus ergibt sich nach biblischer Definition der Grundsatz: Nicht alle Theologen sind Christen, aber alle Christen sind Theologen.

Was beim Verstehen hilft

Es gilt also, die Bibel direkt zu hören und zu verstehen (und natürlich zu befolgen). Alles, was dazu dient, ist herzlich willkommen: Die biblischen Sprachen sind gut erforscht. Die alten Handschriften mit den biblischen Texten hat man mit großem Aufwand gesammelt und ausgewertet, damit man den wahrscheinlichsten Urtext rekonstruieren kann. Aus der Geschichte und der Archäologie hat man Kenntnisse über die politischen, religiösen und kulturellen Hintergründe der Zeit gewonnen. Mit Tages- und Jahreszeiten kann man den Lebensrhythmus der Menschen in ihrer Abhängigkeit von der Natur besser einordnen. All diese Dinge sind natürlich auch in meine Übersetzung des Neuen Testaments mit ihren Erklärungen eingeflossen. Aber deswegen bin ich kein „Ausleger“, nur Übersetzer. Das ist mein Anspruch.

Hindernisse beseitigen

Ich stelle also eine Übersetzung zur Verfügung, die möglichst genau das zum Ausdruck bringt, was die neutestamentlichen Autoren mitteilen wollten. Nun bleibt noch die Aufgabe, die Missverständmisse und Verdrehungen zu beseitigen, die 2000 Jahre an „Auslegung“ in unseren Köpfen hinterlassen haben. Ich werde damit im Glossar (Wörterverzeichnis) im Anhang „meines“ Neuen Testaments schon einmal einen Anfang machen. Dann wird wohl auch noch ein extra Buch dazu von mir erscheinen.

Aber ich kann dem Leser selbst seine eigene wichtige Aufgabe nicht abnehmen: Sich durch eigenständige Aneignung der biblischen Aussagen von „Auslegungen“ zu befreien, die er im Laufe seines Lebens durch Hören und Lesen von „Auslegern“ angesammelt hat. Die Bibel ist das wichtigste Buch deines Lebens. Das wichtigste Buch, das dabei hilft, sie auch selbst zu erforschen, ist im Übrigen die Konkordanz.

Ein Tipp

Es ist also alles gut, was zur Klärung der biblischen Aussage beiträgt. Und es ist alles schlecht, was zu Verdrehung und Verwirrung beiträgt. Wenn du also eine Erklärung hörst, die dir im Verständnis ein Licht aufsteckt, und du denkst: „Warum bin ich da eigentlich nicht auch von selbst drauf gekommen?“, dann wird sie vermutlich richtig sein. Wenn du aber eine „Auslegung“ hörst, bei der du eher das Gefühl hast: „Nie im Leben wäre ich da selber drauf gekommen!“, dann versucht vermutlich jemand, dir was unterzujubeln, was der biblischen Botschaft nicht entspricht.

Die Aufgabe

Du kommst als eigenständiger, verantwortlicher Christ also um eine Sache nicht herum: Du hast – abgesehen von der direkten Beziehung zu Gott – als wichtigste Aufgabe, dir deine eigene fundierte Bibelkenntnis zu erarbeiten. Natürlich wird dir der Heilige Geist gerne dabei behilflich sein. Du wirst dich vermutlich dabei auch immer wieder einmal korrigieren lassen müssen. Und von Leuten, die von dir verlangen, nur ihrer Lehrmeinung zu folgen, solltest du dich trennen, wenn du weiterkommen willst.

Auf einem Fundament von „Auslegungen“ kann man als Christ nicht stehen. Nur die persönliche Überzeugung aus eigener biblischer Erkenntnis gibt dir die Standhaftigkeit, auch in schwierigen Zeiten im Glauben zu bestehen. Die Aussage „Bruder XY hat einmal gesagt …“ wird den Satan nicht beeindrucken. Gegen ihn hilft nur, wie auch Jesus gesprochen hat: „Es steht geschrieben …“.

Johannes

Bei der Zusammenstellung meiner Evangelienharmonie war es eine große Entdeckung für mich: Das Johannesevangelium ist offensichtlich ein Bericht, der die anderen Evangelien ergänzt. Die Zusammenstellung zeigte für mich eindeutig, dass Johannes hat die Überlieferung der anderen drei Evangelien gekannt haben muss. Und dazu hat er dann aus seinem persönlichen Wissen als Augenzeuge einen Bericht mit lauter ergänzenden Informationen zusammengestellt. Besonders fällt das gerade auch dann auf, wenn er etwas berichtet, was auch die anderen berichten. Das ist bei der Speisung der 5000, der Leidensgeschichte und den Auferstehungsberichten. Immer bringt er etwas, was die anderen nicht haben, wobei er die Informationen der anderen voraussetzt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist das Johannesevangelium in meinen Augen ein wahres Meisterwerk: Es ist ein vollständiger, für sich allein sinnvoller und logischer Bericht aus lauter ergänzenden Informationen. Ich hatte diese Sichtweise noch nirgendwo anders gehört oder gelesen, als sie mir selbst deutlich wurde. Durch Zufall fand ich aber das Buch des Bibelwissenschaftlers Theodor Zahn (1883-1933) „Grundriss der Geschichte des neutestamentlichen Kanons“. Und in dem stieß ich auf einen Satz, der die gleiche Ansicht zum Ausdruck brachte. Ich war also doch nicht der erste, der es entdeckt hatte. Die Aussage aus Zahns etwas altertümlichen Theologendeutsch gebe ich hier etwas modernisiert wieder: „Das vierte Evangelium setzt bei seinen Lesern nicht nur die Art der Berichte als bekannt voraus, wie sie uns in den drei anderen Evangelien vorliegen, sondern es berücksichtigt auch den Wortlaut von Markus und Lukas.“

Besuche in Jerusalem

Dass eine solche Ergänzung nötig war, zeigt z.B. die Aussage von Jesus, die in Lk. 13, 34 und Mt. 23,37 berichtet wird: „Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die zu ihr Gesandten steinigt: Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen wie ein Vogel seine Jungen unter den Flügeln, und ihr habt nicht gewollt!“

Matthäus und Lukas berichten nicht, dass Jesus zuvor in Jerusalem war (außer bei Lukas als Baby und mit 12), und trotzdem hat er gesagt, „wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen …“ Genau hier hilft uns Johannes weiter, dessen Bericht sich im Wesentlichen um die Auseinandersetzung von Jesus mit Jerusalem dreht. Er berichtet uns fünf Begegnungen mit Jerusalem, immer im Zusammenhang mit den jüdischen Festen, wo immer auch viele Leute aus dem Land dort waren:

1) Der erste Besuch gleich am Anfang seiner Tätigkeit mit einer ersten Tempelreinigung an Pesach im Jahr 28, anschließend das Gespräch mit Nikodemus.

2) Der zweite Besuch auf dem Laubhüttenfest im Herbst 28 mit der Heilung des Gelähmten am Teich Betesda.

3) Der dritte Besuch am Laubhüttenfest im Herbst 29 mit der Heilung des Blindgeborenen.

4) Der vierte Besuch am Tempelweihefest (Chanukka) im Dezember 29.

5) Der letzte Besuch, den auch die anderen Evangelien berichten, zu Pesach im Frühjahr 30, bei dem er verhaftet und hingerichtet wurde.

Die drei anderen Evangelien berichten in der Reihenfolge nach der Grundlinie des Dienstes von Jesus: „Von Galiläa nach Jerusalem“. So haben sie sogar auch die Feinde von Jesus beschrieben – Lk 23,5: „Er wiegelt das Volk auf, indem er in ganz Judäa lehrt, und von Galiläa aus hat er angefangen bis hierher!“ Johannes ergänzt dazu die zwischendurch stattgefundenen Besuche in Jerusalem, das ja das eigentliche Ziel des Messias sein muss.

Zeichen, die Jesus tut

Dass Johannes die Berichte der anderen voraussetzt, zeigt sich auch z.B. an einer Bemerkung wie Joh. 6,2: „Und eine große Menge folgte ihm, weil sie die Zeichen gesehen hatten, die er an den Schwerkranken getan hatte.“ Johannes selbst berichtet die Zeichen an den Schwerkranken in Galiläa gar nicht. Er setzt die Kenntnis derselben voraus. Er spricht ja auch an anderen Stellen von „vielen“ Zeichen, die Jesus getan hat. Johannes selbst berichtet nur sechs „Zeichen“ (davon fünf, die die anderen nicht haben):

1) Die Verwandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit in Kana.

2) Die Heilung des Sohnes des Königlichen aus Kafarnaum.

3) Die Heilung des Gelähmten am Teich Betesda.

4) Die Speisung der 5000 an Pesach im Jahr 29.

5) Die Heilung des Blindgeborenen in Jerusalem.

6) Die Auferweckung von Lazarus.

Man könnte nun denken, dass die Zahl von sechs Zeichen etwas unvollständig aussieht. Die Zahl der Vollkommenheit wäre ja sieben. Aber bei Johannes darf man zum Abschluss seines Berichts natürlich die Auferstehung als das siebte und größte Wunderzeichen betrachten.

Wiedergeburt

Wiedergeburt aus Wasser und Geist, das hat Jesus gegenüber Nikodemos als Bedingung für den Eintritt ins Reich Gottes genannt. Es hilft uns, mehr davon zu verstehen, wenn wir den Vorgang des Christwerdens im Neuen Testament betrachten. Das Verständnis für das, was ich jetzt hier darüber schreiben möchte, habe ich David Pawson zu verdanken. Ausführlich dargelegt hat er das alles in seinem Buch: „Wiedergeburt – Start in ein gesundes Leben als Christ„.

Insbesondere in der Apostelgeschichte finden wir viele Beispiele dafür, wie Menschen Christen werden. Dabei tauchen durchgehend vier Elemente auf, die dabei eine wichtige Rolle spielen. An manchen Stellen nur eines davon, an anderen zwei oder drei oder auch alle vier. Aber zusammengenommen ergeben sie ein genaues Bild davon, was zum Christwerden bzw. zur Wiedergeburt gehört. Es sind: der Glaube an Jesus, die Bereitschaft sich zu ändern (traditionell „Buße“ genannt), die Taufe im Wasser und die Erfüllung mit Heiligen Geist.

Der Glaube an Jesus

Beginnen tut es damit, dass die Menschen die Botschaft von Jesus hören und sie glauben. Der zentrale Inhalt der Botschaft ist, dass Jesus der Messias ist. Die Botschaft beinhaltet allerdings das komplette Leben und die komplette Lehre von Jesus. Also alles, was uns unsere vier Evangelien berichten, ist die Botschaft von Jesus. So war das Überbringen der Botschaft eine längerfristige Angelegenheit, die in den Gemeinden weiterging, auch nachdem sie Christen geworden waren.

Die Initialzündung war aber: Jesus ist der Messias! Diese Botschaft ist keine Information, die man zur Kenntnis nehmen könnte im Sinne eines bloßen Kopfglaubens. Wenn Jesus der Messias ist, dann begegne ich in ihm dem lebendigen Gott persönlich. Dann hat dieser Glaube Auswirkungen und Konsequenzen für mein ganzes Leben.

Die Sinnesänderung

Wenn ich im Messias dem lebendigen und heiligen Gott begegne, dann wird als erstes deutlich, dass mein bisheriges Leben nicht zu ihm passt. Das Problem der Sünde taucht auf. Und ob ich davor ein eher anständiger Sünder war oder ein eher unanständiger, ist unerheblich. Im Neuen Testament war das Thema von Anfang an, schon bei Johannes dem Täufer. Die Leute gestanden ihre Sünden, bevor sie sich von ihm untertauchen ließen.

Das griechische Wort „metanoeín“, das Luther mit „Buße tun“ übersetzt hat, heißt wörtlich übersetzt „umdenken“. Dabei ist vorausgesetzt, dass, wenn ein Mensch sein Denken ändert, sich auch sein ganzes Leben ändert. Wenn er seine Sünde erkannt hat, will er sich ändern. Natürlich gehört dazu der Inhalt der Botschaft, dass der Messias am Kreuz für seine Sünden gestorben ist. Das Versprechen, die Sünden zu vergeben, erleichtert natürlich das Eingestehen der Sünden sehr.

Das Gericht Gottes über die Sünde ist am Kreuz vollzogen worden. Das ist die Ursache der damit möglich gewordenen Vergebung. Gott vergibt nicht einfach so. Gott richtet die Sünde. Der Mensch wird entweder von Gott wegen seiner Sünde gerichtet, oder er nimmt Zuflucht zum am Kreuz hingerichteten Messias, an dem das Gericht über die Sünde bereits vollzogen ist.

Mit dem Geständnis seiner Sünde und der Bereitschaft sich zu ändern für ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott kann er sich nun untertauchen lassen.

Wiedergeburt durch Wasser

Das Untertauchen im Namen Jesus hat eine so umfassende Bedeutung, dass das Neue Testament das nur mit mehreren Gesichtspunkten und Bildern erklären kann. Zum einen ist das Eintauchen in den Namen Jesus eine Besitzübergabe. Mit „Jesus“ wird er Name des neuen Besitzers und Herrn über dem Menschen ausgesprochen. Wenn wir in der Bibel eine „Lebensübergabe“ finden wollen, dann hier an dieser Stelle.

Das Untertauchen ist zum anderen dann auch ein „Bad“, mit dem die Sünden abgewaschen werden. Damit verbunden ist die Gabe eines guten Gewissens: Die Sünden sind vergeben, sie sind abgewaschen, sie sind weg. Der Mensch ist kein Sünder mehr und lebt mit einem guten Gewissen.

Zum Untertauchen gehört dann auch die Sichtweise des Sterbens des alten Menschen. Er wird für die Sünde getötet, mit am Kreuz hingerichtet und begraben im Tod des Messias, Jesus, am Kreuz. Und wenn er aus der Taufe wieder heraufkommt, bedeutet das eine Auferstehung mit Jesus in ein neues Leben hinein. Die Kraft dieses neuen Lebens ist der Heilige Geist.

Wiedergeburt durch Geist

Nun ist es Zeit, den Heiligen Geist zu empfangen. In meinem Beitrag „Heiligen Geist bekommen“ habe ich einen Überblick über die neutestamentlichen Stellen dazu gegeben. Der gereinigte, Jesus übereignete neue Mensch wird jetzt zur Wohnstätte des heiligen Geistes. Die Leere im Herzen des Menschen, die sich weltlich mit nichts füllen ließ, wird jetzt von Gott gefüllt. Denn im Geist sind auch Jesus der Sohn und Gott der Vater im Menschen anwesend. Der Mensch hat seine Bestimmung gefunden, Partner und Ebenbild Gottes zu sein.

Dass der Geist mit Gebet und Handauflegung auf Menschen gekommen ist, scheint in der missionarischen Praxis in der Apostelgeschichte die Regel gewesen zu sein. Es gibt aber auch Fälle, in denen er ohne menschliches Zutun direkt gefallen ist. Auf jeden Fall war es aber deutlich erkennbar. Man wusste, ob ein Mensch den heiligen Geist empfangen hatte oder nicht. Wirkungen und Gaben des Geistes waren deutlich zu sehen und zu hören. Diese Anwesenheit des Geistes und sein Wirken waren dann das bestimmende Element für das Leben der Gemeinde und auch für die Mission.

So deutlich und klar sind die Angaben über den Inhalt und den Zusammenhang dieser vier Elemente im Neuen Testament. Ich habe dazu keine Bibelstellen zitiert, weil viele auch bekannt sind. Und ich lade ein, die Dinge im Neuen Testament selbst zu erforschen. Ich weiß nur, dass so alles zusammenpasst.

Gottes Geschenk in der Praxis bewähren

Ich weiß auch, dass es im Christen- und Gemeindeleben des Neuen Testaments noch nachträgliche Probleme gab. Sünde tauchte noch auf und musste bereinigt werden. Verhaltensweisen des alten Menschen mussten erkannt und abgelegt werden. An das Leben im Geist musste man sich gewöhnen und ihn nicht immer wieder dämpfen. Wachstum in der Erkenntnis und in der Heiligung war erforderlich, genauso wie Bewährung in Schwierigkeiten und Bedrängnis. Dennoch war für all diese Dinge in den Grundelementen der Wiedergeburt ein klares Fundament gelegt und die richtige Richtung vorgegeben.

Dass die Dinge unter den Christen heutzutage in der Regel nicht so deutlich und klar sind, liegt an den Verwirrungen und Verdrehungen, die die biblische Botschaft in 2000 Jahren Kirchengeschichte erfahren hat. Darüber zu schreiben, wird vermutlich mein nächster Beitrag sein …

Heiligen Geist bekommen

In meinem letzten Beitrag habe ich die Ankündigung des Geistes im Alten und Neuen Testament dargestellt. In einem früheren Beitrag hatte ich auch besprochen, warum wir in neutestamentlicher Ausdrucksweise nicht „den“ Heiligen Geist haben, sondern „nur“ Heiligen Geist haben. Auch über die Frage, was es heißt, Im Geist zu sein, hatte ich schon viele Bibelstellen zusammengestellt. Dazwischen fehlt noch das Thema jetzt: „Heiligen Geist bekommen“.

Heiligen Geist bekommen – in der Apostelgeschichte

Auch hier gilt in der griechischen Ausdrucksweise wieder die Differenzierung, dass der einzelne Christ nicht „den Heiligen Geist“ bekommt. Er bekommt „Heiligen Geist“ als Anteil am Heiligen Geist. Zunächst ist die Apostelgeschichte dafür das maßgebende Buch. Hier schildert Lukas nämlich in etlichen Fällen, wann und wie Menschen Heiligen Geist bekommen.0

Jerusalem

Der Start ist bekanntermaßen das Kommen des Geistes auf die ganze damalige versammelte Gemeinde an jenem Pfingstfest – Apg 2. Achten wir auch gleich auf die unterschiedlichen Formulierungen: Der Geist „kam“ und „erfüllte“ das Haus. Und dann erschien etwas wie Feuerzungen und „setzte sich“ auf jeden von ihnen, und sie wurden von Heiligem Geist „erfüllt“.

Erst Petrus nennt das Geschehen dann in seiner erklärenden Rede an die Zusammengelaufenen ein „Ausgießen“ anhand der Prophetie von Joel. Interessanterweise spricht er dann aber erst über Jesus, dass er der Messias ist. Und als sie – tief getroffen – bereit sind, sich zu bekehren, fordert er sie zuerst zur Taufe auf. Daran anschließend sagt er, dann würden sie auch „das Geschenk des Heiligen Geistes bekommen“.

Lukas erzählt uns an dieser Stelle nicht weiter, wie die damals Zuhörenden dieses Geschenk dann konkret bekommen haben. Aber in späteren Fällen gibt er wieder Schilderungen davon.

Samaria

In Kapitel 5 kommen durch Philippus viele Leute in Samaria zum Glauben, also hauptsächlich Samariter. Davon hören die Gesandten in Jerusalem und schicken Petrus und Johannes dorthin. Lukas erzählt: „Als die zu ihnen hinabkamen, beteten sie für sie, dass sie Heiligen Geist bekämen. Der war nämlich noch auf niemanden von ihnen gefallen. Sie waren nur untergetaucht worden in den Namen des Herrn, Jesus. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie bekamen Heiligen Geist.“ Wir haben also auch hier die Ausdrücke „fallen auf“ und „bekommen“. In der Auseinandersetzung mit dem Magier Simon heißt es dann auch noch, dass der Geist „gegeben wird“. Und Petrus spricht wieder vom „Geschenk Gottes“.

Damaskus

In Apg 9 erzählt uns Lukas die Bekehrung von Paulus. Als hier in Damaskus der Jünger Hananias im Auftrag des Herrn zu dem erblindeten und fastenden Paulus kommt, sagt er: „Saul, Bruder! Der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf dem Weg, den du gekommen bist, damit du wieder sehen kannst und von Heiligem Geist erfüllt wirst.“ Auch hier schildert uns Lukas nicht, wie dieses „Erfülltwerden“ dann ausgesehen hat.

Cäsarea

In Apg 10, während Petrus dem Römer Cornelius und seiner Hausgemeinde in Cäsarea die Botschaft verkündete, da „fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen von den Beschnittenen, die mit Petrus gekommen waren, waren fassungslos, weil auch auf die Nichtjuden das Geschenk des Heiligen Geistes ausgegossen war. Denn sie hörten, dass sie in Gebetssprachen sprachen und Gott rühmten. Daraufhin sprach Petrus laut aus: „Kann denn jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht untergetaucht werden, die den Heiligen Geist empfangen haben genau wie wir?“ In wenigen Zeilen haben wir hier die drei Ausdrücke „fiel auf“, „ausgegossen“ und „empfangen“.

In Apg. 11 musste sich Petrus in Jerusalem dann noch rechtfertigen dafür, dass er Nichtjuden getauft hatte. Dabei sagte er: „Und als ich begonnen hatte zu sprechen, fiel der Heilige Geist auf sie, wie am Anfang auch auf uns. Ich wurde an das Wort des Herrn erinnert: ‚Johannes hat untergetaucht mit Wasser, ihr aber werdet untergetaucht werden in Heiligem Geist.‘ Wenn Gott ihnen dasselbe Geschenk gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn, Jesus den Messias, glauben, hätte jemand wie ich dann vielleicht Gott davon abhalten sollen?“ Petrus sagt, der heilige Geist „fiel auf sie“ und Gott hat ihnen dasselbe „Geschenk gegeben“.

Und er begründete es auch mit der Erinnerung an das Wort von Jesus, sie würden „untergetaucht werden in Heiligem Geist“. Er bestätigt hier also, das das hier geschehene Empfangen des Geistes die Erfüllung der angekündigten Geisttaufe ist. Und die Verbindung zur ersten Geistausgießung an Pfingsten stellt er her mit der zweimaligen Formulierung „wie auf uns“. Es ist hier also geschehen, was Jesus angekündigt hat und die Jerusalemer an Pfingsten als Erste erlebt haben.

Ephesus

Und dann das denkwürdige Ereignis in Ephesus als Paulus dort einige Jünger traf – Apg 19:

Er sagte zu ihnen: „Habt ihr Heiligen Geist bekommen, als ihr zum Glauben gekommen seid?“ Sie (antworteten) ihm: „Aber wir haben nicht einmal davon gehört, dass es Heiligen Geist (für uns) gibt!“ Er sagte: „In was seid ihr denn untergetaucht worden?“ Sie sagten: „In die Taufe des Johannes.“ Paulus sagte: „Johannes hat untergetaucht mit einer Taufe der Sinnesänderung und dem Volk gesagt, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm kommt, das heißt, an Jesus.“ Als sie das hörten, ließen sie sich untertauchen in den Namen des Herrn, Jesus. Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Gebetssprachen und sprachen prophetisch.“

Von hier an wendet sich Lukas in der Apostelgeschichte anderen Ereignissen zu, und das Thema „Heiligen Geist bekommen“ taucht nicht mehr auf. Wir dürfen annehmen, dass er es, nachdem er es ein paar Mal beschrieben hat, einfach auch als selbstverständlich und bekannt voraussetzt.

Heiligen Geist bekommen – in den Briefen

Aber wir sind damit noch nicht fertig. In den Briefen des Neuen Testaments gibt es nämlich im Rückblick noch etliche Erwähnungen dazu, dass die Geschwister Heiligen Geist bekommen haben und was das bedeutet.

Paulus

Etwas indirekt in 1 Thess 1,6: „Ihr … habt das Wort angenommen unter viel Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes.“ Die Freude des Heiligen Geistes setzt voraus, dass sie Heiligen Geist bekommen haben.

1 Kor 2,12: „Und wir haben nicht den Geist der Welt bekommen, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen sollen, was uns von Gott geschenkt ist.“

1 Kor 12,13: „Denn in einem Geist sind auch wir alle in einen Leib getaucht worden, seien wir Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie. Alle sind wir mit einem Geist getränkt worden.“

Man beachte hier die Ausdrücke „tauchen“ und „tränken“. Mit dem Eintauchen im Geist geschieht gleichzeitig das Eintauchen in den Leib. Der Leib des Messias ist die Gemeinde. Und im Eintauchen wird man mit Geist „getränkt“ – das geht durch und durch.

2 Kor 1,21: „Es ist Gott, der uns samt euch festigt auf den Messias hin, der uns gesalbt hat, der uns versiegelt hat, der als Anzahlung den Geist gegeben hat, der in unseren Herzen ist.“

Gesalbt und versiegelt

Hier sind drei Ausdrücke für dieselbe Sache. Mit Heiligem Geist „salben“, das ist der alttestamentliche Ausdruck, der vom Bild des Öls herkommt. Daher ist ja auch Jesus der „Gesalbte“ – der Messias – nicht mit Öl, sondern mit Heiligem Geist. „Versiegeln“ mit Heiligem Geist, das kommt vom Bild des Siegels. Mit einem Siegel wird offiziell das Besitz- bzw. Zugriffsrecht an einer Sache geklärt. Niemand anderer hat Zugriff darauf. Und schließlich sagt Paulus, dass der Geist „als Anzahlung gegeben“ wird, also als Vorausgabe für etwas noch viel Größeres.

Gal 3,2+3: „Nur das will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist durch das Tun des Gesetzes bekommen oder durch die Nachricht vom Glauben? Seid ihr so unverständig, dass ihr, die ihr mit Geist angefangen habt, es jetzt mit menschlichem Tun ‚vollendet‘?“

Gal 4,6: „Weil ihr Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der laut ruft: ‚Papa! Vater!'“

Röm 8,15: „Ihr habt ja keinen Geist der Versklavung bekommen, wieder auf Angst hin, ihr habt vielmehr einen Geist der Kindschaft bekommen, in dem wir rufen: ‚Papa! Vater!’“

Eph 1,13+14: „In ihm wurdet ihr auch, als ihr zum Glauben kamt, versiegelt mit dem versprochenen Heiligen Geist, der eine Anzahlung unseres Erbes ist auf die erworbene Erlösung hin, zum Lob seiner Herrlichkeit.“

2 Tim 1,7: „Gott hat uns doch keinen Geist von Furchtsamkeit gegeben, sondern von Kraft und Liebe und klarem Denken.“

Johannes und Hebräer

1 Joh 3,24: „Wer seine Gebote hält, bleibt in ihm und er in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, von dem er uns gegeben hat.“ Und 1 Joh 4,13: „Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns: dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“

Hebr 6,4: „… die das Geschenk des Himmels geschmeckt haben, die Teilhaber am Heiligen Geist geworden sind, …“

Heiligen Geist bekommen ist Grundlage

Wir sehen also, dass „Heiligen Geist bekommen“ für das Christsein konstituiv ist. Das ganze Leben im Geist als Einzelner und als Gemeinde beruht darauf.

An der Vielgestaltungkeit der Ereignisse und der Begriffe zeigt sich auch deutlich, dass „Heiligen Geist bekommen“ im Neuen Testament nichts mit einem festgelegten Ritual zu tun hat, schon gar nichts mit einem Sakrament der „Firmung“. Es ist offensichtlich: Der Heilige Geist im Leben des Christen und der Gemeinde ist lebendige Realität. Wenn nicht, muss man sich fragen …

Die Ankündigung des Geistes

Als der Heilige Geist an jenem ersten Pfingstfest ausgegossen wurde, war das weder Überraschung noch Zufall. Die Ankündigung des Geistes ist ein zentrales biblisches Thema. Petrus hat damals ja auch gleich den Propheten Joel zitiert, um zu erklären, was gerade geschah.

Ankündigung des Geistes durch Joel

Hören wir, was der Prophet Joel gesagt hat – Joel 3,1+2: „Ich werde ausgießen von meinem Geist auf alle Menschen, und eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch sprechen. Eure Älteren werden Träume träumen, und eure jungen Leute werden Visionen sehen. Auch auf die Sklaven und auf die Sklavinnen werde ich zu jener Zeit ausgießen von meinem Geist.“

Joel spricht von einer zukünftigen, neuen Zeit. Im Unterschied zur alttestamentlichen Zeit Israels, in der immer nur einzelne Menschen den Geist Gottes empfingen, sollte in einer neuen Zeit das ganze Volk Gottes – „alle Menschen“ – den Geist empfangen. Dass auch alle Töchter und sogar Sklavinnen den Geist empfangen würden, war damals sicherlich ein absolut revolutionärer Gedanke. Die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Frauen in der neutestamentlichen Gemeinde ist hier schon angesagt.

Ankündigung des Geistes durch Hesekiel

Der Prophet Hesekiel war ein Zeitgenosse des Propheten Jeremia. Diese beiden Propheten mussten den Untergang des alten Königreichs Israel miterleben und im Auftrag Gottes erklären. Das alte System Israels war aufgrund von geistlichem und moralischem Bankrott dem Gericht Gottes verfallen. Aber beide Propheten schauten auch eine neue Zeit, die Gott für seine Leute heraufführen würde. Jeremia schaute eine neue Bestimmung Gottes, dass er seine Gesetze in ihr Herz geben würde. Hesekiel sah dasselbe und auch, wie Gott das tun würde:

Hes. 11,19: „Ich will ihnen ein anderes Herz geben, einen neuen Geist will ich geben in ihnen. Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Fleisch und ihnen ein menschliches Herz geben.“

Und um zu verdeutlichen, was für einen „neuen Geist“ Gott „in ihnen“ geben würde, hat er es wiederholt und verdeutlicht – Hes. 36,26+27: „Ich will euch ein neues Herz geben, einen neuen Geist will ich in euch geben. Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Fleisch und euch ein menschliches Herz geben. Meinen Geist will ich in euch geben und machen, dass ihr in meinen Grundsätzen geht und meine Urteile einhaltet und ausführt.“

Der Heilige Geist Gottes würde es sein, der die Herzensveränderung der Menschen bewerkstelligen würde. Und Herzensveränderung, das ist dann ja auch das Thema des Neuen Testaments.

Ankündigung des Geistes durch Johannes den Täufer

Johannes der Täufer war der letzte und wichtigste der alttestamentlichen Propheten. So hat Jesus es gesagt. Er hatte die unmittelbar bevorstehende neue Zeit anzusagen – Mt. 3,2: „Seid bereit euch zu ändern! Denn das Königreich der Himmel ist nahegekommen.“

Diese Botschaft war die Vorbereitung auf etwas, das nach ihm kommen würde – Mt. 3,11 / Mk. 1,7+8: „Ich tauche euch unter in Wasser zu einer Sinnesänderung. Nach mir kommt aber der, der stärker ist als ich. Für den bin ich nicht genug, dass ich mich bücke, um die Riemen seiner Sandalen aufzubinden und sie wegzutragen. Ich habe euch untergetaucht im Wasser, er wird euch untertauchen in Heiligem Geist und Feuer.“

So, wie er die Leute ins Wasser tauchte, würde nach ihm der kommen, der Menschen in Heiligen Geist taucht. Und die Wirkung des Geistes erklärt er mit dem Bild des Feuers. Wasser bringt Abkühlung und Reinigung, Feuer bringt Wärme und Licht.

Ankündigung durch Jesus

Jesus selbst empfing nach seiner Taufe bei Johannes am Jordan den Heiligen Geist als Ausrüstung zu seinem Dienst. Für die anderen blieb aber auch er noch bei der Ankündigung des Geistes. Besonders das Johannesevangelium berichtet an einigen Stellen darüber.

Gegenüber Nikodemus – Joh. 3,5-8: „Amen, Amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineingehen. Was aus dem Körper geboren wird, ist Körper, was aus dem Geist geboren wird, ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: ‚Ihr müsst von neuem geboren werden!‘ Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Geräusch. Aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“

Gegenüber der Samariterin am Jakobsbrunnen unter dem Bild des Wassers – Joh. 4,14: „Wer von dem Wasser trinkt, von dem ich ihm geben will, wird bis in Ewigkeit keinen Durst mehr haben. Das Wasser, das ich ihm geben werde, wird vielmehr in ihm eine Wasserquelle werden, sprudelnd in ewiges Leben.“

Gegenüber den Menschen in Jerusalem – Joh. 7,37-39: „Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken! (Bei dem,) der an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, werden Ströme lebendigen Wassers aus seinem Leib fließen.“ Und Johannes verdeutlicht: „Das sagte er über den Geist, den die bekommen sollten, die an ihn glauben würden. Es war ja noch kein Geist da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.“

In der Abschiedsrede

Gegenüber seinen Jüngern in der Abschiedsrede – Joh. 14,16+17: „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Helfer geben, damit er bis in Ewigkeit bei euch sei. (Das ist) der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“

Joh. 14, 26: „Der Helfer, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Joh. 15,26: “ Wenn der Helfer kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird als Zeuge über mich aussagen.“

Joh. 16,13: “ Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch führen mit der reinen Wahrheit. Er wird nichts von sich aus sagen, sondern was er hören wird, wird er sagen, und das Kommende wird er euch berichten.“

Nach der Auferstehung

Und auch das, was Jesus nach seiner Auferstehung gesagt hat, muss man noch als prophetische Ankündigung verstehen – Joh. 20,22+23: Nachdem er das gesagt hatte, blies er sie an und sagte ihnen: „Ihr bekommt Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben. Welchen ihr sie festhaltet, denen sind sie festgehalten.“

Auch die Apostelgeschichte beginnt zuerst noch einmal mit der Ankündigung – Apg. 1,4+5: Er hielt sie zusammen und befahl ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern auf das vom Vater Versprochene zu warten: „(Es wird das sein,) was ihr von mir gehört habt: ‚Johannes hat mit Wasser untergetaucht, ihr aber werdet im Heiligen Geist untergetaucht werden‘, nicht viele Tage nach diesem.“

Wir sehen also, dass vom Alten Testament her nicht nur der Messias angekündigt war mit seinem Sühnetod am Kreuz und seiner Auferstehung. Auch der heilige Geist war angekündigt. Und beides hängt ja aufs engste zusammen: Erst braucht der Mensch Vergebung und Reinigung von der Sünde, dann kann er Heiligen Geist empfangen als Kraft eines neuen Lebens.

Und bis zum Schluss bleibt es dabei – Offb. 22,17: Und der Geist und die Braut sagen: „Komm!“ Wer es hört, soll sagen: „Komm!“ Und wer Durst hat, soll kommen. Wer will, soll Wasser des Lebens bekommen – geschenkt!

Das „Evangelium“

Als Inhalt der neutestamentlichen Botschaft wird oft das „Evangelium“ angegeben. Der Begriff „Evangelium“ ist aus dem Griechischen eingedeutscht von „euangélion“. Das ist dort erst einmal gar kein religiöser Begriffe, sondern ganz neutral eine „gute Botschaft“.

Eine Gesamtbotschaft

Eine „gute Botschaft“ überbringt uns das Neue Testament tatsächlich. Sie beinhaltet das gesamte Leben, Lehren und Wirken von Jesus dem Messias einschließlich seinem Auftrag an seine Gesandten. Den Begriff „Evangelium“ dagegen hat – gemessen an dieser eigentlichen Bedeutung – die kirchlich/theologische Tradition zu einem Minimalbegriff von irgendetwas Gutem verwässert. Damit ist er aber als Ausdruck für die Gesamtbotschaft des Neuen Testaments nicht mehr brauchbar.

Auch das Verständnis, dass im Zentrum der guten Botschaft der Sühnetod von Jesus am Kreuz für uns steht, ist einerseits zwar richtig, hat aber auch eine Gefahr, sie einseitig zu verkürzen. Den Begriff der „guten Botschaft“ gebraucht das Neue Testament so nicht. Wie es ihn selbst gebraucht, sollte aber unser Maßstab sein.

Eine Botschaft mit zwei Seiten

Soweit ich sehe, umfasst die Botschaft im Neuen Testament das Gesamtpaket dessen, was uns Gott in Jesus anbietet und was er in Jesus von uns fordert. Deshalb umfasst diese Botschaft auch die gesamte Geschichte von Jesus. Matthäus hat „die Botschaft von Jesus“ aufgeschrieben, genauso auch Markus, Lukas und Johannes. Und mit welch göttlicher Weisheit diese vier Berichte über die eine Botschaft zusammenpassen, ist staunenswert. Diese gesamte Botschaft ist in der ersten Christengeneration weitergegeben worden.

Und die zwei genannten Seiten – was Gott anbietet und was er fordert – hatte die Botschaft von Anfang an. „Das Reich Gottes ist nahe gekommen“, das ist, was Gott jetzt anbietet. „Seid bereit euch zu ändern (Tut Buße / Kehrt um)“, das ist, was er jetzt fordert. Und das gilt so bis heute und bis Jesus wiederkommt. Eine andere Botschaft wird von Gott nicht mehr kommen.

Eine markante Stelle, die das Umfassende der Gesamtbotschaft von der Zeit vor der Kreuzigung bis zur Verkündigung unter den Völkern bezeugt, habe ich in Mt. 26,13 gefunden, wo Jesus über die Frau, die ihn gesalbt hat, sagt: „Amen, ich sage euch: Wo immer in der ganzen Welt diese Botschaft verkündet wird, wird auch gesagt werden, was sie getan hat, damit sie immer in Erinnerung bleibt.” Jesus sprach schon vor der Kreuzigung von dieser Botschaft, die in der ganzen Welt verkündigt werden würde. Und sogar die Salbung durch Maria (die es laut Johannes war, die ihn gesalbt hat) sollte ein Teil der Botschaft sein.

Der Kern der Botschaft

Natürlich kann mir überlegen, was ich dann doch vielleicht als das Zentrum, den Kern, dieser Botschaft empfinde. Für mich ist es das Zusammenkommen der völligen Hingabe Gottes an mich im Tod von Jesus am Kreuz mit meiner völligen Hingabe an ihn in einem bekehrten Leben. Gottes Angebot und Forderung kommen zusammen in der echten, gelebten, persönlichen Beziehung zu Jesus und zum Vater, dem allmächtigen Gott. Daraus erwächst die Freundschaft mit Gott.

Und so wird in meiner Übersetzung des Neuen Testaments nicht irgendein „Evangelium“ verkündet, sondern die „gute Botschaft“. Diese Botschaft ist allerdings menchlich gesehen gar nicht nur „gut“. Für die, die sie ablehnen, ist sie schlimm. Und so übersetze ich an den meisten Stellen einfach nur mit „Botschaft“.

Die Botschaft Gottes, die Botschaft von Jesus, das ist der Gesamtinhalt des Neuen Testaments. Sie beinhaltet sogar den Ausblick auf das Ende der Welt und den Beginn einer neuen Schöpfung. Und es gilt auch für sie, was am Ende der Offenbarung steht:

„Wenn jemand etwas hinzufügt zu ihr, wird Gott ihm die Strafen hinzufügen, die in dieser Schrift beschrieben sind. Wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten dieser prophetischen Schrift, wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen vom Baum des Lebens und von der heiligen Stadt, die in dieser Schrift beschrieben sind.“

Das Lied des Amos

Das Lied des Amos kann man rekonstruieren durch Zusammenstellen von drei Strophen, die im Buch Amos an verschiedenen Stellen eingestreut sind – 4,13, 5,8 und 9,5+6:

Der Berge bildet und Hauch erschafft,

der dem Menschen kündet, was sein Plan ist,

der Morgenröte zu Wolkendunkel macht,

der über die Höhen der Erde schreitet:

„Herr“ ist sein Name.

Der zum Morgen die Finsternis wandelt,

der den Tag zur Nacht verfinstert,

der den Wassern des Meeres ruft

und sie ausgießt aufs Antlitz der Erde:

„Herr“ ist sein Name.

Der die Erde anrührt, dass sie wankt

und alle trauern, die darauf wohnen,

der im Himmel sein Hochgemach baut,

sein Gewölbe auf Erden gründet:

„Herr“ ist sein Name.

(Das Lied des Amos habe ich zitiert nach der Übersetzung von Jörg Jeremias in seinem Amos-Kommentar.)



Der Geist Gottes

Die Bibel spricht von Gott in dreifacher Weise. Da ist der unsichtbare Gott, den noch nie jemand gesehen hat, den Jesus den „Vater“ nennt. Da ist der, der als Erscheinung Gottes in der Welt sichtbar wird, den Johannes „das Wort“ nennt, auf Griechisch „lógos“. Und dann gibt es ein Wirken der Kraft Gottes, das als „der Geist Gottes“ in Erscheinung tritt. Es gibt also zwei Weisen, in denen der unsichtbare Gott den Menschen begegnet bzw. unter ihnen wirkt.

Der Logos als sichtbare Erscheinung Gottes

Die Erscheinung Gottes, die im Alten Testament gerne als „der Engel des Herrn“ bezeichnet wird, ist eine Erscheinung des „Wortes“. Als solcher ist er zum Beispiel auch Abraham begegnet. Dieser „Wort“ hat dann unter der Kraft des Heiligen Geistes im Mutterleib von Maria menschliche Körperlichkeit angenommen und dann als Mensch diesen Erdboden betreten. Jesus ist die sichtbare Erscheinung Gottes als Mensch. Das Verhältnis zwischen ihm und dem unsichtbaren Gott bezeichnet er als „Vater“ und „Sohn“. Allerdings musste auch auf Jesus bei der Taufe im Jordan noch der „Geist“ kommen, damit er seinen Auftrag vom Vater in vollendeter Weise ausführen konnte.

„Logos“, auf Hebräisch „davar“, ist ein männliches Wort. „Geist“ heißt im Hebräischen „ruach“ und ist dort ein weibliches Wort. In der hebräischen Sprache gibt es also zum einen etwas Männliches und zum anderen etwas Weibliches, das von Gott ausgeht. Wenn vom unsichtbaren Gott diese beiden Erscheinungen ausgehen, dann dürfen wir uns getrost den Rückschluss erlauben, dass ihn ihm selbst auch diese beiden Elemente vorhanden sind. Schließlich hat er ja sein Abbild, den Menschen, als Mann und Frau gemacht.

Der Geist als spürbare Erscheinung Gottes

Leider haben wir im Deutschen kein passendes weibliches Wort, um auszudrücken, was „Geist“ ist. Die Grundbedeutung von „ruach“ wie auch der griechischen Übersetzung „pneuma“, ist so etwas wie „bewegte Luft“. Deshalb heißt das Wort im Alltag „Wind“, aber auch „Atem“. Mit „Luft“ hätten wir eigentlich ein weibliches Wort, aber von Gottes „Luft“ zu sprechen, die unter uns wirkt, klingt doch irgendwie zu seltsam. Dabei mag es durchaus eine passende Vorstellung sein, das Wirken des Heiligen Geistes mit einer spürbaren Brise von frischer Luft zu vergleichen.

Jedenfalls war der Logos Gottes, der Sohn, in der Kraft des Heiligen Geistes auf der Erde am Werk, um das Erlösungswerk zu vollbringen und die Tür zum Reich Gottes, dem Reich des Geistes zu öffnen. Kurz vor seinem Tod sagte er seinen Jüngern, er werde zum Vater gehen und von dort einen anderen Helfer senden, den Geist der Wahrheit, der in ihnen sein würde.

Und nun ist seit dem Pfingstereignis alles, was seine „Gemeinde“ heißt, geistgegründet und geisterfüllt, wiedergeboren aus Wasser und Geist. Alles, was nicht geistlich ist, ist auch nicht seine Gemeinde. Paulus sagt sogar „Der Herr ist der Geist“. Der Geist Gottes ist der Herr in der Gemeinde. Nur in ihm ist Jesus anwesend. Alles, was wir als „Gott unter uns“ oder „Jesus in mir“ erfahren, ist Heiliger Geist. Wir müssen also, um neutestamentliche Christen zu sein, Heiligen Geist „haben“ oder erst mal „bekommen“. (Dazu mehr im nächsten Beitrag.)

Und hier zum Schluss noch etwas zum Nachdenken, nicht nur für die Traditionalisten unter uns: Wenn es stimmt, dass „Geist“ eigentlich weiblich ist, werden wir, genau genommen, in der christlichen Gemeinde von einer Frau regiert …

Satan

Die Bezeichnung „Satan“ kommt aus dem Hebräischen und heißt „Gegner“ bzw. „Feind“.

Einst war er der oberste, mächtigste und schönste Engel, den Gott erschaffen und als Herrscher über alles eingesetzt hatte. Aber im Wunsch, selbst Gott zu sein, wurde er im Aufruhr gegen Gott zur obersten dämonischen Macht, die Gottes Werk auf jede Weise zu zerstören versucht. Die Geschichte von seinem Abfall hat uns das Alte Testament nur indirekt überliefert. Propheten haben sie dort als Vorbild für den Sturz des Königs von Babel (Jes 14) und den Sturz des Königs von Tyrus (Hes 28) gesehen.

Sein Recht als Mitglied von Gottes Thronrat auf Anwesenheit im Himmel vor Gott hatte er allerdings behalten, wie die Geschichte von Hiob (Hiob 1+2) und die Vision des Propheten Micha ben Jimla (2 Chron 18) zeigen.

Seinen Sturz aus dem Himmel hat Jesus in einer prophetischen Vision gesehen (Lk. 10,18) und kurz vor seinem Tod angekündigt (Joh 12,31). Erst musste Jesus mit der Kraft seines vergossenen Blutes dort ankommen und zur Rechten Gottes eingesetzt werden. Dann konnte der Satan mit seinen Engeln von dort hinausgeworfen werden, wie Offb 12 es beschreibt. Das Sühneopfer von Jesus hatte also Auswirkungen bis weit in die unsichtbaren Welten.

Nun ist er auf die Erde geworfen, wo er weiterhin gegen das Werk Gottes wütet. Erst nach der Ankunft von Jesus auf der Erde verhaftet man ihn auch hier und schließt ihn im Abgrund ein. Sein letzter Bestimmungsort ist dann die Hölle, die Gott für ihn und seinesgleichen vorbereitet hat (Mt 25,41).

Was ist Geist

Was ist Geist, diese Frage müssen wir uns stellen, wenn wir die Bibel verstehen wollen. Denn hier begegnet uns Geist auf Schritt und Tritt und betrifft uns persönlich. Dabei fällt auf, dass die Bibel selbst nirgends erklärt oder darüber lehrt, was Geist ist. Offensichtlich ist das von Anfang an allen bekannt. Es scheint erst ein Problem der modernen materialistischen Zeit zu sein, nicht mehr zu wissen, was Geist ist. Es hat also eine Verdummung eingesetzt. Entweder erklärt man, dass es Geist einfach nicht gibt, dass es also eine antiquierte menschliche Einbildung ist. Oder man gesteht zu, dass es den menschlichen Geist gibt, aber er wird dann materialistisch mit Funktionen des menschlichen Gehirns erklärt.

Versuch einer Definition

Ich versuche aus meiner Kenntnis der biblischen Sicht eine Erklärung. Der erste Versuch einer Definition lautet: Geist ist die nicht-materielle Existenzform. Wir leben in dieser materiellen Welt und daher ist das materiell existierende zunächst das uns Naheliegende und Vertraute. Alles, was über den materiellen Rahmen hinaus existiert, ist Geist.

Als Versuch einer weitergehende Definition nenne ich für das, was uns in der Bibel als Geist begegnet, drei Eigenschaften: Realität, Persönlichkeit und Fähigkeit. Diese Eigenschaften lese ich ab an den drei Arten von Geistwesen, die uns in der Bibel begegnen.

Gott ist Geist

Das erste und grundlegende, was uns hier begegnet, ist Gott selbst. Jesus hat diese Aussage gemacht: Gott ist Geist. Natürlich überschreitet es unser Vorstellungsvermögen, uns Gott als Geist vorzustellen. Gott hat nicht umsonst verboten, sich ein Bild von ihm zu machen. Aber die drei Kennzeichen sind deutlich: Er ist real, er ist personal, und er ist fähig. Allerdings ist es klar, was Gott betrifft, dass es über ihn keine menschliche Erklärung geben darf, die ihn in irgendeiner Weise begrenzt oder einschränkt.

Engel sind Geist

Von Gott abgeleitet, bzw. von ihm erschaffen, begegnen uns zwei weitere Arten von Geistwesen: Engel und Menschen. Die Engel hat Gott schon vor der uns bekannten Schöpfung erschaffen, denn sie haben gejauchzt und Gott gepriesen über dieser Schöpfung, die er geschaffen hat. Aus den Reihen der Engel ist dann aber auch der Fall des Oberstens Engels geschehen, der zum Satan, zum Gegner, wurde und einen Teil der Engel mit sich gezogen hat, aus denen die Welt der Dämonen geworden ist. Das neue Testament nennt sie auch „unreine Geister“.

Menschen sind Geist

Im Gegensatz zu den Engeln in ihrer geistigen Existenz sind die Menschen Geistwesen, die in dieser Welt in einem materiellen Körper existieren. Gott hat auch diesen Körper geschaffen und geformt, wobei es unklar ist, was der Sündenfall mit dem Einbruch der Sterblichkeit an Veränderung gebracht hat. Die Bibel sagt ja deutlich, dass dieser Vorgang die ganze Schöpfung in Mitleidenschaft gezogen hat ist. So bleibt die Frage offen, aus welcher göttlichen Späre die Schöpfung durch Sünde und Tod in die jetzige Existenzform gefallen ist.

Im Unterschied zu den Engeln hat der Mensch allerdings die Fähigkeit, sich zu vermehren. Gott hat Mann und Frau erschaffen und entsprechend gesegnet: Seid fruchtbar und vermehrt euch! Und so erschaffen zwei menschliche Geistwesen durch Zeugung und Befruchtung ein neues menschliches Geistwesen. So gesehen ist es tatsächlich ein Schöpfungsakt, der hier stattfindet. Wir finden in der Bibel deshalb auch keinerlei Ansatz der Reinkarnationslehre. In einem gezeugten Menschen beginnt kein schon zuvor vorhandenes Geistwesen noch einmal ein neues Leben.

Leben nach dem Tod

Allerdings existiert der Geist des Menschen nach dem Tod weiter. Es gibt für ihn dann die auf Hebräisch „sche’ol“ und Griechisch „hades“ genannte Totenwelt. Aus ihr konnte König Saul den Geist des verstorbenen Propheten Samuel heraufrufen lassen. Und Jesus erzählt das Beispiel, in dem der reiche Mann nach seinem Tod im Hades war, wo er von ferne den armen Lazarus in den Armen Abrahams sehen konnte.

Nicht aus der Bibel selbst, aber aus der Erfahrung der Menschheit ergibt sich noch eine (allerdings dazu passende) Möglichkeit: Geister gehen nach dem Tod nicht in die Totenwelt hinüber, sondern bleiben hier in der Menschenwelt an etwas hängen.

Eine Ausnahme dazu bilden die Jünger von Jesus, seine Gemeinde von Wiedergeborenen. Von ihnen hat Jesus gesagt, das die Tore der Totenwelt sie nicht überwältigen werden. Sie sterben nicht, sie gehen heim zu ihrem Herrn in den Himmel. Hier ruhen sie bis zur Auferstehung, in der sie wieder einen Körper bekommen, der allerdings aus Geist besteht, genau wie der Auferstehungsleib von Jesus. Und wenn Jesus der Erstling der neuen Schöpfung ist und die auferstandene Gemeinde die Vorhut der neuen Welt, dann liegt der Gedanke nahe, dass der neue Himmel und die neue Erde ebenfalls aus „Geist“ bestehen werden …

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